Stop Corris & Co. (Drückerkolonnen, Spendenkeiler, chuggers)

Aufklärungskampagne zur inakzeptablen Zusammenarbeit zwischen Hilfswerken & Spendensammelfirmen

Spezialbeitrag: Die Rettung von Flüchtlingen durch NGOs als Paradebeispiel für schadenbringende „gute Tat“ (17.8.2017)

UK-NEWS: Neuer Beitrag aus England (Cambrigde), 16.8.2017: Stadtbewohner verlangen entschieden Spendesammelverbot („Calls made to ban aggressive chuggers“)

Direktlink für Schwergefährdete (SozialarbeiterInnen & Hilfswerkmitarbeitende)

 

Spezialbeitrag (siehe bspw. auch „Fragwürdige Kooperationen zwischen Non-Profit-Organisationen und Konzernen“): Gestern ist guter Beitrag des Migrationsexperten Beat Stauffer zu den Aktionen der NGOs zur Rettung von Migranten vor der libyschen Küste im Berner Bund mit dem Titel „Die ungewollte Wirkung guter Taten“ erschienen: „Der Hauptvorwurf lautet … Hilfsorganisationen … förderten die klandestine Emigration nach Europa und unterstützten damit … das Geschäft der skrupellosen Schlepperbanden … Ärzte ohne Grenzen wie auch andere Nichtregierungsorganisationen verwahren sich vehement gegen diesen Vorwurf und berufen sich auf ihre humanitäre Pflicht, das Leben gefährdeter Menschen zu retten.“ … Sie müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie die komplexen Zusammenhänge der irregulären Migration nach Europa angemessen beurteilen … Denn an dieser Sogwirkung dieser Form von Seerettungen ist kaum zu zweifeln.“

Also zu diesem Thema muss ich auch meinen Senf abgeben. Wird doch hier eine „Hilfswerk-Krankheit“ angesprochen, über die ich mich auch nicht selten aufrege: „Das Helfer-Syndrom“, das übrigens auch bei Sozialarbeitern und -arbeiterinnen weite Verbreitung findet. Bei Hilfsorganisationen tätige Menschen, übrigens nachvollziehbar eher  politisch links orientiert sind (ich selbst bin parteilos, aber grundsätzlich politisch ebenfalls eher links ausgerichtet, allerdings mit dem von einem Freund übernommenen Motto „Politik ist nicht eine Frage der Farbe, sondern des Gewissens“), verwechseln Mitleid mit Mitgefühl. Zwischen den beiden gibt es nämlich einen subtilen, aber entscheidenden Unterschied: Eine mitleidende Person „leidet“ so mit den Hilfsbedürftigen „mit“, dass sie nicht mehr fähig ist, den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen. Die mitfühlende Person hingegen spürt das Leid ebenfalls. Aber nicht so, dass es zu einem „Zwang“ wird, zu helfen. Denn unter Umständen kann helfen eben auch schaden. Aber um das zu erkennen, muss man klaren Kopf behalten und eben auch bereit sein, die Hilfe in Anbetracht komplexer Zusammenhänge und nicht selten sogar IM SINNE DES NOTLEIDENDEN(!) zu unterlassen.           

Ausserdem, wenn man genau hinschaut, geht es den Hilfswerken ja – gerade heute – gar nicht mehr gross um effiziente Hilfeleistung. Denn dann müssten Kosten-/Ertragsverhältnisse von Spendensammlungen in einem vernünftigen Mass sein. Der Grossteil des Spendengeldes fliesst inzwischen aber bekanntlich in eine Schattenwirtschaft wie eben die von der „Face-to-Face Fundraising“-Mafia. Ich habe ja geschrieben, dass heute bis zu 80% der Spenden an solche „Spendensammelfirmen“ gehen. Naja, inzwischen sollen es bei schlechter laufenden Aktionen sogar bis zu 95% sein (es gibt ja übrigens auch einen Grund, warum in den letzten zwei Jahren in England plus/minus 10 Fundraisingfirmen dieser Art in Konkurs gegangen sind – es hat sich für die mit ihnen zusammenarbeitenden NGOs nämlich schlichtweg nicht mehr gelohnt)!

Und: Wenn man, wie gesagt genau hinschaut, geht es heutigen Non-Profit-Organisationen nicht selten sogar gar nicht mehr ums helfen, sondern um Prestige, Jobsicherung und nicht zuletzt natürlich auch hohe Löhne.

Abschliessend möchte ich wieder mal auf die witzigen Bewegungen der meistaufgerufenen kritischen Beiträge über die Corris AG auf Google hinweisen. Immer wenn meine Website viele Male angeklickt ist worden und aufsteigt, ist sie am nächsten Tag wieder an derselben Stelle wie vor dem Anklick-Sturm – Grüessli a’d „Klicker vo Corris“. 😉

Caritas-CH von Kundenliste der Spendenfirma „Corris“ verschwunden – weltweiter Kollaps des Sammelsystems in Reichweite? (8.8.2017)

Katholisches Medienzentrum: Odilo Noti zum Präsidenten gewählt

Weltweit verstricktester Mann im Skandal um „Face-to-Face Fundraisingfirmen“: Caritas Schweiz-Fundraisingchef Odilo Noti

Und natürlich: Es ist zwar löblich, dass die Caritas nun nicht mehr bei Corris ist. Das tut aber nichts zur Sache, dass der Hauptinteressenvertreter der Schweizerischen Hilfswerkspendensammelnden (Noti) ja nach wie vor mit der Hilfswerkkontrollstellenchefin (Ziegerer) liiert ist. Und das ist schlicht nicht akzeptabel. Denn damit ist Noti auch weiterhin unter Druck, dass Sammelsystem zu verteidigen – obwohl er selbst gar nicht dahinter stehen kann(!). Einst gab er nämlich folgendes zu Protokoll: „Mit dieser Art Werbung werden die Spender unter Druck gesetzt. Langfristig ist das kontraproduktiv.“ Und natürlich ist auch seine Frau unter demselben Druck: So gab es auch von der Zewo eine mehr als kuriose 180°-Wende in der Angelegenheit. Denn vor der Ziegerer-Zeit bezeichnete die Zewo die Mitgliederwerbung mit Face-to-Face Fundraisingagenturen à la Corris noch als einen „Witz“. Wenn heute von der Kontrollstelle mal vorsichtige Kritik zum Sammelsystem geäussert wird, ist das schon ein halbes Weltwunder. Von „inakzeptabel“ keine Spur mehr.

Zeitenwende

Prophezeiung des Blogbetreibers: Die dringende Reform des Non-Profit-Sektors wird erst nach dem Zusammenbruch des „Corris“-Sammelsystems in Angriff genommen werden. Dazu benötigt es auch den Zusammenbruch der „Corris“-Hilfswerke (denn das sind die mit der grössten und schlimmsten Lobby). Aber der wird auch stattfinden. Und Achtung: Zewo-Geschäftsführerin Ziegerer ist im Fall auch Präsidentin des ICFO (International Committee on Fundraising Organizations), einem internationalen Zusammenschluss von Hilfsorganisationskontrollstellen wie der Zewo (Dachverband). Wenn die Corris-Hilfswerke fallen, fällt unweigerlich auch die Zewo. Und dann fällt auch das ICFO. Das Ganze wird also auch internationale Folgen haben. Fazit: Mit der Beendigung der Zusammenarbeit von Caritas Schweiz mit der Spendensammelfirma Corris ist ein entscheidendes Ereignis beim Zusammenbruch des Sammelsystems WELTWEIT passiert. Erstens weil nun die verfilzteste, d.h. hauptverantwortlichste Person im Face-to-Face Fundraisingskandal, der das System – zwar gegen den eigenen Willen, aber eben trotzdem – gestützt hat (und dessen Frau ihm dabei durch Nichtintervention sowohl im nationalen als auch internationalen Kontrollbereich gefolgt ist), einschneidend geschwächt wurde.  Und zweitens die Schweizer NGO-Lobby (der „Corris“-Hilfswerke) folglich auch nicht mehr genügend stark war, diese Person in ihrem Sinne zu beeinflussen.

 

DE – Verhasste Spendensammlungen: Weitere Stadt beschleunigt Zusammenbruch des Sammelsystems mit Teilverbot & Ultimatum (2.8.2017)

 Spendensammelnde sprechen oft illegal ausserhalb der Sammelstände an

Der nächste Dominostein ist gefallen: Das deutsche Göttingen hat öffentlich verlauten lassen, dass es Strassen-Spendensammlungen eingeschränkt hat. UND EINE ZUSÄTZLICHE WARNUNG AUSGEPROCHEN: „Wird wieder gegen die Auflagen verstossen, gibt’s ein Bussgeldverfahren und künftig KEINE PLATZVERGABE mehr. Das hat nichts mit dem guten Zweck zu tun, für den geworben wird, sondern mit respektvollem Verhalten.“ Ein Ansprechen und Aufhalten von Personen außerhalb des Standes wäre nämlich untersagt. Denn wer sich informieren oder engagieren wolle, gehe ja von selbst zum Stand.

 

Und noch ein letztes Mal die Liste mit den informativsten neueren Beiträgen/Posts von mir zum Thema:

AUSTRALIEN: 4.7.2017: Situation eskaliert (inkl. Involvierung grösster Sammelfirma der Welt)

16.6.2017: Drei Jahre auf der Strasse für Kampf gegen Wohltätigkeits-Strassenräuber (Persönliche Nachricht des Blogbetreibers)

Juni-Ausgabe Magazin KONSUMER: „Eine Sauerei – der Konsumentenschutz verkauft sich auf der Strasse“ oder „Der Fall Sommaruga“ (Beitrag des Blogbetreibers)

DE: Recherche: Auszug aus 1. Buch (1984), welches kommerzielle Spendensammlungen thematisiert (inkl. Aufdeckung der fehlenden Unabhängigkeit des Deutschen Zentralinstitutes für Soziale Fragen/DZI)

DE: 7.5.2017, Der Stern: „Die Wegelagerer aus der Fussgängerzone“ (Zusammenfassung und Analyse inkl. Aufdeckung von Publikation falscher Zahlen)

DE: Recherche: „Was der Vater aller deutschen Spenden-Fachleute zu Spenden-Drückern gemeint hat“ (inkl. Analyse)

CH: 10.4.2017, 20 Minuten: „Viele Junge werden zum Spenden überredet“ (Zusammenfassung und Analyse)

DE: Recherche: „Hälfte der deutschen NPOs halten Spenden-Drücker selbst für schadhaft“ (inkl. Analyse)

AU: 30.3.2017, KirchenZeitung: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen“ (Interview mit Blogbetreiber)

 

Warum jedermann- und -frau, die sich über Spendensammlungen vor Haustür/auf der Strasse aufregt, Strafanzeige machen müsste (26.7.2017)

Vermeintlicher Spendensammler des „Arbeiter-Samariter-Bundes“

Wieviele Bürger und Bürgerinnen nerven sich eigentlich inzwischen über die Nonstop-Spendesammelaktionen auf der Strasse/vor ihrer Haustüre? Und vor allem: Wieviele sind den aufdringlichen Wohltätigkeits-Räubern und -Räuberinnen eigentlich schon auf den Leim gegangen? Trotzdem bleiben die Behörden in den meisten Fällen passiv. Es bleibt also nichts anderes übrig, als selbst die Initiative zu ergreifen. Nur wie geht man am besten dabei vor? Vielen Menschen ist nicht klar, dass – obwohl von mir und auch schon von anderen Medien zigmal erwähnt – solche Spendenkampagnen rechtlich auf mehr als wackligen Beinen stehen. Wobei hier ausdrücklich diejenigen gemeint sind, die von Sammelfirmen (Fundraisingagenturen) im Namen der Hilfsorganisationen (z.B. Rotes Kreuz, der WWF in Deutschland und der Schweiz, der Arbeiter-Samariter-Bund in Deutschland, die Caritas in der Schweiz, und so weiter und so fort) durchgeführt werden. Das ist aber bei den meisten Aktionen auf der Strasse/vor Haustüren der Fall! Das (rechtliche) Problem: Bei den Aktionen wird der Eindruck erweckt, als würden sie von den Hilfsorganisationen selbst durchgeführt. Dabei sind es ja eben Sammelfirmen,  denen es gar nicht um den guten Zweck geht, sondern im Gegenteil nicht nur um Aufwanddeckung, bwz. einfache Löhne, sondern zusätzlich um mit Spendengeld bezahlten Profit. Aus irgendeinem Grund heisst es nun aber bekanntlich „Non-Profit-Sektor“; da Gewinn sich im gemeinnützigen Bereich nicht rechtfertigen lässt. Die Agenturen verrechnen sich also ungerechtfertigterweise Überschüsse, bzw. eben „Gewinn“ für die eigene Tasche – der ja vor allem an das Management und vor allem die Besitzer und Besitzerinnen ausgezahlt werden wird. So ist der Oberboss von „Appco“, der neben den „DialogDirect“-Netzwerken grössten Face to Face-Fundraisingagentur der Welt, z.B. Milliardär geworden – mit Spendengeld, wie gesagt.

Als Angesprochene/r wird man demzufolge irregeführt, was letztendlich zur Mitgliedschaft führt. Es hat sich nämlich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Mehrzahl der Leute gar nicht mitmachen würde, wenn diese zuvor korrekt über das Arbeitsverhältnis, bzw. die Tatsache, dass hier eben kommerzielle Werbefirmen am Werk sind, informiert worden wären. Da es sich in diesem Sinn mutmasslich um „arglistige Täuschung“ handelt, welche zu den Betrugsformen zählt, kann jedermann und -frau KOSTENLOS Strafanzeige bei örtlicher Polizei oder Staatsanwaltschaft einreichen (teilweise geht das sogar übers Internet mittels „E-Governing“), und zwar wie gesagt wegen „Betrugs“ aufgrund „arglistiger Täuschung“.

 

 

Neuer Youtube-Knaller: „Spendensammler – Ich hasse euch!“ (20.7.2017)

Da hat auch jemand, der inzwischen „im roten Bereich dreht“ bzgl. nervtötender SpendensammlerInnen, ein Video auf Youtube hochgeladen:

 

Hier übrigens nochmal die Liste mit den informativsten neueren Beiträgen/Posts von mir zum Thema:

AUSTRALIEN: 4.7.2017: Situation eskaliert (inkl. Involvierung grösster Sammelfirma der Welt)

16.6.2017: Drei Jahre auf der Strasse für Kampf gegen Wohltätigkeits-Strassenräuber (Persönliche Nachricht des Blogbetreibers)

Juni-Ausgabe Magazin KONSUMER: „Eine Sauerei – der Konsumentenschutz verkauft sich auf der Strasse“ oder „Der Fall Sommaruga“ (Beitrag des Blogbetreibers)

DE: Recherche: Auszug aus 1. Buch (1984), welches kommerzielle Spendensammlungen thematisiert (inkl. Aufdeckung der fehlenden Unabhängigkeit des Deutschen Zentralinstitutes für Soziale Fragen/DZI)

DE: 7.5.2017, Der Stern: „Die Wegelagerer aus der Fussgängerzone“ (Zusammenfassung und Analyse inkl. Aufdeckung von Publikation falscher Zahlen)

DE: Recherche: „Was der Vater aller deutschen Spenden-Fachleute zu Spenden-Drückern gemeint hat“ (inkl. Analyse)

CH: 10.4.2017, 20 Minuten: „Viele Junge werden zum Spenden überredet“ (Zusammenfassung und Analyse)

DE: Recherche: „Hälfte der deutschen NPOs halten Spenden-Drücker selbst für schadhaft“ (inkl. Analyse)

AU: 30.3.2017, KirchenZeitung: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen“ (Interview mit Blogbetreiber)

Verhasste Strassenspendensammlungen: Eine Grossstadt mehr greift mit Verbot durch, da Politik auf Nationalebene unfähig dazu ist (18.7.2017)

Unicef Fundraiser talking to people on street

„Unicef? Nein, danke.“

Ein Verbot mehr einer grösseren Stadt. Diesmal ist’s das belgische „Ostende“, welches sich entschieden hat, 2018 keine Standbewilligungen für Spendensammelaktionen auf der Strasse mehr zu vergeben (zur Situation in Belgien, siehe bspw. Post vom Februar). Es ist offensichtlich: Stadtverantwortliche brauchen, da sie von der internationalen Zusammenbruchstendenz dieser Anwerbemethode profitieren, immer weniger Mut, solche Verbote durchzusetzen. Natürlich geht’s aber auch hier nicht ohne läppischen Kommentar eines Hilfswerkvertreters. So reagiert Unicef-Doofmannsprecher Philippe Henon enttäuscht: „Leider ist es aber so, dass die aktive Spendenwerbung auf der Strasse am meisten bringt.“ Bringen tut es langfristig vor allem ein zerstörerisches Image. Aber Hilfswerkverantwortliche sind ja bekanntlich nicht fähig, langfristig zu denken – selbst dann nicht, wenn die lange Frist bereits begonnen hat. Und ausgerechnet Unicef erdreistet sich eine Motzerei; das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Dabei ist Unicef damit doch mitverantwortlich dafür, dass viele hochrangige Politiker und Politikerinnen nichts unternehmen gegen den Sammelnonsens, da die Politik – gerade auf Nationalebene – doch unzweifelhaft durch die UNO tangiert wird, bzw. nicht mehr wirklich unabhängig reagieren kann. Es sei ausserdem in Erinnerung gerufen: Unicef ist selbst auch schon mehrmals in die Schlagzeilen durch die Zusammenarbeit mit Face-to-Face Fundraisingagenturen gekommen. Besonders der erst Ende letzten Jahres in England vorgefallene Skandal sei in Erinnerung gerufen, wo Unicef mit einer Sammelfirma kooperierte, welche Schwerkriminelle angestellt hatte (Post vom 24.11.2016) – was übrigens generell immer wieder vorkommt.

