Stop Corris & Co. (Spendensammler, Drückerkolonnen, Spendenkeiler, chuggers)

Aufklärungskampagne zur inakzeptablen Zusammenarbeit zwischen Hilfswerken & Spendensammelfirmen

CH/Tages-Anzeigerartikel: Strassenspenden-Sammlungen waren verboten, doch Behörden liessen sie trotzdem zu (NICHT nur in Schweiz)! – 1.10.2018

Article in English about Blogger: „His lonely struggle against charity muggers“ – Artikel über Blogbetreiber: „Sein einsamer Kampf gegen die Spendensammler“ 

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CHUGGERS (Charity muggers=Wohltätigkeits-Strassenräuber): UK TV-Series

 

Der Skandal um Wohltätigkeits-Strassenräuberei nimmt kein Ende (die Sammlungen werden nicht von Hilfsorganisationen durchgeführt, sondern von beauftragten Privatfirmen, welche heute erste 3 Jahresspenden abzweigen): Ein alter Beitrag des Schweizer Tages-Anzeigers vom 26.7.2006 zeigt, dass die Sammlungen in zahlreichen Schweizer Grossstädten viele Jahre verboten waren (und im Übrigen sowieso generell widerrechtlich sind im Sinne einer Straftat), doch die Behörden dieses Verbot nicht durchsetzten! Kein Wunder, wenn man schaut, wieviele hochrangige Politiker & Politikerinnen mit dem Sammelsystem verlinkt sind: Ich habe letztes Jahr bspw. bei 58 Personen(!) des Schweizer Parlaments – also fast bei jedem vierten Parlamentsmitglied(!) – Verbindungen zu gemeinnützigen Organisationen ausgemacht, die mit solchen Spendenmafiafirmen wie z.B. der Corris AG kooperieren. Dazu kommen aber auch noch zwei von „Ganz oben“, bzw. der Landesregierung: Simonetta Sommaruga (stand vorher Stiftung für Konsumentenschutz und Swissaid vor, beide bei der berüchtigten Corris AG) und Ignazio Cassis (war in Stiftungsrat von Fairmed; ebenfalls Corris-Kunde). Diese enorm starke Verfilzung von Politik & Non-Profit-Sektor ist freilich nicht nur auf Schweiz beschränkt. Zwar auch schon erwähnt, aber man lernt bekanntlich durch Wiederholung 😉 – respektiv: Der Deutsche Ex-Vizekanzler Franz Müntefering ist bspw. Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes. Oder die Frau des Deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier: Ist Schirmherrin von Unicef Deutschland. Aber auch der Bundespräsident selbst lässt sich nicht lumpen: Steinmeier ist ebenso Schirmherr; vom Deutschen Roten Kreuz, der ersten Hilfsorganisation überhaupt und weltweit, welche mit Face-to-Face Sammelunternehmen kooperierte! Der Österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen wiederum darf sich dafür Schirmherr des Österreichischen Roten Kreuzes nennen. Es versteht sich von selbst, dass all die genannten Nicht-Regierungs-Organisationen ebenfalls die kommerzielle Sammelmafia für sich sammeln lassen. Und ja, auch in bestimmten Deutschen Städten (Bsp. Berlin/taz vom 5.3.2013) und Österreichischen Städten (Bsp. Graz/KronenZeitung vom 28.7.2015) gab es ein Verbot für die NGO-Mitgliedsanwerbung auf den Strassen! (Von einer Aufhebung dieser Verbote in DE & AU habe ich übrigens nichts vernommen, aber ich denke, das wird in der Zwischenzeit schon gemacht worden sein, „im Stillen“, sozusagen.) 😉

 

Tages-Anzeiger: „HILFSWERKE SETZEN AUF UMSTRITTENE METHODE“ (26. Juli 2006)

In Zürich ist es erlaubt, in Winterthur verboten: das Spendensammeln per Lastschriftverfahren.

Zürich/Winterthur. – Die junge Frau im Swissaid T-Shirt im Bahnhof Hardbrücke ist unermüdlich. Sie erzählt Passanten von erfolgreichen Projekten des Hilfswerks in Indien. Am Schluss des Gesprächs kommt das Unvermeidliche: die Frage nach einer Spende. Dafür zückt die Studentin nicht einfach eine Sammelbüchse: Die Spender sollen nicht einfach eine Münze einwerfen, sondern sich für eine regelmässige Spende per Lastschriftverfahren verpflichten. Das Formular dafür ist bereit: Man kann sich per Ankreuzen entscheiden, monatlich, halbjährlich oder jährlich je 400, 300, 200, 100 Franken oder einen frei wählbaren Betrag ausschliesslich vom Bankkonto abbuchen lassen. Auf dem Formular ist aber auch vermerkt, dass reuige Spender eine Zahlung innert dreissig Tagen widerrufen und den Vertrag jederzeit auflösen können. Die Spendensammlerin will ihre Gesprächspartner trotzdem nicht gehen lassen, ohne dass man das Formular unterschreibt. Weder Bargeld möchte sie entgegennehmen noch einen Einzahlungsschein mitgeben.

Im Gespräch stellt sich dann auch heraus, dass diejenige Frau keine Freiwillige von Swissaid ist, sondern Mitarbeiterin der Firma Corris. Das Zürcher Unternehmen betreibt das Spendensammeln professionell. Zu den Kunden gehören Amnesty International, Caritas, der Gehörlosenbund, Greenpeace, Pro Infirmis, Terre des Hommes und WWF. Nach Auskunft von Firmenchef Gerhard Friesacher sind seine Mitarbeiter zum Teil erfolgsabhängig bezahlt: Je mehr ausgefüllte Verträge jemand herbeischafft, desto höher der Zusatzverdienst zum Grundlohn.

Swissaid hat laut ihrer Sprecherin Pia Wildberger gute Erfahrungen mit dieser Sammelmethode gemacht: Dank des Lastschriftverfahrens würden die Spendeneinnahmen planbarer, der Verwaltungsaufwand nehme ab. Und das, nachdem in den letzten Jahren die Spendentreue stark zurückgegangen sei.

Aber Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin der schweizerischen Fachstelle für gemeinnützige Spenden sammelnde Organisationen (Zewo), ist sehr skeptisch: „Die Sammler sollten auch einen Einzahlungsschein mitgeben können.“ So ist es im Reglement über die Sammlungstätigkeit festgehalten: „Die Spender müssen stets die Wahl haben, ihre Spende bar, mittels Lastschriftverfahren oder per Einzahlungsschein zu bezahlen.“ Wenn das nicht der Fall ist und der Zewo dies zu Ohren kommt, mahnt die Fachstelle die Hilfswerke – im Wiederholungsfall droht der Entzug des Zewo-Gütesiegels.

Corris-Chef Friesacher aber sagt: „Unsere Methoden sind Zewo-konform.“ Und Swissaid-Sprecherin Wildberger erklärt, dass das Mitgeben von Einzahlungsscheinen erfahrungsgemäss kaum Spenden bringt. Sie bestreitet zudem, dass die Wahlfreiheit eingeschränkt ist: „Sie können immer auf eine andere Weise bei uns spenden.“ Sonst müsste die Zewo auch den Abzeichenverkauf kritisieren, da dort nur bar bezahlt werden könne. „Wir können auf die Lastschriftverträge nicht verzichten“, sagt Wildberger, „nur so bleiben uns genügend Spender erhalten.“

Erlaubt erst seit Anfang 2005

Die Methode war aber bis vor anderthalb Jahren in Zürich verboten. Auf Druck der Hilfswerke hob die Polizei das Verbot im Februar 2005 auf. Zürich befindet sich damit in guter Gesellschaft: In Luzern, Bern und Biel ist es schon länger erlaubt. Nach Auskunft von Marc Heeb, dem Chef der Stadtberner Gewerbepolizei, gibt es deswegen praktisch keine Reklamationen.

Anders sieht das die Polizei in Winterthur, wo das Vorlegen von Lastschriftverträgen auf öffentlichem Grund nach wie vor verboten ist: „Die Passanten sollen sich nicht zu einer Unterschrift genötigt fühlen“, sagt Alexandra Pfister, Pressesprecherin der Stadtpolizei.

 

+++ 10. Oktober 2018: Neuer Medienbeitrag (Erfahrungsbericht von Sammlerin): Ganz gut gelungen, nur leider wieder mal mit falschen Zahlenangaben des WWF (die Hilfsorganisationen und Fundraisingagenturen geben schon seit vielen Jahren nicht mehr zu, dass die Verkaufszahlen bei diesem Sammelsystem stetig zurückgehen, da a) immer weniger Leute mitmachen und b) auch immer weniger lange spendendes Mitglied bleiben – siehe Interview mit mir auf Ketzer-Podcast). 2001 war das noch anders, da sagte „Kommerzielles Strassenfundraising“-Erfinder Andreas Leitner von der ersten „Streetfundraising Firma“ DialogDirect im englischen Guardian (18. Juli) noch, dass „one of the biggest challenges was saturation“. Und weiter: „In Austria, for example, where the technique has a longer history than in the UK, many people approached have already signed up to two or three charities and are therefore unwilling to donate again.“ Leitner: „That’s something the UK will have to get used to.“ Kurz: Heute gibt eine Hilfsorganisation fast so viel aus für eine solche Kampagne, wie sie dadurch einnimmt!!! +++ 10. Oktober 2018

Neuestes Update (23.10.2018): Beitrag „Neu aufgerollter Paradise Papers-Skandal bei Schweizerischen Bundes Bahnen klärt auch Spendensammel-Skandal in Bahnhöfen/Poststellen (1.9.2018)“
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Dialog-Spendensammlungen für Rotes Kreuz etc.: „Schalter umgedreht“ – Mehrheit der Bevölkerung inzwischen dagegen (24.9.2018)

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New Yorker „Charity mugger“ („Wohltätigkeits-Strassenräuber“) bei Überfall

 

Heute ist im deutschprachigen Raum wieder mal ein besserer Medienbeitrag über grässliche Face-to-Face-Spendenwerbende erschienen – beim Mittelbayerischen (Tatort Regensburg). Ich meine: Zusammen mit meinem Haupt-Septemberpost („Warum die Kooperation von Hilfsorganisationen & Spendensammelfirmen inakzeptabel ist“), der übrigens als Leserbrief in der Deutschen „Neckar-Chronik“ der Südwest-Presse abgedruckt worden ist, eine absolut ausgewogene Kritik vermittelnd. Spannendste Erkenntnis: Bei der Umfrage unter Passanten empfanden die Meisten die Art der Werber, unabhängig von der Organisation, als störend (dem Beitrag mit dem Titel „Info-Stände: Die bezahlten Idealisten“ ist übrigens ein interessantes Video dazu beigefügt).

Aha: Der „Breakpoint“ ist damit auch in Deutschland erreicht. Damit wage ich – ich gebe es ja zu; ich hatte damit eigentlich schon vorher gerechnet – zu behaupten: Der weltweite Total-„Crash“ dieses Sammelsystem über beauftragte Privatfirmen („Fundraisingagenturen“) steht JETZT WIRKLICH unmittelbar bevor. Ma kuck’n.

PS: Und diesmal vielleicht auch wieder mal kleine Anekdote von meinem letzten Erlebnis mit einer Unicef-Spendenwegelagerin zum Thema „Der beste Spruch, um lästige Spendensammler und -sammlerinnen abzuwimmeln.“ (… und zum Umdenken zu animieren – à propos Unicef: ich finde es besonders stossend, dass gerade die UNO, welche einen besonders hohen moralischen Anspruch hat und ja einst sogar zur „Weltfriedenssicherung“ gegründet wurde, ihrem Kinderhilfswerk solche Nonsens-Kooperationen mit Werbefirmen einzugehen erlaubt). Ich: „Das was du machst, ist offiziell eine Straftat, und du bist eine Betrügerin.“ Sie: „Wieso?“ Ich: „Weil du vorgibst, von einer Non-Profit-Organisation zu sein, obwohl du von einer profit-orientierten Firma bist, die ja in diesem Sinn völlig absurd „Profit mit Non-Profit“ macht. Sie: „Aber…“ Ich falle ihr lautstark ins Wort: „Das was du machst, ist eine Straftat, und du bist eine Betrügerin – tschüss.“ Darauf gehe ich weiter, schaue aber nach ein paar Metern nochmal zurück. Sie bleibt einen Moment perplex stehen, versucht sich dann aber wieder aufzuraffen und gleich auf das nächste Opfer zuzugehen (die Sammelnden werden von ihren Arbeitgebenden angehalten, sich nicht frustrieren zu lassen und am besten schnurstracks nächste Person anzusprechen). Doch sie bleibt wieder stehen, diesmal wie angewurzelt. Aha, das Gewissen…

Empfohlener, aktueller Internetbeitrag zum Thema Betrug: http://www.adabei.eu/?p=19895

Weitere Videos mit Kommentaren genervter Leute aus CH, AU + DE: https://kevinbrutschin.wordpress.com/2016/12/09/ausgewaehlte-tvvideo-medienbeitraege-aus-der-schweiz-oesterreich-deutschland-zu-immer-nervigeren-strassenspendensammlungen-dez-2016/

Warum die Kooperation von Hilfsorganisationen & Spendensammelfirmen inakzeptabel ist / Why the cooperation of charities & fundraising firms is unacceptable (September 2018)

 

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I worked myself for two charities, but quit – because of these terrible collections from „fundraising companies“. The cooperation between not-for-profit organizations and such chuggers is the biggest scandal in the history of the charities.
Firstly, the not-for-profit idea: „No profit“ or no self-interest is perverted. The fundamental idea of selflessness is massively violated.
Secondly,  door-to-door collections as well as street collections of chugging companies are legally a crime, more precisely fraud („deception“). Because   there is pretended, that the charities themselves are doing the collections, which is not correct at all. There is an interesting report of the NDR about this theme: https://goo.gl/jjpRrh
Thirdly, the campaigns are far too expensive. In Switzerland, the street fundraising agency Corris charges 850 Swiss Franc per collector and day. That are around 750 Euro! In the past, at least, many people signed. 20 years ago, there was one annual donation, which was going away. This means that one year passed, until the costs of the campaign were covered with donations. 10 years ago, it was already ca. two years or two annual donations, as William T. Markham wrote in his book „Environmental organizations in modern Germany“. Today, there are even three annual donations!

Ich habe selbst im Hilfsorganisationsbereich gearbeitet, aber gekündigt – genau wegen diesen Nonsens-Spendensammlungen über beauftragte „Fundraisingfirmen“. Die Zusammenarbeit zwischen gemeinnützigen Organisationen und solchen kommerziellen Spenden-Wegelagerern ist der grösste Skandal in der Geschichte der Hilfsorganisationen.
Erstens wird hier der Non-Profit-Gedanke pervertiert, sprich „Kein Gewinn“, bzw. kein Eigennutzen. Der fundamentale Uneigennützigkeitsgedanke wird hier also massiv verletzt.
Zweitens handelt es sich sowohl bei Haustür- als auch bei Strassensammlungen von solchen Spenden-Wegelagerer(-firmen) rechtlich gesehen um eine Straftat, beziehungsweise Betrug („Täuschung“). Denn bei den Kampagnen wird ja vorgetäuscht, die Hilfsorganisationen selbst würden diese durchführen, was ja aber nicht stimmt. Dazu gibt es einen interessanten Beitrag des NDR: https://goo.gl/jjpRrh.
Drittens sind die Aktionen viel zu teuer. In der Schweiz verlangt die Strassenfundraisingagentur Corris 850 Franken pro Sammler und Tag. Das sind rund 750 Euro! Früher hat sich das wenigstens noch gerechnet, da viel mehr Leute mitgemacht haben. Vor 20 Jahren waren es bei Strassensammlungen noch eine Jahresspende, die draufging. Es verging ein Jahr, bis die Kosten durch Spendeneinnahmen wieder eingespielt waren. Vor 10 Jahren waren es dann schon rund zwei Jahre, bzw. zwei Jahresspenden, wie William T. Markham in seinem Buch „Environmental Organizations in Modern Germany“ darlegt. Heute sind es sogar drei Jahrsspenden!

CH: Neu aufgerollter Paradise Papers-Skandal bei Schweizerischen Bundes Bahnen klärt auch Spendensammel-Skandal in Bahnhöfen/Poststellen (1.9.2018)

+++UPGEDATET (23.10.2018)-UPGEDATET (23.10.2018)-UPGEDATET (23.10.2018)+++

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Spendensammlung der Corris AG im Auftrag von Swissaid (Bahnhof Winterthur)

 

Mit den „Paradise Papers“ um brisante Steueroasen-Fälle geriet auch SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar ins Zwielicht. Mit den neuesten Publikationen in den Medien wird nun vollständig klar, warum der Schweizer Bahngesellschaft Ribar’s Offshorefirmen-Mandat entgangen ist – UND AUCH, warum sie rechtswidrige NGO-Spendensammlungen in Bahnhöfen zulässt. 

Schweizer Medien von A bis Z (20 MinutenSRF, Tages-AnzeigerNZZ) berichten momentan über eine schwere Verletzung der Aufsichtspflicht im SBB-Verwaltungsrat. Nur so konnte das dubiose Mandat von Präsidentin Monika Ribar in der Offshore-Gesellschaft „Capoinvest“ des verurteilten Schweiz-Angolaners Jean-Claude Bastos übersehen werden. Es wird auch schnell klar, warum der zuständige Kontroll-Ausschuss der SBB zur Feststellung von konfliktbehafteten Interessenbindungen versagt hat. Der bestand nämlich erst aus dem früheren SBB-Präsidenten Ulrich Gygi und der damaligen Vizepräsidentin Monika Ribar. Und danach aus Ribar und dem neuen Vizepräsidenten Peter Siegenthaler: Der altbekannte „Schweizer Filz“. Dass gestattet war, dass sich Monika Ribar selbst kontrollieren kann, ist ja eh ein Witz. Doch die anderen zwei Personen sind gerade aus Sicht der rechtswidrigen Spendensammlungen an Bahnhöfen – siehe dazu letzten Blog-Beitrag – ebenfalls sehr interessant unter die Lupe zu nehmen (ich habe übrigens im letzen Medienbeitrag, bei dem ich Stellung zum Thema genommen habe, offen auf diesen Betrug hingewiesen).

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Ulrich Gygi: 2000-2009 Chef Post, 2009-2016 Verwaltungsratspräsident SBB

Genauer gesagt geht es hier eigentlich sogar um ein Trio. Zu Gygi und Siegenthaler gesellt sich nämlich noch der frühere SBB-Chef Benedikt Weibel. Alle drei sind bei der SP – und beste Freunde, die sich bereits aus Berner Studienzeiten kennen. Sicher ein Schuft, wer denkt, dass da das eine oder andere gute Worte eingelegt worden ist füreinander, wenn es um die Belegung der begehrtesten Stellen bei Bundes- oder bundesnahen Betrieben ging (für den Rest war SP-Bundesrat Otto Stich „zuständig“, der die drei Genossen bei deren Karrieren beim Bund stark förderte). So war Gygi nämlich auch von 2000 bis 2009 Konzernleiter der Post. Die Spendensammelfirma Corris wiederum darf in Postfilialen seit 2006 sammeln. Dass Gygi den vielen SP-Parlamentariern und -parlamentarierinnen, die mit Corris-Hilfswerken verlinkt sind (letztes Jahr habe ich sage und schreibe 30 davon gezählt – Simonetta Sommaruga beispielsweise war damals auch schon als BERNER Ständerätin Präsidentin der mit Corris kooperierenden Entwicklungshilfeorganisation Swissaid) einen kleinen Gefallen getan hat, ist sicher ebenfalls eine dreiste Unterstellung. 😉

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Benedikt Weibel: 1993-2006 Geschäftsleitungsvorsitzender (Generaldirektor) SBB

Wie lange Corris und andere Agenturen auch schon in Bahnhöfen sammeln dürfen (und die SBB-Kundschaft belästigen), konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Aber es wird ja nicht so viel anders sein als bei der Post, beziehungsweise eben seit ca. 2006. Damals war Benedikt Weibel noch SBB-Chef… (Und hoppla, ganz vergessen: Oberaufsicht über SBB und Post hatte ja der damalige UVEK-Chef, der noch heute als Greenpeace-Beirat ebenfalls bestens mit dem NGO-Sektor vernetzte Bundesrat Moritz Leuenberger, „zufälligerweise“ in der SP.)

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Peter Siegenthaler: 2010-2016 Verwaltungsrat SBB, seit 2016 -Vizepräsident SBB

Das Schlimmste habe ich mir aber wie schon viele Male für den Schluss aufgehoben: Der auch heute noch amtierende SBB-Vizepräsident des Trios; Peter Siegenthaler, war von 2010 bis 2012 auch im Stiftungsrat von Corris-Kunde Pro Juventute (Jugendschutzorganisation). Bei der SBB ist er ebenfalls seit 2010 im Verwaltungsrat. Damit haben wir hier also sogar noch einen lupenreinen Interessenkonflikt (mehr), der von der SBB übersehen wurde (UND AUCH VON DEN IN DIESER ANGELEGENHEIT EBENFALLS NICHT-UNABHÄNGIGEN GROSSEN MEDIEN). Man sagt ja immer, so was sei nur in Bananenrepubliken möglich…

Verwandter Beitrag: „Wie die Hilfswerke Schweizer Städte für ihre kommerziellen Spendensammlungen instrumentalisiert haben“
Letztens upgedatet (Situation in USA): „US-Staatsanwaltschaft greift Ur-Spendenfirma an“

Brisante News zur Widerrechtlichkeit von Haustür- & Strassenspendensammlungen durch von Hilfsorganisationen beauftragten Werbefirmen (August 2018/4)

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„Wohltätigkeits-Strassenräuber(-innen)“ jagen sogar im Ferienparadies Mallorca

 

Die Justiz kommt immer mehr unter Druck. Denn durch Promotionsfirmen durchgeführte Spendensammlungen auf Strassen und vor Haustüren sind – obwohl das immernoch relativ wenige wissen – widerrechtlich. Am coolsten ist es immer, wenn dass Spendensammelnde selbst zugeben. Ein neu gefundenes, äusserst eindrückliches Beispiel.

Die nicht handeln wollende Justiz gibt sich immer mehr der Lächerlichkeit preis. Denn Spendensammlungen auf Strassen und vor Haustüren werden allermeistens von spezialisierten Werbefirmen durchgeführt, die dafür von wohltätigen Organisationen wie dem Roten Kreuz beauftragt wurden (und sich damit eine goldene Nase verdienen, wie zum Beispiel der Chef des „Spendensammelkonzerns“ Appco, der Milliardär sein soll). Nur wird das bei den Sammelaktionen überhaupt nicht oder viel zu wenig transparent gemacht. Insbesondere durch absichtlich in Kleinstschrift gehaltene und erst noch versteckte Hinweise. Denn auf der anderen Seite reagieren Spendenwillige bei solchen Sammelkampagnen „gutgläubig“ („Hilfswerken kann man sicher vertrauen, es geht ja um die gute Sache!“). Hier wird also glasklar das Vertrauen der Spendenden ausgenützt – auf welches diese aber ein Recht hätten! Denn gemeinnützige Organisationen haben sich höheren moralischen Standards verschrieben als kommerzielle Firmen. Und es wird ja genau vorgetäuscht, dass Non-Profit-Organisationen die Sammlungen mächten! Bei der Straftat handelt es sich also sinngemäss um vorsätzliche, arglistige Täuschung. Und das ist eine Betrugsform!

Doch noch immer windet sich wie gesagt die im Übrigen in dieser Angelegenheit sowieso nicht unabhängige Justiz (krassestes Beispiel findet sich in der Schweiz, wo Justizministerin Simonetta Sommaruga selbst zwei Non-Profit-Organisationen vorstand, die mit Fundraisingagenturen kooperieren) . Und erfindet immer wieder neue Ausreden (siehe auch meinen Beitrag zum skandalösen Entscheid des Deutschen Bundesgerichtshofs). Neulich habe ich vernommen, dass man zwischen Offizialdelikt und Antragsdelikt unterscheiden müsse (je komplizierter, umso besser). Ach, tatsächlich? Dann müsste also die Staatsanwaltschaft, sofern es sich „bloss“ um ein Antragsdelikt handelt – meines Wissens ist Betrug eh ein Offizialdelikt – erst eingreifen, wenn eine Strafanzeige gemacht würde? Aber die hat’s doch schon zuhauf gegeben (siehe beispielsweise vergangenen Bild-Artikel, der von einer Strafanzeige eines Spendensammlers selbst berichtet – die dann irgendwo versandet sein wird, denn es ist ja nichts geschehen). Ausserdem: Und gibt es eigentlich nicht im Recht auch den Begriff des „Öffentlichen Interesses“? Wenn nämlich ein grosser Teil der Bevölkerung diese Sammlungen missbilligt – was mittlerweile eindeutig der Fall ist, und die Standwerbungen und Hausierdienste wie gesagt sowieso widerrechtlich sind, dann müsste die Justiz doch eh handeln?!

 

Falls sie aber noch einen letzten Schubser braucht – hier ist er: Ich hätt’s wirklich nicht besser formulieren können als ein ehemaliger Spendensammler („Drücker“ in Deutschland, „Wohltätigkeits-Strassenräuber“ in englischsprachiger Welt, „Keiler“ in Österreich), der Bilanz gezogen hat – jedenfalls bezüglich des thematisierten Täuschungs-, beziehungsweise Betrugsaspekts:

„Die meisten langjährigen Werber sehen das natürlich anders – aber es ist und bleibt Täuschung, sich im Namen einer Hilfsorganisationen vorzustellen und nicht im Namen der Werbeagentur. Ebenso ist es Täuschung in einer Sanitätsbekleidung aufzutreten, wenn man für eine Rettungsorganisation wirbt. Auch wenn man nie direkt täuscht, bei Nachfragen klein beigeben soll, die Bekleidung nicht ganz der offiziellen gleicht und auch auf dem Spendenformular im Kleingedruckten zu lesen ist, dass es sich um kommerzielle Werbung handelt (was in Wirklichkeit max. 0,1% der Geworbenen durchlesen!) es bleibt bei der Tatsache: Die meisten Personen denken, man komme direkt vom Rettungsdienst und man arbeitet ehrenamtlich. Man hält dieses falsche Bild im Kopf der Geworbenen bewusst aufrecht ohne das direkt von sich zu behaupten. Aber auch eine falsche Vorstellung zu erzeugen ist Täuschung und damit Betrug…“

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In DE & AU sammeln Spendenfirmen in Rotkreuz-Uniformen, in der CH in zivil

Penetrante Spendensammlungen: Reklamationen reissen nicht mehr ab! Schon wieder neuer Fall in Deutschland! (August 2018/3)

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Jetzt geht’s Schlag auf Schlag in Sachen aggressiven Spendensammlungen – und passend ist das Deutsche Rote Kreuz, die hauptverantwortliche Hilfsorganisation für die unsägliche Kooperation mit auf Spendensammlungen spezialisierten Promotionsfirmen gleich wieder an der Reihe (erst letzten Monat gab’s dieselbe Aufruhr in Norddeutschland): Der Schwarzwälder Bote von gestern, 27. August: „Seit einigen Wochen klingelt es an vielen Türen im gesamten Kreisgebiet … Und viele, die die Tür aufmachen, sind genervt. Denn sie sehen Grenzen des guten Verhaltens überschritten. Die Facebook-Gruppe „Blaulicht News Horb am Neckar“ veröffentlichte eine Nachricht von einer Betroffenen. Und das löste eine ganze Welle von Nachrichten aus.“ Von aufdringlichen Vorgehensweisen der Sammelnden wird gesprochen, viele fühlen sich überrumpelt, in einem Fall war der Fuss schon in der Wohnung, kaum war die Tür geöffnet. Treffender Kommentar des Journalisten: „Die aktuelle Aktion schadet dem sonst guten (DRK-)Image derzeit sehr.“

Hoffentlich geht jetzt endlich eine die ganze Bevölkerung ergreifende Empörungswelle durchs Land, oder besser gesagt: durch die Welt!

 

Und hier nochmal die leicht veränderte neue Übersicht der besten Beiträge, bzw. Links zum Thema:

Spendensammler-Kritiker im Gefängnis – Strafbefehl (März 2018/3)

Warum Deutsche und Schweizer Justiz trotz Betrugs nicht gegen Strassen- & Haustürspendensammlungen vorgehen (8.11.2017)

Rotes Kreuz: Ex-Nazi verantwortlich für weltweit 1. Kooperation mit Spendensammelfirma (Drückerkolonnen) – 11.10.2017

Wer heute noch spendet, macht die Welt nicht besser, sondern schlechter (23.8.2017)

Drei Jahre auf der Strasse für Kampf gegen Wohltätigkeits-Strassenräuber (16. Juni 2017) 

 

SCHWEIZ

Zentralplus, Sommer 2018: „Sein einsamer Kampf gegen die Spendensammler“ (Porträt des Blogbetreibers)

„Affäre Corris“: Alle Interessenkonflikte von Bundesrat und Parlament (Januar 2017)

Beitrag vom 14.10.2016: Was Non-Profit-Organisationen, die heute Face to Face-Sammelaktionen machen lassen, einst dazu gesagt haben

 

DEUTSCHLAND

Top(!)-RTL Beitrag zu skandalösen Haustür-Spendensammlungen von Werbefirmen im Auftrag des Roten Kreuzes (Zs-fassung & Analyse/17.1.2018)

Ausführungen zum WAZ-Beitrag vom Dezember 2016 mit Blogbetreiber als Experte

Die Stimme, 3.12.2016: „Vertrauensmissbrauch der Hilfsorganisationen“ (Interview mit Blogbetreiber)

Ketzer Podcast, 20.11.2016: Kommerzielle Spendenwerber  (Interview mit Blogbetreiber)

Post: Drückerkolonnenchef verursacht grössten Spendenbetrug in der Geschichte Deutschlands (Recherche)

 

ÖSTERREICH

KirchenZeitung, 29.3.2017: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen“ (Interview mit Blogbetreiber)

Post: Urstrassensammelfirma hat einst Hauptkritikpunkt bei Spendenaktionen selbst für richtig befunden

Kommerzielle Spendensammlungen für Hilfsorganisationen: Neue, haarsträubende Erfahrungsberichte von Sammelnden (August 2018/2)

Medienbeiträge mit Blogbetreiber: CH/2018: „Sein einsamer Kampf gegen die Spendensammler“ AU/2017: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen“ DE/2016: „Vertrauensmissbrauch der Hilfsorganisationen“

 

„SUCH DIR EINFACH DIE DUMMEN AUS, DIE INTELLIGENTEN MACHEN SCHON LANGE NICHT MEHR MIT!“

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Haustürsammler im Auftrag des Tierschutzes

 

Eine ehemalige und vor allem erfahrene Schweizer Strassen-Spendensammlerin („Dialogerin“) hat sich bei mir gemeldet, um Ihre haarsträubenden Erlebnisse und Einsichten daraus zu teilen – übrigens herzlichen Dank dafür! Ich schätze es, wenn man solch einen Job gemacht hat und immerhin im Nachhinein Selbstkritik üben kann. Denn zweifellos wird man als Mitarbeitende/r solcher Face-to-Face Sammelfirmen („Fundraisingagenturen“) ausgebeutet. Doch man betreibt ja auch selber eine Art von Ausbeutung, indem man pausenlos Spendende austrickst, manipuliert und betrügt. Und zwar, als wäre es das Normalste der Welt. Obwohl es hier doch um den Hilfsorganisationsbereich geht, der EIGENTLICH für die besten Werte unserer Zivilisation steht! Man kann es nicht anders ausdrücken: Die Kooperation von Non-Profit-Organisationen mit dieser Sammelmafia ist ein Armutszeugnis für die Menschheit: Ich schäme mich, ein Mensch zu sein.

Ich habe die Schilderungen mit weiteren Passagen aus Erfahrungsberichten ergänzt, die Anfang August vom Jugendmagazin „VICE“, das sowohl in Deutschland, Österreich als auch der Schweiz erscheint, zusammengestellt wurden (übrigens von der Wiener Redaktion – freut mich in diesem Sinne, dass wieder mal was aus Österreich kommt zum Thema).   

 

„Es ist wirklich eine Täuschung, die Menschen glauben blind daran, dass alle Hilfsorganisationen doch gut sind und vertrauen darum auch jedem, der sich so auf der Strasse im Namen einer Hilfsorganisation ausgibt. Es müsste verboten werden, dass Dialogerfirmen das machen dürfen. Oder ansonsten müsste es klar auf dem Formular stehen. Ist alles so verlogen, ich finde das so schlimm! Wenn man den Spendern wenigstens klar würde sagen, dass man für eine Dialogerfirma arbeitet und dafür bezahlt wird, aber meistens werden die Passanten einfach ganz bewusst angelogen! Bei einer Agentur wurde mir vom Teamleiter gesagt, ich soll mir einfach immer die Dummen aussuchen, die Intelligenten würden sowieso schon lange nicht mehr mitmachen!

Es wird einem als Dialogerin ja auch immer gesagt, man solle sich einfach sexy anziehen zum mehr verkaufen, am besten ganz kurzer Rock und ganz grosser Ausschnitt und möglichst immer mit allen flirten, dass man möglichst viel verkauft! Ich habe mich zum Teil wie eine Prostituierte gefühlt! Bei manchen Agenturen „batteln“ sich die Dialoger jeden Tag, wer die besten Zahlen gemacht hat. Damit steht man also jeden Tag massiv unter Druck!

Es hat auch oft wirklich sehr schlimme Personen bei diesen Firmen, die kiffen konstant und trinken viel Alkohol usw. und konsumieren mit der Zeit dann noch viel mehr! Viele junge Mitarbeiterinnen fangen dort mit all dem an und denken zuerst das sei cool. Es ist eine total toxische Mischung für junge Menschen, aber den Hilfswerken ist das scheissegal solange es nicht im „Kassensturz“ (Anmerkung des Blogbetreibers: Schweizer TV-Sendung für Konsumierende) landet oder sonst keine Reklamationen gibt! Ist wirklich schlimm! Mit der Zeit dachte ich richtiggehend, dass sei normal! Im Nachhinein spürte ich aber klar, dass es eigentlich ein massiver Missbrauch ist! Man wird wie verkauft und wenn man seine Zahlen nicht mehr liefert einfach weggeschmissen. Oder dann verkauft man sich mit ganzer Seele und steigt auf, wird selber Coach und zwingt dann die neuen Mitarbeiter, die gleichen Sachen zu machen! Ein Teufelskreis!

Aber ich möchte nochmals sagen, dass ich mich persönlich im Nachhinein am meisten von den Organisationen verarscht fühle. Diese wissen dies ja alles und machen trotzdem so weiter und kooperieren sogar mit neuen Dialogerfirmen. Finde ich wirklich schlimm! Ich verstehe auch nicht, warum die Zeitungen so wenig darüber schreiben. Zum Beispiel auch, wieviel von der Spende WIRKLICH an wen geht, aber das passiert ja sowieso nie! Es müsste dazu massiv mehr Aufklärung geben.“

„Ich wurde auf einem Festival angeworben, als ich um 4 oder 5 Uhr morgens auf dem Weg zu meinem Zelt war. Ich war nicht nüchtern, oben ohne und mit Neonfarben angemalt. Zwei Typen haben mich dann angesprochen, ob ich nicht im Sommer bei ihnen arbeiten möchte. Ich hatte kein besonderes Interesse an der guten Sache…“

„Gleich, nachdem ich mich bei der Organisation beworben hatte, wurde ich von einem Mann angerufen, der mich zum Infotermin einlud und dabei alles so betont positiv formulierte, dass ich eigentlich schon leicht skeptisch wurde. Er hat immer nur „super“, „ganz toll“ und „das klingt ausgezeichnet“ gesagt. Generell ist es ihnen egal, was du machst, wer du bist und welche Motivation du hast – Hauptsache du bist bereit, dort zu arbeiten…

…Vor Ort wurde vor allem besprochen, wie positiv und locker die Arbeit ist, welche tollen Chancen man hat und wieviel Spass alles macht. Das hielt aber nur, bis wir uns eingetragen hatten. Schon bei der Einschulung danach wurde uns gesagt: „Unser Job ist total manipulativ, wir verdrehen den Leuten mit dem, was wir sagen, die Worte im Mund.“…

…Spätestens bei den Leuten in höheren Positionen war von dem netten Getue dann gar keine Spur mehr. Eine meiner Teamleiterinnen meinte gleich am ersten Tag zu mir: „Ich sehe, dass du gerne Leute verarscht, aber das ist voll OK. Das kannst du total ausleben in diesem Job. Ich bin ja genauso wie du, ich verarsche auch gerne Leute.“

#Me too-Beitrag (Rückblick anlässlich des aktuellen Wendepunktes in der Debatte nach den Missbrauchsvorwürfen gegen #Me too-Aushängeschild Asia Argento):  Also da hatte ich wieder mal ein gutes Näschen (siehe Fotos): Frauen sind eben nicht besser als Männer – man muss bei ihnen einfach ein bisschen genauer hinschauen.

England: Erstes Totalverbot für verhasste Strassen-Spendensammlungen in grösserer Stadt geplant (August 2018/1)

Medienbeitrag zum Blogbetreiber: Kevin Brutschin war Primar- und Oberstufenlehrer, hatte dann einen gut bezahlten Job bei verschiedenen Hilfswerken. Doch nun ist er obdach- und arbeitslos. Der Grund: Er widmet seine Zeit dem Kampf gegen Sammelfirmen für Strassenspenden. «Wohltätigkeits-Strassenräuber», wie Brutschin sie nennt… Zum Artikel

 

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U-n-g-l-a-u-b-l-i-c-h: Nottingham plant als erste grössere Stadt in England e-n-d-l-i-c-h ein Totalverbot für immer verhasstere Strassen-Spendensammlungen (in Newcastle musste man sich zuletzt wie vielerorts in England mit einem Teilverbot sowie zusätzlich einer „Einzäunung“ der Sammelpest zufriedengeben). Hoffen wir das Beste! Diese Sammlungen konnten sich ja extrem lange halten im Vereinigten Königreich, wenn man bedenkt, dass das Wort „chugger“ (von „charity mugger“ = „Wohltätigkeits-Strassenräuber“) bereits 2002 von einem Londoner Kolumnisten im Magazin „Metro“ kreiiert wurde und danach vor allem durch einen Bericht der BBC rasch Verbreitung fand (was zeigt, wie verhasst die Sammlungen bei den Briten und Britinnen sind). Inzwischen wird er praktisch in sämtlichen englischsprachigen Ländern verwendet. Es gibt ja auch einen Grund, warum die Sammelaktionen nicht totzukriegen sind: die „NGO-Politlobby“. David Cameron, Ex-Premierminister, ist inzwischen selbst Präsident bei einem mit einer „Chugging-firm“ kooperienden Hilfswerk, respektiv der Alzheimer’s Research UK. Ein Phänomen, das sich überall verfolgen lässt. Beispiel Schweiz: Bundesrätin Simonetta Sommaruga (Ex-Geschäftsführerin & Präsidentin Stiftung für Konsumentenschutz sowie Ex-Präsidentin von Swissaid; beide bei der berüchtigsten Schweizer Sammelfirma „Corris“), ihr Ratskollege Ignazio Cassis (Ex-Stiftungsrat von Fairmed; ebenfalls Corris-Kunde), Deutschland – wo übrigens in Freiburg bereits 2011 ein Totalverbot durchgesetzt werden konnte: Ex-Vizekanzler Franz Müntefering (Präsident Arbeiter-Samariter-Bund, der sowohl mit Haustür- als auch Strassensammelfirmen kooperiert), Frau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Schirmherrin von Unicef Deutschland – siehe taz). Österreich: Bundespräsident Alexander Van der Bellen (Schirmherr Österreichisches Rotes Kreuz, wobei das Rote Kreuz sowieso die Hauptverantwortung trägt für den „Face to Face“-Sammelnonsens – siehe letzter Blog-Beitrag). Nun aber alle zusammen: „Rule Britannia!“ Respektiv: „Go ahead!“

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Rotes Kreuz: Erneute Aufruhr wegen aggressiven Haustürspendensammlungen – ES REICHT!!! (Juli 2018/2)

Peter von Döllen

Arglistige Täuschung, beziehungsweise Betrug: Seit Jahrzehnten weiss die Justiz um widerrechtliche(!), aggressive Spendensammlungen von durch Hilfsorganisationen beauftragten, spezialisierten Werbefirmen – weltweit begonnen vom Deutschen Roten Kreuz mit dessen „Partnerfirma“ Wesser GmbH. Doch sie greift nicht durch. Dabei ist es doch offenkundig: Je länger man wartet, desto schlimmer wird das Ganze ausgehen.

 

Neustrelitz, Norddeutschland, letzte Woche: Eine Frau beobachtet, wie ein Rotkreuz-Spendenwerber „sehr schroff, sehr laut und dreist“ eine ältere Dame, die ihm erst nicht aufmachen wollte, „richtig nötigte“. Bis diese solche Angst bekommen habe, dass sie die Tür letztendlich öffnete. Der zuständige DRK-Regionalverband wiegelt auf Nachfrage wie immer ab: „In der Regel haben wir gute Erfahrungen damit“ (mit den Sammelaktionen). Man kann’s nicht mehr hören. Hier mal alles alte und neue Herausgefundene zum Jahrhundertskandal um kommerzielles „Face-to-Face Fundraising“ (Haustür- und Strassensammelaktionen) im Namen von NGOs zusammengefasst. Ein Skandal übrigens, der den ganzen Sektor zweifellos kollabieren lassen wird, denn mit diesen Sammlungen wird das fundamentale Vertrauen der Spenderschaft verspielt – die Frage ist nur noch, wie krass der Zusammenbruch ausfallen wird.

Am Anfang steht das Rote Kreuz, DIE Hilfsorganisation überhaupt, dreifacher Friedensnobelpreisträger, unantastbar – genau deswegen haben die Verantwortlichen den Boden unter den Füssen verloren. Bereits im Jahr 1968 begann das Rote Kreuz in Deutschland mit dem Jungunternehmer Helmut Wesser, der auf die Idee gekommen war, Studierende als Hausierende für NGOs einzustellen, mit kommerziellem „Klinken putzen“. „Drückerkolonnen“ nennt man die Spendengangs in Deutschland längst verächtlich, wobei ich immer noch nicht weiss, ob das Wort von „Haustürklingeln drücken“ – oder von „Leute für Abschlussunterzeichnung unter DRUCK setzen“ kommt (vermutlich von Beidem).

„Deutsches Rotes (Haken-)Kreuz“

Ausgerechnet das Deutsche Rote Kreuz, das während der Nazi-Jahre vom zivilen Wohlfahrtsverband zu einer nationalsozialistischen (Sanitäts-)Organisation mutiert war (das humanitäre Prinzip der Unparteilichkeit, das auch auf fremdes Leid gerichtet ist, wurde bereitwillig dafür aufgegeben). Von den 29 Mitgliedern der gesamten DRK-Führung waren schlussendlich 18 hohe Führer der SS; ursprünglich die Leibgarde Adolf Hitlers – die sich später insbesondere mit dem Betrieb der Konzentrationslager in Auschwitz, Dachau, Buchenwald usw. ihr teuflisches Image erwarb. Von der verantwortlichen Ärzteschaft wurde im Nachkriegsdeutschland kaum jemand zur Rechenschaft gezogen. So ist auch erklärbar, dass ein ehemaliger Nazi auch 1968 noch als DRK-Präsident amten konnte: Walter Bargatzky.

Walter Bargatzky

In jenem Jahr begann das DRK die verhängnisvolle Zusammenarbeit. Und in den ersten Jahren, ja, sogar Jahrzehnten, lief dieses Sammelsystem tatsächlich super. Wen wundert’s: Für lange Zeit wusste ja praktisch niemand, dass hinter den Aktionen profitorientierte Unternehmen stehen. 12’000 Mark Monatslohn war für einen Topsammler – oder besser gesagt „Manipulations-Champ“ durchaus möglich zu verdienen, wie zum Beispiel dem im Jahr 1999 herausgekommenen Buch eines ehemaligen, langjährigen Sammlers der ersten Stunde zu entnehmen ist („Drücker in Uniform“). Erklärung: Die Drückerkolonnen erhalten einen Provisionslohn. Je mehr Spenden man auftreiben kann, desto höher fällt der Lohn aus. Ein fatales Entlöhnungssystem im uneigennützigen Hilfsorganisationssektor. Denn Hauptmotivation müsste ja das Engagement für die gute Sache sein, und nicht mehr Geld für die eigene Tasche. So kam es, dass gerade charakterlich fragwürdige junge Leute, die aggressiv und manipulativ beim Sammeln vorgehen und dafür ohne schlechtes Gewissen Managerlöhne kassieren, förmlich angezogen wurden. Und später nicht selten sogar tatsächlich in den Chefetagen der Sammelfirmen selbst landeten (das ist noch heute so; der Geschäftsleiter der Schweizer Sektion von Wesser etwa war vor ein paar Jahren noch selbst Sammler und kam trotz stark rückläufiger Mitmach-Quote auf einen Monatslohn von 10’000 Franken oder rund 8600 Euro).

Bei Beginn der Kooperation von den DRK-Verantwortlichen komplett übersehen wurde wie schon gesagt, dass bei den Sammlungen ja fälschlicherweise vorgetäuscht wird, dass das Rote Kreuz selbst die Kampagnen durchführt. Die Leute gehen nämlich davon aus, die Sammelnden seien bezahlte Rotkreuz-Mitarbeitende – oder gar unbezahlte  Ehrenamtliche! Diese „vorsätzliche, arglistige Täuschung“ ist aber eine Betrugsform, dass heisst eine Straftat. Das ist nicht nur im bereits erwähnten Buch „Drücker in Uniform“ zu lesen, sondern hat auch der Norddeutsche Rundfunk in einem anschaulichen Beitrag von 2012 herausgestellt („Miese Tricks: Mitgliederfang bei DRK & Co.“).

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Ich („Persönliche Nachricht des Blogbetreibers“)

Ich widme mich nun seit sechs Jahren voll und ganz dem Kampf gegen Sammelfirmen für Strassen- und Haustürspenden. Und seit insgesamt rund vier Jahren davon bin ich sogar obdachlos – ohne zu betteln, wohlverstanden. Erstens, da meine Ersparnisse längst aufgebraucht sind, ich aber kein Sozialhilfegeld beziehen will (im Prinzip könnte ich ja arbeiten, will aber mein Projekt durchziehen). Und zweitens, weil ich so besser untertauchen kann, sowohl vor den Hilfsorganisationen als auch der Sammelmafia. Gerade die Wesser GmbH will mich durch den Fleischwolf drehen, nachdem ich wie beschrieben aufgedeckt habe, dass der heutige Schweizer Geschäftsleiter als Sammler 10’000 Franken oder 8600 Euro verdient hat („Erfahrungsbericht von Haustür-Spendensammler“). Ich bin momentan wieder in Basel anzutreffen, wo ich in den letzten fünf Jahren besonders oft war. Doch obwohl ich inzwischen nicht mehr so aufpassen muss (die berüchtigste Schweizer Face-to-Face Fundraisingagentur „Corris“ hat Strafanzeige gegen mich erhoben – die kann es sich nicht mehr leisten, gegen mich „anderweitig“ vorzugehen; wäre zu auffällig): Mir ist wieder etwas mulmig zumute, nachdem ich vom Ende letzten Jahres begangenen Mord am Basler Obdachlosen George erfahren habe, dem ich schrägerweise äusserlich „ziemlich“ gleiche.

Inzwischen getöteter Basler Obdachloser „George“

Deutschsprachige Länder: Vor 20 Jahren ging bei Strassenspendensammlungen 1 Jahresspende verloren, jetzt sind es 3 – spenden ist heute sinnlos!

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„Wohltätigkeits-Strassenräuber“ im Auftrag von Unicef

 

Juli 2018/1

Da bei Strassenspendensammlungen für Non-Profit-Organisationen immer weniger Leute mitmachen und auch weniger lange Mitglied bleiben, geht immer mehr Spendengeld verloren. Die ausführenden „Sammelfirmen“ (Fundraisingagenturen) garnieren heute die ersten drei Jahresspenden, während es vor 20 Jahren „nur“ die erste war.

Zum 352. Mal muss ich es wiederholen, da die Medien skandalöserweise immer wieder veraltete Zahlen verbreiten (natürlich geben die gemeinnützigen Organisationen und die Agenturen diesen oft auch falsche Zahlen an): Es ist nicht mehr eine Jahresspende, die bei Strassenspendensammlungen „verloren“ geht, sondern drei! 

Dabei ist es doch so einfach zu verstehen: Während die durchführenden Face-to-Face Spendenunternehmen (die ja sowieso ungerechtfertigten Profit aus den Sammelaktionen ziehen, denn im „gemeinnützigen“ Non-Profit-Sektor dürfte es nicht um „Eigennutzen“, sprich: „Gewinn“ gehen – deshalb heisst es ja „NON-Profit“) von den Hilfsorganisationen Fixpreise verlangen, machen immer weniger Leute mit. Die Kosten – in der Schweiz 850 Franken oder 730 Euro pro sammelnde Person im Tag – verteilen sich also auf immer weniger Köpfe. Und es geht immer länger, bis die (fixen) Kosten durch (schwindende) Spendeneinnahmen wieder gedeckt sind. Die Fundraisingagenturen können dem nur entgegenwirken, indem sie den Leuten höhere Spendenbeiträge aufschwatzen versuchen. Doch das bringt nichts, denn dann kündigen die Leute einfach viel eher ihre Mitgliedschaft wieder, wenn sie sie nicht sogar gleich wieder rückgängig machen, bzw. „stornieren“. So meinte etwa Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria im Branchenmagazin „Fundraiser“ (Ausgabe Nr. 5/2012) nicht nur, dass die Responseraten gesunken, sondern auch die Stornoquoten gestiegen sind.

Selbstverständlich kann man auch in Deutschland die schwindende „Mitmach“-Quote verfolgen. Hier die Angaben zur Anzahl Abschlüssen von Sammelnden pro Tag aus dem „Handbuch Fundraising“ von Maria Haibach von 1998: „…Bei der Standwerbung liegt die Zahl der Abschlüsse pro Werber pro Tag zwischen fünf bis maximal zehn…“ Franz Wissman, der Urvater des kommerziellen Strassenfundraisings von der Sammelfirma „DialogDirect“ sagte  2013 (Artikel „Face-to-Face Fundraising: Mit Konzept zur Kampagne“ aus „Fundraiser-Magazin“), dass nur noch zwischen drei und fünf Spendenzusagen pro Tag resultierten – aktuell ist diese Zahl freilich noch tiefer…

Fazit: Wer bei Strassensammlungen mitmacht, finanziert damit heute vor allem eine Schattenwirtschaft, die gar nichts mit dem guten Zweck zu tun hat, sondern diesen im Gegenteil als Verkaufsargument missbraucht.

Zum Blogbetreiber siehe „Sein einsamer Kampf gegen die Spendensammler“ (Onlinemagazin „Zentralplus“, Sommer 2018)

 

 

 

„Sein einsamer Kampf gegen die Spendensammler“ („Zentralplus“-Beitragsanalyse, Sommer 2018)

Kevin Brutschin setzt seine gesamte Energie für eine Sache ein. (Bild: sib)

Photo von „Zentralplus“-Beitrag über mich (findet sich H I E R)

Kevin Brutschin war Primar- und Oberstufenlehrer, hatte dann einen gut bezahlten Job bei verschiedenen Hilfswerken. Doch nun ist er obdach- und arbeitslos. Der Grund: Er widmet seine Zeit dem Kampf gegen Sammelfirmen für Strassenspenden, auch in Luzern und Zug. «Wohltätigkeits-Strassenräuber», wie Brutschin sie nennt… zum Artikel

 

NEUE HAUPTSEITE: Vom Spendengeld kommt nichts mehr an: Die wahren Kosten von Spendensammelaktionen

Ich freue mich, dass es in der kleinen Schweiz im Gegensatz zum grossen Deutschland (wo zuletzt immerhin der Norddeutsche Rundfunk einen coolen Undercover-Beitrag zu den Spendensammlern, bzw. Hilfsorganisations-Drückerkolonnen gebracht hat) doch noch einzelne, „halt“ nicht ganz so grosse,  unabhängige Medien gibt, die den Mut haben, wahrheitsgetreu Missstände zu benennen – auch wenn die Gegnerschaft übermächtig SCHEINT (und die grossen Medien wie das Schweizer Fernsehen, die grössten Schweizer Zeitungen wie 20 Minuten, Blick am Abend, Aargauer Zeitung, Tages-Anzeiger oder die NZZ i.d.S. das Thema weitgehend ignorieren oder Fake-News darüber verbreiten). So hat das in erster Linie für die Regionen Luzern & Zug schreibende Online-Magazin „Zentralplus“ mir einen tollen Artikel gewidmet – Beitrag findet sich H I E R. Danke!

Gut auch, dass Zentralplus auch noch von der Corris AG, der grössten Schweizer Spendensammelfirma (ja, die Spendensammlungen werden von profit-orientierten Werbefirmen ausgeführt, welche sich – selbstverständlich unwahrheitsgemäss und rechtswidrig – als NON-Profit-Organisationen ausgeben und den Löwenanteil der Spendeneinnahmen selbst einkassieren), bzw. beim von Corris eingestellten (und dort sicher „noch ganz ordentlich“ verdienenden) Medienprofi Bernhard Bircher-Suits eine Stellungnahme eingeholt hat.  Ein Mann, dem man sicher vertrauen – ist ironisch gemeint: Bircher-Suits war zuvor beim K-Tipp tätig, welcher in der Schweiz den ersten, ausserordentlich kritischen Beitrag überhaupt zum Thema gebracht hat… Ausserdem hat Bircher-Suits auch schon mit zahlreichen Falschaussagen zu den „Verkaufszahlen“ von Corris geglänzt. Bspw. schrieb der Berner „Bund“ am 22.9.2014, dass ein neuer Mitarbeiter laut Bircher am Anfang vielleicht zwei bis drei Abschlüsse pro Tag schaffe, an den Folgetagen dann eventuell sieben bis acht, obwohl der Fundraisingverantwortliche des mit Corris kooperierenden Gehörlosenbundes bereits Ende 2012 in der NZZ gesagt hatte, dass das schon lange nicht mehr stimmt (genauer gesagt liegt diese Zahl heute um ein Vielfaches tiefer). Respektiv: Warum soll ich mich meinerseits mit so einer Person treffen?

Post-Bschiss & Corris-Bschiss: Gar nicht weit voneinander entfernt

Bircher-Suits meinte nichtsdestotrotz, dass ich „auf unsere Kontaktversuche per Telefon, Mail und eingeschriebenen Brief nie reagiert habe.“ Ich hätte ausserdem das rechtlich erlaubte Mass an Kritik deutlich überschritten, weswegen Corris Strafanzeige eingereicht hat (und ich deswegen schon lange im Gefängnis sein müsste – nur getraut sich die Staatsanwaltschaft offenbar seit mehr als einem halben Jahr nicht, mich festnehmen zu lassen, da ja meine Kritik „irgendwie“ doch wahr ist).

A propos fragwürdiges Verhalten des Staates: Der „grösste Subventionsbetrug in der Schweizer Geschichte“ beherrscht ja immernoch die Schlagzeilen im Lande (die staatliche Postauto AG hat über Jahre unrechtmässig öffentliche Gelder im Umfang von ca. 100 Millionen Schweizer Franken oder rund 86 Millionen Euro erschlichen). Post-Chefin Susanne Ruoff wie auch die gesamte Postauto AG-Geschäftsleitung mussten bekanntlich den Hut nehmen. Doch was ist eigentlich mit dem Post-Verwaltungsrat? In Anbetracht, dass die Schummeleien bereits 2013 der gesamten Postspitze gemeldet wurden, gälte es eigentlich speziell den damaligen Post-Verwaltungsratspräsidenten Peter Hasler ebenfalls auf die eine oder andere Art zu sanktionieren. Dazu würde aber auch gehören, darauf hinzuweisen, dass Hasler bis „juste“ vor seinem Post-Mandat dem Stiftungsrat vom WWF, bekanntlich Corris-Kunde, angehört hat. Die Post ist nämlich auch in der Kritik, weil sie Corris & Co. in den Postfilialen sammeln lässt, was sogar die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) im Tages-Anzeiger vom 19.2.2016 kritisiert hat. Dazu muss man allerdings wissen: Die Stiftung für Konsumentenschutz ist – jenseits von gut und böse – selbst ebenfalls Corris-Kunde (sie müsste die Sammlungen ja selbst anprangern), aber hat mit Corris offensichtlich vereinbart, dass in den Poststellen nicht gesammelt werden dürfe: Ebenfalls ausserordentlich glaubwürdig (ich hoffe, man kennt inzwischen meinen schwarzen Humor)! Damit sind wir dann auch wieder mal bei der ehemaligen Geschäftsführerin & Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz: Simonetta Sommaruga.

Und hier nochmal eine Übersicht der besten Beiträge, bzw. Links zum Thema:

Spendensammler-Kritiker im Gefängnis – Strafbefehl (März 2018/3)

Warum Deutsche und Schweizer Justiz trotz Betrugs nicht gegen Strassen- & Haustürspendensammlungen vorgehen (8.11.2017)

Rotes Kreuz: Ex-Nazi verantwortlich für weltweit 1. Kooperation mit Spendensammelfirma (Drückerkolonnen) – 11.10.2017

Wer heute noch spendet, macht die Welt nicht besser, sondern schlechter (23.8.2017)

Drei Jahre auf der Strasse für Kampf gegen Wohltätigkeits-Strassenräuber (16. Juni 2017) 

WWF: Gründungspräsident ehemaliger Nazi (16.5.2017)

Jugendschutzorganisation „Pro Juventute“: Gründer wegen sexuellen Kindsmissbrauchs verurteilt (März 2017/4)

 

SCHWEIZ

Links-Filz! Paradebeispiel Stadt Bern („Corris-Lobby“): „Offiziell genehmigter Spendensammel-Bschiss“, Mai 2018

Konsumer.ch, Mai 2017: Eine Sauerei (Beitrag des Blogbetreibers)

Der Landbote (Winterthur), 4.2.2017: Skandal um politische Massnahmen gegen Spendensammelplage (veröffentlichter Leserbrief des Blogbetreibers)

„Affäre Corris“: Alle Interessenkonflikte von Bundesrat und Parlament (Januar 2017)

Beitrag vom 14.10.2016: Was Non-Profit-Organisationen, die heute Face to Face-Sammelaktionen machen lassen, einst dazu gesagt haben

 

DEUTSCHLAND

Top(!)-RTL Beitrag zu skandalösen Haustür-Spendensammlungen von Werbefirmen im Auftrag des Roten Kreuzes (Zs-fassung & Analyse/17.1.2018)

Ausführungen zum WAZ-Beitrag vom Dezember 2016 mit Blogbetreiber als Experte

Die Stimme, 3.12.2016: „Vertrauensmissbrauch der Hilfsorganisationen“ (Interview mit Blogbetreiber)

Ketzer Podcast, 20.11.2016: Kommerzielle Spendenwerber  (Interview mit Blogbetreiber)

Grösster Übeltäter unter Face to face-Spendensammlungen machen lassenden NPOs: Arbeiter-Samariter-Bund (Post vom 1.10.2016)

Zs-fassung und Analyse des „Bild“-Artikels zum Thema Corris & Co. vom 20.3.2016 (Post vom 3.4.2016)

Post: Drückerkolonnenchef verursacht grössten Spendenbetrug in der Geschichte Deutschlands (Recherche)

 

ÖSTERREICH

KirchenZeitung, 29.3.2017: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen“ (Interview mit Blogbetreiber)

Post: Urstrassensammelfirma hat einst Hauptkritikpunkt bei Spendenaktionen selbst für richtig befunden

 

 

 

 

Links-Filz! Paradebeispiel Bern: „Offiziell genehmigter Spendensammel-Bschiss“ (April 2018, aktualisiert im Mai)

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Für Hilfswerke sammelnde Werbefirmen kassieren das meiste Spendengeld selbst

 

„Heute schon die Welt gerettet?“ Ob Sommer oder Winter: Tagtäglich müssen wir uns die mehr oder (zumeist) weniger originellen Sprüche von Spendensammelnden auf den Strassen anhören. Ob WWF, Unicef, Amnesty International oder Helvetas, alle schwören auf die Dienste der Corris AG, die sich auf sogenannte Face to Face-Spendensammlungen spezialisiert hat – und im Tag pro Sammler 850 Franken(!) von den Hilfswerken dafür garniert. Das einzige Tröstliche ist, dass das wenigstens immer immer mehr Leute wissen. Denn wer macht schon noch mit, wenn eine profitorientierte Firma sich mit seinem Spendengeld dumm und dämlich verdient (Corris-Besitzer Gerhard Friesacher hat sich mit einem Teil seiner Corris-Millionen eine ganze und auch ziemlich schmucke Ladenkette namens Changemaker aufgebaut – in Bern z.B. an der Einkaufsmeile, bzw. der teuren Spitalgasse vertreten)? Wenn aber konstant weniger Leute mitmachen – und übrigens auch immer weniger lang Mitglied bleiben – kommt auch immer weniger Spendengeld rein (tatsächlich hatte der Gehörlosenbund bspw. bereits im Dezember 2012 in der NZZ als eine der wenigen Organisationen zugegeben, dass die Anzahl Spendende, die ein Sammler pro Tag findet, deutlich zurückgegangen ist). Folge: Der Anteil von Corris an den Gesamtspenden einer Kampagne nimmt stetig zu! Respektiv: Heute können das problemlos 80% sein – oder mit anderen Worten: Die ersten drei Jahresbeiträge jedes spendenden Mitglieds gehen heute an Corris. Vor 20 Jahren war es noch eine (leider wird in den Medien oft immer noch diese Zahl angegeben).

 

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Changemaker: Hipster wissen, wo einkaufen (aber nicht, wem die Läden gehören)

 

Dass das inakzeptabel ist, muss hoffentlich nicht noch genauer begründet werden. Warum wird überhaupt erlaubt, dass „Profit mit NON-Profit“ gemacht wird? Das Non-Profit-Element (Uneigenützigkeit) ist doch das grundlegende Merkmal des gemeinnützigen Sektors? Deshalb nennt man ihn ja „NON-Profit“-Sektor. Und warum unternimmt, gerade in Bern, wo eine Überzahl von Linkspolitikern das Zepter in der Hand hat, niemand etwas gegen diese kapitalistischen Auswüchse (die jeden sozial eingestellten Politiker genau genommen sogar besonders empören sollten)? Diese Frage stellte ich über einen Berner Lokalpolitiker, der die Berner Politszene gut kennt, der frisch gewählten Regierungsrätin Evi Allemann (war bisher für die SP im Nationalrat). Antwort blieb bis jetzt leider aus. Doch es kommt noch besser, bzw. schlechter: Allemann ist auch Präsidentin des Verkehrsclubs Schweiz, noch besser bekannt unter dem Kürzel VCS, der sich für umweltschonenden Verkehr einsetzt. Und ausgerechnet der VCS arbeitet mit Corris zusammen! Da kann man in gewisser Weise schon verstehen, dass sie sich um eine Antwort drückt, oder nicht?

Nun muss man wissen, dass Allemann eine gute Freundin von Ursula Wyss ist (die einst mit Allemanns jetzigem Partner zusammen war), ihrerseits Mitglied der Berner Stadtregierung (Gemeinderat) – und auch eine zeitlang dem Vorstand der VCS-Kantonalsektion angehörte. Der VCS hat hiermit also schon mal eine ziemlich solide Lobby in Bern und muss sich sicher nicht allzu viel Gedanken machen, dass die Stadt plötzlich etwas unternimmt gegen die Sammelaktionen. Zumal es ja auch noch eine weitere Person in der fünfköpfigen Berner Stadtregierung gibt, die stark mit dem VCS verbandelt ist: Franziska Teuscher, zur Abwechslung mal eine Vertreterin der Grünen, die Vorgängerin von Allemann als Präsidentin des VCS! Für grüne Anliegen setzt sich bekanntlich auch Pro Natura ein, neben dem Roten Kreuz wohl eine der renommiertesten gemeinnützigen Organisationen der Schweiz, Spezialgebiet Umweltschutz. Da gehört es sich, dass auch ein paar hochrangige Politiker oder Politikerinnen in den regionalen Vorständen Einsitz nehmen. Z.B. Michael Aebersold, SP, Gemeinderat Nummer 3 mit heiklen Verbindungen zu Corris & Co.; konkret im Vorstand von Pro Natura Bern. Pro Natura kooperiert zwar nicht mit Corris – aber dafür einfach mit der Konkurrenzfirma I.M.I.S.! Die „Linken“ des Berner Gemeinderates sind also „ziemlich“ heikel verbandelt mit dem Hilfswerksektor – und damit auch mit dem sich nicht rechtfertigen lassenden „Corris-Spendensammelsystem“. Doch halt, den Wichtigsten habe ich ja fast noch vergessen. Alec von Graffenried, „grüner“ Stadtpräsident, der die gigantische Linksmehrheit im Berner Gemeinderat komplettiert. (Bern ist i.d.S. letztlich einfach das extremste Beispiel für links-dominierte Schweizer Städte, wie schon nur ein kleiner Blick auf die StadtpräsidentInnen der vier noch grösseren Städte zeigt: Corine Mauch; SP/Zürich – siehe auch „Wie Hilfswerke die Aufhebung des Sammelverbotes in Schweizer Städten bewirkt haben“, Rémy Paganini; Alternative Linke/Genf, Elisabeth Ackermann; Grüne/Basel, Grégoire Junod; SP/Lausanne. Erst die sechstgrösste Stadt bildet eine Ausnahme: Michael Künzle; CVP/Winterthur, wo „wundersamer Weise“ schon seit Jahren gegen die Sammelaktionen vorzugehen versucht wird – wobei man allerdings auch dort aufpassen muss!) Der Berner „Präsi“ ist zwar nicht direkt verwickelt mit dem Sammelsystem – aber SEHR STARK indirekt. Nicht nur durch seine Regierungskollegschaften und mit dem Corris-Sammelsystem verfilzte linke Politiker & Politikerinnen auf Nationalebene, sondern AUCH durch dessen engen Freund Christoph Balsiger, Mitinhaber der konventionellen Berner Werbeagentur „Kargo Kommunikation“. Kargo Kommunikation hat für eine der grossen Schweizer Entwicklungshilfeorganisationen; Swissaid – Corris-Kunde, versteht sich – Anfang Jahr zum wiederholten Male eine Werbekampagne konzipiert und umgesetzt. Dieses Mal mit prominenter Unterstützung von Tamy Glauser und Dominique Rinderknecht als Botschafterinnen („Tamynique“). Kargo Kommunikation weiss offensichtlich, wie man Publicity erreicht – und Swissaid, welche Agenturen man sich am besten auswählt, um einen guten Draht zum Stadtpräsidenten zu haben… It’s all about networking!

A propos: Es gibt ja auch noch eine andere, „recht“ bekannte Berner Spitzenpolitikerin, die Evi Allemann und Ursula Wyss zu ihrem einflussreichen Netzwerk zählt – und geradezu haarsträubend über Non-Profit-Organisationen mit Corris verbandelt ist. Ihr Vor- und Nachnahme fängt mit S an und hört mit A auf.

Exklusiv-Beitrag (Link): „Spendensammler-Kritiker im Gefängnis“

PS: Warum keine der zwei grossen Zeitungen in Bern nicht (mehr) oder nicht richtig über Corris & Co. und schon gar nicht über den Links-Filz im Zusammenhang damit berichtet? Sowohl die „Berner Zeitung“ als auch „Der Bund“ sind beim links-freundlichen Tamedia-Verlag, dessen „Flagschiff“ bekanntlich der „Tages-Anzeiger“, grösstes und bekanntestes Links-Blatt im Lande, ist…

Wann riskieren Hilfsorganisationen ersten Toten bei immer verhassteren Haustür- und/oder Strassenspendensammlungen? (Mai 2018/2)

Bester Artikel über „Dialoger“ (Deutsch) – Meilleure article sur „dialogueurs“ (Français)Best article about „chuggers“ (English)Miglior articolo su „dialogatori“ (Italiano)Mejor artículo sobre „recaudadores de fondos“ (Español)

 

Roman Hagen von der Agentur Corris versucht, im Bahnhof Luzern eine Passantin zum Spenden zu animieren. (Bild: Pius Amrein (16. April 2018))

Kommerzieller Gutmensch sammelt für Entwicklungshilfeorganisation Swissaid

 

„Ich bekam schon am ersten Tag einen Fausthieb…“ sagte ein Strassen-Spendensammler der Schweizer Face-to-Face Fundraisingagentur „Corris“, die auf Strassen oder vor Haustüren spendende Mitglieder für Hilfsorganisationen anwirbt – und von diesen pro Sammler und Tag CHF 850 (EUR 720) einstreicht – Anfang Mai in der Luzerner Zeitung (Schweiz). Andere Kollegen hätten ausserdem erlebt, dass auch schon der Sammelstand angezündet oder angepinkelt wurde. Da fällt mir, um auch unser grosses Deutsches Nachbarland nicht zu vergessen, auch gerade der Beitrag der Münchner „tz“ von Anfang September letzten Jahres ein, wo ein Anwohner eines Mehrfamilienhaus einen Haustür-Spendensammler die Treppe runterschubste. Oder der Beitrag von „Main-Spitze“ vom 20.4.2017, wo ebenfalls ein Haustür-Spendensammler („Drücker“) einen Hausbewohner, der keine Interesse an einer offerierten „Patenschaft“ hatte und das vielleicht etwas schroff kundtat, kurzerhand zusammenschlug. Oder die Spendensammelgang des Arbeiter-Samariter-Bundes, die einen an den Haustürkampagnen Kritik äussernden Sammler der eigenen Gruppe(!) verprügelte – und dafür bis zu sieben Monate Haft bedingt aufgebrummt bekam (Neue Frankfurter Presse).

Aber ehrlich gesagt, ich verstehe jede/n Angesprochene/n, der inzwischen die Nerven verliert. Denn weil immer weniger Leute mitmachen, müssen die Sammelnden immer aggressiver vorgehen (mittlerweile fliessen die ersten drei Jahresspenden jedes spendenden Mitglieds an die Sammelmafia-Unternehmen – UND NICHT NUR EINE, wie das bspw. die meistgelesene Zeitung der Schweiz; „20 MINUTEN“ am 11.12.2016 verklickert hat, oder in Deutschland „Die Welt“ sogar erst Ende letzten Jahres; übrigens ansonsten guter Beitrag). Und natürlich haben auch immer mehr Sammelnde die Nase voll. Ob die bisher geltende und ja schon so lächerliche durchschnittliche Sammler-Anstellungsdauer von drei Wochen mittlerweile sogar noch unterschritten wird, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Dafür ist mir ein schon vor Längerem geführtes Gespräch mit einem langfristig bei Corris angestellten Sammler eingefallen (mit langfristig ist bei Corris in diesem Sinne natürlich bereits ein mehrmonatiger Einsatz gemeint). Dieser auf seine Corris-Zeit angesprochen: „Ah, Corris, schon schräger Betrieb. Einmal hatte man mir am Morgen eine neue Hilfsorganisation zugeteilt, für die ich am selben Tag sammeln sollte. Und mir dafür ein Informationsblatt zur betreffenden Organisation ausgedruckt, das ich mir dann während der Zugfahrt zum Sammelort dann noch irgendwie einprägen musste.“ Corris live!