 

Hier übrigens noch eine Liste mit den besten aktuelleren Posts und Beiträgen (natürlich gleich verlinkt):

AUSTRALIEN: 4.7.2017: Situation eskaliert (inkl. Involvierung grösster Sammelfirma der Welt)

16.6.2017: Drei Jahre auf der Strasse für Kampf gegen Wohltätigkeits-Strassenräuber (Persönliche Nachricht des Blogbetreibers)

Juni-Ausgabe Magazin KONSUMER: „Eine Sauerei – der Konsumentenschutz verkauft sich auf der Strasse“ oder „Der Fall Sommaruga“ (Beitrag des Blogbetreibers)

DE: Recherche: Auszug aus 1. Buch (1984), welches kommerzielle Spendensammlungen thematisiert (inkl. Aufdeckung der fehlenden Unabhängigkeit des Deutschen Zentralinstitutes für Soziale Fragen/DZI)

DE: 7.5.2017, Der Stern: „Die Wegelagerer aus der Fussgängerzone“ (Zusammenfassung und Analyse inkl. Aufdeckung von Publikation falscher Zahlen)

DE: Recherche: „Was der Vater aller deutschen Spenden-Fachleute zu Spenden-Drückern gemeint hat“ (inkl. Analyse)

CH: 10.4.2017, 20 Minuten: „Viele Junge werden zum Spenden überredet“ (Zusammenfassung und Analyse)

DE: Recherche: „Hälfte der deutschen NPOs halten Spenden-Drücker selbst für schadhaft“ (inkl. Analyse)

AU: 30.3.2017, KirchenZeitung: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen“ (Interview mit Blogbetreiber)

 

 

 

 

Skandal um kommerzielle Haustür- und Strassenspendensammlungen: Situation in Australien eskaliert!!! (4.7.2017)

GRÖSSTE SPENDENSAMMELFIRMA DER WELT GEHT GERICHTLICH GEGEN GROSSE, KRITISCHE MEDIEN VOR!

„Appco“-Oberboss: Der Milliardär Chris Niarchos

 

Die Situation um kommerzielle Haustür- und Strassenspendensammlungen eskaliert komplett. Die grösste Fundraisingagentur der Welt; Appco, deren Besitzer sogar Milliardär ist (siehe Post vom 24.10.2016), hat in Australien gerichtliche Massnahmen gegen eine der wichtigsten australischen Rundfunkgesellschaften „Seven Network“ begonnen. „Seven Network“ hat sich – im Gegensatz zu den deutschsprachigen Medien, die sich von der Riesen-Hilfsorganisationslobby unter Druck setzen lassen, d.h. falsch (siehe bspw. Sternbeitrag vom Mai 2017) oder überhaupt nicht mehr über solche Sammlungen berichten – nicht gescheut, Appco abermals (wie schon der australische TV-Sender ABC – siehe Post vom 25.10.2017) hart zu kritisieren. So hat Seven’s „Sunday Night“ aufgedeckt, dass Appco in nur zwei Jahren um die 100 Millionen australische Dollar (rund 67 Millionen Euro oder 73 Millionen Franken) von Hilfsorganisationen für Spendenaktionen eingenommen hat (siehe Zusammenfassung des australischen Daily Telegraph vom 19. Juni 2017). Gemäss Sunday Night bekommt Appco bis zu 93 Prozent(!!!) der Spendeneinnahmen. Natürlich bestreitet Appco alles. Beispielsweise sagt Appco, dass das Geld von separaten Marketingkonten der Hilfsorganisationen komme, und nicht direkt von den Spenden abgezogen wird. Das ist selbstverständlich ein jämmerliches „Trickargument“. Denn es ist doch völlig egal, ob jetzt die Hilfsorganisationen die Aktionen „indirekt“ mit Spendengeld aus ihren Kassen bezahlen oder ob das Geld „direkt“ von den während der Aktionen gewonnenen Spendeneinnahmen abgezogen wird! Tatsache ist, dass die Kosten für die Aktionen im Vergleich zu den Spendeneinnahmen INZWISCHEN so hoch sind, dass sich die Aktionen kaum mehr rentieren (siehe dazu das Interview mit mir als Experten in der österreichischen KirchenZeitung vom März 2017). Und natürlich werden wieder 20 Jahre alte Zahlen vorgeschoben, als das System wirtschaftlich noch rentiert hat (ethisch hat es sich ja von Anfang an nicht rechtfertigen lassen). „Sunday Night“ hat ausserdem erst gerade vermeldet, dass die Hilfsorganisationen die Zusammenarbeit mit Appco gekündigt haben (2.7.2017: „Charities terminate contract with Appco“)! Doch Appco versucht offensichtlich alles, um die Hilfsorganisationen mittels „Unterdrucksetzung der Medien“ zu einer Entscheidungsumkehr zu bewegen (dass die Medien dermassen unter Druck gesetzt werden, dass sie sogar Beiträge aus dem Internet löschen, habe ich übrigens schon selbst erfahren müssen mit meinem Beitrag für das Zürcher Magazin „Die Perspektive“ – der inzwischen nur noch in aktualisierterer Form auf dieser Website abrufbar ist). Von Corris habe ich übrigens mittlerweile auch eine Strafanzeige am Hals – was mir allerdings dermassen am Arsch vorbeigeht, dass ich das nicht mal wahrnehme. Das ist ein völlig nutzloses, letztes Aufbäumen, welches die Sache für die Agenturen als auch für die Hilfswerke nur noch schlimmer machen wird.

Three years on the street fighting against chuggers (July 2017)

Deutsche Version HIER (german version HERE)

 

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Me today

Me five years ago

 

„First, sorry for my english. It is not my mother tongue. I am Swiss and I live in Switzerland.

I’ve worked for two non-profit-organizations for some time. But at some point I quit because I couldn’t stand it anymore that so many of them cooperate with fundraising-companies like „Corris“ in Switzerland or „DialogDirect“ in Austria. Those guys are at every corner now: DialogDirect (street fundraising) and the german firm „Wesser“ (door-to-door fundraising) expanded this system to all over the world and after that other agencies copied it. It’s a scandal. As less and less people are willing to donate, today, on average the full donation-fees of the first two to three years go to the agencies.  Of course, the non-profit-organizations often don’t admit this fact! That’s so sad that people are making profit with donations! I mean sure, I do understand that the organizations need to find new donors. What my solution would be? First, the organizations should hire and train their own staff to do the fundraising and on the other hand there should generally be less non-profit-organizations. I’ve been running this blog against those commercial fundraising agencies since a while now. What I do apart from running that blog and advocating for a change? That’s my main purpose in life – I’ve been living on the street for the last 3 years because of that.

Without doubt, the cooperation between charities and commercial chugging firms (door to door- & street-fundraising companies) is the worst of all the „modern“ fundraising methods in the charity sector.

Here – from human to human – a bond of trust between charity and donor is pretended. It is just pretended, because it simply doesn’t exist. Very often, the chugger (charity mugger) is not from the charity. He or she is an employee of a commercial firm, whose goal is not the good cause, but making profit. That means, these firms are not satisfied with having their expenses covered and their salaries paid. In addition, they want profit – altough their activity is taking place in the NON-profit-sector (they use the good cause just as a „sales argument“). In the end, they are acting interested/selfishly. The problem: The idea of NON-profit, which is the ethical fundament of every charitable activity, means the opposite: It is not about me, it’s about the other; the one, who is in need. In short: These firms are making profit with non-profit, which is a complete contradiction. Now, of course, certain cooperations between non-profit-organizations (NPO) and profit-organizations are possible, like for example working with a printer: A printer just prints. In terms of content, printing is not a significant activity in the charity sector. Whereas here, it’s about the act of giving, which is prinicipally, like the charitable activity itself, DISINTERESTED or UNSELFISH. So, every donor feels a natural aversion, if the one, who is initiating the wish to donate, comes from an institution, that looks for profit. And now we are back at the beginning: To avoid this aversion, the chugger HAS to pretend to be a charity worker (or even a charity volunteer) – which is dishonest, of course. In other words: This system doesn’t work AT ALL. In the long run, the involved charities are loosing all credibility – FOR SURE. It is literally SUICIDAL for them. And: WE ARE ALREADY IN THE LONG RUN!!!“

And here is my new list of important articles from english-speaking countries about chuggers:

Australia, 22 October 2016: The Sidney Morning Herald: Former chuggers join class action against Appco alleging underpayment of wages (class action against biggest chugging firm in the world)

New Zealand, 30 May 2016: New Zealand Herold: Chuggers legislation to be withdrawn (legislation that would make people collecting donations, signatures or other support disclose whether they are being paid will be withdrawn – despite cross-party support)

Ireland, 18 October 2015: Irish Mail on Sunday: Charity mugger’s dirty tricks (undercover story)

United States of America, 22 July 2009: KBKW: Washington attorney general dings DialogueDirect for deceptive donation tactics (american state enforces rules for anyone who wants to raise money for charity)

Canada, 15 July 2007: The Toronto Star: Charities admit fundraising mess (two prominent Canadian charities – admit to using the discredited fundraising technique)

United Kingdom, 5 July 2002: BBC: Confessions of a street fundraiser (expression „chugger“ first time used)

 

Greetz from Switzerland

Kevin aka Martin

Würdest du bei Spendenaktion vor Haustür/auf der Strasse mitmachen, wenn „Sammelfirma“ den Grossteil der Spende quasi selbst einsackt?

Bildergebnis für spendensammler strasse

Spendenaktion der Corris AG für Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“

 

Ich habe jetzt ja schon etwa drei Bücher voll mit Kritik zur Zusammenarbeit von Hilfsorganisationen wie z.B. dem Roten Kreuz oder Vier Pfoten mit Spendensammelfirmen (Fundraisingagenturen) geschrieben. Leider ist die Kritik immer noch nicht ganz überall angekommen. Deshalb jetzt einfach mal einfach, einfacher, am einfachsten: 

 

Würdest DU bei einer solchen Sammelaktion mitmachen (also z.B. in der Schweiz bei einer Organisation, die dir grundsätzlich gefällt, aber die Sammelaktionen der Spendenfirma „Corris“ übergeben hat)? Ich meine jetzt, wo du weisst, dass dann Corris 850 Franken pro Tag für diejenige Person, die dich auf der Strasse „überzeugt“ hat mitzumachen (natürlich ohne zu sagen, dass sie von Corris ist), einsackt? Und du quasi die ersten 2-3 Jahresspenden an Corris gibst (Anmerkung: Die meisten Menschen bleiben übrigens NICHT MAL SO LANGE beim Hilfswerk.)?

Also ich würde jedenfalls sicher nicht mitmachen.

Würdest du deinen Liebsten (also vielleicht Familienmitgliedern, allerbesten Freunden/Freundinnen, usw.), welche gerade auf der Strasse eine Mitgliedschaft unterzeichnen wollen, davon abraten?

Ich? Ja.

Würdest du grundsätzlich andere Menschen in der gleichen Situation auch davon abraten?

Ich? Ja.

Was folgert sich daraus?

 

 

 

 

 

Persönliche Nachricht des Betreibers dieses Aufklärungs-Blogs an die Leserschaft (16. Juni 2017)

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Ich heute

Ich vor fünf Jahren

 

DREI JAHRE AUF DER STRASSE FÜR KAMPF GEGEN WOHLTÄTIGKEITS-STRASSENRÄUBER

Updated 18.6.2017

Heute habe ich mich zu einem Outing entschieden. Dies, weil ich erst gerade in Zürich von einer sehr netten jungen Frau angesprochen wurde, die Leute im Internet porträtiert (kann ich empfehlen, mal anzuschauen). Sie war so herzlich, spontan und offen – was im Übrigen Zürich nur gut tun kann – dass ich einfach ehrlich Auskunft gab (das Resultat sieht man HIER). Wie die Leserschaft dieser Internet-Aufklärungskampagne ja mehr als genügend mitbekommen hat, engagiere ich mich seit Jahren mit absoluter Überzeugung für einen Stop der inakzeptablen Zusammenarbeit zwischen Hilfsorganisationen & Spendensammelfirmen (Strassen- & Haustürsammlungen), was quasi einem 100%-Job gleichkommt. Was ich allerdings nie geschrieben habe: Ich lebe dafür seit drei Jahren auf der Strasse. Genauer gesagt sind es aktuell zwei Jahre am Stück, und davor zwei Phasen à 6 Monate. Zwei Jahre und 9 Monate dieser drei Jahre habe ich mich ohne auch nur einen Cent, bzw. einen Rappen durchgeschlagen (auch aktuell bin ich komplett mittellos). Dazwischen waren jeweils mehrere Monate Unterbruch, da ich beim einen Mal überraschend (in dieser Phase gleich aufgebrauchtes) Geld aus einer Erbschaft in kleinerer Grösse erhalten habe, und mich beim zweiten Mal wieder ins Arbeitsleben einklinken wollte (und dafür bereits mit einem Praktikum begonnen hatte). Ich ging damals nämlich davon aus, es sei genügend Aufklärungsarbeit geleistet worden, so dass ein Stop der Zusammenarbeit unmittelbar erfolgen würde. Das hat sich leider als Falschannahme herausgestellt. Ich habe während meiner immernoch andauernden Zeit auf der Strasse also weder Sozialhilfe beansprucht noch gebettelt. Ich wollte, wenn ich schon ein solches Projekt durchziehe, obwohl ich eigentlich arbeiten könnte, dem Staat erstens nicht auf der Tasche liegen. Und zweitens konnte ich so abtauchen, um mich vor den Spendenmafiafirmen und auch den Hilfswerken zu schützen. Dass das nötig ist, zeigt der Fall der privaten, deutschen Hilfsorganisationskontrollstelle Charitywatch von Stefan Loipfinger. Loipfinger hatte sich nicht gescheut, harte Kritik am heutigen Non-Profit-Sektor zu äussern – wobei diese natürlich auch kommerzielle Face-to-Face Sammlungen umfasst (siehe NDR-Beitrag von 2012). In der Folge wurde er dermassen persönlich bedroht, dass er Charitywatch schliesslich einstellen musste (siehe Beitrag des Tagesspiegels).

Siehe auch „Ketzerpodcast“-Beitrag zu meinem Projekt & Outing

Kommerzieller Spendensammelnonsens vor Haustüren/auf Strassen (Rotes Kreuz, WWF, usw.): News aus englischsprachigen Ländern – Juni 2017/2

WELTWEITER KOLLAPS „IN RATEN“ DES NGO-SEKTORS: ENGLISCHSPRACHIGE LÄNDER PRESCHEN VOR 

By approaching people and pressuring them to share their details, charities may be breaking the law

Englische „chuggers“ im Doppelpack

 

Der in erster Linie durch Spendensammelfirmen ausgelöste Kollaps im weltweiten Non-Profit-Sektor hat eine neue Stufe erreicht. Die Ereignisse, vor allem auf den britischen Inseln und in Australien, wo die Strassen- und Haustür-„Fundraiser“ am verhasstesten sind, überschlagen sich erneut. Lord Grade, Chef der neuen Hilfsorganisationskontrollstelle „The Fundraising Regulator“ (die alten haben sich als unfähig erwiesen), wie der Name schon sagt spezialisiert auf Missbräuche im Spendenwesen, hat Spendensammelnde in der englischen Times vom 9. Juni 2017 als „Schurken & Cowboys“ bezeichnet. In Irland wiederum geht die Heuchelei der Non-Profit-Organisationen vorläufig weiter: Dominic Mac Sorley, Boss des irischen Hilfswerks „Concern“ hat Ende Mai im „Newstalk“ die „chuggers“ (von „charity“=Wohltätigkeit und „mugger“=Strassenräuber) verteidigt. Doch die irischen Medien lassen sich nicht mehr ins Bockshorn jagen (im Gegensatz zu vielen mit dem Non-Profit-Sektor verbandelten Medien im deutschsprachigen Raum, welche bewusst nicht mehr über Hausierende und Wegelagerer schreiben oder die beschönigten Hilfswerk-Versionen übernehmen – spannenderweise sind die deutschsprachigen Länder ja auch hauptverantwortlich für die irre Zusammenarbeit mit Face-to-Face Fundraisingagenturen – siehe Anfang von Post vom 1.10.2016). Denn „Concern“ ist auch eine der wohltätigen Organisationen, welche am meisten irische Staatsgelder bekommt, letztens 147 Millionen Euro im Jahr. Auf was der Newstalk hinweisen will: Der „Concern“-Chef getraut sich nur die „chuggers“ zu verteidigen, weil seine NGO vom Staat hofiert wird, d.h. bestens mit ihm vernetzt ist und nicht so schnell politische Sanktionen fürchten muss (siehe dazu auch taz-Beitrag über irisches Spendensammelwesen vom 19.12.2016). Wobei das in den deutschsprachigen Ländern freilich nicht anders ist.