 

Und hier wieder mal eine Übersicht der besten Beiträge, bzw. Links zum Thema:

Spendensammler-Kritiker im Gefängnis – Strafbefehl (März 2018/3)

Warum Deutsche und Schweizer Justiz trotz Betrugs nicht gegen Strassen- & Haustürspendensammlungen vorgehen (8.11.2017)

Rotes Kreuz: Ex-Nazi verantwortlich für weltweit 1. Kooperation mit Spendensammelfirma (Drückerkolonnen) – 11.10.2017

Wer heute noch spendet, macht die Welt nicht besser, sondern schlechter (23.8.2017)

Drei Jahre auf der Strasse für Kampf gegen Wohltätigkeits-Strassenräuber (16. Juni 2017) 

WWF: Gründungspräsident ehemaliger Nazi (16.5.2017)

Jugendschutzorganisation „Pro Juventute“: Gründer wegen sexuellen Kindsmissbrauchs verurteilt (März 2017/4)

 

SCHWEIZ

Links-Filz! Paradebeispiel Stadt Bern („Corris-Lobby“): „Offiziell genehmigter Spendensammel-Bschiss“, Mai 2018

Konsumer.ch, Mai 2017: Eine Sauerei (Beitrag des Blogbetreibers)

Der Landbote (Winterthur), 4.2.2017: Skandal um politische Massnahmen gegen Spendensammelplage (veröffentlichter Leserbrief des Blogbetreibers)

„Affäre Corris“: Alle Interessenkonflikte von Bundesrat und Parlament (Januar 2017)

Beitrag vom 14.10.2016: Was Non-Profit-Organisationen, die heute Face to Face-Sammelaktionen machen lassen, einst dazu gesagt haben

 

DEUTSCHLAND

Top(!)-RTL Beitrag zu skandalösen Haustür-Spendensammlungen von Werbefirmen im Auftrag des Roten Kreuzes (Zs-fassung & Analyse/17.1.2018)

Ausführungen zum WAZ-Beitrag vom Dezember 2016 mit Blogbetreiber als Experte

Die Stimme, 3.12.2016: „Vertrauensmissbrauch der Hilfsorganisationen“ (Interview mit Blogbetreiber)

Ketzer Podcast, 20.11.2016: Kommerzielle Spendenwerber  (Interview mit Blogbetreiber)

Grösster Übeltäter unter Face to face-Spendensammlungen machen lassenden NPOs: Arbeiter-Samariter-Bund (Post vom 1.10.2016)

Zs-fassung und Analyse des „Bild“-Artikels zum Thema Corris & Co. vom 20.3.2016 (Post vom 3.4.2016)

Post: Drückerkolonnenchef verursacht grössten Spendenbetrug in der Geschichte Deutschlands (Recherche)

 

ÖSTERREICH

KirchenZeitung, 29.3.2017: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen“ (Interview mit Blogbetreiber)

Post: Urstrassensammelfirma hat einst Hauptkritikpunkt bei Spendenaktionen selbst für richtig befunden

 

 

 

 

 

Bester Medienbeitrag zum Thema „Corris AG“ (Strassen-Spendensammlungen), Mai 2018

Die Spendensammelfirma Corris hat es wieder mal geschafft. Die haben ja extra einen Medienprofi angestellt, der alle möglichen Manipulationen macht, um das nicht mehr rettbare Image der Fundraisingagentur doch noch irgendwie zu retten (die Chance, dass Elvis lebt, ist grösser). So wird bspw. ständig die Google-Rangliste manipuliert. Und zwar so, dass wenn man bspw. CORRIS KRITIK eingibt, kritische Beiträge wie z.B. von der Basler Zeitung möglichst weit unten positioniert sind (das ist mittels Hacker-Programmen absolut machbar). Und harmlose Artikel – abgesehen vom Kassensturz-Report; den lässt man schön oben (das wäre zu auffällig) – „schiebt man nach oben“. Der beste Beitrag kam aber von der Weltwoche (ich meine: „weltweit“) – nicht zuletzt, da sich der betreffende Journalist UNDERCOVER in die „Höhle des Löwen“ gewagt hat. Der Beitrag ist übrigens von mir initiiert worden, allerdings ohne die Undercover-Idee. Die hatte der Journalist (der mit seinem Unterfangen im Übrigen den klar grösseren Anteil als ich am hervorragend herausgekommenen Endprodukt hat). Ich war dann einfach der nicht erwähnte Informant/Experte im Hintergrund – ich wurde ja schon im Weltwoche-Vorgängerbeitrag erwähnt. Weil es Corris nun aber leider geschafft hat, den eben noch brisanteren Weltwoche-„Hauptbeitrag“ weitgehend zum Verschwinden zu bringen bei Google, kopiere ich ihn halt bei mir rein. Übrigens: Die im Beitrag recherchierten 1.66 Jahresspenden, die von jeder spendenden Person „abgezweigt“ werden (und sich ausserdem sowieso auf eine besonders gut gelaufene Referenzkampagne bezogen, d.h. eigentlich waren es schon damals über zwei Jahresspenden), stimmen natürlich längstens nicht mehr: Da immer weniger Leute mitmachen, erhöht sich der Anteil von Corris an den sich konstant verringernden Gesamtspendeneinnahmen stetig, denn die Kosten einer Kampagne sind ja fix. Heute sind es rund drei Jahresspenden(!), die draufgehen (diese Zahl gilt weitgehend international) – was die meisten (nicht unabhängigen) Medien nie erwähnen oder mitunter sogar falsche Zahlen publizieren (ich habe vor meiner Kooperation mit der Weltwoche zwei andere Medien angefragt, aber die wollten nicht darüber schreiben).  Viele Politiker & Politikerinnen, speziell linke, sind ja bekanntlich bei Hilfsorganisationen in den Stiftungsräten/Vorständen…. Und viele Medien sind halt links-freundlich… Noch kleine Anekdote zum nun folgenden Undercover-Beitrag: Der Journalist hatte ja einen falschen Namen angegeben. Die Corris-Instruktorin nannte ihn deshalb natürlich auch jeweils so. Nur war er in einem Moment unkonzentriert, so dass er nicht auf einen ihrer Aufrufe reagiert hat. Sie nannte ihn darauf belustigt „Mr. Ich weiss nicht, wie ich heisse.“ 🙂

PS: Bitte die „Haustür-Sammlungen“ nicht vergessen; die sind sogar noch ein Stück schlimmer – siehe Magazin „Brand Eins“/Juli 2017 (ebenfalls Erfahrungsbericht).

 

WELTWOCHE, 3.4.2013: „SÖLDNER DES GUTEN“

Wohltätige Organisationen wie Amnesty International setzen auf die Dienste von professionellen ­Sammelunternehmen. Unser Redaktor hat sich von der Marktführerin anstellen lassen und gelernt, mit welchen Methoden man die Passanten um ihr Geld bringt.

Mike zeigt mir, wie es richtig geht. Er diskutiert nicht, ob 120 Franken für eine Lehrtochter viel Geld sind oder nicht. Er fordert Michelle auf, ihr Portemonnaie rauszuholen und das Münz auf die Oberfläche des Stands zu leeren: «Keine Angst, wir nehmen dir nichts weg.» Drei Zweifränkler, vier Einfrankenstücke und einige Fünfräppler kullern heraus. Mike nimmt drei Zehner und fragt: «Jetzt hast du 30 Rappen weniger. Ganz ehrlich: Würdest du es merken, dass dieses Geld fehlt?» Michelle schüttelt etwas betreten den Kopf. Mike hakt nach: «Siehst du, du würdest es nicht merken. Dreissig Rappen pro Tag, das ist für dich kein Problem.»

Michelle, 18-jährig, im ersten Lehrjahr als Coiffeuse, kapituliert. Sie will für Amnesty International spenden. Jetzt weiss ich, was ­Mike gemeint hat, als er mich flapsig belehrte: «Wir sind die gierigen Aasgeier.» Wir, damit meint Mike die jungen Mitarbeiter der Corris AG, zu denen auch ich seit diesem Morgen gehöre.

Jeder kennt uns, aber keiner kennt unsere Firma. Wir sind die, die auf dem Bahnhofplatz, vor der Post oder im Einkaufsgetümmel stehen und jeden, der an uns vorbeimuss, um Spenden für einen guten Zweck bitten. Wir sagen ihnen, wir seien vom WWF oder von Vier Pfoten, von Pro Infirmis oder von Pro Juventute, vom Gehörlosenbund oder eben von Amnesty International. Tatsächlich aber sind wir keine Aktivisten und keine Freiwilligen, sondern Temporärangestellte von Corris.

Die Corris AG betreibt Fundraising im Mandatsverhältnis. Zu ihren 30 Kunden gehören fast alle wohltätigen Organisationen, die in der Schweiz Rang und Namen haben. Nach ­eigenen Angaben beschäftigt sie 1000 temporäre und 60 Festangestellte. Wie viel Umsatz und welchen Gewinn Corris damit erwirtschaftet, darüber schweigt sich die Firma aus. Bekannt ist nur, dass sie 1995 vom Österreicher Gerhard Friesacher gegründet wurde, der auch heute noch Hauptaktionär ist.

Corris sorgt seit Jahren immer wieder für kritische Berichte. Bemängelt wurde, dass die Mitarbeiter kaum etwas über die Organisationen wüssten, die sie vertreten. Im Februar kritisierte die Konsumentensendung «Kassensturz» die Arbeitsbedingungen bei Corris. Die Löhne seien niedriger als versprochen, hiess es, die Mitarbeiter stünden unter enormem Erfolgsdruck. Mich interessiert, wie die Arbeit wirklich aussieht. Wie funktioniert das Unternehmen Corris? Mit welchen Methoden arbeiten die Leute, die da für wohltätige Zwecke sammeln? Wie ziehen sie den Leuten das Geld aus der Tasche?

Mittwoch, 15.30 Uhr: Ich wähle die Corris-Nummer. Ich nenne mich Andreas und erkläre, ich brauchte dringend einen Job. Die Dame am anderen Ende der Leitung sagt, morgen fände gleich eine Info-Veranstaltung statt. Sie schickt mir eine Einladung, sobald sie meinen Lebenslauf hat. Also lege ich mir eine neue Identität zu: Ich bin nicht mehr der Journalist Christoph Landolt, sondern Andreas Landolt, ein kinderloser und lediger Politologiestudent, der sich bisher mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Zur Sicherheit verschicke ich das Curriculum von einer anonymen E-Mail-Adresse aus.

Im grünen Bereich

Donnerstag, 9 Uhr, ein schmuckloser Sitzungsraum in Zürich-West. Die Corris-Büros befinden sich in einem Gebäude der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk 1 («Urbaner Lebensstil mit Rücksicht gegenüber Schwachen») bei der Haltestelle Bernoulli. Hier lebt das korrekte Zürich. Der grüne Nationalrat Bastien Girod bewohnte im dritten Stock einst ein WG-Zimmer. Girod hat selbst einige Zeit für Corris gearbeitet und dabei gelernt, wie man sich erfolgreich vermarktet.

Heute sind drei Bewerber gekommen, neben mir Erika, eine 26-jährige Studentin der Kunstgeschichte, die dringend Geld braucht, und Mona, eine 19-jährige Köchin in Batik­hosen, die nicht mehr kochen will, aber ebenfalls etwas verdienen möchte. Geleitet wird die Veranstaltung von Sky, einer zierlichen Frau mit künstlich blonden Haaren und selbst­sicherem Auftreten.

«Es ist ein Knochenjob», warnt uns Sky gleich zu Beginn. Einige Leute da draussen seien richtig unanständig. Das dürfe man nicht persönlich nehmen. «Ganz ehrlich», erklärt sie, «niemand bleibt freiwillig stehen.» Umso wichtiger sei es, dass man einen sympathischen Eindruck erwecke. «Die meisten Leute geben etwas, weil sie euch nett finden.» Wir müssen also keine guten Taten anpreisen, sondern primär uns selbst.

Sky kommt denn auch schnell auf den Punkt, «der alle am meisten interessiert»: den Lohn. Alle schauen gebannt zur Tabelle, die auf die Wand projiziert wird. Corris bezahlt pro Tag 135 Franken Grundlohn, plus 15 Franken Essensspesen. Hinzu kommt ein kompliziertes Bonussystem, das einen einzigen Anreiz setzt: möglichst viel Geld einzutreiben. Jede Spende gibt Punkte, je nach Höhe und Zahlungsrhythmus. Bei elf Punkten (entspricht fünf grösseren Spenden) ist man im Corris-Jargon im «grünen Bereich», was mit 170 Franken extra honoriert wird. Alle zwanzig Arbeitstage gibt’s einen Treuebonus von 850 Franken. Würde man hinten eine oder zwei Nullen anhängen, so denke ich mir, würde man uns «Boni-Jäger» schimpfen. Immerhin: Corris kennt bereits einen Boni-Deckel. Um Exzesse zu vermeiden, können auch Spitzenverkäufer nicht mehr als 7250 Franken pro Monat verdienen.

Sky meint, fünf Punkte pro Tag müssten drinliegen. Erika fragt, was passiert, wenn man das Ziel nicht erreicht. «Ihr werdet sehen: Wenn ihr das nicht schafft, dann macht euch der Job auch keinen Spass.»

Dann beginnt das Kürzest-Job-Assessment. Jeder soll ein Fantasieprodukt vorstellen, ich eine «Videobrille». Wir haben zwei Minuten Zeit, um Produkteigenschaften zu erfinden, dann präsentieren wir den anderen unseren Werbespot. Anschliessend werden wir nacheinander für das eigentliche Bewerbungsgespräch aufgerufen. Die Köchin fliegt raus, die Kunsthistorikerin ist eine Runde weiter. Ich komme als Letzter dran. Sky lobt meine Kreativität. Fragen zu meiner Person hat sie keine. Sie sagt, sie sehe mich gut in diesem Job.

Erika und ich bekommen einen auf drei Monate befristeten «Rahmenvertrag für Arbeit auf Abruf». Der Vertrag beinhaltet auch eine strikte Geheimhaltungspflicht gegenüber Journalisten. Ich unterschreibe dennoch. ­Einen Händedruck oder ein Lächeln von einer Corris-Mitarbeiterin gibt es deswegen nicht, lediglich einen Papiersack. In meinem sind ein gelbes T-Shirt und eine Regenjacke mit Amnesty-International-Logo. Auf den Sachen meiner Kollegin steht: «Helvetas». Wir sind nun sogenannte «Dialoger». Zwei von tausend, die jedes Jahr bei Corris anheuern.

«Entwicklungshilfe und so»

Inzwischen ist es Mittag, nun beginnt der Crash-Kurs. Obwohl wir zwei völlig verschiedenen Organisationen zugeteilt wurden, sitzen Erika und ich in der gleichen Schulung. Ich weiss wenig über die konkreten Projekte von Amnesty International. Meine Kollegin weiss nur, dass Helvetas «Entwicklungshilfe und so» betreibt.Doch das spielt keine Rolle, hier und heute geht es einzig um Spendenmaximierung. Ob es Bäume, Tiere, Frauen oder Kinder zu retten gilt – das Prinzip ist immer dasselbe: Wir müssen die Passanten bei ihrem schlechten Gewissen packen. «Sprich einfach von Kindersoldaten und Zwangsräumungen», empfiehlt mir Sky. «Und sag nichts gegen die Todesstrafe, das gibt nur Diskussionen.» Wenn wir mehr über Helvetas und Amnesty wissen wollten, sollten wir deren Websites besuchen.

Unsere Schulung beginnt mit einem Rollenspiel. Ich mime einen Passanten. Sky zeigt mir, wie es geht. Sie wendet ihren hundert- oder tausendfach eingeübten Standarddialog an: «Was würdest du tun, wenn plötzlich einer mit einer Waffe vor deiner Tür steht und sagt: ‹Du musst raus?›», forscht sie mein Gewissen aus und fixiert mich eindringlich. Dann will sie wissen: «Was denkst du, wie viele Leute von Zwangsvertreibungen betroffen sind?»

Ein Unmensch, wer da nicht zustimmt

Die Fragen sind rein rhetorisch, Sky lässt mir während des ganzen Gesprächs nie die Chance, etwas abzulehnen. Die Schlinge um mein Gewissen zieht sich immer enger zusammen, doch dann bietet Sky einen Ausweg: «Findest du es auch gut, dass wir uns für die Menschenrechte einsetzen?» Ein Unmensch, wer da nicht zustimmt. «Was meinst du, lohnt sich das?» Was für eine Frage. Sky hat mich mühelos eingewickelt.

Wir erhalten Merkblätter, eines mit allgemeinen Tipps («Gemeinsamkeiten herstellen, Small Talk») und eines mit «Klassischen Ausreden» samt passenden Kontern. Ein drittes Merkblatt ist dem sogenannten «Formular­übergang» gewidmet – dem Moment, in dem der Passant zur Kasse gebeten wird. Der Formularübergang sei das Wichtigste am ganzen Gespräch, lernen wir, und zugleich der heikelste Moment. Falsch ist die Frage: «Möchtest du uns unterstützen?» Richtig ist: «Findest du es gut, dass wir Kindern in Not zur Seite stehen?» Es ist eine dieser geschlossenen Fragen, die kein Passant mit Nein beantworten kann. Darauf basiert die Verkaufsphilosophie.

Dann lernen wir, wie wir den Spender dazu bringen, mehr zu geben, als er eigentlich wollte. Trick Nummer eins ist die Portionierung des Jahresbeitrags in kleinere, besser verdauliche Häppchen. Zwanzig Franken pro Monat klingt nach weniger als 240 Franken im Jahr. Sky schärft uns ein: Wir sollten «nie, nie, nie» nach einem Jahresbeitrag, sondern stets nach einem Monatsbeitrag fragen. Ganz ausgebuffte Corris-Mitarbeiter wie Mike sprechen sogar von 30 Rappen pro Tag statt von 120 Franken im Jahr. Natürlich gilt das alles nur für die Dauer der Verhandlung. Am Schluss, wenn wir das Formular ausfüllen, rechnen wir die Zahl wieder auf ein Jahr hoch.

Trick Nummer zwei ist die Höhe des Mindestbeitrags. Amnesty International unterstützen darf nur, wer im Minimum 120 Franken pro Jahr (oder eben: 10 pro Monat) gibt. Sky sagt uns, dass sich tiefere Beiträge «wegen des Verwaltungsaufwands» schlicht und einfach nicht lohnten.

Trick Nummer drei ist der raffinierteste im Corris-Repertoire: Sky empfiehlt uns, nicht nach einem Betrag zu fragen, sondern eine Summe vorzuschlagen – «Sagt einfach, normalerweise gäben die Leute 40 bis 60 Franken pro Monat.» Das wären dann 480 bis 720 Franken pro Jahr. Wer weniger geben will, muss das mit seinem eigenen Gewissen aushandeln.

Die Kunstgeschichtestudentin Erika zweifelt: Geben die Leute denn wirklich so viel? Corris verweist auf ihrer Website auf Kampa­gnen, bei denen der durchschnittliche Jahresbeitrag bei «deutlich über 100 Franken» liegt. Das wären im «Dialoger»-Jargon rund 10 Franken pro Monat — vier- bis sechsmal weniger, als wir den Spendern vormachen sollen. Sky grinst komplizenhaft: «Die meisten geben 10 bis 40 Franken pro Monat. Aber ein bisschen flunkern ist erlaubt, es geht ja um eine gute Sache.»

Am besten direkt vom Konto abbuchen

Ganz am Schluss kommen wir auf die Sache mit dem Lastschriftverfahren (LSV). Erst wenn ein Gönner seine Adresse diktiert und sich bereiterklärt hat, eine bestimmte Summe zu spenden, fragen wir nach der Kontonummer. Dank LSV wird die Spende automatisch und regelmässig überwiesen.

Sky teilt uns ein letztes Merkblatt aus: «Argumente für die Mitgliedschaft per Lastschriftverfahren». Acht Vorzüge sind aufgeführt, darunter: «Einzahlungsscheine kosten Geld», oder: «Es können Briefsendungen eingespart werden und dadurch kann umweltfreundlicher gearbeitet werden.» Über das wichtigste aller Argumente steht dagegen kein Wort: Leute, denen automatisch Geld vom Konto abgebucht wird, spenden meist über Jahre. Nicht, weil sie zufriedenere Spender wären, sondern schlicht und einfach, weil sie den Dauerauftrag vergessen und weiterlaufen lassen. Das ist Trick Nummer vier.

Ist LSV also eine Bedingung? Oder kann jemand, der seine Kontoinformationen für sich behalten möchte, auch per Einzahlungsschein spenden? «Wenn er unbedingt will, darf er das natürlich», sagt Sky, leicht genervt. Das Reglement der Zewo, der Selbstregulierungsorganisation der NGO-Branche, will es so.

Sky erzählt uns, im «Vergleich zu TV-Spots und anderen Methoden» sei «Direct Dialog» günstig. Im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen, die dank der treuen (oder: vergesslichen) Spender im Laufe der Jahre reinkommen, mag das stimmen. Doch wie gross ist der Aufwand, den die «Dialoger» betreiben, in absoluten Zahlen?

Sky sagt, die Auftraggeber bezahlten pro «Dialoger» und Tag 850 Franken. Diese Zahl galt lange als das bestgehütete Geheimnis der Branche. Auf Anfrage der Weltwochebestätigt Corris erstmals, dass die Auftraggeber eine Pauschale von «800 bis 850 Franken» pro eingesetzten Mitarbeiter und Tag bezahlen.

Amnesty-Sprecherin Alexandra Karle schweigt sich über die Gesamtkosten der aktuellen Kampagne aus, sagt aber, dass tausend Manntage bestellt wurden. Amnesty lässt sich den Corris-Einsatz somit gegen 850 000 Franken kosten. Diese Auslagen müssen die «Dia­loger» zuerst einmal hereinbringen.

Wie lange dauert es, bis die Kampagne bezahlt ist und die ersten Spenden in ein konkretes Projekt fliessen? Corris wirbt auf ihrer Website mit einer Referenzkampagne für eine Organisation aus dem Gesundheitsbereich, bei welcher der «Break-even nach zwanzig Monaten» erreicht worden sei. Im Klartext: Die gesamten Spendeneinnahmen der ersten 1,66 Jahre gingen an Corris. Erst was später kam, floss in einen guten Zweck.

Wann die Gewinnschwelle der Amnesty-Kampagne überschritten wird, lässt sich nicht beziffern, doch wenn man die Werte der von Corris aufgeführten Referenzkampagne auf Amnesty überträgt, wird die Gewinnschwelle in 20 Monaten, Anfang 2015, erreicht. Amnesty-Sprecherin Karle will keine konkreten Zahlen nennen, bestätigt aber diese Grössenordnung. «Grundsätzlich gilt: Ab dem zweiten Jahr lohnt es sich für uns.»

Eine einjährige Spende fliesst somit komplett an Corris. Wer zwei Jahre lang einzahlt, deckt die Kosten, die durch seine Anwerbung entstanden sind, nur knapp. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass LSV-Spender bevorzugt werden. Nur dank LSV zahlt sich das System Corris für die Hilfswerke überhaupt aus. Nach einer Stunde ist die Ausbildung beendet. Mein erster Arbeitseinsatz ist für den kommenden Donnerstag geplant, wo und wann ist noch nicht klar. Am Mittwochabend davor erfahre ich Ort und Zeit per SMS.

Chef auf dem Schwanenplatz

Donnerstag, 10.45 Uhr, Schwanenplatz in Luzern. Unser Team umfasst vier «Dialoger». Neben mir, dem Neuling, sind zwei, die ihren letzten Tag haben. Geronimo, ein 20-jähriger Deutscher mit Dauerlächeln, macht den Job seit drei Monaten. Nun möchte er auf Reisen gehen, vielleicht nach Indien. Zora will studieren, vielleicht Psychologie, sie hat nach acht Tagen genug. Kopf der Truppe ist Mike, der mit den 30 Rappen. Eigentlich ist Mike gelernter Metzger, doch «da verdienst du nichts». Seit eineinhalb Jahren ist er für Corris tätig. Er hat auch schon den Green-Cross- oder Swissaid-Aktivisten gemimt. Amnesty-International-Mitglied ist keiner. Wir sind Söldner im Kampf für das Gute.

Die Leute gehen vorbei. Unser Stand, bestehend aus einem Stahlquader, in dem wir unsere Formulare verbergen, und einigen gelben Amnesty-Plakaten, wirkt wie gleissendes Sonnenlicht. Jeder, der versehentlich hingeschaut hat, wendet den Blick ab. Alle starren auf den Boden, um ja nicht angesprochen zu werden. Mike entkommen sie trotzdem nicht. «Stopp!», befiehlt er, lauter und deutlicher, als es jeder Luzerner Polizist wagen würde. Denen, die murmeln, sie hätten keine Zeit, ruft er hinterher: «Zeit hat man nie, man muss sie sich nehmen.» Jene, die sagen, sie müssten arbeiten, lässt er wissen: «Was heisst hier müssen? Weisst du, wie viele Leute gerne arbeiten würden, aber nicht können?» Mike ist der Chef auf dem Schwanenplatz.

Endlich bleibt jemand stehen, es ist Michelle, die angehende Coiffeuse. Ich muss sie nicht erst von den Menschenrechten überzeugen. Michelle will von ganzem Herzen Gutes tun. Bereitwillig nennt sie mir Name und Adresse. Erst als ich ihr sagen muss, dass die 30 Franken, die sie geben wollte, leider, leider nicht reichen, verflüchtigt sich ihre Spendierlaune. «Weisst du, ich würde wirklich gerne», fleht Michelle. «Aber ich verdiene nur 350 Franken pro Monat.» Ich fühle mich elend. Es ist nicht angenehm, eine Teenagerin, die selbst nicht genug zum Leben hat, zum Geldausgeben zu überreden. Zum Glück rettet mich Berufsidealist Mike. Der 30-Rappen-Masche hat Michelle nichts entgegenzusetzen – sie unterschreibt.

Einzahlungsscheine gibt es nicht

Hunderte von Leuten eilen über den Schwanenplatz und ignorieren uns. Als ob sie wüssten, dass wir keine Menschenrechtsaktivisten sind, sondern nur Rädchen in einer gut geschmierten Spendenmaschinerie. Sky hatte recht, es ist ein Knochenjob. Abgesehen von einem Rentner, der mit mir über die Regierung schimpfen möchte, bleibt lange niemand stehen.

Dann komme ich mit einem Mann ins Gespräch, er trägt eine Steppjacke und schaut freundlich durch die runde Nickelbrille. So stellt man sich einen Amnesty-Sympathisanten vor. Und tatsächlich, der Mann findet die Organisation gut. Er unterstützt uns gerne. Aber nur, wenn er einen Einzahlungsschein bekommt. «Ich möchte kein LSV, da verliere ich den Überblick», sagt er. Das ist gemäss Zewo sein gutes Recht. Spender, so heisst es im Reglement, müssten stets die Wahl haben, ob sie per LSV, per Einzahlungsschein oder bar bezahlen wollen. Das Zewo-Siegel trägt auch Amnesty International.

Doch wo sind die Einzahlungsscheine? Im Inneren des Stands? Mike sagt: «Wir haben keine Einzahlungsscheine, sorry.» Man habe zwar einmal Einzahlungsscheine verteilt, aber der Rücklauf sei zu klein gewesen, schiebt er zur Erklärung nach. Hier draussen gilt das Gesetz der Strasse, kein Zewo-Reglement. Der Mann will unter diesen Umständen nicht mitmachen, er wünscht uns viel Glück und geht.

Dann passiert lange nichts. «Grüezi, ich bin von Amnesty International», sage ich wieder und wieder – und schramme damit hart am Etikettenschwindel vorbei. Nur dann und wann bleibt jemand stehen. Ein junger Mann fragt gleich als Erstes: «Bist du von Corris?» Als ich bejahe, geht er weiter. Habe ich etwas falsch gemacht? Was sagen meine Kollegen, wenn sie nach ihrem Arbeitgeber gefragt werden?

Wer spendet schon für Corris?

«Ich sage immer, ich sei von Amnesty», sagt Geronimo. «Aber wenn einer direkt fragt, musst du halt die Wahrheit sagen.» Gibt es dann noch eine Chance, dass der Passant trotzdem mitmacht? Zora und Geronimo sind sich einig: «Nein, das kommt nicht vor.» Wer spendet schon für Corris?

Für die Corris AG ist es ein Dilemma: Einerseits möchte die Firma, um keine Spender abzuschrecken, ihren Namen möglichst nicht nennen. Anderseits wäre das unehrlich. Corris löst das Problem so, dass der Name möglichst diskret deklariert wird: Auf dem Stand steht das Wort «Corris» so tief, dass es nur Babys und Hunde lesen könnten. Auf meinem Mitarbeiterausweis ist der Name viermal kleiner als das Amnesty-International-Logo. Auf dem Mitgliederformular ist der Verweis auf Corris klein und quer gedruckt, so dass man den Zettel um neunzig Grad drehen müsste. Das Zewo-Logo, mit dem sich nur Amnesty, nicht aber Corris schmücken darf, ist rot und sehr viel grösser.

14 Uhr, endlich: Mein zweiter Spender geht ins Netz. Herr Tanner, ein etwa 50-jähriger Mann mit Schnauz, muss nicht lange bearbeitet werden. Er lässt sich die Sache kurz erklären und entscheidet spontan, etwas zu geben. Fünfzig Franken pro Jahr sollen es sein – das sind siebzig zu wenig. Sachte bringe ich ihm bei, dass das leider nicht geht. Warum der Mindestbeitrag so hoch ist, kann ich auch nicht erklären, deshalb erzähle ich etwas von «Verwaltungskosten». Wieder kommt mir Berufs- aktivist Mike zu Hilfe. Er spricht von zehn Franken pro Monat, was nicht viel sei. Zu meinem Erstaunen macht Tanner mit. Auch als ich ihm das Lastschriftverfahren erkläre, stellt er keine Fragen, sondern unterschreibt, nimmt die Quittung und bedankt sich.

Um 15 Uhr ist die Hälfte des Sammeltages vorbei. Zu diesem Zeitpunkt haben Mike und ich je zwei Spender gewonnen, die anderen beiden null. Zusammen haben wir Jahresbeiträge von knapp 500 Franken reingeholt. Wenn wir bis am Abend so weitermachen, dauert es drei Jahre, bis die Kosten, die wir vier an diesem Tag verursacht haben, bezahlt sind. Erst ab 2016 fliesst das Geld in die Menschenrechtsaktivitäten von Amnesty. Und das auch nur, wenn unsere Spender so lange einzahlen.

Als ich nach meinem ersten und letzten Arbeitstag für Corris die Amnesty-Jacke ausziehe, habe ich zwiespältige Gefühle. Mein Einsatz war erfolgreich, gewiss. Zwei ausgefüllte Formulare liegen in meiner Tasche. ­Eigentlich müsste ich mich freuen, dass ich zwei grossherzige Leute dazu gebracht habe, etwas für die Menschenrechte zu tun. Aber ­habe ich nicht vielmehr zwei gutgläubige Leute übers Ohr gehauen?

«Mindestens neunzig Prozent»

Habe ich die Welt besser gemacht oder vor allem den Besitzer der Corris AG reicher? Glauben Coiffeuse-Stiftin Michelle und Herr Tanner, dass sie es mit Idealisten zu tun hatten, die freiwillig für eine gute Sache auf die Strasse gingen? Haben sie den Eindruck, dass wir tatsächlich von Amnesty International sind? Zurück in der Redaktion rufe ich die beiden an, zur Qualitätssicherung quasi.

Michelle sagt, sie habe sich «schon ein bisschen überredet gefühlt». Normalerweise laufe sie vor Leuten wie mir davon. «Ich weiss, dass ich noch zu wenig Persönlichkeit habe, um nein zu sagen.» Bei mir habe sie aber das Gefühl gehabt, dass mein Idealismus echt sei. Und sie habe sich gedacht, es sei für einen guten Zweck. Michelle ist davon ausgegangen, dass wir «ein bisschen etwas» verdienen.

Herr Tanner war mit unserem Gespräch zufrieden. Wie lange er Amnesty-Gönner bleiben will, weiss er noch nicht, vielleicht ein oder zwei Jahre. Was denkt er, wie viel Geld dann dorthin geht, wo es hingehört? Herr Tanner schätzt, dass nach Abzug der Verwaltungskosten «mindestens neunzig Prozent» in Menschenrechtsaktivitäten fliessen. Mich hat er für einen Studenten gehalten, der «vielleicht ein Sackgeld» dazuverdient, der aber direkt für Amnesty arbeitet.

Als ich Herrn Tanner sage, dass von seinen 240 Franken, die er über zwei Jahre spenden wollte, schätzungsweise 40 Franken an Amnesty gehen werden und dass ich in Wirklichkeit ein provisionsgetriebener Angestellter ­einer profitorientierten Firma bin, findet Herr Tanner das «nicht gut». Er bittet mich, sein Formular in den Papierkorb zu werfen.

 

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„#Me too“-Debattenvorschlag: Sexuelle Belästigung durch männliche Spendensammler (21.12.2017, überarbeitet im Mai 2018)

14-5-2018 +++ UK-News: Frustration growing over charity muggers in Sheffield (Deutsch-Version: Englische Grossstadt Sheffield kündigt Massnahmen gegen Sammelplage an) +++

Bildergebnis für chugger harassment

Männlicher Spendensammlertrick: „Spendenopfer-Einfangen“ mit ausgestreckten Armen (vorzugsweise angewendet bei „Hot Babes“)

 

Neulich war ich für Kurzbesuch im schönen Schweizer Städtchen Suhr. Wirklich hübsch: Nachahmung empfehlenswert. Doch am Bahnhof haben mir Amnesty International-Spendensammelnde (eigentlich sind sie ja von der Sammelfirma „Corris“, welche ca. die ersten 3 Jahresspenden von Mitmachenden in die eigene Tasche abzweigt) wieder mal den Tag verdorben. Läuft doch so ein Spendenclown neben einer hübschen jungen Frau her – und zwar erst die Treppe runter, dann die gesamte Bahnhofunterführung hindurch, wieder zum Gleis hinauf und gibt mit seinen Umgarnungsversuchen erst auf, kurz bevor die Frau in den Zug steigt. Ehrlich, also wenn ich sie gewesen wäre: Ich hätte ihm eine geknallt – aber als Mann ist das ja sicher  weniger empfehlenswert.

Womit wir beim Thema wären: Bei sogenannten „Pick-Up Artists“ („Aufreiss-Künstler“, um zu schnellem Sex mit dem anderen Geschlecht zu kommen) ist der Spendensammler-Job wohl der „heiss“-begehrteste (siehe dazu auch Beitrag vom 10.4.2017). Denn „Weltretter“ stehen in der Gunst gerade junger Frauen, die öfters noch zu gutgläubig sind, um die Manipulation zu erkennen, besonders hoch (die allermeisten Sammler sind ja gar keine Hilfsorganisationsmitarbeiter, sondern eben eine Art „Wohltätigkeits-Verkäufer“, bzw. Angestellte von spezialisierten Werbefirmen). Wenn nicht, kann z.B. auch ein besonders gern angewandter anderer Trick helfen: „Spendenopfer-Einfangen“ mit ausgestreckten Armen – versehentlicher Körperkontakt erwünscht.

Übrigens (siehe folgendes Photo): Also aber auch ein bisschen heikel, oder?