Die krassesten Medienbeiträge – gleich drei an der Zahl (2 x vom 9. Juni, 1 x vom 11. Juni) – kommen aber von der AUSTRALISCHEN „Couriermail“. So nennt die Zeitung auch in Australien mal die Dinge beim Namen: „These so-called chuggers may be damaging the Reputation of Australia’s charities.“ Die Wohltätigkeits-Räuberei schädigt also laut Couriermail die Reputation des GANZEN australischen Non-Profit-Sektors, wie wahr! Wobei das natürlich ebenfalls weltweit gilt. Weitere krasse Aufdeckung: Es gibt vereinzelte australische Hilfsorganisationen, die inzwischen mehr Gelder in Spendensammelaktionen (im Folgejahr) investieren, als sie aktuell Spendergeld erhalten!!! Für den australischen Bundesstaat „Queensland“ gilt generell festzuhalten, dass 40 Prozent der grössten Hilfswerke fast die Hälfte der eingenommenen Spendergelder gleich wieder in neue Sammelaktionen reinvestieren! Fundraisingkosten von 70 oder 80 Prozent sind heute keine Seltenheit mehr (d.h. von einem gegebenen Spendereuro bzw. -franken fliessen nur noch 20 bis 30 Cent bzw. Rappen in Hilfsprojekte, der „Rest“ muss für unsinnige Fundraisingaktionen hinhalten). Dies natürlich, weil die Leute nicht mehr zu spenden gewillt sind (eben bspw. aufgrund von Ärger über penetrante Strassenspendensammlungen), d.h. das Missverhältnis zwischen Kosten und Ertrag wird immer grösser. Ein Teufelskreis. Und schliesslich wirft die Couriermail die Frage auf, ob der Hilfswerksektor i.d.S. nicht auch einfach zu gross geworden sei, und belegt das auch: Viel zu viele Organisationen bieten nämlich die gleichen oder ähnliche Dienstleistungen an (Behindertenhilfe, Alterspflege, humanitäre Zwecke, Krebsforschung, psychische Krankheiten). Fusionen drängen sich geradezu auf, meint die Couriermail, was ja eben vor allem der verschärfte Wettbewerb zwischen Wohltätigkeits-Strassenräubern überdeutlich aufzeige (der die Spenderschwundproblematik genau genommen nur noch verschärft, da die zwangsläufig immer aggressiver auftretenden Sammelnden die Leute nur noch mehr verprellen).

Ich will ja nicht bluffen, aber sorry: Über alles, was jetzt gross in den englischsprachigen Medien steht, habe ich schon berichtet in der Vergangenheit. Zu grosser Non-Profit-Sektor? Höre Beitrag mit mir als Experte bei Radio RaBe von 2013. Kommerzielle Spendensammelnde beschädigen Reputation des GESAMTEN NPO-Sektors? Erst gemachte Recherche. Bis zu 80 Prozent der Spendergelder gehen an Agenturen? Berechnung von letztem Jahr. Problematik von mit Staat verbandelten Hilfswerken? Siehe bspw. meinen Beitrag zur Schweizer Entwicklungshilfeorganisation „Helvetas“.

PS: OU, DAS WICHTIGSTE HABE ICH JA FAST VERGESSEN. WEIL MAN DIE HOHEN FUNDRAISINGKOSTEN UND GENERELL DAS FACE-TO-FACE FUNDRAISING DEN LEUTEN NICHT MEHR RÜBERBRINGEN KANN, OHNE DABEI AN VERSTÄNDNIS ZU VERLIEREN, WIRD SELBSTVERSTÄNDLICH GELOGEN, DASS SICH DIE BALKEN BIEGEN – GERADE IN DEN DEUTSCHSPRACHIGEN LÄNDERN. EXTREMSTE BEISPIELE: DEUTSCHE „WAZ“ VON LETZTEM DEZEMBER – WIEDER MIT BLOGBETREIBER ALS EXPERTE, WO WORLD VISION(: MIT STRASSENDRÜCKERN SEIEN DIE VERKAUFSZAHLEN GAR NICHT RÜCKLÄUFIG) UND WWF(: 12 PROZENT DER SPENDENEINNAHMEN BEI STRASSENSAMMELAKTIONEN GINGEN AN DIE FUNDRAISINGFIRMEN, IM „STERN“ WIEDERHOLT) KRASSESTE FALSCHAUSSAGEN MACHEN (KRASSE FALSCHAUSSAGEN IN DER SCHWEIZ: HELVETAS IM KASSENSTURZ, IN ÖSTERREICH: HAUPTVERANTWORTLICHE EX-GREENPEACEFUNDRAISERIN IN FUNDRAISING-FACHMAGAZIN).

ALLE WISSEN UM DEN ABGASSKANDAL BEI VW IN DEUTSCHLAND. NUR WENIGE WISSEN UM DEN (FACE-TO-FACE-)SPENDENSKANDAL IM HILFSORGANISBEREICH, WO EHRLICHKEIT „EIGENTLICH“ EINEN VIEL GRÖSSEREN STELLENWERT HÄTTE. WELCHES IST EIGENTLICH DER GRÖSSERE SKANDAL (RHETORISCHE FRAGE)?

 

 

 

 

„Konzern der Menschlichkeit: Die Geschäfte des Roten Kreuzes“-Buchauszug über kommerzielle Spendensammlungen („Drückerkolonnen“)

Juni 2017/1

HAUPTSEITE     –     DIE WICHTIGSTEN BEITRÄGE

+++News+++ Lese-Tipp des Autors (mal was „aus dem Bauch“ Herausgeschriebenes): Campusmagazin „mediazine“, 1. Juni 2017: Dialoger – Die Rattenfänger der Gemeinnützigkeit +++News+++

 

Spätestens seit der Jahrtausendwende, bzw. zwischen 1999 und 2000, hätte ALLEN Hilfsorganisationsmitarbeitenden in Deutschland und mindestens allen Hilfsorganisationsverantwortlichen in der Schweiz und in Österreich GLASKLAR sein müssen, dass die Zusammenarbeit von Non-Profit-Organisationen mit kommerziellen „Face-to-Face“-Spendensammelfirmen langfristig in einer Katastrophe enden würde. Damals hatte das Buch Drücker in Uniform eine regelrechte Atombombe in Deutschland ausgelöst mit zahlreichen Folgebeiträgen in relevanten Medien (z.B. „Die dreisten Samariter“ im Stern). Allen deutschen Rotes Kreuz-Mitarbeitenden und -Verantwortlichen in CH & AU – wobei das Rote Kreuz die 1. Organisation gewesen ist, die auf Haustür-Fundraisingagenturen gesetzt hatte (1995 wurde das System dann auf die Strasse adaptiert) – hätte dies aber schon 15 Jahre vor der Jahrtausendwende klar sein müssen! 1984 ist nämlich bereits ein Buch von Gerhard Müller-Werthmann erschienen, dass auch schon für ziemlich Stunk gesorgt hat.

Heute liegt im NPO-Sektor sogar nicht nur eine Katatrophe, sondern ein Super GAU in der Luft. Dies, weil die NPOs die zahlreichen Kritiken während all der Jahre nicht nur ignoriert, sondern ihr ganzes Netzwerk aktiviert haben, um (selbstverständlich vergeblich) eine öffentliche Akzeptanz von Hilfswerk-Drückerkolonnen herbeizuführen, Stichwort „Lobbying“. So wusste „Der Spiegel“ zehn Jahre nach Erscheinung des 1. Buches bswp. im Zusammenhang mit der NPO-Kontrollstelle DZI und dessen Spenden-Siegel Folgendes zu berichten: „Das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) gehört zum Trägerkreis des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen (DZI), einer Art Spenden-TÜV … Vor allem die grossen Organisationen wehrten sich jahrelang gegen das Spenden-Siegel. Zwar unterschrieben die Wohltätigkeitsmultis schliesslich 1991 die DZI-Richtlinien. Doch sie versuchen seither, die Kriterien zu verwässern. So sorgten sie im Dezember (1993) dafür, dass unseriöse Haustürwerbung durch bezahlte Drückerkolonnen in den Leitlinien nicht mehr grundsätzlich geächtet werden soll.“ Die Schweizer Kontrollstelle „Zewo“ ist im Übrigen noch der grössere Witz: Der Mann der Zewo-Chefin ist in der Geschäftsleitung der Schweizer Sektion der Caritas, die Face-to-Face Sammlungen von der berüchtigten Corris AG durchführen lässt. Und hinter dem „Österreichischen Spendengütesiegel“ wiederum steht unter anderem der Fundraising Verband Austria. Dort im Vorstand: Ein gewisser Robert Buchhaus, eine der Hauptfiguren von DialogDirect, der 1. und berüchtigsten „Street Fundraising“-Agentur weltweit, der auch heute noch mit seiner ganz eigenen Agentur „Face2Face Fundraising“ die Nerven der Leute in Österreich und Deutschland strapaziert…   

 

KONZERN DER MENSCHLICHKEIT: DIE GESCHÄFTE DES ROTEN KREUZES

(von Gerhard Müller-Werthmann)

Vorwort des Autors
Es ist einfach, über das Rote Kreuz zu berichten.
Es ist einfach, von guten Taten zu erzählen.
Es ist willkommen, wenn zudem Spendenaufrufe veröffentlicht werden. Und es lässt sich in der Tat viel Schönes berichten über eine der grössten deutschen Hilfsorganisationen mit langer Geschichte.
Es ist sehr schwierig, über das Rote Kreuz zu berichten, wenn man sein Interesse auf die andere, die nüchterne Seite des humanitären Alltags lenkt. Wie lässt sich das vereinbaren? Nächstenliebe und Geschäft?
Wenn in diesem Buch von „Geschäften“ gesprochen wird, meint dies nicht als Unterstellung die Gewinn- oder Profitsucht des Vereins oder seiner Funktionäre.
Der „Konzern der Menschlichkeit“ ist heute ein sozialer Dienstleistungsbetrieb, der sich auf einem Markt bewegt, der Milliarden-Umsätze meldet. Und es gelten die Marktgesetze. Da gibt es knallharte Konkurrenz und Kalkulationen.
Es ist einfach, über das Rote Kreuz zu berichten, wenn man diese geschäftliche Seite einfach ausblendet. Dies ist oft genug geschehen. Die Literatur über das Rote Kreuz beschränkt sich auf positiv-verklärte Beschreibungen von der Front der Menschlichkeit und über die Nächstenliebe in dieser Welt.
Wenn man so will, sorgt dieses Buch für die Ausgewogenheit der Informationen. Es ist ein einseitiges Buch, mit dem bewusst ein Tabu gebrochen werden soll. Über den Apparat, über das Management wird gesprochen, ebenso wie über die Frage der Abrechnung von sozialer Arbeit heute.
Im perfekt verwalteten Apparat des Deutschen Roten Kreuzes selbst aber weiss man um die Konflikte und die Probleme, die sich aus der Entwicklung vom Hilfsverein zum Wohlfahrtskonzern ergeben haben.
Von den Inhalten sozialer Arbeit ist kaum noch die Rede, von der Verwaltung der Not und ihrer Finanzierung umso mehr. Während die grossen Wohlfahrtsverbände immer dann, wenn es um Zuschüsse von öffentlichen Kassen geht, auch schon mal einen erbitterten Konkurrenzkampf austragen, haben sie sich in einem zentralen Punkt zur grossen Koalition des Schweigens verbündet. Es geht um Geld.
Warum eigentlich wird hier so viel verschleiert? Warum eigentlich wird nicht mit offenen Karten gespielt und der Öffentlichkeit gesagt, dass alle Wohlfahrtsverbände zu Selbstbedienungsläden des Sozialstaates geworden sind, zu „Kostgängern“ im eigenen Marktinteresse?
Dieses Buch will die Auseinandersetzung provozieren und nicht wissenschaftlich-verbrämt analysieren. Und die Auseinandersetzung kann nicht nur im Deutschen Roten Kreuz selbst stattfinden. Die Politiker, die Sozialpolitiker, sind aufgefordert, sich Gedanken zu machen über andere, neue Perspektiven der sozialstaatlichen Entwicklung. Und dennoch richtet sich die Aufforderung zur Auseinandersetzung und Diskussion vor allem an die Mitarbeiter, Helfer und Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes. Denn das Deutsche Rote Kreuz ist viel zu wichtig, als dass es zu einem sozialen Dienstleistungskonzern mit Abrechnung, Kalkulation und bestens organisiertem Management verkommt.
Sozialpolitik und Sozialarbeit, das bedeutet heute sehr viel mehr als ausschliesslich über die „Finanzierbarkeit“ zu reden. Ganz besonders die Sozialpolitik und die alltägliche Arbeit der freien Wohlfahrtsverbände – und zu den grössten gehört das Deutsche Rote Kreuz – müssen möglichst unabhängig die Interessen derer vertreten, um die es geht: die Schwachen, die Armen, die Kranken, die Alten, die Behinderten, die gefährdeten Jugendlichen und all diejenigen, die irgendwo mehr oder weniger anonym im sozialen Netz hängen, ohne dass man sich wirklich ausreichend um sie kümmert. Denn finanzielle Wohltaten allein machen noch keine qualifizierte Sozialpolitik. Inwieweit das Deutsche Rote Kreuz, das eine wichtige Rolle im Konzert der Wohlfahrtskonzerne spielt, dazu heute überhaupt noch in der Lage ist, inwieweit nicht eine dringende Reform der Rot-Kreuz-Organisation notwendig ist, dafür soll dieses Buch Diskussionstoff und, wie gesagt, Provokationen liefern. Es soll aber auch sachliche Informationen vermitteln, die bisher weitgehend unbekannt geblieben sind, weil sie nach dem Willen des Deutschen Roten Kreuzes unbekannt bleiben sollten.

 