Bildergebnis für chugger follows

 

 

Spendensammler-Kritiker im Gefängnis (März 2018/3)

Bildergebnis für wwf spendensammler

Der WWF kooperiert in der CH mit der Spendensammelfirma „Corris“, in DE mit der Agentur „DialogDirect“ und auch mit „talk2move“, die zuvor in AU tätig war 

 

Ich habe ja in vorletztem Post erwähnt, dass ein Strafbefehl gegen mich vorliegt. Dies, nachdem ich in zahlreichen Beiträgen auf meiner, bzw. dieser Website und auch anderweitig in der Presse Kritik zum „Face-to-Face“-Spendensammelsystem geäussert habe (z.B. in der „Stimme“/Deutschland, im KONSUMER-Magazin/Schweiz oder in der KirchenZeitung/Österreich). Die Spendensammelnden auf Strassen/vor Haustüren sind nämlich meist nicht von den Hilfsorganisationen wie z.B. dem Roten Kreuz selbst, sondern von spezialisierten Werbefirmen, die sich dumm und dämlich verdienen mit den Sammlungen, bzw. HEUTE zwei oder sogar eher drei Jahresspenden für sich „abzweigen“ (so lange geht es, bis deren Forderungen – in der Schweiz bspw. 850 Franken oder 725 Euro im Tag pro sammelnde Person, durch DIE KONSTANT SINKENDEN Spendeneinnahmen gedeckt sind). Im Strafbefehl sind zwei Bussen gegen mich aufgelistet: Eine auf Bewährung, also eine solche, die ich verhindern kann, wenn ich aufhöre mit der Kritik (was ich selbstverständlich nicht machen werde). Und eine, die ich so oder so zahlen muss – es sei denn, ich will ein paar Tage ins Gefängnis. Zahle ich freilich auch nicht (bzw. auch wenn ich Geld HÄTTE), d.h. müsste genauer gesagt eigentlich schon lange im Knast sein. Doch die Justiz, die selbst ganz und gar nicht unabhängig in der Angelegenheit ist (Schweizer Justizministerin ist Simonetta Sommaruga, die vorher zwei Non-Profit-Organisationen vorstand, welche wiederum mit der berüchtigten Schweizer Sammelfirma „Corris AG“ kooperieren), traut sich bisher scheinbar nicht, mich einzusacken: Könnte ja noch mehr „Staub aufwirbeln“. Zumal die Zürcher Staatsanwaltschaft, die den Strafbefehl auf die von ihr gutgeheissene Strafanzeige der Corris AG ausgestellt hat, ja selbst im Fadenkreuz der Kritik steht, nachdem sie die Ermittlungen gegen einen pädophilen Gerichtspräsidenten in den eigenen Reihen eingestellt hat (siehe Post vom Januar 2018). Die Vorwürfe sind übrigens lächerlich – deshalb habe ich auf einen Kommentar des Strafbefehls gegen mich verzichtet (ich gehe davon aus, dass die Leserschaft meines Blogs genug aufgeklärt ist, um das nachzuvollziehen). Hier trotzdem noch ein Beispiel: Gleich als erstes wird bzgl. scheinbar nicht akzeptabler Ausdrucksverwendungen meinerseits moniert, ich würde die Sammelnden als „Strassenräuber“ bezeichnen. Äh, also a) rede ich genauer gesagt von WOHLTÄTIGKEITS-Strassenräubern. Und b) so werden die Sammler und Sammlerinnen vor allem ja tatsächlich in den englischsprachigen Ländern genannt!!! Man gebe den Ausdruck CHUGGERS – oder vielleicht besser CHARITY MUGGERS (=Wohltätigkeits-Strassenräuber) – bei Google ein, und schaue mal, was rauskommt: Also ich kriege 181’000 (!) Such-Ergebnisse. Wie steht’s aber mit deutschsprachigen Medien: Ist das Wort „Strassenräuber“ für solche Sammelnden auch schon verwendet worden in Artikeln? Nein, NUR der Ausdruck „Wegelagerer“, was bekanntlich genau das Gleiche bedeutet, in Österreich vom international bekanntesten Blatt „Der Standard“ sogar schon 2005 gebraucht. In Deutschland benannte z.B. der „auch noch recht bekannte“ STERN die „Drücker“ (so werden sie in Deutschland auch genannt) letztes Jahr so; Beitragstitel „Die Wegelagerer aus der Fussgängerzone“. Und in der Schweiz schliesslich sorgte das links-freundliche St. Galler Magazin „Saiten“ für meine Verteidigung. 🙂

Muss ich noch mehr dazu schreiben? Ich hoffe nicht. Mir ist’s jedenfalls zu blöd. Die Zürcher Staatsanwaltschaft drückt sich also (noch?), mich zu verhaften. Wobei es mir im Übrigen sowieso egal wäre: Ich wäre geradezu froh gewesen, wenn ich Ende Februar in den Knast hätte gehen können. Ich lebe ja schliesslich seit insgesamt dreieinhalb Jahren auf der Strasse (ohne zu betteln/ohne Ruck- und Schlafsack), wo es um diese Zeit saukalt war und ich nach heftigem, andauernden Fieber nur durch Einnahme von Antibiotika überlebt habe. Respektiv, falls es jemand vergessen hat: Ich lebe eigentlich gezwungenermassen auf der Strasse (siehe auch spezifischen Beitrag von „Ketzer Podcast“ dazu). Erstens, weil ich keine Sozialhilfe beziehen, aber trotzdem mit meinem Projekt weitermachen will (und mein eigenes Geld längst aufgebraucht ist). Und zweitens, weil ich es für besser hielt angesichts der Sammelmafia (Werbefirmen) und der in Sachen Gefährlichkeit ebenfalls nicht zu unterschätzenden Hilfsorganisationen selbst (wenn sie ihre Einnahmen gefährdet sehen) mich möglichst unsichtbar zu machen (ohne Adresse).

Doch im Fall: Ich war eh schon im Gefängnis wegen der Angelegenheit – indirekt. Denn da ich ja kein Geld mehr habe und trotzdem immer mal wieder den Zug nehmen muss, bin ich natürlich schon x-mal ohne Fahrschein geschnappt worden. Ich sass also bereits rund 14 Tage ab, wegen „Schwarzfahrens“ – wie das Zugfahren ohne Ticket in der Schweiz genannt wird. Aber ich sehe ehrlich gesagt mittlerweile auch nicht mehr ein, warum ich noch dermassen staatstreu sein soll. Die Schweizerischen Bundes Bahnen (SBB) fördern ja den Spendenbetrug, indem sie die Werbefirmen in den Bahnhöfen sammeln lassen – natürlich bekommen sie dafür auch ganz netten Batzen (in mittelgrossen Bahnhöfen bspw. 450 Franken/385 Euro „Standmiete“ pro Tagesaktion, im Bahnhof Zürich sogar 950 Franken/815 Euro). Und dass es sich bei den Sammlungen um Betrug handelt, sollte ja mehr als klar sein: Schliesslich wird ja so getan, als würden die NON-Profitorganisationen selbst hinter den Aktionen stecken, und nicht wie in Wahrheit PROFIT-orientierte Sammelfirmen (womit im Übrigen der Non-Profit-Gedanke regelrecht „pervertiert“ wird). Kurz: Die Spenderschaft wird hier glasklar „getäuscht“ (siehe dazu auch Beitrag vom 8.11.2017). Die Justiz müsste demzufolge, wenn sie zur Rechtsdurchsetzung zuständig ist – sollte eigentlich meines Wissens der Fall sein 😉 – nicht mich verfolgen, sondern gegen die kommerziellen Spendensammlungen vorgehen. Doch stattdessen agiert sie als Handlanger der Politik, welche in dieser Angelegenheit nicht Teil der Lösung ist, sondern des Problems! Denn der gemeinnützige Sektor ist derjenige mit der grössten (politischen) Lobby. Es ist doch eigentlich ganz einfach: Politiker und Politikerinnen, egal ob ehemalig oder amtierend, haben alle ein übersteigertes Bedürfnis nach gesellschaftlicher Anerkennung. Und wo gibt es mehr von dieser, als durch das Engagement für die gute Sache bei einer Hilfsorganisation; als Vorstands- oder Stiftungsratsmitglied (vorzugsweise PräsidentIn), als Botschafter, als Patron oder was auch immer. In England ist der ehemalige Premierminister David Cameron nun Präsident der Alzheimer Society (arbeitet „natürlich“ mit Face-to-Face Fundraisingagentur zusammen), in Deutschland amtet Ex-Vizekanzler Franz Müntefering ebenfalls als Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes (der vor allem durch die Kooperation mit haustürsammelnden „Drückerkolonnen“ in Verruf geraten ist) und in der Schweiz ist Bundesrat Ignazio Cassis (Simonetta Sommaruga habe ich ja schon genannt) bspw. bis zu seinem Antritt im Stiftungsrat des auf Corris setzenden Hilfswerks „Fairmed“ gewesen. Und so weiter und so fort.

Deutschsprachige Länder: News zu „Face to Face“-Spendensammelskandal, März 2018/2

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat gegen Blogbetreiber

 

Gleich vorweg; gelungener „Undercover-Beitrag“ vom neuen investigativen Rechercheformat „STRG-F“ des Norddeutschen Rundfunks (NDR) für junge Leute von Anfang März („Spendensammler undercover – Schuften und Schleimen für WWF & Co“): https://www.youtube.com/watch?v=6QoYfiH6VI4 (oder einfach auf Bild klicken).

Hilfsorganisationskontrollstellen, die „Spendensiegel“ an angeblich seriöse Hilfsorganisationen vergeben und dabei auch das Fundraising der betreffenden NGOs anschauen, namentlich „DZI“ (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen), „ZEWO“/Schweiz oder „Österreichisches Spendengütesiegel“ sind einer internationalen Dachorganisation angegliedert, dem ICFO. Dort Präsidentin: Wiederum die Geschäftsleiterin der Schweizer ZEWO – deren Mann in der Geschäftsleitung von Caritas Schweiz sitzt (äh, wieder mal fehlende Unabhängigkeit), wobei Caritas CH bis vor nicht allzu Langem sogar noch selbst mit der berüchtigten Schweizer Sammelfirma Corris kooperiert hat(!). In der Schweiz ist ausserdem gerade ein Riesenskandal am laufen: Die „Postauto Schweiz AG“ hatte zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen bezogen. Schadensumme: 78 Millionen Franken. Vor ein paar Tagen hat ein gewisser Kurt Grüter sein Mandat im Experten-Gremium niedergelegt, das die Affäre untersuchen sollte. Wegen was wohl? Wie gehabt; fehlende Unabhängigkeit. Derselbe Kurt Grüter ist aber auch Zewo-Präsident (das steht natürlich wieder nicht in den Schweizer Medien). Spricht wieder mal für sich.

Und noch ein paar Worte zum erst gerade online-gestellten Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat gegen mich. Ist von letztem Jahr. Ich wollte zuerst noch schauen, ob eine Schweizer Zeitung über meine Geschichte inkl. des Strafbefehls eine Story schreiben möchte. Der Winterthurer Landbote (in Winterthur sind Bestrebungen im Gange, die Sammlungen auch gegen grossen politischen Widerstand einzudämmen) schien durchaus interessiert, „wenn die Geschichte mit der Region Winterthur“ in Zusammenhang gebracht werden kann. Naja, kein Problem. Ich: „Der ehemalige Winterthurer FDP-Stadtrat Peter Arbenz ist Ehrenpräsident von Corris-Kunde „Helvetas“… Und die meines Wissens gegenwärtig populärste Winterthurer Politikerin; Mattea Meyer, SP-Nationalrätin, hat ihre Bundeshauszutrittskarte (die Rede ist von den seit dem Fall Markwalder/Kasachstan-Affäre umstrittenen Badges an Lobbyisten) an Dominik Gross von Alliance Sud gegeben. Alliance Sud ist nichts anderes als eine Lobbyorganisation der Hilfswerke Helvetas, Swissaid, Caritas, Brot für alle, HEKS sowie Fastenopfer…“ Antwort des Landboten: Fehlanzeige. Naja, ich bin es mir ja inzwischen gewohnt, wohl „zu heisses Eisen“. Leider gibt das aber kaum eine Zeitungs-Redaktion, bzw. ein Journalist/eine Journalistin zu. Da muss ich doch auch mal mein Erlebnis mit einer der grössten Deutschen Zeitungen schildern, deren Chefredakteur mir auf einen Beitragsentwurf, den ich ihm gesendet habe, Folgendes geantwortet hat: „D  –  A  –  N  –  K  –  E“. Hmm? Der Mann hat doch selber schon über verwandte (Fundraising-)Themen geschrieben und sich mit Kritik nicht zurückgehalten? Er findet meinen Beitrag also so interessant, dass er mir mit einem DICKEN „Danke“ antwortet, sonst aber nichts mehr schreibt. Meine Folgerung (nach unzähligen ähnlicher Erfahrungen): Er hat einen Maulkorb vom Verlagshaus bekommen, darf das aber selbstverständlich nicht mitteilen (ich schreibe übrigens den Namen der Zeitung hier nicht, weil der Redakteur immerhin bis zu einem gewissen Grad ehrlich war, und nicht einfach überhaupt nicht mehr geantwortet hat).

Und wenn wir schon dabei sind: Die „Presse“ ist eine auch international recht bekannte (und renommierte) Österreichische Tageszeitung. Ich erwähne in meinem Interview mit „Ketzer Podcast von Ende 2016“ einen „Presse-Artikel“ von 2006, wo die Firma „DialogDirect“ zugegeben hat, dass bei ihr schon zu jener Zeit „zwei Jahresspenden“ draufgegangen sind (die Firma „Talk2Move“ brüstete sich hingegen, die Arbeit wesentlich billiger hinzubekommen, was aber auch einen triftigen Grund hatte). Warum ist dieser Artikel im Internet nicht mehr abrufbar?

 

 

Strafbefehl gegen Spendensammler-Kritiker (Blogbetreiber), März 2018/1

Strafbefehl (Art. 352 StPO) der Staatsanwaltschaft Zürich – Limmat gegen Kevin Brutschin

Tatbestand und Begründung: Vergehen des BG gegen den unlauteren Wettbewerb

Der beschuldigte Kevin Brutschin hat mehrfach vorsätzlich unlauteren Wettbewerb nach Artikel 3 UWG begangen, namentlich andere, ihre Waren, Werke, Leistungen, deren Preise oder ihre Geschäftverhältnisse durch unrichtige, irreführende oder unnötig verletzende Äusserungen herab(ge)setzt…

Der Beschuldigte hat seit nicht genau bekannter Zeit, sicher aber seit dem 16. September 2016 über seine Website http://www.kevinbrutschin.wordpress.com der Geschädigten Corris AG bei der Gewinnung von Spendengeldern unethisches Verhalten und kriminelle Machenschaften unterstellt. Dies indem er durch verschiedene Veröffentlichungen in unterschiedlichen Presseerzeugnissen … Aussagen über die Geschädigte verbreitet hat, gemäss Letztere unter anderem ein Strassenräuber, eine Spendensammelmafia, ein Betrüger und Lügner sei, sie der Abzocke, des Etikettenschwindels, des Ergaunern von Millionen und vorsätzlicher Täuschung sowie der irreführenden Falschinformationen bezichtigt. Diese Äusserungen sind unnötig verletzend, da sie keine sachlich formulierten Ratschläge für die Leser enthalten…

Die beschuldigte Person wird bestraft mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 10.00, entsprechend CHF 500.00 … Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.

Die beschuldigte Person wird bestraft mit einer Busse von CHF 300.00. Für den Fall der Nichtleistung der Busse beträgt die Ersatzfreiheitsstrafe 3 Tage.

Die Verfahrenskosten werden der beschuldigten Person auferlegt.

CHF   300.00 Busse

CHF 1000.00 Gebühr für das Vorverfahren

CHF 1300.00 Total

 

 

 

 

 

Top(!)-RTL Beitrag zu skandalösen Haustür-Spendensammlungen von Werbefirmen im Auftrag des Roten Kreuzes (Zs-fassung & Analyse/17.1.2018)

Für das BRK: Mit diesen schlimmen Methoden werden Spenden gesammelt 

Mitarbeiter der Firma Kober (der so tut, als wäre er ein Rotes Kreuz-Profi)

Zur Video-Kurzfassung des Beitrags geht’s H-I-E-R

 

Der Skandal weitet sich immer augenscheinlicher zum Super-GAU aus (Kollaps des gesamten NGO-Sektors), wie von mir schon seit Jahren vorhergesagt: Die Sendung „Punkt 12“ von RTL hat die betrügerischen Spendensammlungen von spezialisierten Werbefirmen im Auftrag von Hilfsorganisationen nun auch unter die Lupe genommen. Passenderweise die Haustürsammlungen („Drückerkolonnen“)  des Roten Kreuzes/Bayerischer Landesverband; ich muss es stets wiederholen: Das weltweit erste Hilfswerk, das solche Nonsens-Sammlungen durchführen liess, namentlich von der Firma Wesser im Jahr 1968. Hier geht es aber um die Firma Kober, die auch in Österreich sammelt, und das Wesser-System kopiert hat. Gleich zwei Bayerische Medien haben zum Beitrag eigene Zusammenfassungen gemacht (die Tageszeitung „tz“ – siehe auch vorletzten Beitrag von dieser selbst zum Thema INKLUSIV ANGEHÄNGTEM „BASHING“-KOMMENTAR AN DEN BLOGBETREIBER – sowie das Oberbayerische Volksblatt „OVB“), in dem das Bayerische Rote Kreuz „drankommt“. Coolerweise hat sich wieder mal eine Reporterin in die Höhle des Löwen gewagt, respektiv „undercover“ als Spendensammlerin mit versteckter Kamera. Und trotz einleuchtender Beispiele, dass dieses Sammelsystem nicht aufgeht, bleibt das Rote Kreuz „natürlich“ wieder stur. D.h. der Riesenfehler der Zustimmung zu dieser ja offenkundigst absurden und hoch glaubwürdigkeitsschädigenden Kooperation mit gewinnorientierten Fundraising-Unternehmen („Profit mit Non-Profit“) wird nach wie vor nicht zugegeben – womit freilich der Super-GAU erst recht eintreten wird.  Hier die wichtigsten der perfiden Sammel-Tricks, die RTL aufgedeckt hat (dass „NEINS ignorieren“ immernoch systematisch angewendet wird, versteht sich von selbst, obwohl stets das Gegenteil behauptet wird):

Ein Druck machender Spruch lautet, das Geld sei schliesslich „für die Leute, die im Notfall zu Ihnen kommen.“   Ein anderer: Jede/r mache mit und das Abo sei so selbstverständlich wie der Bankeinzug von Strom- und Mietgebühren. Auch auf das „Todsünden“-Argument wird verwiesen, dass kein Rettungsdienst mehr stattfindet, wenn nicht gespendet wird. Denn erstens stimmt das gar nicht (und die Kosten für einen Rettungseinsatz werden sowieso von der Krankenversicherung übernommen). Und zweitens – was leider wieder mal nicht erwähnt wird, obwohl es sicher gut zu wissen wäre – ist dass damit rechtlich eine Straftat begangen wird, nämlich „Nötigung“! Die andere, geradezu systematisch angewendete Straftat (Betrug) bei den Sammelaktionen ist selbstverständlich die Vortäuschung, dass die Sammelnden direkt vom Roten Kreuz seien (siehe dazu auch „Warum Deutsche und Schweizer Justiz trotz Betrugs nicht gegen Strassen- & Haustürspendensammlungen vorgehen“). Das wird vor allem dadurch suggeriert, da diese DRK-Uniformen tragen (siehe Photo) und gleichzeitig NICHT EXPLIZIT KLAR MACHEN, dass sie von einer beauftragten, hausierenden Spendenfirma – in Deutschland „Drückerkolonnen“ genannt – sind. Zwar gibt es schriftliche Hinweise auf die Drückerkolonnen, nur sind diese absichtlich sehr klein und versteckt angebracht. Das REICHT EINDEUTIG NICHT, um den Leuten den kommerziellen Charakter der Sammlungen bewusst zu machen (siehe dazu vergangene TV-Beiträge von Norddeutschem Rundfunk oder Westdeutschem Rundfunk). Zumal man ja gutgläubig reagiert, wenn es um Hilfsorganisationen geht  („Es geht ja um die gute Sache.“/“Hilfsorganisationen kann man sicher vertrauen“) – was im Übrigen eine juristische Beurteilung berücksichtigen müsste. Die Werbenden reden schliesslich, quasi die Täuschung unterstreichend, NICHT unbedingt in der „Wir-„Form („Guten Tag, WIR sind vom Roten Kreuz.“), sondern einfach in der dritten Person („Guten Tag vom Roten Kreuz“). Als würde man als SpenderIn auf solche Spitzfindigkeiten achten! Konkret wird im Beitrag letztendlich eine ältere Frau so in die Irre geführt, bis sie das Doppelte von dem zahlt, was sie eigentlich wollte (siehe dazu auch Einleitung von mir zu „Wesser“-Beitrag). Ganz zum Schluss steht in der tz: „Wie viel der gesammelten Spendengelder tatsächlich der wohltätigen Organisation zugutekommen, konnte die RTL-Reporterin nicht herausfinden.“ Naja, da verweise ich doch gerne auf meine neue Hauptseite „Vom Spendengeld kommt nichts mehr an: Die wahren Kosten von Spendensammelaktionen“ .

S T O P P T  D E N  S A M M E L N O N S E N S  E N D L I C H !!!!!!!!!!!!!!!!!!

PS:  Bisheriger Präsident vom DRK war Rudolf Seiters, CDU, der als Ex-Bundesminister beste Beziehungen zu Merkel pflegt. Aber auch seine neue Nachfolgerin hat einen guten Draht zur Macht: Gerda Hasselfeldt, Ex-CSU-Bundesministerin. Wundert sich noch jemand, dass der Nonsens immernoch existiert, bei der Lobby im Rücken der Hilfsorganisationen?

CH: Analyse des NZZ-Artikels zum Thema Corris & Co. vom 11.1.2018

N E U E  H A U P T S E I T E (Januar 2018)

 

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Spendensammler im Visier (Photo ist im Fall satirischem Beitrag entnommen; ich will niemandem zum erschiessen animieren, „Zusammenschiss“ reicht)

Schon wieder neuer Artikel der wirtschafts-, bzw. FDP-freundlichen NZZ (Neue Zürcher Zeitung) erschienen, in dem auf die Skandal-Spendensammelfirma Corris eingegangen wird. Man könnte fast meinen, es wäre diejenige grössere Zeitung, auf die man sich beim Thema noch verlassen kann in Sachen Objektivität. Aber tempi passati. Erst letzten Monat hatte sie zwar vernichtenden Beitrag geleistet – notabene(!) in „Kommentar“-Form (siehe Post vom 19.12.2017), im Sinn von „ist ja NUR die Meinung des Verfassers“. Könnte schliesslich „Puff“ geben: So war der ehemalige NZZ-Chefredaktor UND FDP-Nationalrat Willy Bretscher schon von Anfang an im Patronatskomitee der mit Corris zusammenarbeitenden Entwicklungshilfeorganisation Helvetas, die im Übrigen bei der Gründung ebenfalls auf den Support von Bundesrat Max Petitpierre zählen durfte, FDP natürlich. Und gibt ja ausserdem auch noch einen „ziemlich“ neuen FDP-Bundesrat, der bisher bei Corris-Kunde „Fairmed“ im Stiftungsrat war: Ignazio Cassis (und natürlich noch ganze Reihe anderer FDP-ParlamentarierInnen bei „Corris & Co.“-Hilfswerken). Schon fertig? Sicher nicht: Bei Swissaid im Stiftungsrat, ebenfalls komplett verfilzte Entwicklungshilfeorganisation, ist auch NZZ-Urgestein Christoph Wehrli. Sage und schreibe 35 Jahre; von 1979 bis 2014, hat dieser den NZZ-Kurs als geschätztes Redaktionsmitglied mitbestimmt. Und da ist auch noch „ein bisschen“ Luzi Bernet, „NZZ am Sonntag“-Chefredaktor, seinerseits im Vorstand des Schweizerischen Roten Kreuzes, welches zwar nicht mit Corris kooperiert – dafür aber mit der Haustürsammelfirma Wesser, die das kommerzielle „Face-to-Face Fundraising“ als erstes in der Schweiz angewandt hat. Man deckt sich unter Hilfswerken, wenn man ähnlich (dubiose) Sammelpraktiken anwendet, versteht sich… 😉

Kann gut sein, dass ich noch ein paar „Exemplare“ vergessen habe (aber sollte ja reichen). Auf jeden Fall: Die NZZ war also veranlasst, schleunigst wieder Gegensteuer zu geben. So heisst es also im aktuellen Beitrag vom 11.1.2018: „Gut eingespielt hat sich nach Auffassung von „Swissfundraising“ die Zusammenarbeit mit spezialisierten Firmen wie Corris. Das Zürcher Unternehmen akquiriert seit einigen Jahren im Auftrag einer Reihe von Hilfswerken Spender. Dass seine zumeist jungen Mitarbeiter mit ihrem offensiven Auftreten den einen oder anderen Passanten verärgern, hält (Swissfundraising-Geschäftsleiter) Tinner für vertretbar. Wer auf einen wichtigen Zweck aufmerksam machen wolle, müsse auch einmal nerven. «Angestellte von Warenhäusern, die Ladenbesuchern Gutscheine in die Hand drücken, verhalten sich auch nicht anders.»“

Herr Tinner weiss, was er sagen muss. Denn Swissfundraising ist nichts anderes als der Landes-Berufsverband der FundraiserInnen, bzw. Profi-SpendensammlerInnen. Und wer ist dort dabei? Sicher mal viele Hilfswerke, die mit Corris & Co. zusammenarbeiten. Aber nicht nur das, auch Corris selbst freilich. Die Skandal-Spendensammelfirma sponsert jeweils sogar Swissfundraising-Events wie z.B. den „Swissfundraising-Tag“ oder den „Swissfundraising Award“ („Dreister“ Blogbetreiber-Kommentar: Vermutlich hat Corris sich diesen schon selbst vergeben). Swissfundraising-Präsident wiederum ist der Medien- und Fundraisingverantwortliche der Caritas; Odilo Noti. Immerhin arbeitet Caritas seit Kurzem nicht mehr mit Corris zusammen. (Kommentar: Bravo – SCHON gemerkt, dass die Kooperation nicht funktioniert). Doch zu früh gefreut, im Caritas Schweiz-Präsidium ist auch Teres Steiger-Graf, die Geschäftsleiterin von COMUNDO, wie Swissaid und Helvetas ein auf Entwicklungshilfe spezialisiertes Hilfwerk… das ebenfalls auf der Corris-Website unter „Kunden“ zu finden ist.

Ups, da habe ich ja gerade noch was ganz Interessantes gefunden, oder zumindest Auffälliges: Die Swissfundraising-Geschäftsstelle fasst sechs Personen (jedenfalls ist das im Internet so dargestellt): Roger Tinner (der von vorhin), zwei mit einem anderen Namen, und dann ein Mario Tinner, eine Katja Tinner und eine Marlène Tinner. Also äh, ich habe das jetzt nicht kontrolliert, aber ist das nicht schon ein bisschen inzestuös? War nur ein Scherz, war nur ein Scherz: Ich glaube nicht, dass auch nur zwei davon miteinander verwandt sind (Swissfundraising-Präsident; eben Caritas-Geschäftsleitungsmitglied Odilo Noti, ist übrigens der Mann der Geschäftsleiterin der Hilfswerkkontrollstelle „Zewo“, die den „Corris“-Gugus eigentlich schon lange verbieten müsste – aus „unerklärlichen“ Gründen aber nichts macht).

Die NZZ hatte es ja, wenn’s mir recht ist 2016, geschrieben (natürlich mittels Diagramm belegt): Derjenige Sektor mit der grössten Lobby – oder sagen wir mal einfach der „verfilzteste“ – ist nicht der Bankensektor. Nein, auch nicht die Chemie. Und auch nicht die Bauern. Krankenkassen? Forget it. Nein, es ist der Hilfswerksektor.

Und damit wäre die „Corris“-Tragikomödie um eine Episode reicher – schon gespannt auf die nächste Folge (und i.d.S. sorry, wenn ich’s für einmal etwas übertrieben habe mit „Schwarzem Humor“)?

 

 

CH-Spezialbeitrag zu Mord an „Entwicklungshelfer“: Erneute Scheinermittlungen der Bundesanwaltschaft aufgrund „Entwicklungshelferin“ als Justizministerin?

N E U E  H A U P T S E I T E (Januar 2018)

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Sommaruga in afrikanischem Flüchtlings-Transitzentrum im Oktober 2017

 

„Begangene kriminelle Handlungen innerhalb eines Staatsbetriebs“ werden „wie unter einer ‹Glasglocke› geschützt“, gelangen „nie an die ­Öffentlichkeit“ und werden „nicht geahndet“. Das sagte einer der wenigen mir bekannten, WAHRHAFT INTEGREN Schweizer Polizisten; Peter Mathys, der einen Krimi über die höchst suspekte Einstellung des Justizverfahrens der Zürcher Staatsanwaltschaft gegen einen des sexuellen Kindsmissbrauchs schwer verdächtigten Gerichtspräsidenten, letztes Jahr im Migros-Magazin. „Natürlich gibt es ein übergeordnetes Interesse, der Rechtsstaat muss geschützt werden. Aber hier ging es um den Verdacht mutmasslichen Missbrauchs an Knaben; den zu verfolgen und aufzudecken, ist doch wichtiger als das Ansehen des Staats!“ Da spricht er mir wirklich aus dem Herzen. Wenn solche Taten vom Staat nicht verfolgt und mitunter sogar unter den Tisch gekehrt werden, dann verliert dieser ja langfristig selbst auch und „erst recht“ seine Glaubwürdigkeit – und nicht nur der Täter! Speziell, wenn sich solche Fälle häufen: Der ebenfalls letztes Jahr erst durch ein Buch aufgedeckte Fall „Jürg Jegge“ ist hoffentlich noch in bester Erinnerung. Wobei Jegge, der ehemalige „Lehrer der Nation“, also ein „Staats“-Angestellter, ja sogar noch Gründer einer gemeinnützigen Organisation ist, respektiv der „Stiftung Märtplatz“, eine Ausbildungsstätte für junge Menschen in schwierigen Lebenslagen. Sein damaliges Missbrauchsopfer, das den Fall endlich ins Rollen brachte; Markus Zangger: „Die Staatsanwaltschaft (Blogbetreiberkommentar: Achtung, wiederum die Staatsanwaltschaft Zürich!) hat nicht sauber abgeklärt.“ Die Mitarbeiter der Stiftung waren nämlich nicht einvernommen worden. Kein Wunder, kam Jegge letztendlich straffrei davon (im Zusammenhang mit sexuellem Kindsmissbrauch sei im Weiteren auch nochmal auf die Vorfälle bei Pro Juventute hingewiesen). Im neu aufgerollten Skandal in der Schweizer Entwicklungshilfe, in den diesmal die DEZA, die schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit involviert ist, geht es nicht nur schon wieder um Sex, sondern zusätzlich um Mord. Bislang war mindestens DER ÖFFENTLICHKEIT nicht bekannt, warum DEZA-Projektleiter Walter Arnold 1996 in Madagaskar ermordet wurde, da die ermittelnde Bundesanwaltschaft ANSCHEINEND nichts herausgefunden hatte. Die Ermittlungen wurden 2002 schliesslich eingestellt (Kommentar des Blogbetreibers: Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor!)  nachdem unter anderem drei(!) Zeugen ebenfalls eines gewaltsamen Todes umgekommen waren. Glücklicherweise ermittelten Freunde und Angehörige des ermordeten Entwicklungshelfers auf eigene Faust weiter. Ausgerechnet der Blick, für Topstories immer gut, wenn es nicht um ihn selber geht (siehe Fälle „De Schepper“, bzw. „Corris“), im Dezember letzten Jahres: „Tatsächlich deuten Indizien darauf hin, dass Arnold Opfer eines Komplotts wurde, weil er gravierenden Missständen auf der Spur war. Mitwisser oder Täter könnten aus der Schweiz stammen. Kurz vor seinem Tod deutete Arnold gegenüber Bekannten an, dass er «auf eine grosse Sache» gestossen sei … Recherchen zeigen jetzt erstmals, worum es sich bei der «grossen Sache» handeln könnte. Mehrere direkt involvierte Zeugen aus der Schweiz haben ausgesagt, dass der damalige Vizedirektor der Deza und Verantwortliche für das Hilfsprogramm auf Madagaskar ein Bordell betrieben habe. Mehr noch: Das Stundenhotel soll auch mit Schweizer Entwicklungsgeldern finanziert worden sein.“ Jupeidi und jupeida: Schweizer Justiz live (die ja schon dauer-versagt bzgl. der Skandal-Spendensammelfirma Corris, welche EIGENTLICH beim Sammeln Betrug begeht)  Nun muss man wissen, dass das DEZA stark mit gewissen Entwicklungshilfeorganisationen verbunden ist, wobei vor allem Swissaid und Helvetas genannt seien, die beide überhaupt schon mit tatkräftiger Unterstützung des Bundes entstanden sind – und „natürlich“ auch mit der Corris AG zusammenarbeiten (man hat ja nichts zu fürchten, bei der gigantischen Polit- & Staatslobby im Rücken). So ist denn bspw. ebenfalls ein ehemaliger DEZA-Vizedirektor; Rudolf Dannecker, im Swissaid-Stiftungsrat. So wie es auch bis zu seinem Ableben Serge Chappatte bei Helvetas im Zentralvorstand war – Ex-DEZA-Vizedirektor, selbstverständlich. Bei Swissaid Präsidentin von 2003 bis 2008: Simonetta Sommaruga, bekanntlich heute ausgerechnet Justizministerin. Ich „prophezeie“ mal: Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft bzgl. dem Mord an Walter Arnold wird auch dieses Mal wieder im Sand verlaufen. Es sei denn, es wird genügend Druck von Aussen gemacht…

Nachtrag: Ex-DEZA-DIREKTOR Walter Fust ist übrigens durch die „Paradise Papers“ als Geschäftspartner des wegen ungetreuer Geschäftsführung verurteilten Jean-Claude Bastos geoutet worden, welcher über seine Offshorefirma „Capoinvest“ – in dessen Verwaltungsrat auch SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar sass (zur „SBB-Corris-Connection“ siehe auch Post vom 24.9.2017) mit dubiosen Geschäften Millionen und Abermillionen scheffelt.

Vom Spendengeld kommt nichts mehr an: Die wahren Kosten von Spendensammelaktionen (Neue Hauptseite/Januar 2018)

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Spendensammler von UNICEF? Falsch – Angestellter von „Sammelfirma“

 

Wissen Sie eigentlich, dass die Spendensammler und -Sammlerinnen von UNICEF, dem Roten Kreuz oder anderen Hilfsorganisationen gar nicht von diesen selbst sind? Richtig verstanden: Strassen- und auch Haustürsammlungen werden allermeistens von „Sammelfirmen“ durchgeführt, sogenannten Fundraisingagenturen, die sich von den Non-Profit-Organisationen dafür bezahlen lassen. Liebe Nachbarn aus Deutschland und Österreich, liebe Schweizer Landsleute, raten Sie doch mal, wieviel ein solches Werbeunternehmen pro Tag für eine sammelnde Person bekommt?

Die Schätzungen in der Schweiz bewegen sich meiner Erfahrung nach zwischen 50 und 400 Franken, respektiv gerundet 45 – 340 Euro. Im Schnitt also etwa 230 Franken oder 200 Euro. „Knapp“ daneben: Es sind 850 Franken oder 720 Euro! Wie gesagt pro sammelnde Person und Tag (Sendung „Kassensturz“ im Schweizer Fernsehen). Diese Angabe wurde vom WWF wie auch von Amnesty International öffentlich bestätigt. Und die Marktführerin unter den Sammelfirmen; „Corris“, auf die sich der Betrag bezieht, gab zu Protokoll, dabei handle es sich um „marktübliche“ Preise (Corris ist eng verflochten mit der Agentur DialogDirect, die in Deutschland und Österreich tätig ist).

Es ist offenkundig, dass bei diesen Preisen praktisch nichts mehr von den Gesamtspenden solcher Kampagnen übrigbleibt. Jedenfalls heute, denn die Einnahmen sind im Verlauf der Zeit extrem gesunken: Erstens machen sehr viel weniger Leute mit als früher. Und zweitens bleiben diejenigen, die mitmachen, auch deutlich weniger lange Mitglied. Die Hilfsorganisationen streiten das zwar ab, wie z.B. World Vision die Spenderabnahme vor ca. einem Jahr in der Deutschen WAZ. Doch diese Aussagen lassen sich widerlegen (Post vom 1.12.2016).

Zur Kostenproblematik, aber auch zum noch fundamentaleren ethischen Verstoss, der von den „NON-Profit“-Organisationen bei der Zusammenarbeit mit „Profit“-orientierten Spendenunternehmen begangen wird („Profit mit Non-Profit“), empfehle ich das letztjährige Interview der Oberösterreichischen „KirchenZeitung“ mit mir.

Wie die Skandal-Spendensammelfirma „Corris“ von den grössten Schweizer Medien gedeckt wird – neue Enthüllungen (4.1.2018)

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Spendensammelnde heissen in englischsprachigen Ländern „charity muggers“ (Wohltätigkeits-Strassenräuber)

 

GLAUBEN SIE AN VERSCHWÖRUNGEN? ICH NICHT. ES SEI DENN, DIE FAKTEN SPRECHEN FÜR SICH…

„Grapschende Chefs (bzw. deren Tätlichkeiten) sind … bereits dem Feld der sexuellen Gewalt zuzuordnen und überschreiten damit den Sexismus an sich und müssen als kriminelle Handlungen gewertet und verfolgt werden.“ Das hat niemand anderes als die neue Grünen-Nationalrätin Irène Kälin am 30.11. auf Ihrem Blog im November geschrieben.

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Irène Kälin

Dummerweise ist ihr Freund, Werner De Schepper, Co-Chef der Schweizer Illustrierten und ehemaliger Blick-Chefredaktor (beide Blätter sind dem Ringier Verlag zugegliedert – siehe auch letzten Post von vergangenem Jahr) als genau das geoutet worden: Bedrängungen und Berührungen von Po, Beinen und Brust am Arbeitsplatz waren unter ihm an der Tagesordnung – inkl. der Versuch von Zungenküssen.

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Werner De Schepper

Ups! Geht Kälin jetzt konsequenterweise gegen eigenen Freund vor? Das würde doch ausserordentlich verwundern. Wo wir bei den grünen Moralaposteln sind: Ich habe, z.B. bei Unterschriftensammlungen auf der Strasse, selbst schon mit vielen Grünen-Vertretenden über die Sammelproblematik um die Spendenfirma Corris geredet, welche für ihre „Sammel-Dienstleistung“ von Hilfsorganisationen wie dem WWF und früher auch Greenpeace pro Sammler und Tag 850 Franken(!) einstreicht. Fast immer einhellige Meinung: „Riesensauerei“. Nur machen die Grünen trotzdem nie etwas dagegen. Diese ebenfalls unerträgliche Doppelmoral erstaunt aber auch nicht. In meiner Anfang letzten Jahres erstellten Liste von verfilzten Politikern & Politikerinnen auf Nationalebene (Bundesrat & Parlament) mit „Corris“-Spendenfirmen sind gleich acht „grüne Exemplare“ vorzufinden. Plus natürlich neu eben noch Irène Kälin, Aargauer Vorstandsmitglied des Corris-Kunden „VCS“ (Verkehrsclub der Schweiz).

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Peter Wanner

Aargau? Die Aargauer Zeitung, kurz AZ, gehört zu den vier Zeitungen mit der grössten Auflage im Lande, neben „20 Minuten“, dem „Tagi“ und dem bereits erwähnten „Blick (am Abend)“, der die Corris-Problematik seit mehr als einem Jahrzehnt konsequent ignoriert (Blick-Verleger Michael Ringier ist im Patronatskomitee der mit Corris zusammenarbeitenden NGO „Reporter ohne Grenzen“, seine Frau Ellen im Stiftungsrat von Pro Juventute, ebenfalls Corris-Kunde). Doch zurück zum Fall „De Schepper“: davon war wie „logischerweise“ im Blick auch in der AZ(!) so gut wie nichts zu lesen. Naja, De Schepper war ja auch dort stellvertretender Chefredaktor. Ich liebe die vorbildlich „unabhängigen“ Schweizer Zeitungen (mir wär’s ja egal, wenn Verstrickungen vorhanden sind – WENN diese keinen Einfluss auf die Berichterstattung HÄTTEN). A propos, wem gehört eigentlich die Aargauer Zeitung? AZ-Verleger ist Peter Wanner, der zweimal für die FDP in den Nationalrat kandidierte. Seine Frau Maja, ebenfalls FDP, war 2001 bis 2012 im Grossen Rat des Kantons Aargau. Auch über den Corris-Skandal ist in der AZ in den letzten paar Jahren selten bis nie was zu lesen gewesen. Könnte es sein, weil sowohl der eben erst zurückgetretene FDP-Bundesrat Didier Burkhalter als auch sein Nachfolger Ignazio Cassis beide mit „Corris-Hilfswerken“ verfilzt sind (Burkhalter ist Botschafter von Pro Juventute, Cassis war bisher im Stiftungsrat von Fairmed)?

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Michael Ringier

„Den Vogel abgeschossen“ haben aber die TAMEDIA-Medien „20 Minuten“ und der „Tages-Anzeiger“. Die TAMEDIA-Medien kann man sowieso vergessen bei dem Thema, da das Medienhaus links-liberal ist (ich habe sage und schreibe 30 SP-ParlamentarierInnen gezählt, die mit Corris oder anderen Sammelfirmen verstrickt sind, plus als „Sahnehäubchen“ Simonetta Sommaruga, Ex-Chefin der Stiftung für Konsumentenschutz sowie Ex-Präsidentin von Swissaid – Corris-Kunden, versteht sich). TAMEDIA-Verleger ist ein gewisser Pietro Supino, der – für Verschwörungstheoretiker – übrigens auch schon an einer Bilderberg-Konferenz teilgenommen hat. Zwar haben beide Blätter den mit Abstand besten Artikel zum Thema der Weltwoche von 2013 bei ihnen erwähnt, aber verharmlosen die Zahlen in den Titeln zu ihren eigenen Zusammenfassungen. Konkret der Tagi: „Die erste Jahresspende geht an die Sammelfirma“, 20 Minuten (das nebenbei von Corris jahrelang für Corris-Stelleninserate bei sich bezahlt wurde…): „Erste Jahresspende geht komplett an Fundraiser“. Das stimmt doch gar nicht!!! Die Weltwoche hatte rausgefunden, dass 1.66 Jahresspenden draufgehen. Wenn schon müsste es also heissen „Fast zwei Jahresspenden“. Noch viel wichtiger aber: Diese Zahl hatte sich auf eine Referenzkampagne von Corris bezogen, also eine Kampagne, die besonders gut gelaufen ist. Bei schlecht laufende Kampagnen hingegen flossen damals schon zweieinhalb Jahresbeiträge(!) an die Fundraisingfirmen. Heute kann es sogar drei Jahresspenden(!) ausmachen (es machen immer weniger Leute mit und bleiben auch weniger lange Mitglied). Im Übrigen hatte ausgerechnet ein Blatt aus dem Haus TAMEDIA selbst, nämlich die SonntagsZeitung bereits 2004 aufgedeckt, dass (Untertitel) „Bis zu zwei volle Jahresspenden“ an Corris gehen. Man bekommt also den Eindruck, die Sammlungen hätten sich im Verlauf der Zeit verbilligt – dabei haben sie sich verteuert! 

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Pietro Supino

Ah ja, wenn wir schon dabei sind (NGO-Politlobby), nochmal ein Verweis auf meinen Post (inkl. publizierter Leserbrief von mir im Landboten) zu Winterthur, eine der wenigen grossen Schweizer Städte, die nicht in „linker“ Hand ist – und deshalb letztes Jahr auch Massnahmen gegen die Sammelpest erwogen hat. Doch die Anstrengungen wurden abgeschmettert, nicht nur von Links, sondern eben auch von der FDP…

Und vielleicht zum Schluss noch: Dem Schweizer Fernsehen (und Radio), dass sogar regelrecht „hoffnungslos“ in die „Affäre Corris“ verfilzt ist (ich hatte ihm noch eine Chance gegeben, das Thema mit mir anzupacken, aber keine Antwort bekommen auf meine Anfrage einer Beitragskooperation) habe ich im Übrigen ja im Herbst letzten Jahres einen ganzen Post „gewidmet“ – ist natürlich gerade jetzt wieder „überaktuell“ (NO BILLAG-Initiative). Ich meine, jede/r, und sei er/sie auch noch so ein SRF-Fan, wird schwer ins Grübeln kommen, wenn er/sie den Post ohne vorgefertigte Meinung liest – so wie es leider bei Vielen aus SP-Kreisen der Fall ist, die dann zu Schwarz-Weiss-Denken tendieren: „Alles, was Links (SP) ist, ist gut/alles, was Rechts (SVP) ist, ist schlecht“. Und Phrasen des sein Unternehmen verteidigenden, erst gerade abgetretenen SRG-Generaldirektors Roger De Weck wie „Hort des (unabhängigen) Qualitätsjournalismus“ erscheinen einem nur noch als blanker Hohn.

 

 

Beitrag zum Jahreswechsel 2017/2018: Schweizer Hilfswerke, an die man mit Vorsicht spenden kann

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Beat Richner

Wie jedermann und -frau ja beim Durchlesen meines Blogs schnell erkennt, kritisiere ich Hilfsorganisationen ja „ziemlich“ stark. Genauer gesagt aber ausdrücklich solche, die mit „Spendensammelfirmen“ zusammenarbeiten – die sehr hohe Beträge dafür einkassieren, was viele Leute nicht wissen (der allergrösste Teil der Spenden fliesst an diese Face-to-Face Fundraisingagenturen). Eine doppelte Sauerei, da hier erstens Eigennutzen plötzlich vor dem (all-)gemeinen Nutzen kommt, und zweitens unehrlich aufgetreten wird. Das ist nicht nur von den Werbeunternehmen inakzeptabel, sondern auch von den Hilfswerken, welche die ethische Verantwortung für die Sammlungen tragen. Zum Jahreswechsel möchte ich nun aber mal einen etwas positiveren Beitrag machen.

An wen kann man denn überhaupt noch spenden? Fast alle bekannten grösseren Non-Profit-Organisationen machen den Stuss ja mit. Mir fallen spontan lediglich zwei Organisationen ein: Die Beat Richner-Stiftung und die Stiftung Lotti Latrous. Schon gemerkt, beide tragen das „Zewo-Gütesiegel“ NICHT! Und sie arbeiten freilich auch nicht mit Strassen- und Haustür-Fundraisingfirmen zusammen. Ich empfehle diese zwei Organisationen übrigens nicht ausdrücklich. Aber ich meine, dass die Personen dahinter so viel Integrität haben/hatten, dass man mindestens ZUM HEUTIGEN ZEITPUNKT nicht ausdrücklich abraten kann, zu spenden, was ich wie gesagt bei sehr vielen anderen grösseren, bekannten Schweizer NGOs tun muss: Im Speziellen beim Roten Kreuz, dem WWF, Amnesty, Pro Infirmis, Pro Juventute, Pro Natura, Stiftung für Konsumentenschutz, Swissaid und Helvetas.

Weltweit zusammenbrechendes Face-to-Face Spendensammelsystem reisst Hilfsorganisationen mit in den Abgrund (20.12.2017)

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Nur gespielt: Penetrant frisch-fröhlicher Strassen-Spendensammler

„Ich erinnere mich aber an die Zeit, als ich auf der Strasse Mitglieder für NGOs angeworben und dabei alle 2 Stunden eine Guarana-Tablette zerkaut habe, um die nötige Aufgedrehtheit für’s Überzeugen zu haben; Abends war ich dann meist so daneben, daß ich ziellos durch die Wohnung tigerte, keinen Gedanken fest halten konnte.“ Das habe ich eben erst von einem langjährigen Spendensammler der Schweizer „Fundraising“-Firma Corris mitbekommen, die für den WWF, Amnesty International, Swissaid, Helvetas, Pro Juventute oder Pro Infirmis auf Strassen oder auch teilweise vor Haustüren Dauerspenden an Mann & Frau zu bringen versucht (und dabei im Tag von den Hilfsorganisationen pro sammelnde Person 850 Franken oder 730 Euro bekommt). Kurz: Nicht mal die Sammelnden (abgesehen von ein paar – wohlgemerkt – ziemlich sonderbaren Spezialfällen) mögen den Job – bei der Spenderschaft sind die „Wohltätigkeits-Strassenräuber“ ja schon seit längerem verhasst. Die einzigen, die es gut finden, sind die Hilfsorganisationen, welchen die lästigen Sammelaktionen abgenommen werden – und natürlich die Spendenfirmenbosse, von denen es mindestens einer, wie ich weiss, durch „das Geschäft mit der guten Sache“ sogar zum Milliardär gebracht hat. Doch das Blatt wendet sich, denn was die Hälfte der Non-Profit-Organisationen in Deutschland selbst dazu gemeint hat(!); nämlich dass solche kommerziellen Sammlungen rufschädigend sind – und zwar für den ganzen Sektor(!) – tritt immer klarer zu Tage. Ein Super GAU lässt sich genauer gesagt gar nicht mehr aufhalten, mindestens für diejenigen Organisationen, die den Nonsens immer noch mitmachen. Das weltweit zusammenbrechende Face-to-Face Spendensammelsystem wird die Hilfsorganisationen mit in den Abgrund reissen – zu recht. Wobei ich darauf hinweisen möchte: Fehler machen ist selbstverständlich nicht verboten. Aber 50 Jahre lang den gleichen fundamentalen Fehler machen, ist schlicht nicht mehr zu verzeihen: Das Deutsche Rote Kreuz arbeitet seit 1968(!) mit der Haustürsammelfirma „Wesser“ zusammen. Nur kurze Zusammenfassung, was sich in den letzten 24 Stunden so alles ereignet hat – vor allem im Herkunftsland des Face-to-Face Fundraising; resp. eben in Deutschland, wo die Post ja schon seit ca. einer Woche abgeht: Dort musste der Leiter des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen (DZI), welches „seriösen“ Hilfsorganisationen ein „Spendensiegel“ verleiht (komischerweise haben auch Organisationen, welche auf Wohltätigkeits-Räuberei setzen, das Spendensiegel); Burkhard Wilke, beim Radio antraben (unter anderem bei „Deutschlandfunk Nova“). Als liesse sich über das DZI eine Lösung in der Sache realisieren. Haben die Radiomacher noch nicht mitbekommen, dass Wilke selbst schon vor Jahren (NDR, 13.9.2010) klarste Stellung („unseriöse Drückermethoden“) zum Thema bezogen hat – und in diesem Sinne allen betroffenen Hilfsorganisationen schon längstens das Spendensiegel HÄTTE entziehen MÜSSEN. Auch interessant der aktuelle, kritische Bericht der Augsburger Allgemeinen: „In Augsburg stieg die Zahl der Infostände, die von der Stadt für Hilfsorganisationen genehmigt wurden, jahrelang an. 2013 waren es nach Auskunft der Stadt noch 165, im vergangenen Jahr 276“. Hier wird der Sammelirrsinn erst so richtig deutlich. Denn die Verkaufszahlen gehen gerade deswegen ja noch mehr zurück, als dass sie es schon jetzt tun: Bis zu 95 Prozent der Gesamtspenden solcher Kampagnen werden inzwischen von den Sammelfirmen „abgezweigt“. Oder mit anderen Worten: Der weltweite Hilfsorganisationssektor fährt mit Schallgeschwindigkeit in eine Mauer – und beschleunigt dabei sogar noch!  Was nicht fehlen darf: Die Stadtverantwortlichen, die zum Schluss des Beitrags natürlich wieder beschwichtigen: Alles halb so schlimm. Verständliche Worte, bei der gigantischen Polit-Lobby der Hilfsorganisationen (siehe auch Beitrag zu Sammelaktionen für Björn Steiger-Stiftung) im Rücken…

 

 

 

NZZ-Kommentar + Analyse des Blogbetreibers zum Thema Corris & Co. vom 19.12.2017

Nach vernichtenden Beiträgen in den deutschen Medien „Die Welt“ und „tz“ (München) ist gut ge“time“t zum kommenden „Heiligabend“ auch in der Schweiz wieder ein kritischer Kommentar in der NZZ zu Corris & Co. (die „Wohltätigkeits-Strassenräuber“, Sie wissen schon) erschienen. Bevor ich meinen obligaten Senf dazugebe, hier der betreffende Ausschnitt des Beitrages:

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Corris AG-Spendensammlerin beim Abzocken im Namen des Gehörlosenbundes

 

DAS GESCHÄFT DER HILFSWERKE MIT DEM SCHLECHTEN GEWISSEN

Ob Bettelbriefe oder aggressive Strassenkampagnen: Jedes Jahr gehen Hilfsorganisationen mit emotionalen und zuweilen fragwürdigen Tricks auf Spendenfang. Damit untergraben sie ihre eigene Glaubwürdigkeit.

…Vor allem zur Weihnachtszeit hören viele Passanten in Bahnhöfen, Einkaufspassagen und zentralen Plätzen Fragen wie «Haben Sie kurz eine Minute Zeit für die Natur?» oder «Mögen Sie Tiere?» . Sie zwingen damit die Angesprochenen zum Innehalten. Denn wer kann hier schon Nein sagen?

Die Passanten bekommen darauf mitleiderregende Bilder zu sehen, Bilder von abgeholzten Regenwäldern, von zerzausten Tieren in Käfigen, von hungernden Kindern. Diese Fotos werden von überfreundlichen Spendensammlern dargeboten, die damit ihre Argumente so virtuos wie geschickt untermauern. Doch bei diesen jungen, kommunikativen Menschen handelt es sich vielfach nicht um Aktivisten. Sie sind meist angestellt von privaten Fundraising-Unternehmen wie etwa Corris AG, welche im Namen von Hilfswerken wie Caritas oder dem WWF Geld eintreiben und Geld verdienen. Das Ziel ist, die Passanten am Stand dazuzubringen, ein Lastschriftverfahren zu unterschreiben. Das ist lukrativ, da es den Spender zum verlässlichen Zahler macht…

 

„Damit untergraben Sie ihre eigene Glaubwürdigkeit.“ Das ist sicherlich der wichtigste Satz im Beitrag. Ich kann es nur immer wiederholen: Hier wird ein „Von Mensch zu Mensch“-Vertrauensverhältnis zwischen den wohltätigen Organisationen und ihrer Spenderschaft „vorgegaukelt“. Denn die Wohltätigkeits-Strassenräuber sind ja eben gar nicht von „gemeinnützigen Non-Profit-Organisationen“. Sondern gerade andersrum, bzw. komplett widersprüchlich, von „eigennützigen Profit-Organisationen“, im Fachjargon „Fundraisingagenturen“, welche sich – in erster Linie selbstverständlich deren Bosse – damit eine goldene Nase verdienen. Sie betreiben also „Profit mit NON-Profit“, was einer Pervertierung des gemeinnützigen Gedankens gleichkommt: „Big Business unter dem Deckmantel der guten Sache“, sozusagen. Corris verrechnet den Hilfsorganisationen pro Wohltätigkeits-Strassenräuber und Tag 850 Franken oder 730 Euro. Was gegenwärtig umgerechnet gegen drei Jahresspenden(!) ausmacht, die von jeder Mitgliedschaft quasi „abgezweigt“ werden. Vor 20 Jahren waren es bei Strassensammlungen noch eine Jahresspende (womit viele Organisationen die Öffentlichkeit noch heute belügen), die „draufging“. Doch das stimmt längstens nicht mehr, da immer weniger Leute mitmachen und auch ihre Mitgliedschaft heute viel eher kündigen. D.h. immer mehr Spendengeld fliesst ab (diese Zahlen gelten übrigens weitgehend international, bzw. überall ist die rückläufige Entwicklung in etwa gleich). Und um zum Schluss auch wieder mal darauf aufmerksam zu machen: Corris-Besitzer Gerhard Friesacher hat sich mit einem Teil der Millionen, die er mit Corris gemacht hat, inzwischen ein zweites Standbein aufgebaut; die Ladenkette „Changemaker“, welche „stylishe“ und nachhaltige (so wird es mindestens gesagt) Produkte verkauft. Friesacher, „ein knallharter Geschäftsmann“, wie mir ein langjähriger Corris-Sammler erst kürzlich bestätigt hat, weiss eben, wie man Business macht – gerade in der Weihnachtszeit…

 

Ah ja, hier noch der Link zum NZZ-Artikel: https://www.nzz.ch/meinung/das-geschaeft-der-hilfswerke-mit-dem-schlechten-gewissen-ld.1339739

Kollaps des weltweiten Hilfsorganisationssektors durch „Face-to-Face“ Spendensammelskandal: Finaler Shitstorm „dank“ der Caritas!? (18.12.2017)

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Spendensammelteam wird auf Betteltour herumgekarrt

 

Die Wut der weltweiten Spenderschaft über an Werbefirmen ausgelagerte Haustür- & Strassen-Spendensammlungen kanalisiert sich zunehmend auf deren Urheber:  Das Deutsche Rote Kreuz und deren Partnerfirma „Wesser“, die als erstes ein Geschäft aus solchen Sammlungen gemacht hat. Für eine massive Verstärkung der Kritik sorgt nun aber auch noch eine andere Hilfsorganisation – die grösste Deutschlands.  

„Die Welt“ hat vor paar Tagen vorgelegt mit gleich drei Artikeln zur modernen Wohltätigkeits-Räuberei (siehe erster, generell gehaltener Beitrag inkl. Analyse sowie Analyse der zwei Rotes Kreuz-Beiträge). Die Müncher „tz“ sorgt nun für Aufrechterhaltung des Drucks mit einem weiteren Beitrag zur Wesser GmbH, die auch mit den Not- und Rettungsdienst anbietenden Johannitern zusammenarbeitet (auch die anderen zwei Organisationen in diesem Bereich, respektiv der ASB und die Malteser schwören schon seit Jahrzehnten auf in Deutschland unter dem Sammelbegriff „Drückerkolonnen“ bekannte, kommerzielle „Spendensammel-Gangs“. Die Vorwürfe über inakzeptable Anwerbemethoden (z.B. versteckte Androhung, man würde womöglich bei einem Notfall nicht abgeholt werden) sind ja immer etwa die gleichen. Spannenderweise mischt nun aber auch die Caritas, die grösste deutsche Hilfsorganisation, bei der Kritik mit – Caritas Österreich hatte schon Anfang Jahr den ersten Schritt gemacht. Der Münchner Caritas-Chef Norbert Huber: „Wir können es uns nicht leisten, die Menschen zu verprellen.“ Caritas Deutschland scheint endlich – sprich: leider viel zu spät – begriffen zu haben, dass dieses perfide Sammelsystem den ganzen Hilfsorganisationsbereich kaputt macht, da ganz generell das Vertrauen der Spenderschaft dadurch zerstört wird (siehe Interview mit Blogbetreiber in „Die Stimme“/Heilbronn). Auch  Deutsche Caritas-Verbände hatten, mindestens teilweise, vor vielen Jahren mit kommerziellem Face-to-Face Fundraising experimentiert, aber nach schlechten Erfahrungen den Versuch bald wieder abgebrochen. Vielleicht hat sich Caritas Deutschland erst jetzt zur Kritikunterstützung entschieden, da Caritas Schweiz wiederum bis vor Kurzem selbst noch bei einer Sammelfirma Kunde war(!); der berüchtigten Schweizer „Corris AG“. UND Caritas Schweiz-Geschäftsleitungsmitglied Odilo Noti – der zu allem Übel auch noch als Präsident des Schweizerischen FundraiserInnen-Berufsverbandes „Swissfundraising“ fungiert – ausgerechnet der Mann von Martina Ziegerer ist, der Geschäftsleiterin der Schweizer Hilfsorganisations-Kontrollstelle „Zewo“ (Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen): F-I-L-Z!!! Solche NGO-Kontrollinstitutionen hätten ja schon vor Jahrzehnten gegen den Sammelnonsens vorgehen sollen; z.B. ganz einfach mittels Spendensiegel-Entzug. Hiermit ist also beantwortet, warum das nie geschehen ist. Die Zewo-Verfilzung betrifft nämlich bis zu einem gewissen Grad auch andere nationale Kontrollstellen dieser Art, wie z.B. das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen „DZI“ oder das „Österreichische Spendengütesiegel“. Präsidentin des ICFO (International Committee on Fundraising Organizations), des internationalen Dachverbandes solcher Kontrollstellen, ist nämlich ebenfalls Martina Ziegerer; die Chefin der Schweizer Zewo…

Weltweiter Kollaps des „Face-to-Face“ Spendensammelsystems: Hilfsorganisationen zerfleischen sich gegenseitig! (14.12.2017)

Hilfsorganisations-Spendensammlungen vor Haustüren oder auf Strassen werden in der Regel von beauftragten, kommerziellen „Sammelfirmen“ durchgeführt, die heute gegen 3 Jahresspenden jedes spendenden Mitglieds selbst einstecken. Der Blogbetreiber lebt seit über 3 Jahren auf der Strasse, um sich dem Kampf gegen solche „Wohltätigkeits-Räuberei“ vollends widmen zu können. 

Greenpeace Österreich (macht Aktionen nun im Gegensatz zu bspw. englischer Sektion selbst) liess als erstes kommerzielle Strassensammlungen durchführen

 

Durch verhasste kommerzielle Strassenspendensammlungen selbst unter Druck geratene Hilfsorganisationen fallen schwächelndem Deutschen Roten Kreuz in den Rücken, welches als erste Hilfsorganisation auf die Zusammenarbeit mit solchen Spendensammelfirmen setzte. In Wahrheit sind die anfänglichen Haustürsammlungen aber nur geringfügig schlimmer als von Fundraisingagenturen ausgeführte, „kopierte“ Strassensammlungen. Der „Vatermord“ wird auf die Intrigierenden zurückfallen.

Heute ist schon wieder verheerender Beitrag von „Die Welt“ erschienen zu Spendensammel-Quälgeistern. Und man hat sich offenbar aufs Rote Kreuz „eingeschossen“, denn schon vor paar Tagen ist zu generell vernichtendem Artikel zu Haustürsammlungen ein zweiter, speziell dem Roten Kreuz „gewidmeter“, erschienen. Im Prinzip keine schlechte Wahl: Das Deutsche Rote Kreuz war weltweit die erste Hilfsorganisation, die, was im Übrigen nur mit endloser Arroganz erklärbar ist (unter anderem als mehrmaliger Friedensnobelpreisträger), auf Spendensammelfirmen gesetzt hat. Und diese Haustürsammlungen, mit welchen 1968 die beauftragte Firma „Wesser“ begann, auch in den Jahrzehnten danach gegen alle Widerstände durchgeboxt hat. Nur kann sie das nun nicht mehr, denn die „Klinkenputz-Ganoven“ sind inzwischen so verhasst, dass Pro-Argumente von der Öffentlichkeit gar nicht mehr ernst genommen werden. Das Dumme ist einfach: Die im ersten Rotkreuz-Artikel erwähnten, Haustürfundraising kritisierenden Strassensammel-Werbefirmen sind ja gar nicht viel besser! Die zwei fundamentalen ethischen Verstösse sind sowohl bei Haustür- als auch Strassensammelkooperationen von „Non-Profit“-Organisationen mit „profit“-orientierten Agenturen dieselben: Erstens wird hier völlig unzulässig „Profit“ mit „Non-Profit“ betrieben und zweitens wird bei den Sammlungen nicht wirklich transparent gemacht, dass dahinter eben profit-orientierte Agenturen stecken. Aber zurück zu den Street-Fundraising Agenturen im Beitrag, namentlich „DialogDirect“, „talk2move“ und „Hello“ (der „Hello“-Chef war davor bei talk2move), die unter anderem für den Bund für Umwelt und Naturschutz („BUND“), die „UNO-Flüchtlingshilfe“, „World Vision“, „Menschen für Menschen“, „SOS Kinderdorf“, „CARE“, „WWF“ oder „Amnesty International“ Leute auf der Strasse belästigen und sicherlich auf deren einflussreiches Netzwerk beim „Rotes Kreuz-Bashing“ zählen dürfen. So heisst es dann etwa: „Dabei gilt diese Methode bei professionellen Spendensammlern als Schmuddelkind. Drei große Fundraising-Agenturen, Dialog Direct, talk2move und Hello, erklären auf Anfrage übereinstimmend: Haustürwerbung böten sie aus Prinzip nicht an. Klinken putzen, sagt einer der Manager von talk2move, empfinde man als Grenzüberschreitung, als Eindringen in die Privatsphäre potenzieller Spender.“ Uiuiuiuiui, da lehnen sich die drei Agenturen aber „bis zu den Fussspitzen“ aus dem Fenster. Denn: Der anfängliche DialogDirect-Oberboss Franz Wissmann war vorher selbst lange bei Wesser, wie auch talk2move-Boss Robert Hatwagner für eine gewisse Zeit. Hatwagner ist in seinen besten Zeiten als Sammler auf Monatslöhne von um die 12’000 Mark gekommen (zu jener Zeit machten noch um ein Vielfaches mehr Leute mit als heute, womit aussergewöhnlich hohe Provisionen erzielt werden konnten). Mit diesem Kapital haben sich Wissmann und Hatwagner dann ihre eigenen Agenturen aufgebaut. DialogDirect machte ausserdem am Anfang erst selbst Haustürsammlungen(!); in Österreich für Greenpeace. Nur weil dann DialogDirect-Mann Andreas Leitner, der zuvor ebenfalls bei Wesser war(!), auf die „glorreiche“ Idee kam, dasselbe Sammelprinzip doch einfach mal auf der Strasse auszuprobieren und man anfangs damit bessere Zahlen rausholte als mit Haustürsammlungen, wurde auf die Strasse gewechselt. Hatwagner wiederum musste mit talk2move regelrecht aus Österreich „flüchten“. Und zwar nicht wegen Haustür-, sondern Strassensammlungen! Denn er hatte zwecks noch grösserer Umsätze seine Sammelgangs derart unter Druck gesetzt, dass in der Folge ein Shitstorm sondergleichen auf talk2move niederprasselte, und man sich entschied, nach Deutschland abzuwandern.

Also ich glaube, ich kann ab jetzt ein bisschen zurücklehnen mit kritische Einträge zum Thema verfassen. Denn der neue, im Potential länderübergreifende, sprich: viel grössere Shitstorm  als der damalige, auf das kleine Österreich beschränkte, der witzigerweise nun sogar teilweise von den Strassensammelfreaks selbst mitentfacht wurde, wird diese schlussendlich selbst niedermähen – wetten? Und ich meine: Auch die Hilfsorganisationen, die mit Strassensammelfirmen kooperieren, werden ihr Fett wegkriegen – mehr, als ihnen lieb ist…

TOP!-Beitrag der deutschen „Welt“: Vorsicht vor „Drückermethoden“ der Spendensammler an der Haustür – inkl. Analyse (10.12.2017)

Top-Beitrag der deutschen „Welt“ zu kommerziellen Wohltätigkeits-Haustürräubern (in Deutschland „Drückerkolonnen“ genannt) im Auftrag von Hilfsorganisationen. Ein Satz allerdings – gerade zu Beginn – stösst mir mehr als sauer auf: „Schuld (an unangenehmen Erfahrungen mit Spendensammlern) ist ein System, das Verbraucherschützer und Politiker alarmiert.“ Kompletter Quatsch: Auch der Deutsche Verbraucherschutz hat sich jahrzehntelang viel zu stark zurückgehalten mit Kritik an diesem Sammelsystem (ich bin selbst vor paar Jahren mit einer sehr sorgfältig ausgearbeiteten Reklamation an diesen nicht durchgedrungen). Und die Politik (die teilweise mit dem Verbraucherschutz verlinkt ist) hat sogar – gerade andersrum(!) – lange Zeit für dieses perfide Sammelsystem lobbyiert!!!  Meine Analyse des Beitrags habe ich übrigens jeweils den Abschnitten in roter Schrägschrift und in Klammern beigefügt (es versteht sich im Übrigens von selbst, dass die beherzte Reaktion von Verbraucherschutz und Politik viel zu spät kommt; der Schaden wird sich nicht mehr beheben lassen).

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Haustür-Spendensammler von „Drückerkolonnen“ (Spendensammelfirmen) geben sich illegal als Hilfsorganisationsangestellte oder sogar Ehrenamtliche aus

 

„Plötzlich war der Fuß in der Tür“: In der Vorweihnachtszeit machen viele Deutsche unangenehme Erfahrungen mit Spendensammlern. Schuld ist ein System, das Verbraucherschützer und Politiker alarmiert.

Zur Vorweihnachtszeit sind bundesweit professionelle Spendensammler unterwegs, um neue Mitglieder anzuwerben – im Auftrag wohltätiger Organisationen wie des Deutschen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsbunds, der Johanniter-Unfall-Hilfe und des Arbeiter-Samariter-Bunds. Von Verbraucherschützern und aus der Politik kommt nun Kritik am Vorgehen der Organisationen. Sie entlohnen die von ihnen beauftragten Agenturen offenbar häufig ausschließlich über erfolgsabhängige Provisionen. Auch die Honorarkräfte an den Haustüren bekommen nur dann Geld, wenn sie neue Mitgliederverträge abschließen (Analyse: Wenn das tatsächlich immernoch so ist, bzw. das neue Mindestlohngesetz übergangen wird, ist das natürlich noch ein Skandal mehr).

Die Expertin für Sozial- und Arbeitsmarktpolitik der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese, sagte der WELT AM SONNTAG: „Wenn man Mitglieder an Haustüren anwirbt, muss sichergestellt sein, dass für die Mitarbeiter dieser Fundraising-Agenturen der Mindestlohn eingehalten wird.“ (Analyse: Ist übrigens nicht nur in Deutschland zu bemängeln, in Australien wurde vor noch nicht allzu langer Zeit über eine zweistellige Millionenklage von unterbezahlten „Drückern“ berichtet).

Erfolgsabhängige Honorare könnten sonst schnell zu „Drückermethoden“ an den Haustüren führen, wie der Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg, Michael Knobloch, der WELT AM SONNTAG sagte. „Bei diesem Geschäftsmodell kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Provisionsinteresse der Werber im Vordergrund steht und versucht wird, Verbraucher in Verträge zu drängen.“ (Analyse: Dass das Provisionsinteresse oft im Vordergrund steht, ist doch aus der Vergangenheit bereits hunderttausendfach belegt (auch in der Schweiz) – trotzdem hat der Staat nie etwas gegen diese Sammelzusammenarbeit zwischen Hilfsorganisationen und Drückerkolonnen  unternommen).

Einige Spendensammler pochen beispielsweise auf sofortige Unterschrift von Mitgliedsbeiträgen, manchmal schüren sie bei den oft älteren potenziellen Neumitgliedern, die tagsüber die Türen öffnen, auch Ängste. Zum Beispiel: Ohne die Spende sei der Rettungsdienst im Ortsteil vielleicht bald nicht mehr gewährleistet. (Analyse: Was „eigentlich“ widerrechtlich wäre, bzw. „Nötigung“).

Das gibt etwa ein Kreisverbandschef des Deutschen Roten Kreuzes zu, Eckart Fuchs aus Ulm. „Wir bekommen dann Anrufe von Bürgern, dass ein Fuß in der Tür stand. Oder dass der Werber sagte, es handele sich um eine einmalige Spende anstatt um eine Dauermitgliedschaft.“ Sein Kreisverband habe deshalb sogar schon einmal eine Haustüraktion gestoppt und die Zusammenarbeit mit der Agentur beendet. (Analyse: Jämmerliche Heuchelei: Das Deutsche Rote Kreuz macht diese Kooperation am längsten, nicht nur in Deutschland, sondern sogar weltweit – und tut jetzt so, als hätte es schon seit jeher unglaublich viel für eine Verbesserung der Situation unternommen.)

Werber treten in Sanitäter-Uniform auf

Hilfsorganisationen, die Rettungsdienste organisieren, nutzen den Recherchen der WELT AM SONNTAG zufolge die Haustürmethode deutlich häufiger als andere gemeinnützige Vereine. Bei den Maltesern werden drei von vier neuen Mitgliedern auf diese Weise angeworben, beim Deutschen Roten Kreuz sind es in manchen Kreisverbänden sogar noch mehr. Häufig treten die Werber in Sanitäter-Uniform auf – obwohl sie keine Rettungskräfte, sondern Honorarkräfte im Auftrag von Subunternehmen sind. (Analyse: Ein Fall von „arglistiger Täuschung“, da so der Eindruck entsteht, es wären Rettungsprofis der Hilfsorganisationen selbst, juristisch gesehen ebenfalls eine Straftat – was ein äusserst schiefes Licht auf Staatsanwaltschaft wirft, die schon längstens hätte dagegen vorgehen sollen). 

Deren Arbeit müssen neue Fördermitglieder von ihren Spenden bezahlen, was sie jedoch häufig nicht erfahren. „Im Schnitt geht der erste Jahresbeitrag eines neuen Fördermitglieds, das an der Haustür angeworben wurde, für das Honorar der beauftragten Agentur drauf“, sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), bei dem sich wohltätige Organisationen für ethisch korrektes Spendensammeln zertifizieren lassen können. (Analyse: Falsch, ÖKO-Test hatte bereits 2002 aufgedeckt, dass es 1-3(!) Jahresbeiträge sind, bzw. genauer gesagt waren es damals noch mehrheitlich 1-2 Jahresbeiträge, während heute aufgrund der stetigen Verteuerung (es machen immer weniger Leute mit) gegen 3 Jahresspenden draufgehen).

Um Drückermethoden und Verstöße gegen das Mindestlohngesetz zu vermeiden, sieht das Spendensiegel des DZI vor, dass mindestens die Hälfte des Honorars für die Agenturen ein Fixgehalt sein muss. Doch weder die Malteser noch der Arbeiter-Samariter-Bund haben dieses Siegel. Beim Deutschen Roten Kreuz – mit 164.500 Mitarbeitern und mehr als 400.000 Ehrenamtlichen ein Riese in der Wohlfahrtsbranche – trägt nur der Bundesverband das Gütesiegel. Die Aufträge an die Spendensammelagenturen erteilen jedoch die knapp 500 Kreisverbände, die sich an die ethischen Maßgaben nicht halten müssen. (Analyse: Auch wenn die zwei erwähnten Rettungs- und Notdienstorganisationen das DZI-Spendensiegel hätten, würde es nichts nützen, da die Hilfsorganisationen durch Einflussnahme das DZI als „Lobbyorganisation“ missbrauchen).