Kapitel „Die Klinkenputzer, oder: Werbemethoden“
Das Image der Samariter zeigt Wirkung. Tag für Tag sind Männer und Frauen in Rot-Kreuz-Uniformen unterwegs, gehen von Tür zu Tür und erzählen von guten Taten. Sie erzählen, dass das Deutsche Rote Kreuz von Spenden lebt und dass doch jeder die Hilfsorganisation einmal brauchen könnte.
Die Masche zieht, kaum jemand verweigert sich. Schliesslich hat das Rote Kreuz einen guten Ruf als seriöse, glaubwürdige Organisation. Und 50 bis 60 Mark jährlich kann fast jeder heute entbehren, zumal der Zweck ja gemeinnützig und der Beitrag steuerabzugsfähig ist. Mitglieder werden geworben, nicht ehrenamtliche aktive Helfer, sondern Förderer, die im Grunde nichts anderes sind als Dauerspender. Denn ein Mitspracherecht im demokratischen Verein haben sie nicht, die privaten Zahlmeister.
Mitgliederwerbung ist ein Massenbetrieb. Fast vier Millionen sind es, davon nur knapp 10 Prozent Aktive, der Rest – über 3,5 Millionen – beschränkt sich auf die einmalige Unterschrift unter die Einzugsermächtigung. Bargeldlos funktioniert dies. Die „gute Tat“ ist damit getan.
Doch kaum jemand, der an der Haustür zum Eintritt in den Verein überredet worden ist, ahnt, dass die netten Menschen in der Uniform, dem einstigen Ehrenkleid der Samariter, mit dem Roten Kreuz selbst nur wenig im Sinn haben. In der Regel sind es freie Handelsvertreter, gelernt und ungelernt, deren Job es ist, gleichsam im Akkord Mitglieder zu werben. Kopfgeld gibt es!
Und vom Deutschen Roten Kreuz direkt kommen sie auch nicht. Nur die Uniformen werden gestellt, und einen Pro-forma-Mitgliedsausweis haben die Werbeprofis selbstverständlich in der Tasche.
Die Klinkenputzer arbeiten für Werbefirmen, die Verträge mit den Rot-Kreuz-Verbänden haben. Die Firmen kassieren Provisionen, die Vertreter bekommen pro „Schein“, d.h. für jede Unterschrift eines neuen Mitglieds, ihren Anteil. Die Werbung im Akkord hat Erfolg. In den letzten 15 Jahren hat das Deutsche Rote Kreuz seine Mitgliedschaft verdoppelt. Die Statistiken machen sich gut in den Rechenschaftsberichten, nur über die Methoden dieser Werbung wird still geschwiegen.
Weil die Verteter „pro Kopf“ bezahlt werden, kann für sie nur eine hohe Erfolgsquote für die richtige Höhe des Honorars sorgen. Und deswegen kommt es auch immer wieder vor, dass an den Haustüren Märchen erzählt werden. Es lässt sich nicht feststellen, wie viele Menschen nach diesem Vertreterbesuch ernsthaft glauben, dass ihnen als Rot-Kreuz-Mitglieder der Krankentransport kostenlos zur Verfügung steht, wenn es denn einmal sein muss. Wie vielen Menschen wurde eingeredet, dass sie im Alter als Mitglied vom Roten Kreuz liebevoll gepflegt und betreut werden? Ganz bewusst wird die Angst, die eigene Betroffenheit der Menschen geschürt. Mit allgemeinen Appellen an die humanitären Ideale ist kaum noch etwas zu holen. Früher einmal haben die ehrenamtlichen Mitglieder selbst dafür gesorgt, dass mehr und mehr Menschen sich dem Roten Kreuz angeschlossen haben. Von Haus zu Haus, in der Nachbarschaft, bei Freunden wurde für die Idee geworben, doch mitzumachen im Verein der Menschlichkeit. Heute regiert allein der Umsatz, heute wird mit dem Deutschen Roten Kreuz ein Geschäft gemacht. Die Werber haben ihre Lektion gut gelernt. Sie erzählen von guten Taten und davon, dass das Rote Kreuz von Spenden und Mitgliedsbeiträgen lebt…
Die Firma Schmidt in Frankfurt jedenfalls lebt nicht schlecht vom Geschäft mit den Mitgliedern. Rund 360’000 Rot-Kreuz-Mitglieder werden von diesem Familienbetrieb „betreut“. Eine Filiale in Düsseldorf hilft mit, den Umsatz Jahr für Jahr zu vergrössern. Die Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes greifen gern zu, wenn die Firma Schmidt ihnen ein Angebot macht. Der Betrieb übernimmt die Werbung und, das ist eine Frage von Preis und Provision, auch die „Betreuung“ der Mitglieder in einer Kartei bzw. elektronischen Datenbank. Die Firma ist es, die ein eigenes Rot-Kreuz-Konto führt. Dieses spezielle Konto taucht im amtlichen Kontenplan des DRK nicht auf. Herr Schmidt allein hat die endgültige Kontrolle, er rechnet ab, und alles, was übrig bleibt nach Abzug der vertraglich vereinbarten Provisionen, bekommt das Deutsche Rote Kreuz.
Zwischen 60 Prozent und 70 Prozent des ersten Jahresbeitrages des neuen Mitgliedes behält die Firma ein. Auch im zweiten Jahr ist Herr Schmidt immer noch mit rund 50 Prozent dabei. Und für die fortlaufende „Betreuung“ der Mitgliederkartei ist dann jeweils auch noch einmal eine prozentuale Beteiligung ausgehandelt.
Den DRK-Funktionären scheint dieses Geschäft recht zu sein. Zwar gibt es ab und zu Schwierigkeiten, wenn aus der Bevölkerung Beschwerden kommen über allzu massives und törichtes Auftreten der Werber. Aber die Masse macht’s und lässt Superprovisionen reell erscheinen.
Nicht unbedeutend ist in diesem Zusammenhang, dass es zwischen den Verantwortlichen in den DRK-Kreisverbänden einen spannenden Wettbewerb gibt. Die Preisfrage lautet: Wer hat in seiner Stadt, in seinem Kreis den höchsten Prozentsatz an Mitgliedern im Verhältnis zur Einwohnerzahl? In Offenbach beispielsweise sind rund 10 Prozent der Einwohner Mitglieder im Roten Kreuz. In Frankfurt sind es weniger, aber 10 Prozent mindestens will man auch dort schaffen – die Firma Schmidt wird es schon einrichten. Und der Chef des Betriebes, Günther Schmidt, trichtert seinen Leuten ein, nicht nur alte Menschen zu werben, obwohl es b ei denen besonders schnell und einfach geht. Aber die Alten lohnen sich nicht – wegen der „Haltbarkeit“, wie es im Geschäftsjargon heisst. Es ist schon schwierig, den Mitgliederbestand von ein paar Millionen zu halten, die Alten sterben weg, und die Jungen ziehen nicht so mit, wie man es sich wünscht. Da müssen schon Profis an die Arbeit, Profis, denen ein guter Verdienst an der guten Sache garantiert ist. Ein Job wie jeder andere?
Ein Job jedenfalls, der sich lohnt. Dem Gruppenführer der Werbekolonne winkt, falls er gute Arbeit abgeliefert hat, am Jahresende schon mal ein Sonderbonus von 10’000 Mark und mehr.
Günther Schmidt versteht es zudem prächtig, seine Geschäftstüchtigkeit mit ehrenamtlichem Engagement zu vereinbaren. Er arbeitet im Vorstand des Frankfurter Roten Kreuzes mit…
Und es ist wohl kein Zufall, dass gerade das Deutsche Rote Kreuz in Frankfurt jahrelang ein undurchsichtiges Spiel mit den Mitgliedsbeiträgen getrieben hat. Bis vor kurzem gab es beim Deutschen Roten Kreuz keine ordentliche Buchführung, d.h. es gab keine kaufmännische Bilanz mit der völligen Offenlegung und Abrechnung des Vermögens.
Es gab allerdings einen besonderen Trick: Der Vorstand hatte schon vor vielen Jahren beschlossen, die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen zum „Sondervermögen“ zu erklären. Auskünfte darüber wurden nicht erteilt, Vertraulichkeit oder besser: Geheimniskrämerei war vereinbart. Selbst die „mitbestimmungsberechtigten“ aktiven Mitglieder – die Mitgliederversammlung ist das höchste Organ eines Vereins – haben nie etwas von dem heimlichen Sonder-Etat erfahren. Das Rote Kreuz in Frankfurt wollte verschweigen, dass pro Jahr etwa eine Million Mark, mal weniger und später immer mehr, von Mitgliedern eingezahlt wurden. Millionen sind nie in den offiziellen Rechenschaftsberichten aufgetaucht. In der Öffentlichkeit aber wurde schon lange darüber spekuliert, dass das Deutsche Rote Kreuz in Frankfurt Reichtümer anhäuft. Erst 1982 wurde der Kreisverband, der mit Millionen handelte und Millionenumsätze erzielte und nur eine schlampige Buchführung kannte, von höheren Dienststellen des Deutschen Roten Kreuzes gezwungen, eine ordentliche Bilanz vorzulegen. Und damit kam einiges heraus.
Es wurde öffentlich, dass 1982 von etwa 1,4 Millionen Mark Mitgliedsbeiträgen über 500’000 Mark für die „Zentrale Mitgliederbetreuung“ ausgegeben wurden. „Zentrale Mitgliederbetreuung“, kurz „ZMB“ genannt, dahinter verbirgt sich niemand anders als die Firma Schmidt. Erinnern wir uns kurz daran, was den „Opfern“ der Werber an der Haustür erzählt wird: Das Rote Kreuz lebt von Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Die humanitären Aufgaben und Verpflichtungen kosten viel Geld, die sozialen Dienste müssen finanziert werden…
Und noch etwas kam heraus: Jahrelang wurde aus dem „schwarzen Geld“, das nie in den ordentlichen Bilanzen auftauchte, ein stattliches Vermögen angesammelt. Neben Festgeldern hat man vor allem in Wertpapiere investiert. 2,9 Millionen Mark waren das zuletzt.
Die ordentlichen Bilanzen dagegen wiesen stets beeindruckende rote Zahlen auf, Defizite, die sich immer gut machen bei einem gemeinnützigen Verein, der nicht auf Zuschüsse aus öffentlichen Kassen verzichten will. Es ist nicht allzu lange her, als das Deutsche Rote Kreuz in Frankfurt von der Stadt einen ausserplanmässigen Zuschlag erhielt, 30’000 Mark. Begründung: Das Deutsche Rote Kreuz in der Mainmetropole leide unter einem „akuten Liquiditätsmangel“. Das Rote Kreuz in Frankfurt hat etwa 40’000 Mitglieder. Die Firma Schmidt hat alle fest im Griff. Und weil es auch alten Zeiten noch ein paar rückständige Karteien in den traditionellen Ortsvereinen gibt, hat die Firma mit Billigung des Kreisverbandes versucht, diese alten neu zu werben – mit einem höheren Mitgliedsbeitrag natürlich und für Kartei und Provision der Werber, versteht sich. Eine in Ehren ergraute Rot-Kreuz-Dame in Frankfurt, vielfach ausgezeichnet mit Ehrennadeln und Orden für ihr ehrenamtliches Engagement in der Mitgliederwerbung – mehr als 2’500 Menschen hat sie an das Rote Kreuz gebunden -, sie hat ihre Aktivitäten eingestellt mit der Begründung, dass die Praxis der Firma Schmidt schamlos sei.
Nicht nur, weil das bunte und profitable Treiben von Werbefirmen in der Öffentlichkeit für Aufregung und kritische Fragen sorgte, versuchten das Generalsekretariat und das Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes, die Aktivitäten dieser Firmen zurückzudrängen. Zu häufig wurde schon angefragt, warum die Vertreter in Uniformen des Roten Kreuzes erscheinen, warum die Provisionen so stattlich sein müssen.
Die Hierarchien im Deutschen Roten Kreuz wissen ganz genau, dass das von ihren Kreisverbänden so gern praktizierte Geschäft in vielerlei Hinsicht nicht sauber ist. Es ist nicht allzu lange her, dass ein Privatunternehmer, der für das Rote Kreuz und für andere mit windigen Methoden Mitglieder wirbt, wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilt wurde. Und dass die Werbefirmen selbst nicht völlig von ihrer eigenen Seriosität und Glaubwürdigkeit überzeugt sind, beweist die Tatsache, dass sie ihren Werbern in einigen Städten sogenannte schwarze Listen mitgeben, auf denen die Namen und die Anschriften von Personen vermerkt sind, die von den Werbern auf keinen Fall angesprochen werden dürfen. Es sind Personen, von denen mit Recht befürchtet werden muss, dass sie kritisch nach dem geschäftlichen Hintergrund des freundlichen Werbegesprächs fragen. In Frankfurt zum Beispiel steht auf dieser Liste auch der Name des Feuerwehrchefs und Branddirektors Ernst Achilles, der seit vielen Jahren das Deutsche Rote Kreuz skeptisch beobachtet.

 

DE: Spendensammelnde beklagen wiederholt schlechte Arbeitsbedingungen bei NGO-Sammelfirma (25.5.2017)

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Hello again, Angeber, dich hab ich doch erst gerade gesehen?

 

Alles wie gehabt. Diesmal die „Hessenschau“ mit zwei Beiträgen. Im Zweiten: Spendensammelnde kritisieren wieder einmal (http://www.taz.de/!5034556/) schlechte Arbeitsbedingungen. Und auch der kritisierte Arbeitgeber ist ein altbekannter: Die Fundraisingfirma DialogDirect, die unter anderem für den WWF und World Vision im Einsatz steht. Auch die Vorwürfe hat man schon zigmal gehört, einfach den neuen Umständen entsprechend: „DialogDirect würde Studenten länger als die vereinbarten acht Stunden pro Tag arbeiten lassen. Und: Wer sein Soll nicht erfüllt, werde gebeten zu gehen.“

Ein Student schildert einen Einsatz in Augsburg, wo von 10 – 23 Uhr habe gearbeitet werden müssen. Die Überstunden: unvergütet.

Eine etwa interessantere Info: Die immer tieferen Minimalanforderungen (wobei diese gar nicht gross vom Tagesdurchschnitt entfernt sind) von DialogDirect. Noch lediglich „zwölf Förderer muss ein Werber in seiner ersten Arbeitswoche“ gewinnen, falls ihm nicht die Kündigung nahegelegt werden soll. Zwölf Förderer! Lachhaft. Das macht also weniger als zweieinhalb Abschlüsse pro Tag. Vor 20 Jahren erreichten Sammelnde locker einen 7-ner oder 8-er Schnitt (das war der damalige, generelle Tagesschnitt). Das System rentiert gar nicht mehr. HÖRT ENDLICH AUF! Hallo, soll ich es nochmal wiederholen: HILFSVERBÄNDE: A-U-F-H-Ö-R-E-N MIT DEM BLÖDSINN!

PS: An den WWF: Hat wohl nichts genützt, der erste Beitrag in der Hessenschau, der das schwerst ramponierte Image eurer Strassensammelaktionen – das immer mehr auch auf euch selbst abfärbt –  wieder hätte etwas aufbessern sollen. Je mehr ihr gegen das Ende ankämpft, desto schlimmer wird es für euch enden. Im Übrigen: Erinnert ihr euch noch an meinen  Post vom 23.2.2017, wo ich euch gewarnt habe? https://kevinbrutschin.wordpress.com/2017/02/24/de-zusammenfassung-zweier-dewezet-artikel-zum-thema-strassen-spendendruecker-vom-22-23-2-2017/ – und mein Zitat im Interview mit der KirchenZeitung (http://www.kirchenzeitung.at/newsdetail/rubrik/ich-konnte-diese-heuchelei-nicht-mehr-sehen/): „Ausserdem ist Fehlerzugeben für normalerweise moralisch auf der besseren Seite stehende Menschen offenbar extrem schwierig.“

 

DE – Neueste Enthüllung: WWF Deutschland gibt jährlich 4.2 Millionen Euro für Standwerbungen (Drückerkolonnen) aus! Zeit für Abrechnung

16.5.2017 (updated):

WAS DER WWF MIT DER JUDENVERNICHTUNG DER NAZIS (HOLOCAUST) UNTER HITLER + DEM AMERIKANISCHEN CHEMIEWAFFENEINSATZ IM VIETNAMKRIEG ZU TUN HAT

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WWF-Spendenschleimer in gewohnter Angeberpose

&

Armbinde der SS (Leibgarde Adolf Hitlers) in der Anfangsphase

Strassendrückerfirmen lassen den grössten Teil der bei Sammelaktionen generierten Spendeneinnahmen in die eigene Tasche fliessen (William T. Markham: Environmental Organizations In Modern Germany: „…the agencies receive most of the membership…“). Der WWF hat eben erst zugegeben, dass dies rund 4.2 Millionen Euro(!) entspricht, die er jährlich bei seinen „Partnerfirmen“, im Speziellen bei DialogDirect liegen lässt. Zeit, den WWF auseinanderzunehmen.

 

Der Blogbetreiber kann sich noch gut an seinen ersten Kontakt mit dem WWF erinnern. Ein runder Kleber an seiner Spielzeugkiste mit dem niedlichen Panda drauf. „Ist der nicht süss?“-Effekt natürlich garantiert. Erst viel später wurde ihm klar, dass der Panda das Symbol einer der grössten und bekanntesten Umweltschutzorganisationen der Welt ist, die nicht zuletzt ihren Sitz in seinem Heimatland hat; der Schweiz. Unter den Gründungsmitgliedern stechen zahlreiche Adlige ins Auge, die ihre Freizeit unter anderem als Grosswildjäger in fernen Ländern verbrachten.

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König & WWF-Ehrenpräsident Juan Carlos auf Elefantenjagd 

Grosswildjäger in einer Organisation, die sich dem Tierschutz – wofür ja der vom Aussterben bedrohte Panda steht – verpflichtet hat? Kein Scherz. Naja, man kann sich auch läutern. Vielleicht haben die Täter später ein Bewusstsein für ihre Schandtaten entwickelt. In dem Fall sind adlige Grosswildjäger danach sicher nie mehr ein Thema beim WWF gewesen. Denkste: Erst 2012 wurde der spanische König Juan Carlos, Ehrenpräsident der spanischen WWF-Sektion, als Elefantenjäger entlarvt!

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Militärfreak Prinz Bernhard

Juan Carlos ist aber geradezu ein Heiliger im Vergleich zu den Gründungsmitgliedern, wobei hier aus Platzgründen eine Konzentration auf den WWF-Gründungspräsidenten Prinz Bernhard (1911-2004) gemacht werden soll – ehemaliges Mitglied der SS; der nationalsozialistischen Leibgarde Hitlers. Doch das ist noch nicht alles. Prinz Bernhard war auch im Amsterdamer Büro der „IG Farben“ tätig, das seinerzeit grösste Chemieunternehmen der Welt. Zur IG Farben gehörte eine Fabrik in Auschwitz, dem Standort des grössten Nazi-Konzentrationslagers, wo geschätzte 1.5 Millionen Menschen umgekommen sind und der Autor zweimal hingereist ist. Ab 1942 errichtete die Firma sogar ein eigenes Konzentrationslager auf dem Komplex. Eine Tochterfirma der IG Farben lieferte obendrein das Schädlingsbekämpfungsmittel „Zyklon B“, mit dem die Juden in Ausschwitz vergast wurden.

Häftlinge des "Sonderkommandos" bei der Leichenverbrennung im KZ Auschwitz. © dpa - Bildarchiv

Leichenverbrennung im KZ Ausschwitz

Giftgaseinsatz? Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor im Zusammenhang mit einem anderen, dem WWF ebenfalls ziemlich gut bekannten Konzern? Während des Vietnamkrieges lieferte der amerikanische Chemiekonzern Monsanto in den 60-ern nämlich ebenfalls den Chemiekampfstoff „Agent Orange“ – ursprünglich ein Entlaubungsmittel, dass durch Abfallen der Blätter die Ernte erleichtern soll. Der Journalist Wilfried Huismann deckte vor fünf Jahren in seinem „Schwarzbuch WWF“ auf, dass sich die Umweltschutzorganisation nicht davor scheut, sich auch mit Monsanto an sogenannten „Runden Tischen“ zuammenzusetzen.

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Missgebildete Kinder von Agent Orange-vergifteten Müttern

Nun kann man entgegnen, es sei halt die Philosophie vom WWF, zusammen mit der Wirtschaft nach umweltfreundlichen Lösungen zu suchen. Und damit sind wir dann auch beim Thema „Kooperationen zwischen Non-Profit-Organisationen und Profit-Organisationen“ angekommen – obwohl schon von der Definition her selbstverständlich ein kompletter Widerspruch. Denn sind nicht gerade die Zusammenarbeiten mit gewinnorientierten Fundraisingagenturen ein Paradebeispiel für den Irrsinn einer zu starken Verstrickung zwischen „Non-Profit mit Profit“? Der WWF war ja geradezu sinnbildlich auch eine der ersten Organisationen, die auf die Zusammenarbeit mit solchen profitorientierten Strassensammelagenturen gesetzt hat – nach Greenpeace, der anderen sehr bekannten Umweltschutzorganisation.

Berufsgutmensch Franz Wissmann

Und zwar setzten beide (Greenpeace inzwischen nicht mehr, der WWF grossteils immernoch) auf die Agentur DialogDirect, welche „Street Fundraising“ entwickelt hat, und die 1994 von einem ehemaligen Mitarbeiter der Ur-Haustürsammelfirma „Wesser“ gegründet wurde: Franz Wissmann (Wesser wiederum begann sogar bereits  1968 fürs Deutsche Rote Kreuz auszuschwärmen). DialogDirect ist zweifellos die berüchtigste aller Sammelagenturen – und die gierigste. So vergrösserte sie sich gleich zu zwei länderübergreifenden Agenturnetzwerken. Und hat freilich auch schon überall für ausufernde Negativschlagzeilen gesorgt, nicht selten mit Aktionen für den WWF: Der letzte vernichtende Beitrag kam ja erst gerade anfangs Mai im deutschen Stern raus.

In England ging „Dialogue Direct United Kingdom“ bereits 2009 pleite, selbstverständlich nicht ohne zusätzliche Unehren: Als „vielgescholtenste“ Sammelfirma dieser Art im Land (Financial Times, 4.12.2009: „Britain’s much-maligned chuggers“). In den USA – habe ich schon mehrmals erwähnt – konnte Dialogue Direct einen Gerichtsprozess nur durch Zahlung einer freilich lächerlichen Summe von lediglich 10’000 Dollar verhindern. Ursprünglich wäre eine Strafe von 2000 Dollar für JEDE mündliche Nicht-Nennung der Firma bei Sammelaktionen vorgesehen gewesen, was der Agentur zweifellos das Genick gebrochen hätte (denn es hat sich längstens herausgestellt, dass kaum mehr jemand mitmacht, wenn er/sie weiss, dass eine kommerzielle Fundraisingfirma hinter den Kampagnen steckt). Und in Deutschland schliesslich enthüllte die taz 2014 skandalöse Arbeitsbedingungen für die Sammelnden.

Dass der WWF eine der Hilfsorganisationen ist, die an vorderster Front mit dieser Kotzfirma kooperiert, sollte nun keine Verwunderung mehr auslösen. Das Schlusswort auf die grossen und ihrer Meinung nach „überflüssigen“ Naturschutzorganisationen, im Speziellen dem WWF, überlasse ich aber der weltberühmten Umwelt-Aktivistin, Globalisierungsgegnerin und Buchautorin Naomi Klein („Capitalism vs The Climate“): „Umweltschützer sind schlimmer als Klimaskeptiker (der Konzerne)“.

 

 

 

 

 

 

 

Neues Satirisches zu Corris & Co. (kommerzielle Spendensammelnde für Hilfsorganisationen) – Post vom 13.5.2017

H A U P T S E I T E  –  D I E  W I C H T I G S T E N  B E I T R Ä G E

Und wieder mal coole Satire gefunden zum Thema Hilfsorganisations-Drückerkolonnen/Spendenkeiler/Wegelagerer:

 

Weiteres Satirisches (wobei manches auch eigentlich gar nicht so ironisch gemeint ist):

Die besten Kommentare aus Deutschland & Österreich auf Twitter

Die besten Kommentare aus der Schweiz auf Twitter

Spendensammler-Nervensägen: Satire-Perlen aus dem Internet

Die Tagespresse (Österreich): Studie – Atomkraftwerke mittlerweile beliebter als Umweltschutz-Spendensammler

 

 

 

 

„Corris-Hilfswerk“ Green Cross: Endlos-Affäre (neueste Entwicklungen) – Post vom 11.5.2017

Neueste Beiträge aus Deutschland: Der Stern, 7.5.2017: „Die Wegelagerer aus der Fussgängerzone“ und Österreich (Interview mit Blogbetreiber): KirchenZeitung, 30.3.2017: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen.“ 

 

Habe gesehen, dass die NZZ am besten informiert über den gegenwärtigen Green Cross-Skandal. Angefügt i.d.S. erst die NZZ-Zusammenfassung der ersten drei Eskalationsphasen (auf meinem Blog unter  Green Cross-Eklat: Medienbeiträge zum Thema Corris & Co.) – und dann, was der Ex-Präsident von Green Cross zur Situation meint. Wie gesagt war Green Cross einer der allerersten Kunden von Corris, d.h. setzt traditionellerweise stark auf diesen Spendenkanal (so ist Green Cross auch bei der ebenfalls sehr umstrittenen Haustürsammelfirma „Wesser“ unter Vertrag). Spannend; Martin Bäumle, GLP-Parteichef und bisher Präsident Green Cross CH, der sich nun zum Green Cross International Vorsitzenden gepusht hat, im Interview mit der NZZ: „Wir haben momentan einen extrem tiefen Administrationskostenanteil.“ (Preis von Corris, bzw. Kosten für Green Cross pro Sammler und Tag: 850 Franken)…

 

In Erklärungsnot: GLP-Parteichef und Green Cross International-Vorsitzender Martin Bäumle

(siehe auch veröffentlichter Leserbrief des Blogbetreibers im Landboten)

NZZ vom 4.5.2017: „Green Cross International (GCI) mit Sitz in Genf wurde 1993 nach der Uno-Umweltkonferenz in Rio de Janeiro von Michail Gorbatschow gegründet. Die Organisation engagiert sich für die Bewältigung von Folgeschäden aus Industriekatastrophen wie Tschernobyl und für die Sanierung von militärischen Altlasten aus dem Kalten Krieg. Im vergangenen Februar trat Gorbatschow aus der NGO aus. Er machte die Schweizer Sektion und deren Präsident Martin Bäumle für die finanziellen Schwierigkeiten verantwortlich und warf ihm feindliche Übernahme und Sabotage vor. Wenige Tage später wurde Bäumle zum interimistischen Vorsitzenden von GCI gewählt. Er kündigte damals Umstrukturierungen an, woraufhin drei Angestellte in Genf entlassen wurden. Bis zur Delegiertenversammlung am 24. Oktober hat die Schweizer Sektion die administrative Leitung der Organisation übernommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zertifizierungsstelle Zewo im April schwere Mängel bei Green Cross Schweiz festgestellt hat. Die Organisation habe nur unvollständig über ihre Tätigkeiten berichtet. Es sei zu wenig ersichtlich, woher das Geld komme und wofür es eingesetzt werde.“

Sander Mallien, Ex-Präsident Green Cross Schweiz (ebenfalls in der NZZ vom 4.5.2017): „Als Stiftungsratspräsident steht Martin Bäumle in der Verantwortung und als nationaler Politiker im Rampenlicht. Das wahre Problem und die wirkliche Bedrohung für Green Cross ist jedoch die ungenügend beaufsichtigte langjährige Geschäftsführerin, Frau Nathalie Gysi. Solange sie nicht endlich aus der Organisation entfernt wird, werde ich Green Cross keinen Rappen spenden … Martin Bäumle und ich sind zufällig in der gleichen Partei, weil wir ähnliche politische Ziele verfolgen. Das heisst aber noch lange nicht, dass wir immer deckungsgleiche Meinungen haben. Ich lernte Martin Bäumle als intelligente, eloquente Person kennen. Er weiss aber auch, dass ich mit mehreren seiner Charaktereigenschaften, Machenschaften und Unterlassungen grosse Mühe habe … Meiner Ansicht nach schadet Herr Bäumles Doppelmandat Green Cross mehr als der GLP. Dass früher oder später unvermeidlich ein potenzieller Interessenkonflikt entstehen wird, wenn ein und dieselbe Person sowohl eine Partei als auch eine politisch aktive NGO präsidiert, war bereits klar, als Martin Bäumle sich mit tatkräftiger Unterstützung von geblendeten «Steigbügelhaltern» im Jahre 2013 zum Präsidenten von Green Cross Schweiz küren liess.“

Link zum NZZ-Interview mit Martin Bäumle

 

Nachtrag vom 12.5.2017: Und da muss also unbedingt noch eine Story um Bäumle hinzugefügt werden, die wirklich wie der „Deckel zum Topf“ passt, schon der Titel („Martin Bäumle spielt zu Unrecht den Selbstlosen„) – hier der Link:

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/Martin-Baeumle-spielt-zu-Unrecht-den-Selbstlosen/story/23534116?track

 

DE: Zs-fassung + Analyse des Stern-Artikels zum Thema kommerzielle Spendensammler („Spendendrücker“) vom 7.5.2017

DE: Interview mit Blogbetreiber in „Die Stimme“ (Dez. 2016)CH: NEUER Beitrag des Blogbetreibers auf konsumer.ch (Mai 2017)AU: Interview mit Blogbetreiber in „KirchenZeitung“ (März 2017)

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Der WWF liebt dich! (Aber nur wenn du mitmachst.)

„Die Wegelagerer aus der Fußgängerzone“. Endlich, endlich, endlich schreibt mal wieder ein grösseres, deutsches Medium; der Stern, einen scharfen Beitrag über die Wohltätigkeits-Strassenräuber. Gut auch, dass der WWF drankommt, der wie schon in der WAZ kreuzfalsche Zahlen durchgibt: Zwölf Prozent der Spendeneinnahmen einer Aktion gingen an die Agenturen. Ganz knapp daneben, aber wirklich nur ganz knapp (William T. Markham schreibt in seinem als wissenschaftlich fundiert eingestuften Buch „Environmental Organizations In Modern Germany“: „…the agencies receive most of the membership…“). Tatsächlich sind es HEUTE sogar bis zu 80%: Während die Aktionskosten nämlich gleichbleiben, sinken die Einnahmen stetig (die Durchschnittsspende ist zwar etwas höher als vor 20 Jahren, aber es machen dafür VIEL weniger Leute mit und bleiben auch KLAR weniger lange Mitglied). Dabei könnte man doch auch selbst auf die Idee kommen, dass diese Zahlen nicht (mehr) stimmen. Denn die Autorin rezitiert: „Die Methoden beim Buhlen um Aufmerksamkeit werden immer rabiater, die Hemmungen der modernen Wegelagerer, auf Passanten zuzugehen und für ihr Anliegen zu kämpfen, sinken stetig.“ Warum wohl? Natürlich, weil die Aktionen nicht mehr rentieren, logischerweise, d.h. die Strassenräuber sind unter immer grösserem Druck, noch genügend Neuspendende zu finden.

Wie dem auch sei, der Beitrag ist immerhin so negativ geschrieben, dass dem WWF auch die falsche Zahlenherausgabe nichts nützen wird (insofern trotz allem ein Dankeschön an den Stern). Sogar die Sammelnden selbst sind inzwischen mehrheitlich (selbst-)kritisch. Ein kleines Wunder, bzw. hat „ziemlich“ lange gedauert. So wird eine Wegelagerin zitiert, die aus purem Frust über das Desinteresse der Passanten Leuten schon mal nachgelaufen sei: „Das hätte ich wirklich nicht von mir gedacht.“ Ein anderer Promoter: „Man ‚arbeitet‘ gar nicht wirklich, sondern man belästigt Leute, sucht sich jeweils das am schwächsten erscheinende Opfer aus, stellt sich ihm mit ausgebreiteten Armen in den Weg, läuft ihm nach, setzt Leute, die nur zur Uni oder zur Arbeit müssen, massiv unter Druck.“

Und schliesslich wird im Beitrag auch noch Freiburg erwähnt, wo ein Sammelverbot für Wohltätigkeits-Strassenräuber schon seit 2011 existiert, was ich ja schon mehrmals erwähnt habe. Jetzt hat Freiburg also endlich die verdiente nationale Berühmtheit erlangt (denn die Stadt musste sich, um das Verbot aufrecht zu erhalten, mehreren Gerichtsprozessen stellen, welche sie aber alle gewonnen hat). Allerdings: Bitte die „Haustür“-Diebe auch nicht vergessen! Noch kleine Schlussanekdote: Für den grössten Witz in Sachen Verbot ist Berlin zuständig, welches gemäss taz von 2013 ein solches hat, das aber von den Behörden nicht durchgesetzt wird!!!

 

 

DE: Was der „Vater“ aller Spenden-Fachleute im Ursprungsland der „Face to Face“-Sammelmethode („Hilfsorganisation-Drückerkolonnen“) dazu sagte

5. Mai 2017

NEU (Mai 2017)! CH: Beitrag des Blogbetreibers auf Konsumer.ch NEU (Mai 2017)!

D I E   W I C H T I G S T E N   B E I T R Ä G E 

 

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Lange Deutschlands „Fundraiser Nr. 1“: Christoph Müllerleile

 

Weiss jemand, wie Deutschlands dazumals erster „Fundraiser“, und ich spreche hier sicher nicht von den Dilettanten bei den Spendensammelfirmen, sondern von den „Profi-Spendensammelnden“ bei den Hilfsorganisationen selbst (die allerdings – zumindest heute – nicht so viel besser sind), heisst? Nun gut, ganz genau ist es nicht gesichert, aber er war auf jeden Fall „einer der ersten“ – und galt noch bis Mitte der Nullerjahre unter deutschen Fundraising-Fachleuten zweifellos als gewichtigster Spendensammler im Lande. Die Rede ist von Christoph Müllerleile, Ende letzten Jahres 70 geworden, der in seiner Karriere unter anderem für Kirche in Not, den WWF und Care Deutschland tätig war. Ausserdem war Müllerleile der Initiator und dann auch eines der Gründungsmitglieder des Deutschen Fundraising Verbandes, anfangs noch unter dem Namen „Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing“ (BSM) laufend, also des nationalen Berufsverbands der FundraiserInnen. Und ja, eben, was hat also Deutschlands ehemals renommiertester Profi-Spendensammler im Ursprungsland des kommerziellen Face-to-Face Fundraisings zu den Spendendrückern gesagt? Folgendes, und zwar ist das dem „BSM Newsletter“, Ausgabe Nr. 2, Mai 2000, entnommen:

„DIE MITGLIEDERWERBUNG IN DRÜCKERKOLONNEN – DIE BEZEICHNUNG WIRD AUCH INNERHALB DER BETEILIGTEN HILFORGANISATIONEN GEBRAUCHT – GEHÖRT ZU DEN GRÖSSTEN SKANDALEN DER SPENDENGESCHICHTE IN DER DEUTSCHEN NACHKRIEGSZEIT.“ … „WER DIE WERBER, DIE SICH FÜR DIESE JOBS ANBIETEN, IN UNIFORMEN STECKT UND AUF DIE MENSCHEN LOSLÄSST, HANDELT IN VIELFACHER WEISE KRIMINELL: ANSTIFTUNG ZUM BETRUG UND BEIHILFE ZUM DIEBSTAHL.“

Und natürlich gibt’s noch kleine „Insider-Zusatzinfo“ von mir: Wie ich aus gut unterrichteten Kreisen weiss, hatte Müllerleile bei dessen Recherchen zum Beitrag Tipps von Greenpeace bekommen, wo eine andere „Koryphäe“ des deutschen Hilfsorganisations-Fundraisings noch bis Anfang 2017 tätig war: Gerhard Wallmeyer. Deshalb steht im Beitrag auch: „Es geht hier um das Drücken an der Haustür… Es geht nicht um Dialogstände in Fussgängerzonen.“ Aha, soso. Da muss i.d.S. wieder mal was berichtigt werden. Denn in Wahrheit sind Strassensammlungen nicht viel weniger problematisch als Haustürsammlungen. Das Prinzip ist nämlich genau das gleiche, es wurde einfach auf die Strasse adaptiert, und zwar sogar noch von ehemaligen Mitarbeitern der Ur-Haustürsammelfirma (global gesehen – wohlgemerkt) „Wesser“, die 1968 fürs Deutsche Rote Kreuz mit solchen Sammlungen begann – siehe dazu meinen Post „6 dummdreiste Gierhälse führen weltweiten Hilfsorganisationssektor in Kollaps“). Denn der springende Punkt ist: Greenpeace war wiederum weltweit die erste Organisation, die auf Strassensammelfirmen gesetzt hat. Und auch der WWF Deutschland, wo Müllerleile zuvor gewesen ist, war im Jahr 2000 (aus welchem der Beitrag stammt) bereits bei der Ur-Strassensammelfirme DialogDirect unter Vertrag (in der Schweiz gab es für ihn deswegen schon 1999 einen Riesenknatsch – siehe Berner Zeitung vom 4.8.1999 – ohne dass er etwas daraus gelernt hat). Es galt also tunlichst zu vermeiden, sich auch kritisch über kommerzielle NGO-„Strassen“-Sammlungen zu äussern.

Und wenn wir schon dabei sind: Der von mir prophezeite „Kollaps“, bzw. genauer gesagt sogar regelrechte „Super GAU“ im NGO-Sektor hat eigentlich längst begonnen. Nämlich in England, wo bereits vorletztes Jahr mindestens fünf Agenturen zusammengebrochen sind, und auch letztes Jahr mehrere Fundraisingfirmen ihre Türen schliessen mussten (wobei mir die genaue Zahl für letztes Jahr nicht bekannt ist). Es ist einfach NOCH ein „Kollaps in Raten“.

Ich habe schliesslich auch noch die Unterseite mit den „Wichtigsten Beiträgen“ neu geordnet (inzwischen habe ich so viele Beiträge gepostet, dass ich mal „ausmisten“ musste, um der Leserschaft noch Orientierung zu bieten).

 

 

DE: Rekordreklamationen über Spendendrücker: Björn-Steiger-Stiftung schliesst zu ASB auf (1.5.2017)

Interviews mit Blogbetreiber: Die Stimme (Heilbronn), 3.12.2016: „Vertrauensmissbrauch der Hilfsorganisationen“, KirchenZeitung (Oberösterreich), 30.3.2017: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen.“

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Sammelagentur-Mitarbeiter als Björn-Steiger-Weltretter getarnt

 

Bisher war in Sachen Negativschlagzeilen über kommerzielle Haus- und Strassenspendensammelnde der ASB führend. Doch die Björn-Steiger-Stiftung hat aufgeholt. Vor allem im Zusammenhang mit dem Sammelthema des von der Stiftung und Daimler entwickelten, hypermodernen und 2013 als „nicht notfalltauglich“(!) eingestuften Baby-Notarztwagens „Felix“ (Entwicklungskosten: 5 Millionen Euro, Preis pro Wagen: 420’000 Euro). Die beiden bilden sozusagen das Spitzenduo momentan. Erklärbares Phänomen: Die Stuttgarter Nachrichten haben 2010 aufgedeckt, dass für die Stiftung gleich 6 externe Spendensammelfirmen(!) gleichzeitig sammeln. Ausserdem: Auffallend war beim ASB ja seine Verbindung zu hochrangigen SPD-Politiker(n) (siehe Post vom 1.10.2016), welche ihn vor politischen Massnahmen schützen. Jede Wette, dass auch bei der Björn-Steiger-Stiftung Sozialdemokraten in einflussreichen Positionen anzutreffen sind. Und siehe da: Im fünfköpfigen Präsidialrat tummeln sich gleich zwei SPD-Vertreter: Der Vorsitzende Jürgen Gramke (unter anderem Ex-Staatsminister für Wirtschaft/Sachsen-Anhalt) und Kurt Bodewig (Ex-Bundesminister für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen): Deshalb ist ja der Sammel-Blödsinn nach wie vor am laufen. Wie lange noch? Respektiv: Kleine Wette?