 

NEWS zum durch Wohltätigkeits-Strassenräuber ausgelösten, weltweiten Kollaps des Hilfsorganisationssektors (Dezember 2017)

Bildergebnis für drückerkolonne hilfsorganisation

Wohltätigkeits-Strassenräuberin: Eigennützige Uneigennützigkeit

 

Ich hatte es schon lange (und zugegebenerweise auf ein zu frühes Datum hin) prophezeit, aber nun ist es definitiv soweit. Der weltweite Hilfsorganisationssektor ist am kollabieren – um gleich anzufügen: WIE LANGE dieser schrittweise Zusammenbruch letztendlich dauern wird, kann ich auch nicht sagen. Aber die Glaubwürdigkeit ist weg. So haben erst gerade die Schweizer Hilfswerke zugegeben, dass dieses Jahr erstmals ein Spendenrückgang zu konstantieren ist, ein paar Tage gefolgt von der Wiener Caritas, die stellvertretend für den gesamten österreichischen Non-Profit-Sektor ebenfalls öffentlich einen in der neueren Zeit erstmaligen Spendenrückgang beklagt. Der Hauptgrund für den Glaubwürdigkeitsverlust sind mit Sicherheit die Wohltätigkeits-Strassenräuber („charity muggers“) kommerzieller „Sammelfirmen“. Gemeint sind damit natürlich die Sammlungen für Fördermitgliedschaften auf Strassen und freilich auch vor Haustüren, bei denen ein „Von Mensch zu Mensch“-Vertrauensverhältnis zwischen den wohltätigen Organisationen und ihrer Spenderschaft „vorgegaukelt“ wird. Denn die Wohltätigkeits-Strassenräuber sind ja eben gar nicht von „gemeinnützigen Non-Profit-Organisationen“, sondern gerade andersrum von „eigennützigen Profit-Organisationen“, im Fachjargon Fundraisingagenturen, die sich – vor allem deren Bosse selbstverständlich – eine goldene Nase verdienen: Die Schweizer Corris AG verrechnet den Hilfsorganisationen pro Wohltätigkeits-Strassenräuber und Tag 850 Franken oder 730 Euro. Was heute umgerechnet gegen drei Jahresspenden(!) ausmacht, die von jeder Mitgliedschaft quasi „abgezweigt“ werden – vor 20 Jahren waren es bei Strassensammlungen noch eine Jahresspende (diese Zahlen gelten übrigens weitgehend international, bzw. überall ist die rückläufige Entwicklung in etwa gleich). Respektiv: Es geht immer mehr Spendengeld drauf, da das Verhältnis der fixen (Kampagnen-)Kosten zu den sinkenden(Spenden-)Erträgen sich stetig verschlechtert. Denn es machen konstant weniger Leute mit. Und sie bleiben auch weniger lange Mitglied (Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria im Branchenmagazin „Fundraiser“, Ausgabe Nr. 5/2012: „Im Vergleich zu vor zehn Jahren sind die Responseraten gesunken und die Stornoquoten gestiegen.“). Umso schlimmer für die Glaubwürdigkeit des Non-Profit-Sektors, dass auch heute – man muss sogar sagen: heute erst recht(!) – von den Nicht-Regierungs-Organisationen trotzdem ständig falsche oder nicht mehr aktuelle Zahlen herausgegeben werden. In der grössten Regionalzeitung Deutschlands etwa, der WAZ (deckt gesamten Ruhrpott ab), erschien Ende letzten Jahres ein Beitrag, wo World Vision immernoch von einem Jahresbeitrag spricht, der abfliesst! Noch schlimmer aber das Lügenkonstrukt des WWF. Ich gebe nämlich im Beitrag ein Statement ab, das die WAZ sogleich kommentiert: „… Während ein Dialoger (Anmerkung: Wohltätigkeits-Strassenräuber) laut Brutschin vor 20 Jahren noch rund acht Spender pro Tag anwerben konnte, seien es heute bloss noch zwei bis vier … Dementsprechend befürchten Kritiker, dass der größere Teil der Spendensumme bei den Agenturen landet – und eben nicht da ankommt, wo sie ankommen sollte…“ Der WWF entgegnet nun im selben Beitrag, dass dieser Kostenanteil an den Spenden lediglich „zwölf Prozent“ betrage! Kompletter Unsinn: Das war es ja nicht mal vor 20 Jahren!!!

Spenden gleich hoch wie Werbeausgaben: Haustür- & Strassensammlungen mutieren zum Nullsummenspiel für Hilfsorganisationen (2.12.2017)

Filz: Schweizer Verbraucherschutz arbeitet selbst mit Sammelfirma zusammen

Habe gerade schräge Geschichte aus England mitbekommen. Ein Security-Mann schob dort jüngst vor dem Ladeneingang einer Warenhauskette Wache, wo zufälligerweise auch gerade eine Spendensammel-Gang – in Deutschland sagt man bekanntlich „Drückerkolonnen“/in Österreich „Spendenkeiler“ – einer Spenden-Werbefirma (Fundraisingagentur) herumräuberte. Nun hatte der Security aber vermutlich von einem Freund, der in einer Hilfsorganisations-Geschäftsleitung arbeitet, erfahren, dass die Spendensammlungen auf den Strassen/vor Haustüren gar nicht mehr rentieren, bzw. die fixen Kampagnenausgaben der Hilfsorganisationen die schwindenden Spendeneinnahmen inzwischen praktisch „auffressen“; es machen schliesslich massiv weniger Leute mit, und sie bleiben auch weniger lange Mitglied! Er hat also sämtliche Angesprochenen, die von den „Wohltätigkeits-Strassenräubern“ angefallen wurden – welche ja eben gar nicht von den wohltätigen Organisationen, sondern von „Sammelfirmen“ sind, die sich mit den Aktionen dumm und dämlich verdienen – darüber aufgeklärt, dass i.d.S. nur 1 Prozent der Spenden „ankomme“ (natürlich wird das in der Öffentlichkeit unter dem Deckel gehalten, respektiv: Es werden sogar öfters falsche Zahlen herausgegeben – nicht nur in England…)! Tatsächlich sind die Aktionen in England in Wahrheit schon jetzt teilweise zum „Nullsummenspiel“ verkommen. Unter anderem deswegen haben in den letzten paar Jahren auch eine zweistellige Zahl von Werbeagenturen schliessen müssen. Aber auch in den deutschsprachigen Ländern ist man SEHR nahe an diesem Punkt (von einem ethischen Standpunkt gesehen hat die Kooperation ja sowieso nie Sinn gemacht, da hier „Profit mit Non-Profit“ betrieben wird). So hat eine der vier Organisationen in Deutschland, dem „Urland“ des Face-to-Face Fundraisings (angefangen wurde mit Haustürsammlungen), die am längsten mit Drückerkolonnen kooperieren und alle im Rettungs- und Notdienstbereich tätig sind, namentlich das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Johanniter und die Malteser, bzw. letztere, vor Kurzem angefangen, die Kampagnen zumindest teilweise selbst durchzuführen (über interne „SeniorenberaterInnen“). Diese Massnahme ist zweifellos aus einer absoluten Notsituation entstanden. Denn obwohl die Eigendurchführung solcher Aktionen nicht nur möglich, sondern mindestens auf der Strasse durchaus ethisch vertretbar wäre (Haustürsammlungen sind meiner Meinung nach so oder so zu heikel), haben alle vier dieser Haupttäterinnen unter den Hilfsorganisationen ausser einem jämmerlichen Versuch des DRK(*), wenn’s mir recht ist in den 90-er Jahren, nie eine Anstrengung unternommen, die Aktionen selbst zu machen (inzwischen haben die vier „wohltätigen Organisationen“ ja auch noch andere Einnahmequelle gefunden in Form von Steuergeldern für überteuerte Flüchtlingsunterkünfte).

Hamburg: 900 Millionen Euro für Flüchtlinge (Hamburger Abendblatt, 2.12.2017)

Strassensammlungen werden im Übrigen immerhin von ein paar wenigen Organisationen eigens durchgeführt (z.B. von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, Amnesty & WWF in Österreich oder Save the Children in der Schweiz, wobei aber alle diese Organisationen in anderen Ländern dann trotzdem wieder mit kommerziellen Wohltätigkeits-Strassenräubern kooperieren). Ausserdem möchte  ich zum Schluss anmerken: Wie auch immer; es ist eine Bereinigung im Non-Profit-Sektor im Sinne einer Verkleinerung von Nöten, denn er ist schlicht und einfach zu gross.

Weiterer neuer empfehlenswerter Beitrag: „Fundraisingagenturen begehen juristisch gesehen Betrug – warum die Justiz nicht aktiv wird“ – siehe auch „Eine Sauerei“ (Medienbeitrag des Blogbetreibers in KONSUMER-Magazin vom Juni 2017)  

* Aus „Drücker in Uniform“ von Mike Redhorn (Redhorn braucht das Pseudonym „Black Point“ für „Rotes Kreuz“): „Die Erträge waren ständig gesunken, da mittlerweile zu viele Hilfsverbände sich gegenseitig die Mitglieder abjagten … Zudem hatte der Bundesverband vom Hilfsbund Black Point eine eigene Werbefirma gegründet … um sich von „unlauteren Drückermethoden von dubiosen Werbekolonnen“ abzugrenzen … Ich bewarb mich bei der neugegründeten Black Point-eigenen Werbefirma, die überregional in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz für weiteren Mitgliederzuwachs mit Hilfe von Drückerkolonnen sorgen sollte … Ich traf den sogenannten „Organisationsleiter“ der Werbefirma vom Black Point, Herrn Karl Maus … Wir wohnten zentral in Oldenburg, wurden dort gut und preiswert in einem Hotel untergebracht. Fantastisches Frühstück, eine erstklassige Küche und charmanter Service: Wir waren rundum zufrieden …
… Die Presse wurde eingeschaltet … Herr Maus kam pünktlich. Eilig wies er uns an, zurückhaltend zu sein, da er die grösste Presseerfahrung hätte. „Mit den Burschen von der Presse kann ich umgehen, den Kerl seif‘ ich schon ein!“ Der Pressevertreter, ein jüngerer Mann in Begleitung einer Fotografin eröffnete mit ernster Miene, dass er von einer Bewohnerin angerufen worden wäre, „es wären schlimmste Drücker unterwegs, und so was will man hier auf dem Lande überhaupt nicht!“ Herr Maus konterte sofort mit charmantem Lächeln: „Wo sehen Sie hier einen Drücker?“ Er erzählte, dass wir alle „feste“ Mitarbeiter wären, ordentliche Mitarbeiter der Black Point-eigenen Werbefirma, geschult in allen sozialen Bereichen, die niemals „drücken“ würden. „Die Leute hier geben sich auch mit einem Schulterklopfen zufrieden, wenn sie erfolgreich waren!“ Der Mann log mit einem umwerfenden Charme, absolut glaubhaft, dabei lebte er selber von Provisionen! Wir fielen fast vom Stuhl. Genauso stand es am nächsten Tag in der Zeitung. Karl Maus kam strahlend in unser Hotel … Dann wies er uns an … „Den Artikel an der Haustür vorzeigen ist wichtiger als der Black Point-Ausweis!“ … Ich schrieb, auch mit Hilfe des Zeitungsartikels, ganze Dörfer komplett auf. Ein Dorf mit sechzig Häusern und Gehöften brachte zum Beispiel 57 neue Mitglieder … Es war sagenhaft … Es kam sogar einmal ein „Beschwerdeanruf“ einer älteren Dame, dass ich bei der Nachbarin gewesen, sie aber ausgelassen und nicht geklingelt hätte … Karl Maus, der Organisationsleiter der Black Point-eigenen Werbefirma hatte sich bei mir in der Zwischenzeit immer unbeliebter gemacht … Merkwürdigerweise waren genug Leute vorhanden, um seiner Ehefrau, die nach eigenen Aussagen „durch Haushalt und Kinder eigentlich kaum Zeit hatte“, gleich mehrere Gruppen zuzuschanzen, für die sie viele Tausender monatlich an Superprovision verdiente. Auch andere Familienmitglieder, wie Bruder und Schwager, wurden mit eigenen Werbegruppen und erfolgsversprechenden „Gebieten“ bedacht. Dass Frau Maus anlässlich einer Weihnachtsfeier sogar einen wertvollen Preis für höchste Gruppenumsätze bekommen konnte, ist bezeichnend für den beim Black Point und auch anderen grossen Hilfsorganisationen oft vorhandenen Filz … Es hatte mit der Black Point-eigenen Werbefirma so hoffnungsvoll begonnen. Doch wieder kam Frust auf… Die Werbung in der Black Point-eigenen Agentur war das Unsozialste, was ich je kennengelernt hatte …“

 

Weltweiter „Kollaps in Raten“ des Hilfsorganisationssektors hat nun auch „offiziell“ begonnen (letzte Aktualisierung: 29.11.2017)

„Spendenclowns“ der von Hilfsorganisationen beauftragten „Sammelfirmen“ haben entscheidend zur verlorenen Glaubwürdigkeit des NGO-Sektors beigetragen

 

Aha, sogar im verfilzten Schweizer (Hilfswerk-)Lande geben NGOs und ihre Helfershelfer wie die scheinbar unabhängige NGO-Zertifizierungsstelle „Zewo“ (der Mann der Zewo-Chefin ist bei der Caritas) endlich zu, dass die Spenden rückläufig sind – zwar noch zaghaft, aber immerhin. Bisher wurde so getan, als sei alles in bester Ordnung, respektiv: Die Öffentlichkeit wurde zum Narren gehalten. Dies, weil man sich vor einer Verstärkung der Abwärtsspirale fürchtete. Und Kontrollstelle, Justiz und auch Medien über das gigantische Beziehungsnetz („Politlobby“) instrumentalisiert hat. So hatte der Tages-Anzeiger selbst, der erst jetzt mit untenstehendem Beitrag vom 23.11.2017 für Klarheit sorgt, bspw. 2013 in einem Beitrag über die Spendensammelfirma Corris (die Spendenclowns auf Strassen und vor Haustüren) im Titel noch geschrieben: „Die erste Jahresspende geht an die Sammelfirma“. Tatsächlich waren es schon damals um die zwei Jahresspenden (denn da die Sammelfirmen bei gleichzeitig rückläufigen Spendeneinnahmen den Hilfswerken Fixpreise berechnen, bzw. 850 Franken oder 730 Euro pro sammelnde Person und Tag, gehen ja quasi immer mehr Spenden für die Zahlung der Aktionen drauf). Heute sind es sogar gegen drei Jahresspenden! Die Glaubwürdigkeit des Non-Profit-Sektors ist dahin. Ab jetzt geht es erst recht nur noch abwärts – und zwar international. Denn der Schweizer Hilfswerksektor fungierte bisher als eine Art „letzter Rettungsanker“: Die Zewo steht nämlich auch an der Spitze des ICFO, des internationalen Dachverbandes von NGO-Zertifizierungsstellen, zu welchem auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) als auch das „Österreichische Spendengütesiegel“ gehören. Gute Nacht, Non-Profit-Organisationen! Ich zumindest werde euch keine Träne nachweinen, denn nirgendwo eignen sich die zwei folgenden Worte besser als hier: „Selber schuld.“ 

 

HILFSWERKE BUHLEN UM SPENDER

Nach Greenpeace berichten auch andere Schweizer NGOs von einem Spendenrückgang.

Soeben hat sie wieder begonnen: die Spendezeit. November und Dezember gelten als Hochsaison für gemeinnützige Organisationen. Und die Schweizer geben gerne: Mit 1.79 Milliarden Franken Spenden überstieg das Spendevolumen 2016 alle früheren Jahre – mit Ausnahme von 2015, wie die neuesten Zahlen der Zertifizierungsstelle Zewo zeigen. Doch obwohl das Spendevolumen insgesamt hoch bleibt, berichten mehrere Hilfswerke von einem Abwärtstrend. So zuletzt der Schweizer Ableger der Umweltorganisation Greenpeace: Nach einem unerwarteten Rückgang der Spenden musste der Personalbestand reduziert werden. Sieben von insgesamt 127 Mitarbeitenden mit Teilzeitpensen seien vorerst betroffen – weitere Schritte dürften im Dezember und im Frühjahr 2018 folgen. Als Grund für den Stellenabbau führte Greenpeace Schweiz den Gegenwind auf dem Spendenmarkt an: „Fallen grosse Einzelspenden weg, spüren wir das unmittelbar“, wird der interimistische Geschäftsleiter Kaspar Schuler in einer Mitteilung zitiert. 

Rätseln über die Ursache

Zuvor berichtete die „Sonntagszeitung“ von einem massiven Spendeneinbruch bei der Organisation World Vision. Das Hilfswerk verliere seit Jahren kontinuierlich an Privatspenden. So waren es 2012 noch über 60’000 Personen, die insgesamt 37 Millionen Franken spendeten. Im letzten Jahr zählte die Organisation 13’000 Spender weniger, während die Gelder auf 30,3 Millionen zurückfielen. Man habe es unter anderem verpasst, neue Angebote für jüngere Spender zu schaffen, begründete World-Vision-Chef Bernhard Metzger den Einbruch. Ähnlich klingt es beim Schweizerischen Gehörlosenbund, der zwar auf ein stabiles Fundraising bauen kann, aber ebenfalls einen Abwärtstrend bestätigt: „Die Generationen mit einem starken Spendenverhalten werden immer älter, und die Jüngeren sind schwerer zu binden“, sagt Sprecher Roland Wagner. Die Christoffel-Blindenmission weist hingegen auf die wachsende Konkurrenz hin: „Der Druck auf dem Spendenmarkt ist in den letzten Jahren stärker geworden“, sagt Sprecher Stefan Leu. So gebe es heutzutage deutlich mehr Organisationen, die versuchen, Spender zu gewinnen. „Um in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erhalten, reicht ein einfacher Spendenbrief nicht mehr“, sagt Leu. So sei das Hilfswerk derzeit vermehrt gefordert, über vielfältige Kanäle zu kommunizieren. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch das Blaue Kreuz Schweiz: Die Schweizer würden gerne spenden, was zu einem konstanten Grundvolumen führe. „Doch es gibt derzeit viel mehr Anbieter, als noch vor ein paar Jahren“, sagt Sprecher Philipp Frei. Der Werbeaufwand sei deshalb auch für das Blaue Kreuz deutlich gestiegen. Die letzte Runde im Ringen um die diesjährigen Spender ist nun eingeläutet. Wie die einzelnen Hilfswerke abschneiden, wird sich im Januar zeigen.

 

Nachtrag (29.7.2017): In Australien, wo die Situation bereits eskaliert ist (Beitrag vom 4.7.2017), versucht die Spendensammelindustrie mit einem wahnwitzigen Regelwerk das offenkundig nicht funktionierende kommerzielle „Face-to-Face Fundraising“ zu retten:

    

Warum Deutsche und Schweizer Justiz trotz Betrugs nicht gegen Strassen- & Haustürspendensammlungen vorgehen (aktualisiert am 8.11.2017)

CH: Was Hilfswerke einst selbst zu spendensammelnden Firmen meinten, DE: Was sie dazu meinten & was sie auch heute noch meinen(!)

 

Wohltätigkeits-Strassenräuberin der Schweizer „Sammelfirma“ Corris im Auftrag des Tierschutzes bei Spenden-„Anmache“ im Hauptbahnhof Zürich

Bei von kommerziellen „Spendenfirmen“ durchgeführten Sammelaktionen auf Strassen oder vor Haustüren handelt es sich rechtlich gesehen um Betrug – also eine Straftat. Und zwar aus einem einfachen, bereits mehrfach genannten Grund: Bei den Aktionen wird vorgetäuscht, dass die Hilfsorganisationen diese selbst machen würden. Das wird so gemacht, weil die meisten Leute schlicht nicht mehr mitmachen würden, wenn sie wüssten, dass profitorientierte Werbefirmen dahinter steckten (das Sammelsystem geht in diesem Sinn gar nicht auf): Wer will schon, dass ein externes Unternehmen, das neben berechtigten Fixlöhnen für Führungskräfte und Angestellte – sofern diese vernünftig-moderat wären – zusätzlich Gewinn und Provisionen in Form von Bonuszahlungen an diese herausgibt? Nebenbei natürlich noch alles Spendengeld, das ja aus den Hilfsorganisationskassen kommt. Der juristische Ausdruck für diese Betrugsform lautet sinngemäss „vorsätzliche Täuschung“, respektiv noch genauer „arglistige Täuschung“. Das hatte in Deutschland sowohl der ehemalige Sammler Mike Redhorn in seinem Buch Drücker in Uniform als auch Stefan Loipfinger von „Charitywatch“ in einem TV-Beitrag von Panorama 3 im NDR bereits erwähnt. Zwar gibt es teilweise versteckte schriftliche Hinweise auf die Agenturen. Aber weil Non-Profit-Organisationen sich unbestreitbar höheren moralischen Standards als kommerzielle Unternehmen verschrieben haben und die Angesprochenen, die ja davon ausgehen, dass es sich um Hilfswerkleute handelt,  in diesem Sinne gutgläubig reagieren und das „Kleingedruckte“ übersehen, genügt solches schlicht nicht. Doch warum handelt dann die Staatsanwaltschaft nicht? Das hat mit einem, wohlverstanden falschen „Präzedenzurteil“ zu tun: Denn 1994 hatte der Bundesgerichtshof diese Art des Werbens bereits als legal eingestuft (siehe Post vom 10.10.2017). Mit einer allerdings nicht nachvollziehbaren Begründung. Nämlich dass die Hilfsorganisationen von dieser Mittelbeschaffung abhängig sind. Aber das stimmt doch gar nicht! Vor der Zusammenarbeit mit solchen Fundraisingagenturen hat es ja auch schon Haustürsammlungen gegeben; sie wurden einfach von Ehrenamtlichen durchgeführt. Und man könnte die Sammlungen ja auch selbst machen, also mit Hilfsorganisationsangestellten! Der wahre Grund ist ein ganz simpler: Die Non-Profit-Organisationen wollen die mühsamen und undankbaren Sammelaktionen nicht selbst machen. Und es gab sogar schon Medienbeiträge, wo Hilfsorganisations-Verantwortlichen diese unbequeme Wahrheit „rausgerutscht“ ist, z.B. im Magazin Akrützel. Aber die Justiz hängt natürlich auch immer – jedenfalls mehr oder weniger – am Gängelband der Politik. Nirgends ist das extremer als in der Schweiz, wo ausgerechnet Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Mitglied der siebenköpfigen Landesregierung, auch als Justizministerin amtet. Sommaruga stand vor ihrer politischen Karriere zwei Non-Profit-Organisationen vor, die mit der berüchtigten Spendenfirma Corris AG kooperieren; „Stiftung für Konsumentenschutz“ und „Swissaid“! In Ihre Swissaid-Zeit, Sommaruga war damals noch als SP-Ständerätin im Parlament, fiel auch die Aufhebung des Verbotes für diese Sammelmethode auf den Strassen. Bis dahin galt sie nämlich in den meisten Schweizer Städten als verboten(!), wobei die Sozialdemokratische Partei bei den Legalisierungsanstrengungen eine zentrale Rolle einnahm (Post vom 13.7.2016).

Bildergebnis für sommaruga swissaid

Die Schweizer Bundesrätin und Justizministerin Simonetta Sommaruga war davor Präsidentin der Entwicklungshilfeorganisation „Swissaid“

In Deutschland gibt es vor allem zwei Namen zu nennen, „zufälligerweise“ im Zusammenhang mit den zwei grossen gemeinnützigen Organisationen, welche am längsten auf die Kooperation setzen. Und die eine davon sogar die erste weltweit ist, die auf professionelle Drückerkolonnen schwor: das Deutsche Rote Kreuz (siehe dazu Blogbetreiberbeiträge „DRK-Nazi“ & „Konzern der Menschlichkeit“). DRK-Präsident Rudolf Seiters, CDU, der mit Parteikollegin Merkel einst im Kabinett sass. Und Franz Müntefering (siehe auch neuer Artikel des „Westfälischen Anzeigers“ vom 21.11.2017: „ASB lässt in Bönen unter Asylbewerbern um Mitgliedschaft werben“),  seinerseits Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der ebenfalls mit Merkel die Geschicke des Landes lenkte – diesmal sogar von ganz zuoberst als Vizekanzler.

Wann wird sich die Gerechtigkeit durchsetzen? Denn im Grunde genommen gehört diese  skandalöse Zusammenarbeit nicht nur verboten, sondern Spendenfirmen als auch auftraggebende und damit mitverantwortliche Hilfsorganisationen müssten genau genommen zusätzlich bestraft werden! Doch Hoffnung naht, denn der Hauptexponent schwächelt entscheidend – siehe neu aufgedeckte Skandale beim DRK durch RTL (Misshandlungen in DRK-Seniorenzentrum) und Stern („verkommerzialisierter“ Blutspendendienst), auch wenn hier mal nicht der Hauptskandal, bzw. Drückertum das Thema ist; gibt ja auch noch andere bedenkliche Missstände.

 

Info des Blogbetreibers (4.11.2017): Post zur „Stiftung für Konsumentenschutz-Sommaruga-Connection“ (Analyse des BaslerZeitung-Artikels vom November letzten Jahres) neu AKTUALISIERT. By the way: Der neue Bundesrat, Ignazio Cassis, um es nochmal zu wiederholen, war bisher im Stiftungsrat von Corris-Kunde „Fairmed“…

CH: Satire-Radiobeitrag auf „Radiologisch“ zum Thema Corris & Co. (27.10.2017)

Auf dem Radiosender „Radiologisch“ ist im Oktober genialer „satirischer Werbespot“ der Spendensammelfirma Corris AG erschienen, die für WWF, Amnesty International, Swissaid, Helvetas, Pro Infirmis, usw. den Leuten auf den Strassen und vor Haustüren Mitgliedschaften andreht – und selbst dabei jeweils die ersten 2-3 Jahresspenden „abzweigt“.

REINHÖREN EIN MUSS, UND ZWAR H-I-E-R (oder Script lesen zuunterst)

 

Bildergebnis für corris spendensammler

„Dezent im Hintergrund“: Als Action Aid-Mitarbeiterin verkleidete Corris-„Wohltätigkeits-Strassenräuberin“

 

Aber Spass beiseite, hier auch noch die drei letzten gelungenen Medienbeiträge mit dem Blogbetreiber – sowie dessen persönliche Nachricht vom Juni an die Leserschaft:

Schweiz: Konsumer-Magazin, Juniausgabe 2017: Eine Sauerei

Österreich: KirchenZeitung, März 2017: Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen

Deutschland: Die Stimme, Nov. 2016: Vertrauensmissbrauch der Hilfsorganisationen

 

16.6.2017: Drei Jahre auf der Strasse für Kampf gegen Wohltätigkeits-Strassenräuber (Persönliche Nachricht des Blogbetreibers)

 

SCRIPT „CORRIS-SATIREWERBESPOT“

 

„Dir sit e Nichtregierigungsorganisation im Non-Profit-Bereich und bruchet

meh Spänder und Spänderinne? Mir vor Corris AG si spezialisiert uf

Strosse-Spände-Sammligsaktione. Üsi dialogers schaffe uf Provision und si

darum bsungers motiviert neui Spänderinne und Spänder zaquiriere. Das

die dialogers drbi us Mitarbeiter vo öichere Organisation verchleidet si,

isch säubverständlech. Mir vor Corris AG blibe dezänt im Hingergrund.

Bequem für öich überrede mir dNöispänder zumne Laschtschrift-Verfahre,

so dass d’Spände automatisch laufe. Mir vor Corris AG wei natürlech so

wenig Gäud wie möglech vom guete Zwäck abzweige. Drum verlange mir

moderat nume dr Spändebetrag von de erschte zwöi Johr für üs us

Provision.

Corris AG – dr Fundraisingprofi vor Schwyz

Mir zocke d Spänder vo folgende Organsatione i ihrem Name ab: Amnesty

International, Unicef, VCS, Pro Natura, SwissAid, Helvetas, WWF, vier

Pfoten, terre des hommes, solidar, Gehörlosebund, pro Juventute, pro

infirmis, MS Schweiz, green cross und me gloubs fasch nid dr

Konsumänteschutz und vili meh.

Corris AG – damit dSpände jetz au ändlech privatisiert wärde!“

 

Und wenn wir schon beim Thema Satire sind. Ende letzten Jahres ist das Buch „Schizo“ von Falko Rademacher, der unter anderem lange als Gag-Schreiber für Harald Schmidt gearbeitet hat, erschienen, wo dieser die „Wohltätigkeits-Strassenräuber“ mit bissigem Witz „auseinandernimmt“, inklusiv Erklärung, von wo das Wort kommt – siehe Buchtitel-Link.

Warum kommerzielle Spendensammlungen im Auftrag von Hilfsorganisationen (Haustür- & Strassensammlungen) verboten gehören (Interview 2017)

+++ UK (24.10.): 2016 laut Fundraising Regulator 42’000(!) Reklamationen +++ DE (26.10.): „Falscher oder richtiger Spendensammler?“ +++

 

Zur Sache (Kurzbeschreibung des Blogbetreibers):

Immernoch recht vielen Leuten ist nicht klar, dass Spendensammlungen bekannter Hilfsorganisationen wie z.B. dem Roten Kreuz vor Haustüren/auf Strassen zumeist von kommerziellen „Spendensammelfirmen“ (Fundraisingagenturen) durchgeführt werden, da sich diese nicht genügend erkennbar machen (können sie auch nicht, da sonst kaum mehr jemand mitmachen würde). In Deutschland nennt man solche Spendensammler & -sammlerinnen „Drücker, bzw. Drückerinnen(-kolonnen)“, in Österreich „(Spenden-)Keiler, bzw. Keilerinnen“. Die auftraggebenden Hilfsorganisationen zahlen für die Sammelaktionen hohe Preise. In der Schweiz kassiert die grösste Spendenfirma „Corris“ bspw. 850 Franken (oder rund 740 Euro) pro sammelnde Person & Tag. D.h. der allergrösste Teil der Gesamtspenden solcher Kampagnen fliesst quasi an die Spendenfirmen.

 

Ehemaliger Hilfsorganisationsmitarbeiter & Blogbetreiber Kevin Brutschin

 

ICH KONNTE DIESE HEUCHELEI NICHT MEHR SEHEN (KIRCHENZEITUNG/OBERÖSTERREICH):

Was machen die professionellen Spendensammler Ihrer Meinung nach falsch?

Der grundlegendste Fehler ist, sich überhaupt bei einer kommerziellen Sammelfirma anstellen zu lassen, anstatt direkt bei einer Non-Profit-Organisation. Denn diesen „profit“-orientierten Agenturen geht es ja eben um „Gewinnmachen“ und gar nicht um den allgemeinen Nutzen. Dies geben sie lediglich vor. Diese Fundraising-Agenturen handeln eigennützig, obwohl sie sich im gemeinnützigen Bereich bewegen. Im Hilfsorganisationssektor geht es aber eben nicht um mich, sondern um den anderen, Hilfsbedürftigen, respektive um „Uneigennützigkeit“ oder noch genauer „Selbstlosigkeit“. Die Verrechnung von Überschüssen für die eigene Tasche lässt sich in diesem Sinne nicht rechtfertigen, deshalb heißt es ja „NON-Profit“ bzw. „kein Gewinn“.

Welche Dimension hat das Thema überhaupt, gibt es viele gemeinnützige Organisationen, die auf kommerzielle Spendenwerber zurückgreifen?

Brutschin: Es gibt nach wie vor viele gemeinnützige Organisationen, die auf externe Spendenfirmen vertrauen. Ihre Budgets sind vielfach unter Druck. Den Organisationen fehlt die Weitsicht, um die Situation mittel- und langfristig zu beurteilen. Die Aktionen sind ja immer noch im Plus. Zwar kläglich wenig, aber was soll’s? Man hat sich eben auch an den „bequemen Service“ gewöhnt. Manche NGOs sind zu bequem und arrogant, die Kampagnen wenigstens selbst durchzuführen, obwohl das erwiesenermaßen billiger käme: Zu mühsam und undankbar ist der Sammlerjob. Eine Schande. Außerdem ist Fehlerzugeben für normalerweise moralisch auf der besseren Seite stehende Menschen offenbar extrem schwierig.

Sie waren selbst bei einer großen Schweizer Hilfsorganisation angestellt. Wieso haben Sie der Branche den Rücken zugekehrt? 

Brutschin: Mein Ärger über diese Zusammenarbeit von gemeinnützigen Organisationen mit eigennützigen Sammelfirmen hatte einfach ein Übermaß erreicht. Ich konnte und wollte diese Heuchelei einfach nicht mehr sehen. Diese Hilfsorganisationen verraten ja ihre eigenen Werte! Denn was interessiert die Spendenfirmen schon anderes als Geld? Die machen nichts anderes als „Big Business unter dem Deckmantel der guten Sache“.

Die Spenden kommen zu einem großen Teil nicht der eigentlichen Sache, sondern den Sammlern zugute?

Brutschin: Wer vor allem gutes Geld damit verdient, sogar unverschämt gut, sind die Spendenfirmenbosse. Bei den Keilern hingegen sieht’s inzwischen anders aus. Die verdienen viel weniger als früher. Heute sind nur noch die Top-Sammler überbezahlt. Das hat damit zu tun, dass sie Provisionen erhalten, d.h. leistungsabhängig bezahlt werden. Und im Vergleich zu früher nur noch wenige Leute mitmachen. Genau genommen haben die Sammlungen mit Keilern gar keinen Sinn mehr, da sie sich demzufolge kaum mehr rentieren für die Hilfsorganisationen. Doch deren Selbsterhaltungstrieb ist leider stärker als die Vernunft.

Jetzt könnte man sagen: Provisionen für Mitarbeiter sind in der Wirtschaft ja ganz normal.

Brutschin: Ein Spendensammler im Hilfsor­ganisationsbereich sollte aus Idealismus gute Leistung zeigen, d.h., weil es ihm um die gute Sache geht. Dann braucht er ja gar keine zusätzliche Provision. Ein moderates Festgehalt müsste genügen. Was sich in der Wirtschaft bewährt, heißt eben noch lange nicht, dass das dann auch im gemeinnützigen Bereich so ist, da beiden Bereichen ein unterschiedliches Wertesystem zugrundeliegt. Dessen ungeachtet hat im Hilfsorganisationsbereich eine weitgehende „Kommerzialisierung“ stattgefunden.

Wie lange dauert es bei einem Spendendauerauftrag, der bei Werbern abgeschlossen wird, bis das Geld tatsächlich der Hilfsorganisation zugute kommt?

Brutschin: Eine Kennziffer, die sehr schön die stetige Verteuerung solcher Kampagnen deutlich macht, ist die Zeit, die vergeht, bis die Kosten einer Aktion durch Spendeneinnahmen gedeckt sind. Die in Österreich weit verbreitete Falschannahme ist, diese würde ein Jahr betragen. Oder: Ein Spender gäbe seine erste Jahresspende quasi der Agentur. Tatsächlich stimmt das längst nicht mehr. Es sind heute zwei bis drei Jahre. Viele Fundraisingagenturen haben Fixpreise für die Spendenaktionen. Somit verdienen die Agenturen immer gleich viel, obwohl sie immer weniger Neuspender finden. Ihr prozentualer Anteil an den sich verringernden Spendeneinnahmen nimmt damit also sogar zu.

Sollten die Passanten, die von den Spendenwerbern angesprochen werden, nicht zumindest aufgeklärt werden über das dahinterliegende Modell?

Brutschin: Natürlich müssten sie das. Wobei vor allem die grundlegendere Problematik, eben dass überhaupt profitorientierte Institutionen diese Arbeit machen, transparent gemacht werden müsste. Denn Ehrlichkeit ist das A und O im Hilfsorganisationsbereich. Das Arbeitsverhältnis müsste also den Angeworbenen klar sein. Am besten über schriftliche Hinweise, insbesondere auf dem auszufüllenden Mitgliedsformular, und zwar – und das ist entscheidend – „gut sichtbar“. Denn sonst wird die Spenderschaft schlicht hinters Licht geführt bzw. getäuscht.

Wie kann man als Angesprochener erkennen, wer auf kommerzielle Spendensammler zurückgreift?

Brutschin: Hier muss man genau hinschauen, ob „versteckt“ schriftliche Hinweise auf eine durchführende Werbefirma zu finden sind. Man kann aber auch einfach fragen: Meiner Erfahrung nach sind die meisten Sammler wenigstens noch so ehrlich und geben ihre Identität preis, wenn man konkret danach fragt. Allerdings: Ich selbst bin ein paar wenige Male auch schon angelogen worden.

Die Beschwerden in der Bevölkerung über kommerzielle Spendenfirmen häufen sich jedenfalls.

Brutschin: Mindestens seither müsste auch von staatlicher Seite endlich beherzt interveniert werden.

Was wären Alternativen, damit Organisationen zu Spendern kommen?

Brutschin: Da fällt mir nichts anderes dazu ein, als ein wirklich vielversprechendes Hilfsprojekt zu haben, kombiniert mit absoluter Integrität. Nur wenn eine Hilfsorganisation zu 100 % glaubwürdig agiert, kann sie heute noch überleben. In jenem Fall spenden nämlich schon viele Leute von sich aus – also z.B. aufgrund einer Präsentation in den Medien, d.h., ohne dass man speziell auf sie zugehen muss.

 

 

 

Deutsches Rotes Kreuz: Ex-Nazi verantwortlich für weltweit 1. Kooperation mit Spendensammelfirma (Drückerkolonnen) – 11.10.2017

Peter von Döllen

Als DRK-Mitarbeitende oder -Ehrenamtliche getarnte „Kurzzeit-Angestellte“, bzw. Drückerkolonne der Spendensammelfirma Wesser GmbH

 

„Ich schwöre Treue dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler. Ich gelobe Gehorsam und Pflichterfüllung in der Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes nach den Befehlen meiner Vorgesetzten. So wahr mir Gott helfe.“

Deutsches Rotes Kreuz-Eid während der Nazi-Zeit

 

„Deutsches Rotes (Haken-)Kreuz“

 

Nicht gedacht, dass meine Recherchen zu Wohltätigkeits-Strassenräubern abermals zu Hitler und den Nationalsozialisten führen werden (siehe Beitrag zu WWF vom 16.5.2017) – aber ist tatsächlich so. Mit den „charity muggers“ sind natürlich die schleimigen Angestellten der hoch umstrittenen kommerziellen Werbefirmen gemeint, die auch vor Haustüren für Non-Profit-Organisationen Spenden eintreiben und dabei für sich und vor allem die Fundraisingagenturen aus Spendengeld Profit schlagen (da immer weniger Leute mitmachen und auch weniger lange Mitglied bleiben, gehen inzwischen die ersten zwei-drei Jahresspenden an die Werbeagenturen).

Ebenfalls schon ein paar Mal erwähnt, ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als erste Non-Profit-Organisation der Welt, die auf Drückerkolonnen gesetzt hat (Haustürsammlungen), und zwar bereits 1968, hauptverantwortlich für die Sammelpest. Damaliger DRK-Präsident: Walter Bargatzky. Bargatzky, 1982 verstorben, trat bereits 1933 der SA bei, der paramilitärischen Kampforganisation von Hitlers Nationalsozialistischer Deutscher Arbeiterpartei (NSDAP), bei der er wiederum ab 1937 offiziell Mitglied war. Im Krieg arbeitete sich Bargatzky bis in den Rang eines Majors vor. Als DRK-Präsident amtete Bargatzky von 1967 bis 1982 (das Vizepräsidentenamt hatte er schon seit 1950 inne).

Das DRK war freilich schon während der Nazi-Jahre vom zivilen Wohlfahrtsverband zur nationalsozialistischen Sanitätsorganisation mutiert, d.h. das humanitäre Prinzip, das auch auf fremdes Leid gerichtet ist, wurde bereitwillig preisgegeben (Grundsatz der Unparteilichkeit). Von den 29 Mitgliedern der gesamten DRK-Führung waren 18 hohe Führer der SS; der Leibgarde Adolf Hitlers. In den Wirtschaftsbereich der SS flossen auch die für das DRK gespendeten Gelder. Das DRK täuschte den eigenen Mutterverband, das Internationale Rote Kreuz (IKRK), bewusst über die Nazi-Verbrechen, indem sie eine IKRK-Kommission beim Besuch des KZ Theresienstadt durch geschönte Fassaden führte, hinter denen das wahre Elend verborgen blieb! Der damalige geschäftsführende DRK-Präsident; „Reichsarzt-SS“ Ernst-Robert Grawitz, war ein Hauptverantwortlicher für die Ermordung psychisch Kranker und für Menschenversuche an KZ-Häftlingen.

Von den Schuldigen in Weiß wurden im Nachkriegsdeutschland nur die wenigsten geoutet. Ärzteschaft und Rotkreuz-Repräsentanten hatten es lange verstanden, Schweigen über dieses dunkle Kapitel der Vergangenheit zu breiten.

Zum Schluss ein Zitat der letzten Sekretärin Hitlers; Traudl Jung, die sich im späteren Leben schonungslos zu ihrer Mitverantwortung an den Nazi-Gräueltaten bekannte (obwohl sie ja „nur“ die junge Sekretärin war): „Es braucht nicht annähernd so viel Mut, wie es scheint, um Fehler zuzugeben und aus ihnen zu lernen. Der Mensch ist auf der Welt, um sich lernend zu wandeln.“

 

 

 

 

 

 

Peter von Döllen
Peter von Döllen

DE: Was der Bundesgerichtshof zur Zs-Arbeit von Hilfsorganisationen mit Spendensammelfirmen (Drückerkolonnen) entschied, 10.10.2017

Neue Liste mit aus heutiger Sicht interessantesten Beiträgen zum Thema „Kommerzielle Spendenwerbung auf Strassen/vor Haustüren im Auftrag von wohltätigen Organisationen“ findet sich H-I-E-R

 

Bildergebnis für ein sommer voller türen

Werbefirmen-Spendensammler im Auftrag der Malteser

 

Da hab ich ja mal was ganz Interessantes gefunden zu von Non-Profit-Organisationen (Rotes Kreuz, WWF, etc.) beauftragten kommerziellen Face-to-Face Spendensammelfirmen, die sich ungerechtfertigt mit Spendengeld bereichern (Gewinn „im Grossen“, bzw. Profit an InhaberInnen/Geschäftsleitungen sowie Gewinn „im Kleinen“, bzw. Provisionen an Spendensammelnde).

„Bereits 1994 hat der Bundesgerichtshof diese Art des Werbens als legal eingestuft, auch wenn die Spender nicht über die Provision aufgeklärt würden. Einer der Gründe war die Tatsache, dass fast alle Hilfsorganisationen von dieser Mittelbeschaffung abhängig sind.“

Und zwar habe ich diese Info aus einem Beitrag der Ruhrnachrichten („Nicht nur für den guten Zweck“, 12.12.2007). Dieses Urteil erklärt vieles. Z.B., warum Strafanzeigen gegen die Wohltätigkeits-Strassenräuber jeweils im Sand verlaufen. So berichtete die Bild-Zeitung am 20.3.2016 (siehe Zusammenfassung & Analyse vom 3.4.2016) bspw. von einer Anzeige eines – wohlverstanden – Sammlers selbst(!) wegen Spendenbetrugs. Ich darf doch annehmen, dass Anzeigen jeweils mit dem Verweis auf dieses „Präzedenz“-Urteil negativ enden. Dabei ist es doch für jeden Laien offenkundig, dass dieses Urteil schwere Mängel aufweist!!! Ich meine, was ist denn das für eine Antwort, dass „Hilfsorganisationen von dieser Mittelbeschaffung abhängig sind“? Ein Gericht darf das doch nicht gelten lassen, zumal es eh andere Sammelformen wie z.B. den Spendenbrief gibt! Beziehungsweise: Wenn es sich nachweislich um Betrug handelt – und das ist der Fall, WENN das Gericht berücksichtigt, das Spendenden im Hilfsorganisationsbereich ein gewisses Mass an „Gutgläubigkeit“ (Vertrauen) zusteht, dann muss es der Anzeige recht geben und die verantwortlichen Parteien (sowohl die Sammelfirmen als auch die auftraggebenden NGOs) sanktionieren. Denn entweder wird die Spenderschaft überhaupt nicht über den kommerziellen Zweck hinter den Sammlungen, bzw. die Provision/den Profit aufgeklärt (also einen ungerechtfertigten „Lohnzusatz“ für die Sammelnden als auch einen ebenso ungerechtfertigten „Gewinn“, bzw. Bonus für die Spendenfirmenbosse). Oder aber die schriftlichen Hinweise hierfür sind zu wenig sichtbar, womit sie die gutgläubige Spenderschaft übersieht. Juristisch handelt es sich also um „arglistige Täuschung“; eine Form des Betrugs. Ausserdem sind die Hilfsorganisationen gar NICHT auf die Werbefirmen angewiesen, da sie die Sammlungen ja selbst machen könnten! Das Rote Kreuz etwa hatte schon vor der Jahrtausendwende die Aktionen eine zeitlang selbst gemacht. Und heute macht bspw. Save the children Deutschland die Kampagnen ebenfalls selbst, und zwar viel erfolgreicher als zuvor mit Sammelfirmen (d.h. wesentlich kostengünstiger als auch kundenfreundlicher).

Ehrlich gesagt zeigt das Urteil vor allem eins: Dass es in dieser Angelegenheit – übrigens weltweit – nicht nur an der fehlenden Unabhängigkeit der Politik fehlt (was ich ja schon mehrfach erwähnt habe), die dem Treiben schon längst ein Ende hätte setzen müssen, sondern auch an der Unabhängigkeit der Gerichte. Der Staat muss sich nicht wundern, wenn das Vertrauen in ihn nicht mehr da ist, wobei ich zum Schluss eine haarsträubende Geschichte zusammenfassen muss, die ich der Schweizer Migros-Zeitung vom 13.9.2017 entnommen habe:

„Damals war er noch ein junger Polizist mit Idealen und Werten und hat an den funktionierenden Rechtsstaat geglaubt. Peter Mathys (60) wuchs in Küsnacht ZH auf und suchte nach einer Banklehre nach etwas Sinnvollerem. 1982 besuchte er bei der Stadtpolizei Zürich die Polizeischule. Bald schon, in einer Dienstpause, erzählte ihm ein verdeckter Fahnder von einem mutmasslich pädophilen Zürcher Gerichtspräsidenten, der regelmässig nach Paris fahre, um dort Buben zu missbrauchen. Dass jemand, der eigentlich Verbrecher bestrafen sollte, ebenfalls Verbrechen begehen könnte, schockierte Peter Mathys zutiefst. Der Fahnder erwähnte gegenüber Mathys, dass die Ermittlungen des zuständigen Sachbearbeiters bei der Sittenpolizei gestoppt worden seien, er im Stich gelassen und gemobbt werde. Obwohl es bereits einen Kontakt zur französischen Polizei gegeben habe. Mathys schrieb mehreren höheren Beamten und wollte auf den Fall aufmerksam machen. Doch nichts passierte. Die Ermittlungen gegen den Gerichtspräsidenten wurden schliesslich eingestellt. Ausserdem sind von diesem Fall überhaupt keine Akten vorhanden, wie das Zürcher Obergericht später festgestellt hat. Der 2015 verstorbene Gerichtspräsident blieb bis zu seiner Pensionierung im Amt. Mathys konnte nicht verstehen, wie eine solche Angelegenheit einfach unter den Teppich gekehrt werden konnte. «Natürlich gibt es ein übergeordnetes Interesse, der Rechtsstaat muss geschützt werden. Aber hier ging es um den Verdacht mutmasslichen Missbrauchs an Knaben; den zu verfolgen und aufzudecken, ist doch wichtiger als das Ansehen des Staats!» In seinem Kriminalroman «Schlimmer Verdacht» konnte Mathys das Erlebte nun verarbeiten. «Hätte ich diese Geschichte nicht erzählt, wäre ich als Polizist psychisch kaputtgegangen.» Damit wollte er auch den Sittenpolizisten rehabilitieren, der kaputtgemobbt und für unglaubwürdig erklärt worden sei. «Dieser Mensch war ein hervorragender Sittenpolizist, der über 70 komplexe Ermittlungsverfahren gegen pädophile Straftäter meist mit Erfolg geführt hat. Über das Buch hat er sich gefreut, das bedeutet mir viel. Er ist heute schwer krank, hat aber zum Glück eine Frau, die sich um ihn kümmert.» Sein Roman basiert auf den Berichten von involvierten Kriminalbeamten. «Etwa 80 Prozent davon sind Tatsachen», sagt er. Mut habe es nicht gebraucht, die Geschichte zu veröffentlichen, obwohl Mathys mit seinem Buch die Grenzen des Amtsgeheimnisses auslotet. Auch heute noch, knapp 30 Jahre später, merkt man Mathys die Enttäuschung an. Gewisse Dinge müssten an die Öffentlichkeit…“

Polizist und Krimischreiber: Peter Mathys

Polizist & Krimi-Autor Peter Mathys: Nur wenige sind aus diesem Holz geschnitzt

 

DE: Was Führungskräfte deutscher Hilfsorganisationen im Jahr verdienen (6.10.2017/2)

Aha, endlich gibt’s auch ein paar Jahresgehälter von Führungskräften deutscher Hilfsorganisationen zu begutachen. Im Zusammenhang mit dem Thema „Flüchtlinge“ umso interessanter – siehe auch Post vom 17.8.2017 (ich bin übrigens nicht generell gegen Flüchtlinge, ABER gegen eine dermassen unkontrollierte Flüchtlingspolitik, wie sie Deutschland, bzw. Frau Merkel betreibt – oder mindestens bis vor Kurzem betrieben hat). Zu den Löhnen von Schweizer Hilfswerkchefs- und chefinnen habe ich ja bereits letztes Jahr eine kleine Liste erstellt, dort im Zusammenhang mit einer Umfrage der Hilfswerkkontrollstelle Zewo, bis wieviel die Spenderschaft einen Jahreslohn noch für akzeptabel hält.

Die hohen Löhne belegen natürlich einmal mehr die Arroganz der NGOs. Und diese Arroganz ist ja auch einer der Hauptgründe, warum man die mühsamen und undankbaren Spendensammlungen auf Strassen/vor Haustüren auslagert, obwohl man diese auch selbst machen könnte, und dies sogar noch billiger käme (Beispiel „Save the children Deutschland“).

CH: Der beste Spruch, um lästige Spendensammler und -sammlerinnen abzuwimmeln (6.10.2017/1)

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Ich probiere immer wieder mal Sprüche aus, wie man die lästigen Spendenwerber- und werberinnen am besten abwimmeln kann. Folgender Spruch hat sich in letzter Zeit bewährt: „Weisst du, wieviel Corris (die Firma, welche die Sammlungen für die meisten Organisationen durchführt) vom Hilfswerk für dich pro Tag bekommt?“ Natürlich haben die „Wohltätigkeits-Strassenräuber“ meistens keine Ahnung, dass Corris dafür 850 Franken einstreicht – man kann also die Sammelnden auch gleichzeitig gerade noch aufklären. Der letzte Dialoger, dem ich die 850 Franken (Kassensturz, 12.2.2013) „entgegengeschleudert“ habe, erst ungläubig, nach dem „Realisierungsschock“ dann aber vor allem frustriert: „Jetzt hast du mir im Fall gerade den Tag versaut.“

CH: „Der Blick“ schreibt Grünen-Nationalrat in Grund und Boden – und hievt dafür Corris-Lobbyistin in dessen Amt (4.10.2017)

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Auch Donald Trump (bzw. Elvis) bestätigt: Fake News

 

Ein Paradebeispiel für Fake News liefert hoch-aktuell der Blick, und da auch die berüchtigte Spendensammelfirma Corris darin vorkommt, ist das für mich natürlich ein gefundenes Fressen. Fake News sind ja – ausser dem inzwischen viel benutzten Begriff selbst – eigentlich nichts Neues, wobei ich darunter in erster Linie verstehe, dass Zeitungsmachende statt der Wahrheit verpflichtet ihre Beiträge zur Durchsetzung von Eigeninteressen manipulieren. Neu hingegen ist das verheerende Ausmass an Fake News, wobei ich die Gründe dazu bereits im Post vom 19.9.2017 genannt habe. Nun aber zum konkreten Fall: Wer regelmässig Zeitungen liest, hat ja mitbekommen, dass der Grünen-Nationalrat Jonas Fricker zurückgetreten ist, nachdem er gesagt hatte, dass der Transport von Schweinen zur Schlachtung schlimmer wäre als die Deportation der Juden in die Nazi-Konzentrationslager unter Hitler (siehe dazu auch Beitrag zu Nähe des WWF mit Nazi-Regime). Nun ist der Vergleich tatsächlich mehr als daneben. Fricker hatte sich aber sogleich dafür entschuldigt. Und hey, sind wir mal ehrlich: Was ist denn der grössere Skandal? Die mittlerweile über 20-jährige Zusammenarbeit von Hilfswerken mit Wohltätigkeits-Strassenräubern, die ja gerade auch von den Grünen durch zahlreiche Mandate bei „Corris-Hilfswerken“ gestützt wird, oder die in der aufgeheizten Debatte zur Fair-Food-Initiative „herausgerutschte“ Äusserung? Und wer hat die verbale Entgleisung denn überhaupt zum Skandal heraufgepusht? Zweimal war Fricker auf der Blick-Titelseite abgebildet, und der SonntagsBlick widmete dem Thema gar eine 5-Seiten-Story! Also wenn hier nicht wieder mal Manipulation dahinter steckt, dann lebt Elvis nicht nur immernoch, sondern er ist Donald Trump (ich habe ihn an seiner Haar-Tolle erkannt). Spass beiseite: Für Fricker rückt eine gewisse Irène Kälin in den Nationalrat (Kälin war Fricker bei den Nationalratswahlen im Herbst 2015 unterlegen). Der Freund von Kälin wiederum ist der ehemalige Blick-Chefredaktor und heutige Schweizer Illustrierten Co-Chef Werner de Schepper – wobei beide Medien dem Ringierverlag von Michael Ringier angehören. Der Hauptverdacht ist natürlich, dass de Schepper die Fricker-Demontage „ferngesteuert“ hat. Allerdings: Das wäre viel zu auffällig, denn anderen Medien ist schon in der Vergangenheit aufgefallen, dass de Schepper in der Schweizer Illustrierten „Werbung“ für seine Freundin hat machen lassen. Und auch nach meinen Informationen wurde hier mal nicht von dieser Seite manipuliert. ABER es gibt ja auch noch eine andere entlarvende Verbindung zu einem heutigen Blick-Mann; Politikressort-Co-Leiter Joël Widmer. Und zwar über dessen Partnerin, der grünen Ex-Nationalrätin Aline Trede. Trede hatte anlässlich der Parteipräsidiumswahl bei den Grünen im Jahr 2012 keinen Hehl aus einer Sympathie für Kälin gemacht, die damals ins Vizepräsidium der Partei gewählt wurde, während die von Trede nicht für optimal gehaltenen Regula Rytz und Adèle Thorens vor ihrem Favoriten Bastien Girod ins Präsidentinnenamt aufstiegen. Kurz: Es werden wohl viel mehr Trede und Widmer gewesen sein, die das Fricker-Bashing orchestriert haben. Aber ehrlich gesagt, mich würden die einmal mehr gefakten Blick-News nur halb stören, wenn die neue Nationalrätin Kälin nicht auch im Vorstand des VCS Aargau wäre – womit eine neue Corris-Lobbyistin im Nationalrat ist, denn der VCS lässt heute die Corris AG für sich sammeln. Wobei dieser – wohlgemerkt(!) – auch zu einer der Organisationen gehört, welche der Kooperation mit den Spendenclowns ursprünglich mit Skepsis begegneten, und zwar im Falle des VCS sogar nach einer bereits nicht zufriedenstellend herausgekommenen „Test-Zusammenarbeit“ in den Jahren 1998 und 1999 (siehe Post vom 14.10.2016). Wie für die Politik ist die „Affäre Corris“ im Übrigen auch für den Blick zweitrangig geworden. Das war aber nicht immer so. 1997 hatte die Boulevardzeitung sowohl die Haustürsammelfirma Wesser, die unter anderem für das Rote Kreuz unterwegs ist, als auch die Corris AG, damals im Auftrag von Greenpeace herumtigernd, in einer Titelstory(!) schwer kritisiert. Doch seit vielen Jahren schweigt der Blick zum Thema. Wie soll es auch anders sein? Blick-Verleger Michael Ringier ist im Patronatskomitee der „Corris-NGO“ Reporter ohne Grenzen – und dessen Frau im Stiftungsrat der Jugendschutzorganisation Pro Juventute, die ebenfalls mit Corris zusammenspannt (obwohl auch Pro Juventute die Methode noch Mitte der Nullerjahre im K-Tipp als zu „aggressiv“ abgekanzelt hatte). Jippie!

 

Was ein Ami-Twitterer für einen Aufwand auf sich nimmt, um lästigen Spendensammlungen zu entgehen (2.10.2017)

Neue Umfrage (The Journal/Irland, 28.9.2017): Stört es Sie, wenn Sie von Spendensammelnden auf der Strasse angesprochen werden? (84%: „Ja“) New Poll (The Journal/Ireland, Friday, 28 September 2017): Does it bother you when you’re approached by charity fundraisers on the street? (84%: „Yes“)

 

Das jemand so einen Aufwand nimmt wie ich, um den kommerziellen Spendensammelnden auf den Strassen/vor Haustüren den Garaus zu machen, gibt’s wohl kein zweites Mal. Aber was ein Ami-Twitterer sich für einen Fluchtweg ersonnen hat, ist auch nicht übel (das Sammelsystem via kommerzielle Spendensammelnde hat sich in den USA in den letzten paar Jahren trotzdem noch recht stark verbreitet – siehe Post vom 29.2.2016): Blauer Weg: Der Weg zum Restaurant (Mittagessen), Roter Punkt: Wohltätigkeits-Strassenräuber (charity muggers), denen der Ami versprochen hat, beim Rückweg mitzumachen, Grüner Weg: Der Rückweg zum Auto 🙂

 

Aktuellere Beiträge:

Brand Eins, Juliausgabe 2017: Häuserkampf (Erfahrungsbericht eines Haustürsammlers)

… mit Blogbetreiber:

Schweiz: Konsumer-Magazin, Juniausgabe 2017: Eine Sauerei

Österreich: KirchenZeitung, März 2017: Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen

Deutschland: Die Stimme, Nov. 2016: Vertrauensmissbrauch der Hilfsorganisationen

Analyse des „Zentralschweiz am Sonntag“-Artikels zum Thema Corris & Co. vom 24.9.2017

Einer der Fundraiser mit Tablet im Bahnhof Zug. An Charme mangelt es den jungen Leuten meist nicht.

Bahnhof Zug: Wenig Platz, viele Menschen – genial, um Leute zu belästigen

Toll, neuer Beitrag zu den Wohltätigkeits-Strassenräubern von Schweizer Zeitung. Schön, wieder mal die Luzerner Zeitung („Zentralschweiz am Sonntag“) an der Reihe – herzliches Dankeschön an die Redaktion (der letzte Beitrag aus Luzern findet sich HIER) – und endlich kommt auch mal Zug zum Zuge. Es geht auch im weitesten Sinn um Züge, bzw. die Spendensammlungen im Zuger Bahnhof. Aha, gar nicht gewusst: Anscheinend gibt es auch in der Schweiz, bzw. bei der SBB eine Art „Aktionsradius“ für die Sammelnden von 3 Metern um den Stand herum (dieses Thema wurde auch in zwei meiner letzten Posts angetönt, DA und DORT). Diese Regel wird offenbar nicht eingehalten. Sie kann aber auch gar nicht eingehalten werden, denn dann würden nicht mehr genügend Leute gefunden, die mitmachen – die Kampagnen rentieren ja so oder so kaum mehr! Doch die Hilfswerke lassen stur weitermachen. Warum stellt die SBB dann den Irrsinn nicht ab?

Die SBB ist ja ein Staatsbetrieb. Und es sind bekanntlich gigantisch viele Politiker und Politikerinnen bei NGOs, z.B. in Stiftungsräten, Vorständen, Patronatskomitees, etc. D.h. die SBB ist einerseits unter „staatlichem“ Druck, die Aktionen weiter zu bewilligen. Sie ist selbst aber auch nicht unheikel verstrickt. Einer der SBB-Verwaltungsräte, Peter Siegenthaler, war zuvor im Stiftungsrat von Corris-Kunde Pro Juventute (zu Pro Juventute unbedingt auch Post Nr. 4 vom März 2017 anschauen). Siegenthaler sollte vielen noch bekannt sein als vom Bund eingesetzter „Manager“ bei der missglückten Rettung der Swissair. Denn Siegenthaler hatte zu dem Zeitpunkt die Chefposition in der Finanzverwaltung des Eidgenössischen Finanzdepartements inne –  wo im Übrigen auch Kurt Grüter als Chef der Finanzkontrolle wirkte; der heutige Präsident der Hilfswerkkontrollstelle Zewo(!). Für die SBB ist das Ganze aber auch ein ganz ordentlicher „Zustupf“. So verlangt sie von Corris Standmieten. Beispiel Bahnhof Uster (drittgrösste Stadt des Kantons Zürich): 450 Franken pro Tag. Nicht schlecht. Die Stadt Uster verlangt währenddessen pro Stand im Tag lediglich 30 bis 60 Franken. Und wenn wir schon dabei sind: Auch die Post gehört zu den „Absahnern“. Laut Tagesanzeiger streicht die Berner Schanzenpost bspw. 400 Franken von Corris ein. SBB und Post verdienen also munter mit beim „Spenderschaft ausnehmen“ (zur Erinnerung: das Geld wäre eigentlich für Hilfsprojekte gedacht).

Fake News: Warum das Schweizer Fernsehen nicht korrekt über fragwürdige Spendensammlungen auf den Strassen berichtet (aktualisiert: Dezember 2017)

Bildergebnis für martina ziegerer

Zewo-Chefin Martina Ziegerer im Kassensturz

Als Neo-Bundesrat ist Ignazio Cassis bisher noch in kein grösseres Fettnäpfchen  getreten. Dabei gäbe es ein heisses Thema: Cassis war nämlich bis zu seinem Antritt als Bundesrat  im Stiftungsrat des Hilfswerks Fairmed, das mit der dubiosen Spendensammelfirma Corris kooperiert. Fairmed trägt gleichwohl das Gütesiegel der NGO-Zertifizierungsstelle „Zewo“. Die Kontrollstelle wiederum preist sich selbst als unabhängig an. Weit gefehlt: Der Mann von Zewo-Chefin Martina Ziegerer; Odilo Noti, ist in der Geschäftsleitung von Caritas Schweiz UND amtet auch als Präsident des Spendensammelverbandes „Swissfundraising“, wo er die Fundraising-Interessen der Schweizer NGOs vertritt. Z.B. die Zusammenarbeit mit Sammelagenturen fördern, versteht sich (Caritas CH war bis vor Kurzem im Übrigen sogar noch selbst bei Corris).

Nun ist die Konstellation an der Spitze der Schweizer Hilfsorganisationskontrollstelle selbstverständlich völlig inakzeptabel. Nur ist die fehlende Unabhängigkeit der Zewo der breiten Bevölkerung aber gar nicht bekannt! Vor allem die wirklich grossen Medien hätten das demzufolge schon längst bringen müssen, allen voran das Schweizer Fernsehen. „Naja, dann nehme ich halt das Blatt selbst in die Hand“, dachte sich der Blogbetreiber. Und da der Kassensturz als der beste „Kanal“ von SRF erschien, um darüber aufzuklären (Konsumentenschutz), wendete er sich demzufolge an Kassensturzmoderatorin Kathrin Winzenried (im Übrigen satte drei Mal in einem persönlichen Gespräch), um sie über die Vetternwirtschaft bei der Zewo zu informieren. Die reagierte auffällig cool: „Wir können das schon mal bringen.“ Äh, habe ich richtig gehört? Die Tatsache, dass der Mann der Hilfswerkkontrollstelle-Chefin selbst bei einem Hilfswerk ist und sogar den gesamten NGO-Sektor im Fundraising vertritt, ist womöglich keine genügend bedeutende Info??? Und warum hat Winzenried eigentlich so kühl reagiert? War sie etwa darüber schon im Bilde?

Jetzt muss man wissen, dass der Kassensturz Anfang 2013 zwar schon einen „halb-ordentlichen“ Beitrag über Corris gebracht hat, vor allem mit der Aufdeckung, dass Corris von den Hilfswerken (Corris-Kunden sind z.B. der WWF, Helvetas, Swissaid, Pro Juventute, Amnesty International oder Pro Infirmis) pro sammelnde Person und Tag 850 Franken verlangt! Das Hauptthema waren allerdings die schlechten Arbeitsbedingungen der Sammler & Sammlerinnen. Aber das ist doch ein Nebenthema! Denn die Sammelzusammenarbeit zwischen Non-Profit-Organisationen und Profit-Organisationen geht ja schon gar nicht auf, da hier eben völlig widersprüchlich „Profit mit Non-Profit“ betrieben wird. Und aus diesem ethischen Grundkonflikt heraus bei den Sammlungen nicht, oder mindestens nicht genügend transparent gemacht wird, dass dahinter gewinnorientierte, sprich: eigennützige Fundraisingfirmen stecken (die den gemeinnützigen Gedanken ja damit geradezu ad Absurdum führen). Kein Wunder: Sehr viele Leute würden ja gar nicht mitmachen, wenn sie das zum Vornherein wüssten. Sie werden also – völlig untragbar – „an der Nase herumgeführt“.

Tatsächlich ist das Schweizer Fernsehen sogar für den Fake-Beitrag über Corris schlechthin verantwortlich. Und zwar in der Schweizer Newssendung par excellence; der Tagesschau(!) vom 4.12.2010. Dort wurde die Sammelkooperation regelrecht als ideale Fundraisingmethode bezeichnet! Also entweder handelte es sich hier um eine mit Hilfe der NGO-Riesenlobby initiierte Beitragsmanipulation von Seiten der Non-Profit-Organisationen. Oder die Tagesschauredaktion ist schlicht inkompetent – ich tippe auf Ersteres. Denn 2010 war Wohltätigkeits-Strassenräuberei, Englisch: „chugging“, von „charity“= Wohltätigkeit und „mugging“ = Strassenräuberei, schon längst allgemein HOCH umstritten (generell umstritten war es im Übrigen schon von Anfang an) – vergleiche bspw. mit Beitrag des wohl renommiertesten Nachrichtensenders der Welt, der englischen BBC AUS DEM GLEICHEN JAHR oder auch mit demjenigen des Berner Lokalsenders „TeleBärn“ AUS DEM VORJAHR).

Also es wird langsam Zeit, sich mal die Verbindungen des Hilfswerksektors mit dem Schweizer Fernsehen anzuschauen, das ja zur SRG gehört. Da gibt es sicher mal deren Prestigeobjekt zu erwähnen; die Glückskette – ja, das ist die Haupttäterin für das alljährliche Gutmenschenfest „Jeder Rappen zählt“ – die sich selbst als „humanitären Arm der SRG“ bezeichnet. Die Glückskette realisiert aber selbst keine Hilfsprojekte, sondern sammelt lediglich Spenden über die Kanäle der SRG. Die Projekte selbst übernehmen 25 „Partnerhilfswerke“ (so setzt sich der Glückskette-Stiftungsrat denn auch zur Hälfte aus SRG Leuten, inkl. Präsidentin Ladina Heimgartner, zusammen, und die andere Hälfte aus Verantwortlichen der Partnerhilfswerke, inkl. Caritas-Oberboss Hugo Fasel) . Und jetzt zum springenden Punkt: 23 dieser Organisationen sind selbst bei der Zewo(darunter natürlich auch die Caritas), bzw. tragen das Zewo-Gütesiegel. Und auch mindestens 10  arbeiten mit Corris oder anderen „Face-to-Face“-Agenturen zusammen. Also wenn das keinen Einfluss auf die Berichterstattung hat!

Aber Vorsicht: Es gibt da auch noch eine weitere Organisation, die zwar nicht mit der Glückskette kooperiert, jedoch Zewo zertifiziert ist und auch auf der Kundenliste von Corris steht. Die NGO „Reporter ohne Grenzen“. Und wer ist dort im Patronatskomitee? Neben Blick-Verleger Michael Ringier, dessen Frau schon bei Corris-Kunde Pro Juventute im Stiftungsrat ist, auch ein gewisser Roger de Weck, erst gerade abgetretener SRG-Generaldirektor (neue stellvertretende Generaldirektorin ist übrigens Ladina Heimgartner – ja, die von der Glückskette).

Also ich weiss, was ich, auch als tendenzieller Links-Wähler, bei NO BILLAG abstimmen werde, Sie auch?

Was ehrliche Spendensammelnde auf der Strasse zu dieser Form der Spendenanwerbung meinen (20.9.2017)

Bildergebnis für interview chugger cartoon

Heute will ich mal die entscheidenden Leistungsträger und – trägerinnen des perfiden Spendensammelsystems auf den Strassen/vor Haustüren zu Wort kommen lassen (die Sammlungen werden gar nicht von den „NON-Profit“-Organisationen, sondern von gewinnorientierten Sammelfirmen durchgeführt, die i.d.S. zusätzlich zum Verdienst auch noch nicht zu rechtfertigenden, mit Spendengeld ausgezahlten „Profit“ anstreben). Denn einsichtige Sammler und Sammlerinnen haben ja durchaus den Durchblick:

Ein „Wohltätigkeits-Strassenräuber“ (Englisch: „charity mugger“) hat es in einem Zeitungsartikel (der übrigens mindestens online in fast allen grösseren Schweizer Blättern erschienen ist: 20 MinutenTages-Anzeiger, Basler Zeitung, etc. – bester Artikel aus Deutschland/Österreich kam von der taz/von Progress) auf den Punkt gebracht: „Es ist ambivalent – du arbeitest für eine NGO – aber auch für deinen Bonus.“ Und eine Sammlerin formuliert es im Beitrag sogar noch klarer: „Ich hatte den Eindruck, die Leute zu betrügen.“

Das ist ja das Verrückte an der ganzen Sache: Diejenigen Sammelnden, die ehrlich, rechtschaffen und selbstlos agieren – und darum ginge es ja im Hilfsorganisationsbereich – können diese Arbeit gar nicht ausführen, da sie schon nach kurzer Zeit ein schlechtes Gewissen bekommen (die durchschnittliche Anstellungdauer bei der Corris AG ist drei Wochen). Die Unehrlichen mit fehlender Integrität, die vor allem auf die Provisionen schielen aber werden von den Fundraisingfirmen zusätzlich belohnt, bzw. befördert (mit einem im „Non-Profit“-Sektor eben nicht zu rechtfertigenden „Gewinn im Kleinen“ in Bonusform als auch Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Agentur), und profitieren nicht zuletzt auch von zusätzlichen „Zückerchen“, z.B. bezahlte Ferien.

Interessant auch die Aussage eines Haustürsammlers im immernoch recht aktuellen Beitrag des deutschen Magazins Brand Eins (Juliausgabe 2017):  „Einmal unterschrieb eine alleinerziehende Mutter, die mit ihren drei Kindern in einer kleinen Wohnung im dritten Stock eines ziemlich heruntergekommenen Wohnblocks wohnte … und als ich wieder auf der Strasse stand, fühlte ich mich miserabel, weil sie ja gar nicht wusste, wie das funktioniert: dass ein Teil der Spende als Provision an die Firma Wesser ging und davon wiederum ein Teil in meine Provision…“

Und immer wieder muss ich in diesem Zusammenhang auf den langfristigen, aber umso einsichtigeren Gesinnungswandels eines der ersten Sammler überhaupt, der schon in den 70-er Jahren damit begann, hinweisen, der diesen in seinem Buch Drücker in Uniform eindrücklich beschreibt (Auszüge siehe Link).

Doch die schönste Geschichte hatte ich selbst mit einer Sammlerin, die ich darüber aufgeklärt hatte, dass selbst die Hilfsorganisationen anfangs die Zusammenarbeit verurteilt hatten und die Schweizer Hilfswerkkontrollstelle Zewo, deren heutige, nicht mehr unabhängige Geschäftsführerin Martina Ziegerer  (ihr Mann; Odilo Noti, ist Präsident des Spendensammelverbandes „Swissfundraising“) auch Präsidentin des Dachverbandes ICFO ist, wozu die deutsche und österreichische Kontrollstelle zählen (DZI & Österreichisches Spendengütesiegel), die Kooperation einst als „Witz“ abgekanzelt hatte. Sichtlich erleichtert – denn sie hatte selbst immer wieder das Gefühl, es sei ja gar nicht recht, was sie hier mache – sagte die Sammlerin zuletzt, vom inneren Druck befreit und die bevorstehende Kündigung bereits andeutend, ganz simpel ehrlich: „Merci.“

CH: Erneuter „Corris-Lobbyist“ in Bundesrat? / Ignazio Cassis est membre du Conseil de fondation de „Fairmed“ (client de Corris) – 19.9.2017

Nouveaux chiffres : Les premières 2 – 3 dons d’un an vont à Corris!

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Ob Regen oder Sonnenschein – „Hallo, Sie nettes Spender-Fräulein!“

 

Hat man sich schon zu früh gefreut? Mit Didier Burkhalter ist ja nun ein Corris-Lobbyist weg im Bundesrat – FDP-Burkhalter ist Pro Juventute-Botschafter (siehe Post vom 30.8.2017). Doch es droht erneut Ungemach. In Form von Ignazio Cassis, seinerseits im Stiftungsrat von FAIRMED. Man kann’s erwarten: Corris-Kunde…

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„Grüezi (& hoffentlich Goodbye“): Ignazio Cassis – ein FDP-Corris-Lobbyist mehr

Diese „NGO-Politlobby“ ist wirklich monströs. Kein Sektor hat eine grössere Lobby; weder Bauern, Pharma, Krankenkassen, Versicherungen oder der Finanzsektor (NZZ-Artikel „Lobbying im Bundeshaus“, 14.3.2016). Es braucht wirklich übermenschliche Kräfte, um diese zu Fall zu bringen.