Stuttgarter Nachrichten, 25.4.2017: „DRK und Björn-Steiger-Stiftung: Ärger um Spendensammler“

NOZ (Osnabrück), 10.11.2016: „Passanten fühlen sich bedrängt: Spendenaktion der Björn-Steiger-Stiftung in Bohmte irritiert“

Mittelbayerische, 23.1.2015: „Abzocke mit dem fliegenden Baby: Die Drückerkolonne der Björn-Steiger-Stiftung…“

Westfalenpost, 13.5.2014: „Agressive Spendensammler in Menden setzen Mütter unter Druck“

Stuttgarter Nachrichten, 14.3.2013: „Nicht notfalltauglich: Baby-Notarztwagen bringt Steiger-Stiftung in Bedrängnis“

Der Western, 4.9.2012: „Spendenwerber wünscht Passantin noch einen angenehmen Unfalltod“

 

 

 

 

 

CH: 20 Minuten-Artikel zum Thema Corris & Co. vom 10. April 2017

W i c h t i g s t e  B e i t r ä g e     H a u p t s e i t e

„Die Dubelis, von Corris“: Reimt sich sogar – fast 

Coooool! Neuer, vernichtender Beitrag über die Wohltätigkeits-Strassenräuber in grösster Schweizer Zeitung – „20 Minuten“ ist doch nicht (mehr) ganz so parteisch in der Sache, wie ich gedacht habe (siehe Beitrag zu „Medienverstrickungen“). Reinziehen obligatorisch: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Viele-Junge-werden-zum-Spenden-ueberredet-26365990

 

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Rapper Greis: „Jugendsünde Corris“ (naja, ist lange nicht der Einzige – aber dummerweise der Bekannteste)

PS: Also was mir noch zum Thema „Viele Junge werden zum Spenden überredet“ eingefallen ist: Der Rapper Greis hat ja auch mal bei Corris gesammelt. Er hat den Job damals auch ziemlich „geil“ gefunden. Nicht unbedingt, weil man damals bei diesen Abzockerfirmen noch unverschämt viel verdienen konnte (da ja damals noch unbekannt war, dass kommerzielle Agenturen hinter den Sammlungen stecken, machten noch viel mehr Leute mit) – bzw. bis zu 15’000 Franken Monatslohn. Und wegen der guten Sache sowieso nicht. Sondern meines Wissens, weil man bei diesem Job heisse, junge Girls abschleppen konnte. Die finden nämlich junge „Weltretter“ traditionellerweise „herzig“ – und sind gleichzeitig zu naiv, zu erkennen, dass diese nur so tun als wären sie das. Ausserdem: Hat schon mal jemand die Kommentare zum Artikel gelesen? Hab mal etwa 20 erste angeguckt. Ausnahmslos alle negativ. Also ich weiss nicht, ob ich das schon mal geschrieben habe, aber: Man muss sich wirklich ernsthaft fragen, ob Hilfsorganisationen, die diesen Sammelstuss über Abzockerfirmen heute noch machen, noch alle Tassen im Schrank haben.

 

DE: Hälfte der NGO-Mitarbeitenden selbst hält kommerzielle Haustürsammlungen (NGO-Drückerkolonnen) für schadhaft! (April 2017/1)

Suchen neue Mitglieder für das Rote Kreuz: (von links) Kreisgeschäftsführer Christian Peter, Mitarbeiterin Heike Langenbeck, DRK-Vorsitzender Dr. Rolf Bluttner sowie die beiden Werber Werner Schwarz und Wolfgang Frissnegg. Foto: Hoffmeister

DRK-Kreisverbandsverantwortliche mit zwei Sammlern der Drücker-Firma Holub & Partner

 

Einfach u-n-f-a-s-s-b-a-r: Ich habe ja gedacht, ich wisse inzwischen praktisch alles über die idiotischen Face to Face-Spendensammlungen vor Haustüren und auf den Strassen. Aber ich lerne immer noch dazu.

Bereits 2011 berichtete das deutsche Magazin „Fundraiser“ (Ausgabe 1/2011, Seiten 54/55) von einer aufsehenerregenden Studie. Dort steht: „Als umstrittenes Instrument sieht die Branche selbst Haustürsammlungen, bei denen Spendensammler Mitleid oder Aufsehen erregen wollen, indem sie beispielsweise als Rettungssanitäter auftreten (Kommentar: Hier sind also vor allem die Hauptverantwortlichen für den Drücker-Blödsinn gemeint, sprich: DRK, ASB, Johanniter + Malteser). Die Hälfte der befragten NPOs stimmt der Aussage zu, dass das Auftreten in der Kleidung von Sanitätern oder Rettungsdiensten das Image der eigenen Organisation beschädigt, da sie dem Anlass unangemessen sei. Knapp die Hälfte (47 %) glaubt sogar, dass solche Methoden das Image der GESAMTEN(!) Branche beschädigen.“

Ja gottverdammt nochmal, wenn die Hälfte aller Non-Profit-Organisationsmitarbeitenden Haustürsammlungen für dermassen klaren Nonsens hält, warum werden sie dann immer noch durchgeführt??? Respektiv: Wenn diese Hälfte der Klarsichtigen ihren Arsch bewegen würde, müssten doch eben mindestens mal die „von Tür zu Tür“-Sammlungen PROBLEMLOS „abgestellt“ werden können – denn die andere Hälfte wird die Sammlungen ja kaum auf Gedeih und Verderb verteidigen??? Meine Aussage im neuen Interview von Ende März mit der oberösterreichischen KirchenZeitung wird damit traurigerweise mehr als bestätigt: „Manche NGOs sind zu bequem und arrogant, die Kampagnen wenigstens selbst durchzuführen, obwohl das erwiesenermaßen billiger käme: Zu mühsam und undankbar ist der Sammlerjob. Eine Schande.“

 

 

Österreich, Schweiz, und jetzt Deutschland: Kommerz vs. Spendensammel-Kommerz! (März 2017/7)

NEU! Interview mit Blogbetreiber in KirchenZeitung (Oberösterreich), 30.3.2017 NEU!

Spannende Beiträge zum Unterthema dieses Posts aus Deutschland und der Schweiz: DE: Der Arbeiter-Samariter-Bund (lässt sowohl Haus- als auch Strassensammlungen machen): Paradebeispiel für Verstrickungen mit Politik – CH: Hilfsorganisationen haben grösste Lobby im Land! (NZZ-Artikel vom 14.3.2016)

 

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Spendensammel-Attacke auf englischer Strasse

 

Witzig: Zunehmender Druck gegen kommerzielle Spendenwerber (berüchtigste Firmen: Corris, DialogDirect, Wesser) kommt ausgerechnet von kommerzieller Seite! Immer mehr Ladenbesitzende beklagen nämlich Umsatzrückgänge, da die Leute jeweils den Sammelständen auszuweichen pflegen. Die immer genervtere Bevölkerung wechselt nämlich mitunter die Strassenseite, um den aufdringlichen „Drückern“ zu entkommen – so dass die Shops auf Standseite ebenfalls in die Röhre gucken müssen. Die Sammelnden wiederum treten immer aggressiver auf, da sich immer mehr Leute so verhalten: Ein Teufelskreis.

Der ORF berichtete ja bereits vor eineinhalb Jahren über Wiener Händler, denen die „Spendenkeiler“, wie sie in Österreich genannt werden, immer mehr zum Halse raushängen. In der Schweiz hat Winterthur, sechstgrösste Stadt im Lande, erst gerade vorrangig vom Gewerbe initiierte politische Massnahmen erwogen. Doch die Parteien sind zu stark verfilzt mit dem Hilfsorganisationsbereich (siehe veröffentlichten Leserbrief des Blogbetreibers an die grösste Winterthurer Zeitung; den Landboten, sowie Liste „Interessenkonflikte der wichtigsten PolitikerInnen“): Ein Phänomen, das nicht nur die Schweiz betrifft.

Und jetzt ist endlich auch in Deutschland Bewegung in die Sache gekommen. Shopbetreibende haben das Heft in der Stadt Villingen in die Hand genommen und im Südkurier „Dampf abgelassen“.

Liebe Händler, liebe Händlerinnen, bitte dranbleiben! Danke!

DE: Für Drückerkolonnenpest hauptverantwortliche Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz, ASB, Malteser & Johanniter am schlingern (März 2017/6)

W i c h t i g s t e  B e i t r ä g e   –   H a u p t s e i t e

Diejenigen Hilfsorganisationen, die als erste auf die verhängnisvolle Zusammenarbeit mit Face to Face-Fundrasising Agenturen (Spendensammelfirmen) gesetzt haben und alle nur oder teilweise im Rettungs- und Notdienstbereich tätig sind, namentlich DRK, ASB, Malteser sowie Johanniter, kommen immer mehr ins Schlingern. Zeit für eine Bestandesaufnahme:

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Angriff von „Drücker-Zombie“: Diese Haustür-Spione sind einfach schon eine gute Erfindung

 

Dass viele Kreisverbände des ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) schon seit geraumer Zeit in finanzieller Schieflage sind, wird von Medien immer mal wieder kolportiert. Ist ja auch erklärbar: Welche aufgeklärte Person macht heute schon noch mit bei den Spendensuchaktionen der beauftragten Sammel(-mafia-)firmen? Doch der ASB hat auch „Lösungen“ parat, um sein Finanzloch zu stopfen. Er macht bspw. einfach mit beim durch Staatsgelder finanzierten „Millionen-Geschäft“ um die Unterbringung von Flüchtlingen. So wird einfach mehr in Rechnung gestellt als geleistet wird. Die Berliner B.Z. hat letzten Sommer mehrere Beispiele dazu genannt: Für die Verpflegung vereinbarte ASB Berlin mit dem zuständigen Landesamt pro Tag und Flüchtling eine Pauschale von zehn Euro. Tatsächlich fielen aber nur neun Euro an. Bei der riesigen Menge von Flüchtlingen summiert sich das natürlich. Dasselbe mit den Betten: Der ASB rechnete den vollen Belegungssatz für 1007 Plätze ab, obwohl davon gar nicht alle belegt waren. In einer Mail vom Februar 2016 hatte die Berliner ASB-Chefin Jutta Anna Kleber Mitarbeiter angewiesen, bei einem Besuch von Regierungsvertretern zu sagen, dass Geldspenden ab April unter anderem für den Ausbau einer Großküche und die Errichtung eines Spielplatzes genutzt würden. Gemäss B.Z. war zum Zeitpunkt des Artikels im Sommer davon auch nichts zu sehen, und so weiter und so fort.

Und wie sieht die Situation bei den anderen drei Haupttätern aus? Erst im Dezember titelte die taz: „Fetter Gewinn mit Flüchtlingen: Die Johanniter in Niedersachsen sollen einen Überschuss von 20 Millionen Euro aus Landesmitteln für die Flüchtlingshilfe haben. Verband will das Geld behalten.“ Gleiches Spiel also bei den Johannitern. Sieht bei denen finanziell natürlich auch nicht viel besser aus. Das noch vor nur leicht mehr als 10 Jahren selbstbewusst an der Sammelzusammenarbeit festhaltende DRK wiederum machte im Gegensatz zu den meisten anderen Organisationen Ende 2014 schon gar kein Geheimnis mehr aus den schwindenden Spendeneinnahmen. DRK-Präsident Rudolf Seiters liess damals in der „Welt am Sonntag“ wissen, dass sich die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr in etwa halbiert(!) hätten. Der im darauffolgenden Jahr von der Berliner Morgenpost ausgelöste Eklat um Heidi Schäfer-Frischmann, die während ihrer Zeit an der Spitze der Berliner DRK-Schwesternschaft wiederholt 500.000 Euro Jahresgehalt bezogen hat, wird die Situation sicher „auch nicht gerade entschärft“ haben. Der Malteser-„Orden“ schliesslich, ähnlich wie der Johanniter-Orden ein eigentlich ziemlich seltsam anmutender, aus den Kreuzzügen entstandener, „humanitärer Ritterorden“, dem in erster Linie Adlige vorsitzen, zahlt diesen gemäss einem paar Jahre alten Beitrag der Zeitschrift „Manager Magazin“ ebenfalls Löhne in Konzernhöhe aus.

Wenn die vier Hauptverursachenden derartig fleissig weiter zusätzliche Skandale produzieren, schaffen sie es womöglich, meinen bereits für 2016 prophezeiten „Super GAU“ im NGO-Sektor doch noch mit lediglich etwas Verzögerung entscheidend mitauszulösen.

 

 

DE: Erste Medienhinweise auf massive Falschangaben von Hilfsorganisationen bzgl. Kosten von ausgelagerten Spendenaktionen (März 2017/5)

Wohltätigkeits-Strassenräuber-News aus der Schweiz, Österreich & England

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Drücker der Agentur „talk2move“ für SOS-Kinderdorf 

 

Jetzt ist wieder Deutschland dran: Nach dem brisanten DEWEZET-Beitrag von Ende Februar kommt auch die Mainpost (7.3.2017) den Manipulationen von „Spendensammelfirmen“ und auch deren Auftraggebern, den Hilfsorganisationen, immer mehr auf die Schliche. Zur Erinnerung: Soviel ich weiss hat eine NGO, namentlich der WWF in Hameln vor zwei Wochen aufgrund einer Reklamationsflut der erbosten Stadtbevölkerung ERSTMALS eine Spendenaktion ihrer Fundraisingagentur abbrechen lassen. Vorher ist mir sowas – zumindest aus Medienberichten – jedenfalls noch nie aufgefallen. Die Stadt Schweinfurt lässt jedoch nun in der Mainpost ziemlich lapidar wissen, dass man „schon mehrfach Infostände vorzeitig schliessen habe lassen“, „wenn die Marketing-Mitarbeiter zu aggressiv aufgetreten seien“ (wenn das allerdings immer mal wieder der Fall ist, darf man sich doch aber auch fragen, warum dann nicht schon lange was Konkretes unternommen wurde gegen die Sammelpest). Im Übrigen wäre eigentlich ebenso gedacht, dass sich die Sammelnden nicht von den Ständen entfernen würden, lässt die Stadt weiter ausrichten. Wenigstens wird dazu auch gleich geschrieben, dass „die Praxis meist anders aussieht“.

Das wirklich Explosive am Beitrag ist aber folgende Erwähnung: „Spitzenunternehmen erhalten bis zur Hälfte der Spenden“. Aha, das ist aber schon viel näher bei der Realität, als die, selbstverständlich kreuzfalschen, Angaben vom WWF (12 Prozent der Spendeneinnahmen würden an die Agenturen gehen) im WAZ-Artikel von Ende letzten Jahres, wo ich selbst auf die nicht wahrheitsgetreuen Aussagen von Hilfsorganisationen bzgl. der stark rückläufigen Spendenquoten hingewiesen habe (tatsächlich können es heute sogar bis zu 80 Prozent sein). Am Schluss wird dann wieder mal auf das „Spenden-TÜV“ DZI, bzw. das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen aufmerksam gemacht, dass ja das anscheinend Vertrauenswürdigkeit attestierende „Spendensiegel“ ausstellt. In den DZI-Leitlinien steht: „Wenn PR-Agenturen eingesetzt werden, die Personen direkt ansprechen, „informiert der Dienstleister beim ersten Kontakt über das Auftragsverhältnis“. Für die Mainpost heisst das: „Also nicht erst auf Nachfrage (der auf der Strasse Angesprochenen).“ Schön wär’s. Genau das wird ja aber nicht gemacht! Aber auch wenn es GENAUESTENS in den Leitlinien stehen würde; dem DZI kann man eh nicht trauen, sonst hätte es ja ebenfalls schon längst etwas unternommen gegen die Wohltätigkeits-Strassenräuber. Bezeichnenderweise betitelte der ehemalige DZI-Leiter Lutz Worch die „Drücker“ (so werden die Sammelnden in Deutschland genannt, da sie die Leute permanent manipulativ unter Druck setzen) 1997 in der Welt sogar mit „Pest“, was ich schon mehrmals erwähnt habe. Ein derartiger Kraftausdruck kann aber doch nur bedeuten, dass das DZI solche Aktionen schlicht nicht tolerieren dürfte, oder etwa nicht? Tut es aber, hat es immer getan, und wird es auch immer tun … bis es „halt“ knallt – dann aber auch richtig!

Nachtrag Mai 2017: Bin da grad über was gestolpert, dass gut zu diesem Artikel passt: Das DZI hat sogar schon mal in einem Beitrag 100% klargemacht, dass auch es ein mündliches Klarmachen des Auftragsverhältnisses durch die Sammler einfordert. Und zwar steht das im Beitrag des NDR über Hilfsorganisations-Drückerkolonnen („Miese Tricks: Mitgliederfang bei DRK & Co.“, 21.8.2012): „Dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI)  reicht der schriftliche Hinweis auf dem Mitgliederantrag allein nicht. Das Institut vergibt das DZI Spenden-Siegel. Wer das hat darf nicht täuschen. Die Profi-Werber müssen an der Haustür genau angeben, wer sie beauftragt hat. Sie müssen also sagen, dass sie beauftragte Werber sind und dürfen nicht den Eindruck erwecken ehrenamtlich zu arbeiten.“ 

 

 

 

Pro Juventute Schweiz & Pro Juventute Österreich: In den Skandalen vereint (März 2017/4)

Gab ja in Österreich paar Monate keine kritischen Beiträge mehr zu den „Spenden-Narren“ – österreichisch so viel ich weiss „Ungustl“ 😉 – dafür passend zur Narrenzeit nun gleich zwei:

 

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Spendensammelnde auf Maria Hilferstrasse in Wien

Die Kleine Zeitung hat gestern in Kärnten vorgelegt, heute; 3.3.2017, die Vorarlberger Nachrichten. Diesmal geht’s Pro Juventute Österreich an den Kragen. Auf dem Internetportal „Bürgerforum Vorarlberg“ machten viele Feldkircher, deren Stadt von den Keilern heimgesucht wurde, ihrem Ärger über aggressives Angeworbenwerden Luft. Und selbstverständlich steckt auch hier eine kommerzielle Agentur dahinter. Eine Farce die Erklärungen von Pro Juventute-Spendenleiter Günther Karlhuber: Die Kritik würde an die Spendenfirma weitergeleitet. Ah, Pro Juventute hat als Auftraggeber also keine Verantwortung!?

Reiner Hohn: „Es geht darum, das Wohl unserer Kinder abzusichern.“ (Pro Juventute-Spendenleiter Günther Karlhuber)

Weiter: „Das Sammeln via Agenturen bringt für Pro Juventute Kostenersparnisse.“ Äh, hat Pro Juventute eigentlich noch nicht mitbekommen, dass dieses Argument längst widerlegt ist, in der Schweiz z.B. bereits 2011 im Tages-Anzeiger („Hesch e Minute für e gueti Sach?“) von Greenpeace, welches die Aktionen mit eigenen Leuten wesentlich billiger erledigt. In der Schweiz gibt es ja übrigens auch ein Pro Juventute, von dem das österreichische Hilfswerk den Namen abgekupfert hat – ansonsten sind die beiden Jugendschutzorganisationen gemäss eigener Aussagen unabhängig voneinander. Mit Gemeinsamkeiten hört es allerdings trotzdem nicht auf. So kooperiert auch Pro Juventute Schweiz mit einem zweifelhaften Fundraisingunternehmen. Dies, obwohl man 2005 in den Medien noch verlauten liess, das käme nicht in Frage! Doch hat es sich damit mit gemeinsamen Skandalen – denn hier muss mal wieder was über die Face to Face-Problematik herausgeschaut werden? Weit gefehlt; Pro Juventute Österreich war erst 2013 in den Schlagzeilen: Vier von fünf Sozialpädagogen des Pro-Juventute-Hauses Bad Mitterndorf wurden damals für schuldig befunden, die dort wohnenden Kinder misshandelt zu haben. Beispiele für Vorwürfe: Zwang zu barfuss im Schnee stehen im Winter, getreten und eingesperrt werden, Speiseentzug, bzw. stattdessen das Fruchtfleisch von Zitronen bis zum Erbrechen essen müssen und gar das Erbrochene selbst dann wieder aufessen. Urteil: Die Leiterin der Einrichtung und ihr Stellvertreter: 17 Monate Haft, fünf davon unbedingt; der Ehemann der Beschuldigten neun Monate und ein Praktikant sieben Monaten bedingt.

Alfred Siegfried, Pro Juventute CH-Gründer mit „beschütztem Kind“

Pro Juventute Schweiz wiederum ist für den – jetzt mal abgesehen von den Wohltätigkeits-Strassenräubern – wohl grössten Hilfswerkskandal im Lande überhaupt verantwortlich, bwz. genauer gesagt das damals von Pro Juventute geführte Projekt „Kinder der Landstrasse“: „Zwischen 1926 und 1973 wurden 586 Kinder aus fahrenden Familien (Anmerkung: Frühere Bezeichnung „Zigeuner“) von Pro Juventute mit Hilfe der Behörden weggenommen… Über 80 Prozent der Kinder wurden … in Kinderheimen und Erziehungsanstalten untergebracht … den Kindern mangelte es in den Heimen an Zuwendung. Sie wurden oft geschlagen und aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt und ausgegrenzt…“

Das steht löblicherweise auf der Pro Juventute-Website. Eigenkritik ist also immerhin vorhanden … könnte man meinen. So viel ich weiss hat Pro Juventute diese Infos allerdings erst auf Druck der Medien aufgeschaltet (Beobachter, 10.11.2011). Noch im 100-Jahre-Jubiläumsjahr 2011 wurde das Thema kaum angeschnitten. Mich schockierte aber noch was anderes bei Pro Juventute CH: „Alfred Siegfried … gilt als Gründer des Hilfswerks und leitete es bis 1958. Siegfried … war zuvor als Lehrer am Unteren Gymnasium in Basel angestellt. Dort war er, wie Recherchen eines Basler Journalisten 1998 aufdeckten, entlassen worden, nachdem er vom Basler Strafgericht wegen „unzüchtiger Handlungen“ (Anmerkung: Also nichts anderes als sexueller Missbrauch) mit einem seiner Schüler verurteilt worden war. Doch davon wusste bei Pro Juventute damals wohl (Anmerkung: Ja-„WOHL“) niemand … Siegfrieds Nachfolger Peter Doebeli wurde bereits 1961 wieder entlassen. 1963 verurteilt ihn das Obergericht des Kantons Zürich wegen unzüchtiger Handlungen mit mehreren Mündeln (Anmerkung: Kinder unter Vormundschaft) von Pro Juventute zu einer zweieinhalbjährigen Zuchthausstrafe…“

Also wenn ich mir das zu Gemüte führe, dann frage ich mich: Wieviel braucht es eigentlich, bis eine Hilfsorganisation ihren guten Ruf verliert? Da muss man den Face to Face-Agenturen schon richtig dankbar sein, dass sie das endlich restlos erledigen.

 

AU-Klagenfurt: Tierschutzzentrum „Tiko“ verschweigt der von Spendensammelnden bedrängten Öffentlichkeit die Wahrheit! (März 2017/3)

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Tierschutzkompetenzzentrum „Tiko“

 

„Kleine Zeitung“ von gestern, 2.3.2017: „He du!“ „Stopp, stehen bleiben!“ „Du hast sicher Zeit für mich.“ So forsch und vertraulich wurden einige Passanten in den vergangenen Wochen in der Klagenfurter Fussängerzone angesprochen.“ Das passte vielen Leuten natürlich nicht. Prompt gingen beim Tierschutzkompetenzzentrum „Tiko“, für welches dauerhafte Spenden in Form von Mitgliedschaften gesammelt wurden, zahlreiche Beschwerden ein. Laut Kleiner Zeitung ging das Tiko aber respektvoll auf die Reklamationen ein. „Wir gehen jeder Beschwerde nach. Die Dialoger werden nachgeschult und auch überprüft, sagt Sonja Wiederström von Tiko.“ 

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Heidi Horten

Naja, also wenn das Tiko Ihre Spenderschaft Ernst nähme, würde es vor allem mal selbst sammeln. Und nicht eine kommerzielle Werbefirma damit beauftragen (deren Sammelnden dann noch so tun, als wären sie Tiko-Leute). Das hat sie nämlich, genauer gesagt die Agentur Face2Face Fundraising von Robert Buchhaus. Nur wird das vom Tiko verschwiegen. Normalerweise gehen heute die ersten zwei bis drei Jahresspenden an solche Agenturen – erst danach fliessen die Beiträge an die soziale Einrichtung. Diese spezifische Tiko-Kampagne wird allerdings von der „Promi-Milliardärin“ Heidi Horten bezahlt, die als Tierfreundin gilt. So hat es das Tiko letztes Jahr unter anderem in der KronenZeitung geschickt kommuniziert. Ist das Ganze damit für die Spenderschaft also alles halb so wild, da Frau Horten für die Kosten der Sammelaktion aufkommt? Wenn man die Sache etwas genauer anschaut, sieht’s anders aus. Im Prinzip ist Frau Hortens Geld einfach Spendergeld, das vom Tiko für die Sammelaktion verwendet wird anstatt das es in den Betrieb fliesst. Dieses Geld muss ja aber zuerst einmal wieder reingeholt werden! Und bis die Kosten für die Kampagne gedeckt sind, vergehen eben 2-3 Jahre.

Schlussverweis: Robert Buchhaus gehört übrigens zum erweiterten Gründerteam von DialogDirect, der ersten und berüchtigsten Strassen-Spendensammelfirma weltweit. Dort hat auch Robert Hatwagner sein Handwerk erlernt, der Boss der Agentur talk2move, die in Deutschland erst vor knapp zwei Wochen unter die Räder gekommen ist (DEWEZET, 22.+23.2.2017).

 

 

England: Eine weitere Stadt beschliesst harte Massnahmen gegen „Wohltätigkeits-Strassenräuber“ (März 2017/2)

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„Guilt Trip UK“: „Schlechtes Gewissen einreden“ wird von Sammelnden oft angewendet, obwohl es sich um emotionale Manipulation handelt

 

In England, wo die Medien viel unabhängiger über Spendensammelnde kommerzieller Fundraisingagenturen berichten als in deutschsprachigen Ländern, hat eine weitere Stadt harte Massnahmen dagegen beschlossen (ChronicleLive, 28.2.2017). Bisher wurden ja vor allem Teil- oder Totalverbote ausgesprochen. Gateshead kommt mit etwas Neuem: Neu sind dort Bussen fällig. Und zwar sowohl für belästigendes Anwerben als auch am Weitergehen behindern. Damit werden genau solch aggressiven Methoden gemeint sein, die in deutschen Medien erst gerade thematisiert wurden (DEWEZET, 22.2.2017): Am Arm packen, einmaliges „Nein“ nicht akzeptieren, Riegelbildung (WDR 23.09.2016), etc. Die Bussen können zwischen 100 und 1000 englischen Pfund varieren (ca. 125-1250 SFr. oder 117-1170 Euro) – je nach Härte des Verstosses. Laut einer beigelegten Umfrage begrüssen 80 Prozent der Bevölkerung die Massnahmen.

 

DE: Zusammenfassung & Analyse zweier DEWEZET-Artikel zum Thema Strassen-Spendendrücker vom 22. + 23.2.2017

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Neue Beiträge CH: Einer der 1. Corris-Kunden faktisch am EndeGlobal tätiger Spendensammel-„Konzern“ drängt in CH-Spendenmarkt

Holla, es geht immer mehr ab, und das auch noch immer schneller. Die mittelgrosse Lokalzeitung DEWEZET aus Hameln hat eben erst einen Beitrag mit der bisher schärfsten Kritik an der Agentur talk2move in Deutschland rausgegeben. Talk2move ist fast ebenso berüchtigt wie DialogDirect oder Corris in der Schweiz (in Österreich war die Sammelfirma dermassen umstritten, dass sie es vorzog, nach Deutschland abzuwandern – siehe 2. Teil von Basler Zeitungsleserbrief des Blogbetreibers). Talk2move-Boss Robert Hatwagner hat seine Sammler-Manipulationskünste ja auch bei der DialogDirect Vorgängerfirma „Wissmann & Friesacher“ erlernt, und davor auch schon bei der allerersten Haustür-Spendensammelfirma „Wesser“ (die Drückerkolonne par excellence). Aber zum Beitrag: Passantinnen beschwerten sich wiederholt – siehe auch Ketzer Podcast-Interview mit Blogbetreiber – über „am Arm packen“ und auch hinterherlaufen (diese Annäherungsmethode war schon früher mal ein Problem, wurde aber nach vielen Reklamationen „abgestellt“ – nun gab es offensichtlich wieder einen Rückfall). Auch die Einführung der neueren Regel, ein „Nein“ vorbehaltlos zu akzeptieren, hat offenbar nichts gefruchtet. Unter dem immensen Druck der Bevölkerung fühlte sich die Stadt selbst schliesslich sogar zu einer Ermahnung gezwungen. Der WWF wies talk2move im Anschluss daraufhin, den Stand am Folgetag nicht mehr aufzubauen. Ein meines Wissens erstmaliger Vorgang.

Liebe Hilfsorganisationen, liebe Spendenheinis – aber auch liebe Stadtverantwortliche (die den Schwindel an der Bevölkerung jahrzehntelang geduldet haben): Zieht euch warm an, denn ein Eissturm naht…

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z.H. Herr Eberhard Brandes (Geschäftsführender WWF-Vorstand): Nein, ihr Anzug ist nicht warm genug!

Green Cross-Eklat: Medienbeiträge zum Thema Corris & Co. (März 2017/1)

EINER DER 1. CORRIS KUNDEN; DAS HILFSWERK „GREEN CROSS“ FAKTISCH AM ENDE

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Kennt sich mit Super-GAUs aus: Green Cross-Präsident Michael Gorbatschow, ehemaliger Präsident der Sowjetunion (Russland & westliche Nachbarstaaten)

 

Für einmal „No Comment“ vom Blogbetreiber. Lediglich Links zu ersten Medienbeiträgen: 

Tages-Anzeiger, SRF-„Heute Morgen“NZZ, Blick, 20 Minuten

(Selbstverständlich behalte ich mir vor, wenn nötig trotzdem noch einen Kommentar dazu zu machen, denn in den Medienbeiträgen strotzt es wieder vor Fehlinformationen. Wobei, etwas ist mir – abgesehen von Corris – gerade doch noch eingefallen: Warum sind eigentlich heute so viele amtierende oder ehemalige Politiker & Politikerinnen in Führungspositionen bei NGOs, vorzugsweise in Stiftungsräten oder Vorständen, ich meine überhaupt mal ganz grundsätzlich? Ein Grundmerkmal einer NGO = „Non-Governmental-Organization“, bzw. „Nicht-Regierungs-Organisation“ ist doch die staatliche Unabhängigkeit? Aber das ist wieder was für die inkompetenten Hilfswerkgeschäftsleitungen.)  

 

 Und es geht auch schon weiter: Round Two

SRF-„Echo der Zeit“, NZZ, Blick

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„Super-EGO“ Martin Bäumle, GLP-Parteichef und Green Cross International-Möchtegernpräsident

 

and Round Three:

NZZ, SRF-„Heute Morgen“, Cash, Blick

RTBF-Beitrag (Belgien) von letztem Jahr: „Spendensammler – das andere Gesicht der humanitären Spende“ (Feb 2017/4)

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Anlässlich des vor Kurzem geschehenen „Einfalls“ des Spendensammelkonzerns „ONG Conseil“ in die Deutschschweiz (Post 3/Feb 2017) habe ich mal etwas im Internet darüber gestöbert. Und siehe da – gibt recht aktuellen, bzw. letztjährigen, brisanten Beitrag zu finden; vom öffentlich-rechtlichen belgischen Sender RTBF (1.3.2016). Und wenn wir schon dabei sind noch ganz interessante weitere Hintergrundinfo dazu: Der ONG Conseil-Gründer heisst Jean-Paul Kogan-Recoing, und ist nichts anderes als der einstige Greenpeace-Mann, der das Sammelsystem in Frankreich eingeführt hat (Greenpeace war die erste Organisation, die auf die verheerende Strassensammel-Kooperation mit Privatfirmen gesetzt hat). Da sicherlich ein Teil der Leserschaft froh darum ist, habe ich Text vom Französischen ins Deutsche übersetzt:

 

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Immer schön lächeln – ONG Conseil-Spendensammelnde, äh, -Manipulierende (hier fürs Rote Kreuz) wissen wie

 

SPENDENSAMMELNDE: DAS ANDERE GESICHT DER GEMEINNÜTZIGEN SPENDE (RECRUTEURS DE DONATEURS: L’AUTRE FACE DU DON HUMANITAIRE)

Sie haben sie schon gesehen auf der Strasse… sehr oft sind sie jung – und sprechen Sie für eine Spende im Namen der guten Sache an. Man nennt diese Sammelnden „recruteurs de donateurs“ (Spenderanwerbende). Mit SpenderIn sind natürlich Sie gemeint! Sie werden gefragt, ob Sie bis auf Weiteres 10 Euro im Monat oder mehr für Oxfam, Amnesty, Plan Belgique oder das Rote Kreuz zu spenden bereit seien. Aber wer sind diese Sammelnden eigentlich genau? Sind sie bezahlt oder freiwillig? Machen sie das aus Überzeugung, wegen dem Geld oder aufgrund von beidem (Anmerkung des Blogbetreibers: Also mindestens Priorität müsste ja die Überzeugung haben.)? Einige Antworten:

 

Kommerzielle Dienstleistung

Nicht-Regierungs-Organisationen („Non-Governmental-Organizations“, bzw. NGOs), brauchen für ihre Projekte Spendengeld. Für eine dieser Geldquellen stehen Fördermitgliedschaften, d.h. regelmässige Spenden durch Mitgliedschaften, welche eine gewisse finanzielle Sicherheit bieten, da wiederkehrend. Für die Anwerbung, welche oft auf den Strassen stattfindet, beauftragen die ONGs Privatunternehmen, die dafür oft auf Studierende zurückgreifen. Auf dem belgischen Markt gibt es beispielsweise Appco, Pepperminds, Activate, Directresult und vor allem ONG Conseil.

Diese Firma stellt also junge Leute an, die zu Spendensammlern & -Sammlerinnen mutieren. Sie werden mit 10 Euro Stundenlohn bezahlt. Andere Agenturen bezahlen auch Provisionen (teilweise leistungsbezogener Lohn).

Aber wie funktioniert das auf dem Terrain? Wir haben ein paar Meinungen von sammelnden Studierenden, die gedacht haben, mit ihrer Arbeit den Leuten und Organisationen zu helfen, eingeholt. Diese stellten hingegen fest, dass in erster Linie „Umsatz machen“ gefragt ist. Im Speziellen ist eine bestimmte Menge Mitgliedschaften zu schreiben. Manche sprechen gar von „Erpressung“. Wir sind dem nachgegangen.

Inkognito-Anstellung

Alison, unsere Journalisten-Praktikantin liess sich mit falscher Identität anstellen von ONG Conseil. In der kurzen Ausbildung machte man ihr zu verstehen, dass mindestens drei Mitgliedschaften pro Tag geschrieben werden müssten. Danach war sie Teil eines Sammelteams in den Strassen von Brüssel. Sie kann den Dauerdruck auf dem Terrain bestätigen. So gab es dreimal am Tag eine Evaluationsrunde mit dem Teamchef, ob man im Plan ist. Dieser beständige Druck trieb mitunter seltsame Blüten.     