SVP: Doch stärker mit „Corris-NGOs“ verstrickt als angenommen?

Oder die SVP. Hat der Blogbetreiber bis vor Kurzem jedenfalls gedacht. Denn im Gegensatz zu den Linken – fast zwei Hilfswerkverbindungen pro SP-ParlamentarierIn(!) sowie allein 38 davon explizit mit „Corris-NGOs“ – und der Mitte (18 Interessenkonflikte mit Corris-NGOs), ist bei der SVP nur eine starke Bindung auszumachen (siehe Post Nr. 3/Januar 2017) . Tempi passati: Wenn man genau schaut, ist auch die SVP nicht so harmlos mit dem NGO-„Corris“-Sektor verbunden. Bspw. schon mal von der „Parlamentarischen Gruppe Green Cross“ gehört?

Ok, bei einer Mitgliedschaft in dieser Gruppe handelt es sich nicht um eine ausgesprochen starke Bindung – aber auch nicht um so eine schwache! Vor allem, wenn man die Anzahl der involvierten SVP-Parlamentsvertretenden anschaut: Gemäss letztem Update auf der Green Cross-Website sind dort nicht weniger als 17 dieser „Gattung“ anzutreffen (SVP-Fraktionspräsident Amstutz Adrian, Aebi Andreas, Flückiger Sylvia, Frehner Sebastian, Geissbühler Andrea, Giezendanner Ulrich, Grin Jean-Pierre, Hausammann Markus, Nidegger Yves, Reimann Lukas, Rime Jean-François, Stamm Luzi, von Siebenthal Erich, Walter Hansjörg, Wobmann Walter, Föhn Peter, Germann Hannes).

Green Cross: Doppelter Spendensammelfirmenkunde

Green Cross gehörte neben Greenpeace, WWF und Pro Infirmis zu den ersten Corris-Kunden. Und seit ein paar Jahren lässt Green Cross auch die sogar noch etwas umstritteneren Haustürsammlungen durch die Ur-„Face-to-Face Fundraisingfirma“ Wesser GmbH machen (siehe Erfahrungsbericht eines Haustürsammlers/Juli 2017 inkl. Analyse). Immerhin: Green Cross ist am „abserbeln“, nachdem die auf die Behebung von Schäden aus dem Kalten Krieg spezialisierte NGO Anfang Jahr gleich in mehrere Skandale verwickelt war (siehe Post vom 11.5.2017)…

Fake-News nehmen auch in Sachen „Corris“ zu

„Wem können wir noch trauen?“ hiess die letzte Titelstory des „Beobachters“. Hintergrund (von Blogbetreiber noch etwas genauer beschrieben): Bei zahlungspflichtigen Zeitungen nimmt die Leseranzahl konstant ab. Klar weswegen: Gratis-Informationsaufnahme übers Internet. Als Folge wurden alle Redaktionen der grossen Blätter in den letzten Jahren gestrafft und profitorientierter ausgerichtet. Die zunehmend um ihren Arbeitsplatz fürchtenden Journalisten & Journalistinnen denken beim Schreiben deshalb immer öfter im Sinne der Chefetage und der politischen Grundausrichtung der jeweiligen Zeitung. Resultat: Fake News, in der Angelegenheit um Corris & Co. letztmals im Dezember 2016 im aus Anzeigenerlösen finanzierten und deshalb sowieso schon mit Vorsicht zu lesenden „20 Minuten“ (Printausgabe), wo der Fundraisingspezialist Robert Purtschert angibt, es sei nur eine Jahresspende, die für Corris draufgeht (dabei sind es heute eben 2-3 Jahresspenden, wobei sich die Zahlen international ähneln). Purtschert wird da von den verärgerten NGOs unter Druck gesetzt worden sein, da er Ende 2010 im Kassensturz die im NGO-Sektor übliche Tradition der Zahlenbeschönigung preisgegeben hat: „Die Organisationen befürchten, ihre Spender zu erschrecken, wenn sie die Fundraising-Kosten offen deklarieren“.

Je explosiver die Corris-Geschichte wird, desto weniger wird darüber geschrieben!

Dasselbe gilt aber in Abstrichen auch für den Beobachter selbst, gerade in der Angelegenheit um Corris & Co. – was er natürlich nicht schreibt. Oder kann sich jemand an einen Beobachterbeitrag – geschweige denn einen WAHRHAFTIG KRITISCHEN – über die (rund 35-jährige) Kooperation von Non-Profit-Organisationen mit profit-orientierten Sammelfirmen à la Corris erinnern? Oder wenn ja, bitte mir melden (der Beobachter wird seit 2007 von einem Gemeinschaftsunternehmen der Axel Springer SE und der Ringier AG herausgegeben; die Frau von Ringier-Verleger Michael Ringier ist im Stiftungsrat von Pro Juventute…).

England: Newcastle „zäunt“ Spendensammelaktionen „ein“ / UK-Newcastle: Chuggers „fenced in“ (September 11/2017)

Chuggers won't be allowed to move out of these boxes to harass people anymore

Newcastle; eine der grössten Städte Englands, „zäunt“ aufgrund einer nicht mehr tolerierbaren Anzahl von Reklamationen von Seiten der Bevölkerung Spendensammelnde auf der Strasse „ein“! (Anmerkung: Eigentlich wäre sogar Totalverbot geplant gewesen – da hat die „Hilfswerk-Lobby“ offenbar wieder mal erfolgreich Gegenwehr geleistet.)

Plus Wiederholung wichtiger News: Nach neuesten Zahlen fliessen nicht nur bis zu 80% der Spenden an die ausführenden Sammelfirmen, sondern bis zu 95%!

Newcastle, one of the biggest cities in the UK „fence“ chuggers „in“ after numerous complaints of the public!

Plus again news about latest figures: 95 percent of the donations are going to chugging firms!

 

EMPFOHLENE BEITRÄGE aus der SCHWEIZ: Hilfswerke instrumentalisieren Politik (insbesondere SP) für Erhaltung des Sammelsystems (Beitrag des Blogebtreibers auf KONSUMER.ch/Mai 2017), „Was Hilfswerke, die heute mit Sammelfirmen zs-arbeiten, einst dazu gesagt haben“

DEUTSCHLAND: Erfahrungsbericht eines Haustürsammlers der deutschen „Ur-Face-to-Face Sammelfirma“ Wesser von Schweizer Betteltour (aus „Brand Eins“/Juliausgabe 2017), „Unterstützung für Kevin Brutschin und sein Aufklärungsprojekt“ (Ketzerpodcast/25.6.2017)

ÖSTERREICH: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen“ (Interview mit Blogbetreiber aus Kirchenzeitung/März 2017), Zu den Ursprüngen von Strassen- und Haustürsammlungen (Analyse von Beitrag der Satire-Onlinezeitung „Die Tagespresse“/20.4.2016)

CH: SRK informiert Gemeinden über Haustürsammlungen ohne Hinweis auf ausführende, spendenabzweigende Sammelfirma (8.9.2017)

+++Hinweis: Neue Beiträge aus Österreich & Deutschland gleich nach diesem CH-Beitrag+++ 

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Kommerzielle NGO-Hausierer erscheinen in Anzug, Zivil- oder Hilfswerkkleidung

 

Muss zugeben, habe die Haustürsammlungen etwas vernachlässigt bei meiner Kritik an kommerziellen Face-to-Face Spendensammlungen (obwohl noch etwas schlimmer als Strassensammlungen zu werten).

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Bei Haustürsammlungen oft antreffende alte Leute sind leichter manipulierbar

Hab das aber ja kürzlich nachgeholt mit zusammengefasstem Erfahrungsbericht eines Spendensammlers der deutschen Firma „Wesser“ von einer Betteltour durch die Schweiz aus „Brand Eins“/Juliausgabe 2017 (Wesser ist in der Schweiz fürs SRK, Pro Natura, Stiftung Kinderdorf Pestalozzi sowie Green Cross unterwegs).

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… liess Corris als eine der 1. NGOs Strassen- & Haustüraktionen machen

Auch Corris macht seit einigen Jahren solche „Door-to-Door“-Kampagnen, z.B. für Pro Infirmis. Bildergebnis für gerhard friesacher zeitung

Spendergeld-Multimillionär ohne schlechtes Gewissen: Psychiatriefall Friesacher

Wobei Corris-Besitzer Gerhard Friesacher selbst mal als Haustürsammler angefangen hat (und heute im Übrigen dank Corris Multimillionär geworden ist und sich eine ganze Ladenkette als zweites Standbein aufgebaut hat).

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2. Standbein: „Mach die Welt besser“-Ladenkette von Corris-Boss Friesacher

Aber zum neu aufgedeckten Skandal: Schon bemerkt, oft werden in den Medien Haustürsammlungen, speziell fürs Rote Kreuz – auch in der Schweiz die allererste Organisation, welche auf kommerzielle Haustürsammlungen setzte – angekündigt. Doch was immer wieder fehlt ist der Hinweis, dass die Sammlung ja eben gar nicht vom Hilfswerk selbst, sondern von Spendengeld abzweigenden profitorientierten Fundraisingagenturen ausgeführt werden, die sich dumm und dämlich daran verdienen.

SRK-Präsidentin Annemarie Huber-Hotz mit -Direktor Markus Mader

Das muss doch einen Grund haben? Hat es auch: Die schriftliche und oft sehr standardmässige Mitteilung des SRK über die bevorstehenden Haustürsammlungen an Gemeinden, lokale Medien und Behördenvertreter weisen nicht mit einem Buchstaben auf den kommerziellen Mithintergrund der Sammlungen hin. Aber eben: Eigentlich „nur“ ein Skandal mehr im völlig verkommenen Non-Profit-Sektors…

 

 

 

AU: „Richtiger Umgang mit Strassen-Spendensammlern“ (Spendenkeiler) von Verbrauchermagazin „Help“ des ORF vom 3.9.2017

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Was mich schon immer interessiert hat: Kommt der Begriff Spendenkeiler…

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…eigentlich von „männliches Wildschwein“ (die nennt man ja „Keiler“)?

 

DER RICHTIGE UMGANG MIT SPENDENKEILERN (ZS-FASSUNG & ANALYSE)

Wow, ich habe ja die Hoffnung weitgehend aufgegeben mit grossen Medien, was brauchbare Beiträge über kommerzielle Spendensammlungen von Werbefirmen im Auftrag von Hilfsorganisationen auf Strassen/vor Haustüren angeht. So habe ich dem deutschen „Stern“ zu dessen Artikel schon gedankt, weil er das Thema überhaupt wieder mal gebracht hat, obwohl die Zahlen dort komplett falsch waren (gemäss WWF gehen im Artikel 12% der Spenden an die Agenturen, DABEI SIND ES HEUTE BIS ZU 95% – SIEHE POST VOM 23.8.2017). Nun ist jetzt aber ein ganz ordentlicher Beitrag vom ORF-„Help Verbrauchermagazin“ zum richtigen Umgang mit Spendenkeilern erschienen:

Vor allem sei auf die Empfehlung verwiesen, dass man auf der Strasse schlicht NICHT MITMACHEN soll: „Auf der Strasse fehlt die Möglichkeit, wirklich dahinter zu blicken, was mit dem Geld passiert“.

Mehr braucht es eigentlich gar nicht zu sagen zum Thema. D.h. Zusammenfassung bereits beendet; in der Kürze liegt die Würze. Ausserdem habe ich ja für den heutigen Tag schon Beitrag aus Deutschland verfasst (Münchner „tz“-Artikel); findet sich HIER.

 

Nachtrag: Weiss eigentlich jemand, dass Spendenkeilen auf der Strasse in Österreich erfunden wurde? Allerdings von ehemaligen Haustür-Spendenkeilern. Und Spendenkeilen vor Haustüren ist wiederum in Deutschland erfunden worden: RECHERCHE ZU DEN URSPRÜNGEN

 

 

DE-München: „tz“-Artikel zum Thema kommerzielle Spendenwerber vom 3.9.2017

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Aufdringliche Spendensammlerin: Angesprochene Leute reagieren inzwischen selbst aggressiv!

 

Was sich schon seit längerer Zeit angekündigt hat und auch schon passiert ist, hat nun erstmals auch ein Medium registriert und publiziert (ich hatte schon vor Längerem einen Post dazu geschrieben): Kommerzielle Spendensammelnde von Werbefirmen, die im Auftrag von wohltätigen Organisationen auf Strassen und vor Hausüren die Leute belästigen, sind inzwischen so verhasst, dass es immer mehr zu Handgreiflichkeiten kommt, GENAUER GESAGT ZU IMMER GRÖBEREN HANDGREIFLICHKEITEN. Sowohl von frustrierten Sammelnden selbst, denen immer öfter Unverständnis und Ablehnung entgegenschlägt. Als auch von dreinschlagenden, die Nerven verlierenden Angesprochenen. Ein Deutsches Rotes Kreuz, bzw.  DRK-„Wohltätigkeitsräuber“, genauer gesagt im Auftrag des Bayerischen Roten Kreuzes (wahrscheinlich von der Firma Kober, die derzeit in Bayern unterwegs ist), hat das nun am eigenen Leib erfahren…

BRK-SPENDENSAMMLER GESCHUBST UND GETRETEN

Sein Einsatz als Spendensammler endete für einen 25-Jährigen in Peissenberg schmerzhaft. Ein Mann attackierte ihn.

Peissenberg – Er war am Samstag unterwegs, um Spenden für das Bayerische Rote Kreuz zu sammeln – doch dieser Einsatz endete für einen 25-Jährigen aus Filderstadt schmerzhaft. In einem Peissenberger Mehrfamilienhaus wurde er von einem 33-jährigen Anwohner attackiert. Laut Polizei geschah der Vorfall gegen 12.10 Uhr. Da trafen die beiden Männer aufeinander – und der Peissenberger war mit der Sammlung im Haus überhaupt nicht einverstanden. Er stiess den 25-Jährigen die Treppe hinunter und trat nach ihm. Der junge Mann konnte zwar einen Sturz vermeiden, klagte aber nach dem Angriff über Schmerzen am Oberkörper. Deshalb erwartet den Peissenberger nun eine Strafanzeige wegen Körperverletzung.

Und hier übrigens auch noch mal meine PERSÖNLICHE NACHRICHT AN DIE LESERSCHAFT

CH: NGOs verlieren mit Bundesrat Didier Burkhalter zweitwichtigsten „Corris-Lobbyisten“ – auch „deutscher Bruder“ unter Druck (30.8.2017)

Der Bereich rund um den Justiziabrunnen ist bei Spendensammlern besonders beliebt.

Spendenstand der Firma Corris beim Justiziabrunnen in Winterthur (hier für Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“)

 

Erneuter Rückschlag für Schweizer Hilfswerke, welche auf „Spendenclowns“ von Spendenfirmen à la Corris setzen. Denn das Sammelsystem existiert ja nur noch, weil es auf den Rückhalt der Politik zählen kann (siehe Liste aller involvierter Personen in Bundesrat & Parlament, die für den Sammelnonsens lobbyieren). Denn das Problem ist doch folgendes: Jedermann und -frau, die in die Politik geht, hat neben dem Bedürfnis nach gesellschaftlicher Gestaltung eben auch ein mindestens so starkes Bedürfnis nach gesellschaftlicher Anerkennung. Und welche Mandate geben mehr gesellschaftliche Anerkennung als solche bei Hilfswerken? So lange Non-Profit-Organisationen bei der Bevölkerung noch ein positives Image geniessen, wird kein Politiker und keine Politikerin daran denken, sein/ihr Mandat (also z.B. in einem NGO-Stiftungsrat) wieder abzugeben, selbst wenn sie die Wohltätigkeits-Strassenräuberei für keine gute Form der Spendenanwerbung halten. So stützen sie ja aber das Sammelsystem – und sorgen damit dafür, dass das positive Image erst recht – zwar langsam, ABER SICHER – ins Negative dreht. Ich habe selbst schon von locker einem halben Dutzend kleinerer, aber dafür unabhängigerer Medien (die grossen sind sowieso ins „System“ eingebunden), die eigentlich gerne über die Machenschaften von Corris & Co. berichten wollten, im letzten Moment eine Absage gekriegt, da sie sich vor der gigantischen Politlobby gefürchtet haben…

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FDP-Bundesrat und Pro Juventute-Botschafter Didier Burkhalter

Allerdings: Mit dem Rücktritt von FDP-Bundesrat Didier Burkhalter, seineszeichens Botschafter von Corris-Kunde Pro Juventute (siehe auch Post zu vergangenen Pro Juventute-Skandalen) verlieren die NGOs nun eben ihren zweitwichtigsten Interessenvertreter, der ja schon Massnahmen der Stadt Winterthur gegen die Spendenmafia verhindert hat. So unglaublich stark ist die Hilfswerk-Lobby also gar nicht mehr, zumal die andere Person im Bundesrat in dieser Angelegenheit durch meinen Artikel auf KONSUMER ebenfalls schon geschwächt ist: Simonetta Sommaruga, Stiftung für Konsumentenschutz- und Swissaid-Lobbyistin (Sommaruga war auch Präsidentin von Swissaid).

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Vielleicht schon nicht gerade, aber sicher nicht mehr Simonetta Sommaruga (wenn ich könnte)!

A propos: Wie heisst eigentlich der zweitwichtigste „Drückerkolonnen-Lobbyist“ in DEUTSCHEN LANDEN (der wichtigste ist Ex-SPD-Vizekanzler Franz Müntefering)? Das ist zweifellos DRK-Präsident Rudolf Seiters, ehemaliger CDU-Bundesminister des Innern sowie für besondere Aufgaben als auch Ex-Chef des Bundeskanzleramtes und Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Aber auch Seiters ist unter Druck. Weniger als Person denn als Rotes Kreuz-Oberster. So kommt das Deutsche Rote Kreuz als erste Hilfsorganisation weltweit, die auf Face-to-Face Aktionen mit einer kommerziellen Werbefirma, genauer gesagt der Wesser GmbH, gesetzt hat, nicht nur deswegen immer massiver unter Druck, sondern bspw. auch durch den Skandal um den Grössenwahn-Jahreslohn der ehemaligen Berliner DRK-Schwesternschaftsoberin Heidi Schäfer-Frischmann: eine halbe Million Euro.

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DRK-Drückerkolonnenlobbyist Rudolf Seiters (CDU); Angela Merkel (CDU)

 

 

 

 

 

His lonely struggle against charity canvassers (translation from Swiss magazine Zentralplus – May 27/2018)

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Kevin Brutschin was a primary and high school teacher and had a well-paid job in the charity sector afterwards. But now he is homeless and unemployed. The reason: He devotes his time to fight against street fundraising companies, also in Lucerne and Zug. „Wohltätigkeits-Strassenräuber“ (=1:1-translation of „Charity muggers“ into German), he calls them.

Kevin Brutschin is a man with principles. This gets clear very quickly. Terms such as „moral“, „ethics“ or „perversion of the not-for-profit idea“, he uses frequently. The 43-year-old primary school teacher worked mainly as a high school teacher.

In the long run, however, this didn’t work well. He had problems with the discipline of the students, Brutschin says. Later he worked in the „commercial sector“, as he called it. „But there was a lot of cheating there, which I didn’t like,“ he says. So he looked around for a „job of integrity“ and found something in the charity sector. He thought.

First, he worked as a fundraiser for major donors in the office of the charity „Terre des Hommes“. „The donations sums there could even be more than a million“, Brutschin says.

„I’ve earned too much“

Then he had a job as a „street fundraiser“ for the charity „Doctors without Borders“. The street fundraisers are young people, who are trying to find new donors on the street. But they are also in train stations like in Zug.

That time, „Doctors without Borders“ made the campaigns on the street on their own. „I earned around 5’500 Swiss franc monthly,“ (4’213 British Pound, 5’562 US Dollar or 4’812 Euro) he says. This was much too high for him. „I told this to the charity. The answer was that I should simply donate again the amount which I thought was ’surplus‘!

„If a charity is doing this, it’s fraud“

Brutschin could no longer identify with his work. Especially, because he had noticed that the charities cheat the same way as he has seen it in the commercial sector. For example, pretending that the charitable organisations are doing the campaigns on their own, even if they cooperate with external fundraising firms, as is usually the case.

„But the difference is, that in the charity sector, you can’t speak about cheating any more, but of fraud, since the moral standards are higher in the charity sector“, explains Brutschin, who lived that time in Biel.

But Brutschin criticizes also the nepotism in the charity sector. „The Foundation for Consumer Protection should criticize this system, too, but it is a client of the streetfundraising firm Corris, itself.

Corris is a typical company, which collects donations on behalf of charities such as WWF, Amnesty International or Unicef. „The owner of Corris is a multimillionaire, who owns even a chain of stores,“ says Brutschin. Corris is making „profit with not-for-profit“, he calls it. The fundamental idea of the not-for-profit sector is not kept: The not-for-profit-idea itself, which is altruistic, disinterested.

Social media are too superficial

Brutschin decided to make an own blog, three and a half years ago, to show to the public the problems in the not-for-profit-sector. For a while, he also tried it on Twitter and Facebook, but: „If you haven’t got a lot of likes right from the beginning, it doesn’t work at all. I’ve noticed that it’s a topic which needs time to really understand it. But many people in fast-paced social media don’t take this time.“ Brutschin noticed, that social media are too superficial for this topic.

The fundraising companies usually hire young people to collect donations on the street on behalf of charities. However Corris & Co. work „for-profit“. So they’ve got high prices for their service. According to Brutschin, Corris gets 850 Swiss Franc per collector and day (651 British Pound, 860 US Dollar or 744 Euro).

„Fundraisers have no idea of the charity“

„On average, a Corris-fundraiser is doing this job for only three weeks,“ says Brutschin, „so you can assume that the fundraiser has no idea at all about the charity. They simply memorize their information leaflet how to make a conversation on the street.“

According to 43-year-old Brutschin, this business is getting worse for the charities. „They are more and more under pressure to find sufficient donations. Today, there are much more charities than 30 or 40 years ago – but the sum of donations, you can’t make bigger, just as you like.“ Especially with „Corris“, the donations have been fallen to a very low level. „Less and less people sign, whereas the price of Corris per collector and day stays the same.“

Is this system about to collapse?

„The whole system is about to collapse,“ predicts Brutschin, „but it’s extremely difficult to say how long it will take until the big bang.“

He gets positive feedback for his blog. However – no surprise – the charities and fundraising companies are not amused. According to Brutschin, he should be already in prison since a long time. „Corris filed a criminal complaint against me to the public prosecutor’s office in Zurich-Limmat, which was also approved.“

They issued a penalty order against him. „I got two fines. I could avoid one of them, if I don’t write anything about the theme anymore. But of course I keep doing it.“ The second one is an obligatory fine because he used insulting expressions like „Wohltätigkeits-Strassenräuber“ (=1:1-translation of „Charity muggers“ into German).

No money, no fear

„It’s true,“ says Brutschin, „I used the expression ‚Wohltätigkeits-Strassenräuber‘. But that’s how they are called in English: Chuggers or charity muggers.“ This accusation, like the whole penalty order, is a farce. „I’ve got no fear that something will happen to me.“ So he refused to pay the fines.

The fundraising companies could no longer afford to do something against him, anyway. They are too much under pressure. „But for a certain time, I had to be careful. When I started my campaign and published the first article, I disappeared for a month.“

What comes after that?

„Last year I spent a month and a half in Lucerne and Zug. In Zug I found an easy way to get some money.“

„There was a market with a lot of food stands with reusable synthetic plates and dishes. There was a deposit on them. Some people didn’t give them back, so I did it – and got the deposit. So I made very easily 30, 40 Franc.“ With this money, Brutschin could survive for a while in Lucerne. Because he is homeless and unemployed. He spent all his savings a long time ago. But he doesn’t want to beg or get social assistance from the state, because he could work. „I want to concentrate fully on this project and I would feel guilty if I get social assistance.“

If his project is done, Brutschin considers to work as a school teacher again. „But for the time being, I invest all my energy to this project, which may take longer than I thought in the beginning. But he will not give up until the cooperation of charities with such fundraising firms is over. „I don’t know exactly what I am going to do afterwards.“

 

What Corris thinks about Kevin Brutschin:

Bernhard Bircher-Suits, Head of Marketing of Corris, points out that they tried to start a conversation with Brutschin several times, but he ignored.

Brutschin had clearly stepped over an acceptable level of criticism, which is why Corris filed a criminal complaint. Mr. Brutschin damaged the image of Corris by making not correct, misleading and offensive statements. However, Corris does not believe that Kevin Brutschin is dangerous for them.

„2018“-Update zum „Die Perspektive“-Artikel des Blogbetreibers zum Thema Corris & Co. vom 21.9.2014 (Update 5.10.2018)

Zeit für ein Update meines Artikels im Magazin „Die Perspektive“ vom 21.9.2014. Zur Erinnerung: Der damals online geschaltete Beitrag sorgte dermassen für Furore, dass er nicht nur in der Google-Rangliste hochschoss, sondern die kritisierte Spendensammelfirma Corris auch zu einer geharnischen Reklamation bewog, inklusiv verklausulierter Verleumdungsklage-Androhung. Die sorgte bei der noch jungen und unerfahrenen „Die Perspektive“-Redaktion, die in erster Linie aus zwei Studenten bestand, welche das Magazin gegründet hatten, zu einer Panikreaktion (was sie leider bis heute nicht zugeben). Resultat: Mein Beitrag wurde offline gestellt – ohne Absprache mit mir und auch ohne mich überhaupt darüber zu informieren. Naja, sei’s drum, Themawechsel: Denn gibt inhaltlich einiges zu aktualisieren, wobei ich mich auf das Wichtigste beschränke. Damals gelang mir ja die krasse Aufdeckung, dass die Hilfswerkkontrollstelle Zewo nicht interveniert bzgl. der nicht zu rechtfertigenden Sammelzusammenarbeit von NGOs mit kommerziellen Spendenfirmen, weil sie selbst nicht unabhängig ist: Caritas-Geschäftsleitungsmitglied Odilo Noti ist der Mann von Zewo-Chefin Martina Ziegerer! Nun ist die Caritas inzwischen zwar nicht mehr bei Corris. Doch viele verbündete Entwicklungshilfeorganisationen eben nach wie vor, wie z.B. Helvetas oder Swissaid, mit der Caritas z.B. in der „Alliance Sud“ verbunden ist. Die Zewo bleibt i.d.S. weiter nicht unabhängig. Nicht zuletzt auch, weil der Zewo-Stiftungsrat ebenfalls „verseucht“ ist, wie der „Blick“ am 7.4.2018 mittlerweile ebenfalls festgestellt hat (ich allerdings auch schon in der Weltwoche von 2012): „Stiftungsratspräsident Kurt Grütter sitzt gleichzeitig im Vorstand von Caritas. Peter Nigg­li ist im Vorstand von Helvetas tätig (Anmerkung des Blogbetreibers: Peter Niggli war zudem auch Geschäftsleiter von Alliance Sud). Gian-Reto Ra­selli leitet das Marketing bei WWF Schweiz.“ Ich kann aber zusätzlich zum Blick noch drei weitere Zewo-Stiftungsratsleute mit mindestens heiklen VERGANGENEN Verbindungen zum Hilfswerksektor benennen: Maria Bernasconi, Ex-Nationalrätin, die eine ihrer Bundehaus-Zugangskarten einem Amnesty International-Lobbyisten gegeben hatte. Christine Egerszegi-Obrist, Ex-Ständerätin, die in der Parlamentarischen Gruppe Green Cross war und sogar heute noch Botschafterin von Pro Juventute ist. Und Esther Girsberger: Ehemaliges Helvetas-Zentralvorstandsmitglied. Jupeidiundjupeida!

 

CORRIS & CO.: ÖFFENTLICHES SPENDENSAMMELN VOR DEM AUS?

Bildergebnis für SPENDENSAMMLER CORRIS

Sie kommen nicht aus der Kritik: Fundraisingagenturen wie Corris, Wesser, Imis, Ten Fe oder Lecho, welche für Hilfswerke wie z.B. den WWF, Amnesty International, Pro Infirmis, Helvetas oder das Rote Kreuz auf der Strasse oder vor Haustüren auf Spendenfang gehen. Die (künstlich-) sympathischen bis militanten «Dialoger» sind meist jugendliche Mitarbeitende, oft Studierende, die im Schnellverfahren ausgebildet werden. Bei Corris behalten die Mitarbeitenden den Job im Durchschnitt mickrige drei Wochen.
Nachdem letztes Jahr vor allem der Kassensturz und die Weltwoche unter anderem haarsträubende Arbeitsbedingungen und eine Vielzahl unlauterer Vorgehensweisen beim Sammeln aufgedeckt haben, hat es nun in der Romandie «gekracht»: Gleich mehrere Westschweizer Medien berichteten über die Zweifel eines Hilfswerkes an dem existierenden Spendensammel-System. Es scheint die Einsicht gereift, dass eine zu starke Kommerzialisierung, sprich die Auslagerung gewisser, zentraler Tätigkeiten von einer «gemeinnützigen Non-Profit-Organisationen» (NPO) an eine «eigennützige Profit-Organisation» – was ja schon per Definition einen Widerspruch in sich darstellt – womöglich prinzipiell nicht aufgeht.

Zehn neue Spender pro Tag: Realistisch?

Amnesty International signalisierte in diesem Sinne, dass die Zusammenarbeit mit Corris «nicht in Stein gemeisselt» sei. Der Menschenrechtsorganisation geht es wohl nicht ausschliesslich um ethische Gesichtspunkte. Auch wirtschaftlich stehen die Einnahmen zu den Ausgaben schon lange in keinem vernünftigen Verhältnis mehr. Corris verlangt 850 Franken pro sammelnder Person und Tag. Die krasseste Kennziffer ist jedoch eine andere: Die durchschnittliche Anzahl neu spendender Personen, welche die Sammelnden rekrutieren können. So deutete Corris-Gründer und -Inhaber Gerhard Friesacher in einem K-Tipp-Artikel von 1997 noch an, dass 50 Abschlüsse pro Woche, das heisst zehn NeuspenderInnen pro Tag, absolut machbar seien. In der NZZ vom Dezember 2012 tönt es bei Tom Hofer, Chef Fundraising beim Gehörlosenbund ganz anders: Vor einigen Jahren habe man noch von sieben bis acht Abschlüssen pro Dialoger und Tag ausgehen können… Heute seien fünf neue Spender bereits ein guter Wert. Fazit: Die Anzahl Abschlüsse sind pro Tag von acht bis zehn (um 1997) auf heute knapp vier zurückgegangen.
Der Grund für diesen Rückgang liegt nicht nur darin, dass der heutige Hilfswerkbereich komplett überdimensioniert, d.h. der Spendenmarkt übersättigt ist. Immer mehr Leute sind inzwischen auch einfach über die zweifelhafte Zusammenarbeit von Hilfsorganisationen und Fundraisingfirmen im Bilde und verzichten deshalb auf eine Spende. Auch die durchschnittliche Spendendauer ist deutlich zurückgegangen.

Schmerzhafte Kurskorrektur führt zu Stellenabbau

Der NPO-Sektor der Schweiz befindet sich ohne Zweifel am Beginn einer äusserst schmerzhaften «Kurskorrektur» inklusive Stellenabbau. Zweifellos tragen die jeweiligen Hilfswerkmanagements einen  Teil der Verantwortung für diese in den letzten 15-20 Jahren stattgefundene Fehlentwicklung. Aber auch die Hilfswerk-Kontrollstelle Zewo trifft Mitschuld. Mit der Einsetzung der bis heute amtierenden Geschäftsführerin Martina Ziegerer im Jahr 2003 wurde die Zewo sozusagen zu einer «Hilfswerk-Lobbyorganisation» umfunktioniert. Bereits 2011 berichtete die Handelszeitung über eine brisante Beziehung zwischen der Zewo Geschäftsführerin und dem Caritas Kommunikationschef Odilo Noti (Caritas ist heute Kunde von Corris). 1997 verurteilte die Zewo noch Praktiken, welche heute beim Spendensammeln gang und gäbe sind:
⦁ Spendensammeln sollte niemals aufdringlich sein. Erfolgsbeteiligungen fördern dies aber geradezu.
⦁ Die ausgelagerten Sammelaktionen erwecken einen falschen Eindruck. Man meine, dass es sich um Hilfswerk-Leute handle. Dabei sind es jobbende Studenten.
⦁ Wenn man das LSV langjährigen Mitgliedern anbietet, ist das in Ordnung. Aber wildfremde Leute schnell, schnell auf der Strasse zu überreden, ist nicht fair.

Sammler sind Wohltätigkeits-Strassenräuber

Nichtsdestotrotz: Jetzt auf die Hilfswerkverantwortlichen einzuprügeln, wäre verfehlt. Tatsächlich war vieles gut gemeint, bewirkte langfristig jedoch genau das Gegenteil der erwünschten Wirkung. Auch das Entgegenkommen bei der Zusammenarbeit mit Agenturen ist aus dieser Perspektive zu sehen: Man wollte einfach günstigere Rahmenbedingungen für die eigentlich «sinnvolle» Hilfswerkarbeit schaffen. Übersehen wurde allerdings dabei, dass die dem gemeinnützigen Bereich zugrundeliegenden ethischen Grundwerte aufgeweicht wurden. So zum Beispiel der Selbstlosigkeits-Gedanke oder die ehrliche Kommunikation gegenüber der Spenderschaft. Das Problem dabei: Diese Grundwerte machen erst das «Sinnvolle» an der Hilfswerkarbeit aus. Die Zewo hat auf eine gewisse Weise ihre Rolle falsch interpretiert und ethisches Feingefühl vermissen lassen. Weiter fehlte der Organisation auch Durchsetzungsvermögen gegenüber der mächtigen «Hilfswerklobby», zu welcher die Zewo inzwischen ja selbst gehört, aber immerhin früher noch eine gewisse Unabhängigkeit hatte. Aber auch die Spenderschaft hat viel zu lange gutgläubig zugesehen. Trotz wiederkehrenden, sauber recherchierten, kritischen Berichten zu den Missständen.
Im NPO-Sektor der Schweiz müsste sich einiges ändern, sofern dieser seine Glaubwürdigkeit wiedererlangen will, wie Radio RaBe zusammenfasst:
⦁ Rückbesinnung auf ethische Grundwerte
⦁ Redimensionierung
⦁ Re-Installation unabhängiger Kontrollstellen
⦁ Zurückstufung der Löhne
⦁ Begrenzung des Lobbyings
In der Angelegenheit um Corris & Co. empfiehlt es sich einen Blick nach England zu werfen, wo Sammlerinnen und Sammler ganz trocken «chuggers» genannt werden. (Wortspiel: «charity»=Wohltätigkeit und «mugger»=Strassenräuber). In England ist die Fehlentwicklung im NPO-Sektor noch prekärer. Viele der fragwürdigen, «modernen» Fundraisingmethoden werden einfach aus Amerika oder eben England übernommen. Besonders der «Telegraph» hat in der jüngeren Vergangenheit das Thema beleuchtet:
⦁ Anfang letzten Jahres ist eine der ehemals grössten Fundraisingagenturen Englands nach einem verheerenden Bericht des Telegraph «kollabiert».
⦁ Da «Street-Fundraising» immer weniger rentabel ist, weichen die Anbieter in England immer mehr auf die «Door-to-door»-Methode aus (Leute werden direkt vor der Haustüre angesprochen). Folglich verdoppelten sich die Reklamationen über die Sammelnden innerhalb eines Jahres.
Lohnexzesse: In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Hilfswerk-Manager, die über 100 000 Pfund verdienen, von 19 auf 30 gestiegen – trotz rückläufigen Spendeneinnahmen. Einer Umfrage zufolge halten rund 78 Prozent der Leserschaft Hilfswerk-Chefsaläre von 100 000 Pfund (circa 150 000 Franken) für inakzeptabel. Laut «Schweiz am Sonntag» verdienen Geschäftsführende der bekanntesten Non-Profit-Organisationen hierzulande momentan im Schnitt jährlich 189 000 Franken.

Text: Kevin Brutschin, 40, interessiert an Spirituellem, Ethik und Techno, hat selbst im Hilfswerkbereich gearbeitet, konnte sich aber mit den dortigen missbräuchlichen Tendenzen nicht mehr abfinden.

Anmerkung des Blogbetreibers: Eine ausführlichere, überarbeitete Version dieses Textes findet sich als „Hintergrundbericht“ auf meiner, bzw. dieser Website.