„Falsche“ Mitgliedschaften

Einige liessen jeweils gleich ihre Eltern unterschreiben. Andere gingen aber noch wesentlich weiter: Sie füllten die Mitgliedsformulare einfach selbst mit einer falschen Adresse und Konto-Nummer aus. Selbstverständlich kommt ONG Conseil dem bei der Kontrolle auf die Schliche. „Wir telefonieren den angeworbenen Spendern & Spenderinnen jeweils. Man bedankt sich und kontrolliert die Informationen. Ja, wir wissen, dass manche mogeln. Wir werden mit den Betroffenen kaum weiterarbeiten.“ präzisiert Frédéric Brocvielle, der Geschäftsführer von ONG Conseil. Und ergänzt: „Wir machen keinen Druck auf die Sammelnden. In unseren Leitlinien gibt es keine Anweisungen, sich mit dem Sammeln schwer tuende Personen noch zusätzlich unter Druck zu setzen. Wir betonen stattdessen deren Qualitäten…“

Da scheint es in diesem Sinne einen ziemlich grossen Widerspruch zu geben zwischen dem, was auf dem Terrain erlebt wurde und den Leitlinien des Managements. Und die jungen Sammelnden erleben auch das andere Gesicht des gemeinnützigen Sektors.

CH: Neuer Mitwerber unter Fundraisingagenturen in Deutschschweiz: „ONG Conseil“ (Feb 2017/3)

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Ein „unherzliches Welcome“ den neuen Sammeldeppen von ONG Conseil. Habe erst gerade einen Sammler dieses bisher zum Beispiel in Frankreich, Kanada, Belgien und Holland präsenten „Sammel-Konzerns“ in unseren Gefilden angetroffen (in die Romandie eingedrungen sind sie schon vor einer Weile). Kein Scherz: Der Sammler wusste den Namen seiner Agentur nicht mal („Eine mit französischem Namen.“ – Ich: „ONG Conseil?“ – „Ah, ja, genau.“). Den Sammelnden wird inzwischen offensichtlich so stark eingebläut, dass sie von den Hilfsorganisationen sind (so geben sie sich dann ja auch fälschlicherweise aus), bis es diese selbst glauben: Gehirnwäsche. Was allerdings in dieser Hinsicht besonders schlimm ist: Viele Studierende machen ja diesen Job. Ich habe eigentlich gedacht, dass Studenten & Studentinnen gut selber denken können. Offensichtlich ist das aber nicht der Fall. Oder mindestens haben sie keine Moral.

Naja, dafür lassen sie sich besser zusammenscheissen. Denn ein Nicht-Student gibt noch eher zurück, habe ich gemerkt. Letztens habe ich jedenfalls einen Sammler so zusammengestaucht, dass er völlig paralysiert stehen geblieben ist. Jede Wette: Der hat nicht mal den Tag fertig gemacht. Geschieht ihm auch recht so, denn gerade von Studenten könnte man doch erwarten, dass sie sich vor einer Job-Bewerbung doch wenigstens ein bisschen über den Betrieb informieren. Und im Internet hätte man EIGENTLICH im Nu brisante Infos gefunden (z.B. dass man das Hilfswerk 850 Franken im Tag kostet – er hatte keine Ahnung davon, bzw. meinte offensichtlich wirklich, dass das, was er mache, einen gewissen Sinn habe).

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Sympathisch „wirkende“ Charakterlumpen von ONG Conseil (im Auftrag von Ärzte ohne Grenzen Kanada)

 

Die jungen Leute von heute, ständig an Ihrem Gerät am „herumfingerlen“, aber unfähig, damit (in Sekundenschnelle) grundlegendste Infos zu Ihrem neuen Job zu besorgen. Ich würde mich schämen – in Grund und Boden.

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Wahlkampfveranstaltung mit Hillary Clinton: „Generation Selfie“ (oder je nachdem auch: „Generation EGO“) – kein Wunder, wenn die Welt bald untergeht

 

Spendensammelplage: Umfragen aus verschiedenen Ländern (Feb 2017/2)

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Spendensammelfirmenangestellter im Namen vom WWF

 

SCHOCKIERENDE UMFRAGEERGEBNISSE: HÄLFTE DER MENSCHEN HAT VERTRAUEN IN HILFSORGANISATIONEN VERLOREN

Anfangs Jahr (4.1.2017) war einem Online-Beitrag der meistgelesenen Schweizer Zeitung 20 Minuten eine spannende Umfrage angehängt. Die Ausgangsfrage war eher belanglos, aber die Antworten hatten es in sich: „Was ziehen Sie vor: Sachen oder Geld zu spenden?“ Mögliche Antworten: 1. „Ich will lieber ein Päckli (mit Sachen) machen. Dann weiss ich, was ich gespendet habe.“ 2. Ich spende Geld. Die Hilfswerke wissen besser, wie es sinnvoll eingesetzt werden kann. 3. „Hilfswerke sind doch eh alle korrupt.“ 4. „Ich will nur die Resultate sehen.“

Kein Scherz: „Hilfswerke sind doch eh alle korrupt.“ haben 50% angeklickt! Dabei war das Beitragsthema „Sachspenden“ nicht mal negativ ausgelegt. Kurz: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat das Vertrauen in Hilfsorganisationen verloren! Hauptverantwortlich für dieses alarmierende Ergebnis sind zweifellos die immer nervigeren Spendensammler und -sammlerinnen von kommerziellen Sammelfirmen sind, welche im Auftrag der Hilfsorganisationen auf den Strassen und vor Haustüren sammeln. Denn die Sammelnden geben sich ja fälschlicherweise als Hilfsorganisationsangestellte aus und zerstören damit die Glaubwürdigkeit des Non-Profit-Sektors. So antworteten bei einer rund ein Jahr alten Umfrage (11.11.2015) des Österreichischen Staatssenders ORF über 70% der befragten Menschen auf die Frage: „Sind zu viele Spendensammler auf Wiens Straßen unterwegs?“ mit „Ja, ich empfinde es als störend.“ (Der Rest verteilte sich in etwa gleichmässig auf „Nein, es hält sich in Grenzen.“ und „Manchmal sind zu viele nur in einer Strasse.“)

Ein noch krasseres und deutlicheres Resultat kommt schliesslich aus England, wo vor zwei Monaten gleich mehrere landesweite Zeitungen (unter anderem der Daily Express vom 1.12.2016) folgendes Umfrageergebnis publizierten: Über 60% der Engländer und Engländerinnen sagen, dass bezahlte Spendensammler und -Sammlerinnen dieser Art sie davon abbringen, der jeweiligen Hilfsorganisation zu spenden.

 

 

 

Medien ebenfalls verfilzt: Affäre Corris entwickelt sich zur Staatskrise (Feb 2017/1)

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Kommerzielle Spendeneintreiber im Auftrag von Unicef

 

CH: Skandal in Winterthur um politische Massnahmen gegen Spendensammelplage (Landbote, 4.2.2017) – AU: Zusammenarbeit mit Spendenfirmen entwickelt sich zum Bumerang für Hilfsorganisationen (Februar 2017) – DE: Interview mit Blogbetreiber als Experte in „Die Stimme“ (November 2016)

Und gleich vorweg muss ich zum wiederholten Male betonen: Eigentlich bin ich tendenzieller „Links-Wähler“. Nichtsdestotrotz erwarte ich von linken Medien, dass sie auch kritisch über linke Institutionen schreiben, wenn ein echter Missstand vorhanden ist. Und die öffentlichen Spendensammlungen durch kommerzielle Werbeagenturen können ja sicherlich als solchen bezeichnet werden. Die zwei bekanntesten Schweizer Links-Medien sind der Tages-Anzeiger und das Sozi-„Flagschiff“; die WOZ. Die WOZ hat es tatsächlich geschafft, in 20 Jahren kein einziges Mal darüber zu schreiben – ist mir von der WOZ selber bestätigt worden. Erklärung (neben der Tatsache, dass natürlich auch gigantisch viele Links-PolitikerInnen über Mandate bei Hilfswerken verfilzt sind mit Corris & Co.): Als „Unia“-Fan, der grössten Gewerkschaft der Schweiz, welche selbst mit einer Agentur zusammenarbeitet, ist die WOZ sozusagen doppelt befangen (siehe Post zum Corris-Artikel des St. Galler Magazin „Saiten“). Nun sind ja bei der Unia selbst schon seit Jahren gravierende Missstände auszumachen (siehe Beitrag vom 25.7.2016). Und letztes Jahr sind sie von der WOZ – endlich – auch benannt worden. Aber wenn das schon so lange gedauert hat, dann wird man bei der Corris-Geschichte wohl bis zum St. Nimmerleinstag warten müssen. Der Tages-Anzeiger, gewiss gemässigter als die WOZ, hat immerhin 2011 einen gelungenen Artikel zum Spendenskandal publiziert – seither sind aber nur noch mässig-kritische Beiträge über eher sekundäre heikle Aspekte der Zusammenarbeit erschienen.

Kommen wir aber generell zu den grössten Schweizer Zeitungen. Die drei meistgelesenen heissen 20 Minuten, Blick am Abend und Blick. Zum Blick habe ich ja schon einen Post gemacht (die Frau von Blick-Verleger Michael Ringier ist beim Corris-Kunden Pro Juventute im Stiftungsrat…). Wie steht es aber mit 20 Minuten, dass täglich um die 2 Millionen CH-Leser & Leserinnen erreichen soll? Also in der Print-Ausgabe kann ich mich nur an einen Beitrag erinnern: Eine Kürzest-Zusammenfassung des bisher besten Beitrages zum Thema von der Weltwoche 2013 … den man zuerst mit der Lupe suchen musste. Gibt es auch beim 20 Minuten eine Verstrickung? Natürlich: Denn 20 Minuten hat mindestens bis Anfang letzten Jahres regelmässig Inserate von Corris und den anderen Agenturen geschaltet, die ja ständig Sammelheinis suchen – die durchschnittliche Anstellungszeit von Sammelnden beträgt bei Corris lediglich drei Wochen! 20 Minuten lebt ja als Gratis-Zeitung von solchen Inseraten und sonstigen (Werbe-)Anzeigen…

Jetzt aber zum spektakulärsten Grund, bzw. das habe ich zwar geahnt, aber nicht in dem Ausmass. 2011 hat eine Bachelor-Arbeit des Studenten Thomas Schlittler von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (AHA, wirklich Interessantes kommt manchmal auch von „Nicht-Profijournalisten“) für Aufsehen gesorgt: Journalisten & Journalistinnen wählen und denken grossmehrheitlich links. Könnten sie die Zusammensetzung des Parlaments bestimmen, käme die SP auf 37,1 Prozent der Stimmen. Auch die Mitteparteien wären ganz passabel vertreten. Die SVP hingegen erhielte bloss 6,1 Prozent (gleich schlecht schneidet die Schweizerische Volkspartei übrigens auch ab, wenn man das Beamtentum, bzw. die höchsten Verantwortlichen in der Landesverwaltung unter die Lupe nimmt bzgl. derer Parteisympathien). Naja, inzwischen hat sich die Situation etwas gebessert. So ist etwa die Basler Zeitung bekanntlich seit ein paar Jahren tendenziell rechts – und hat auch schon einen informatien Beitrag zum Thema „Corris“ geliefert, erst kürzlich sogar. Doch das ist immernoch zu wenig, bzw. aus der Studie lässt sich folgern:  Wenn nicht mal neutralere Medien (die linken kann man ja sowieso vergessen) echte Missstände bei linken Institutionen aufzeigen – und das ist ja leider der Fall (sogar hier noch verstärkt, da in dieser Angelegenheit Mitte-PolitikerInnen nicht selten ebenfalls verstrickt sind) – dann schwelen diese Missstände so lange im Untergrund, bis sie „mit einem Knall“ nach oben kommen…

Für die schlimmsten Fälle von Medien-Manipulation zeichnet sich aber wieder mal Corris selbst aus. So wurde vor ein paar Jahren der, natürlich linke Journalist und Medienexperte Bernhard Bircher-Suits als Sprecher engagiert. Seither wird der Blogbetreiber nun von diesem hartnäckigst „verfolgt“. Ist bspw. jemandem aufgefallen, dass diese Aufklärungs-Site bei Google unter „Corris Kritik“ immer an letzter Stelle aufgelistet ist (wird ja spannend sein, das weiter zu verfolgen…)? Die war nämlich schon mal wesentlich weiter oben platziert. Könnte es sein, dass Herr Bircher es so „managet“, dass die anderen Links – vor allem diejenigen selbstverständlich – bei denen er selbst unwahre, bzw. beschönigende Aussagen macht, wie z.B. die Aussage im Bund-Artikel von 2014, dass eine sammelnde Person 7 – 8 neue Mitgliedschaften pro Tag findet, immer schön vor meiner Site stehen (siehe dazu meinen ersten Hintergrundbericht zum Thema)? Leider ist Herrn Bircher NOCH zu wenig bewusst, dass er die Entwicklung zu einem veritablen „Super GAU“ dadurch noch fördert, denn im Untergrund brodelt es ja so nochmal stetig heisser…

 

 

Landbote-Artikel zum Thema Corris & Co. vom 27.1.2017 + Analyse (Leserbrief des Blogbetreibers in Landbote-Printausgabe vom 4.2.2017)

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Ohne ein Schwätzchen mit einem Spenden- oder Unterschriftensammler kaum möglich: Flanieren in der Winterthurer Altstadt

 

Empfohlene Beiträge: DE: Interview mit Blogbetreiber als Experte in „Ketzer Podcast“ (November 2016) – AU: Zusammenarbeit mit Spendenfirmen entwickelt sich zum Bumerang für Hilfsorganisationen (Februar 2017)

 

In Winterthur sind schon seit einiger Zeit Bestrebungen im Gange, endlich etwas gegen die Spendensammelmafia auf den Strassen zu unternehmen (siehe Post vom 11.7.2016). Winterthur ist ja auch die einzige Grossstadt der Schweiz, wo keine linke Dominanz herrscht in der Politik. Leider sind aber auch die Mitte-Parteien mit dem NGO-Sektor verbandelt – einfach etwas weniger… 

 

WINTERTHUR: WARUM DIE FDP NICHT GEGEN SPENDENSAMMLER VORGEHEN WILL

Dass die Freisinnigen und die GLP den Vorstoss für schärfere Regeln gegen Standaktionen nicht unterstützten, stösst Ladenbetreibern in der Altstadt sauer auf

In einem Protestbrief machten Heinz Schudel (Junge Altstadt) und Peter Bosshart (Gemeinschaft Marktgasse) ihrem Ärger Luft: Warum hatten die GLP und die FDP am Montag im Gemeinderat das Postulat zur Eindämmung der Standaktionen an der Marktgasse nicht unterstützt? Insbesondere die Verkäufer, die im Auftrag von Hilfswerken auf der Gasse Passanten ansprechen, seien ein Ärgernis, findet Goldschmied Peter Bosshart.

«Es sind schlicht zu viele.» Vor seinem Geschäft am Justitiabrunnen sind an manchen Tagen bis zu drei Stände aufgebaut. Ein Vorbeikommen, ohne angesprochen zu werden, sei fast unmöglich. «Ständig hören wir Beschwerden von unseren Kunden», sagt Bosshart. «Manche sagen, sie würden die Marktgasse inzwischen regelrecht meiden und auf andere Gassen ausweichen.»

Aggressives Vorgehen

Schudel bestätigt das: «Manche dieser Verkäufer treten sehr aggressiv auf. Sie laufen Velofahrern am Graben vors Velo und zwingen sie zum absteigen. Oder sie sprechen Kunden, die ein Schaufenster betrachten von hinten an und sagen: Wenn Sie Geld für Schmuck haben, haben Sie auch Geld für hungernde Kinder.»

«Wenn Sie Geld für Schmuck haben, haben Sie auch Geld für hungernde Kinder.» 

Die Hoffnung, dass die Politik sich mit diesem Thema beschäftigen muss, hat sich mit der Nicht-Überweisung des Postulats nun fürs erste zerschlagen. Eine offene Konfrontation blieb dann aber aus. Als FDP-Fraktionspräsident Stefan Feer von dem noch nicht veröffentlichten Brief erfuhr, bemühte er sich hinter den Kulissen, die Wogen zu glätten. Daraufhin zogen die Ladenvertreter ihren Protestbrief zurück. «Wir reden lieber direkt miteinander als über die Zeitung», sagt Schudel von der Jungen Altstadt.

«Gehört in einer Stadt dazu»

Doch die Frage bleibt: Warum stimmte die FDP, die sich gerne als Schutzherrin der KMU anpreist, in diesem Fall gegen ein Anliegen aus dem Gewerbe? «Die Nutzung des öffentlichen Raums ist bereits jetzt ein hoch reglementierter Bereich», sagt Stefan Feer. Aus liberaler Sicht stehe er noch mehr Regulierung kritisch gegenüber. Aktionen im öffentlichen Raum gehörten für ihn zu einer vielfältigen und attraktiven Stadt, sagt Feer. «Wer angesprochen wird, und nicht interessiert ist, kann einfach Nein sagen.»

«Wer angesprochen wird, und nicht interessiert ist, kann einfach Nein sagen.»

Dass die FDP das Postulat nicht unterstützt habe, liege aber auch an der «breiten» Formulierung, sagt Feer. «So wie wir die Vorlage verstanden, wären auch Strassenmusiker betroffen – und möglicherweise sogar wir Parteien selbst, im Wahlkampf und bei Unterschriftensammlungen.»

Der Verfasser des Vorstosses, der frühere CVP-Gemeinderat Matthias Baumberger schüttelt den Kopf: «Das war ganz sicher nicht gemeint. Es ging um die professionellen Spendensammler. Diese hat die FDP nun geschützt, auf Kosten des lokalen Gewerbes.» Zudem sei ein Postulat nur ein grober Handlungsauftrag an den Stadtrat; diesem stehe es frei, einen präziseren Vorschlag zu formulieren.

Das Mass überschritten

«Wir freuen uns über eine belebte Altstadt», sagt Peter Bosshart. Mit Strassenmusikern oder Politikern an Infoständen gebe es zwar auch weiteren Absprachebedarf, aber weniger Probleme. Bei den Spendensammlern hingegen sei das Mass «grauenhaft» überschritten. «Zur Aura eines Geschäfts gehört auch der Platz vornedran», findet Bosshart. Das entspannte Einkaufserlebnis sei in der Altstadt akut gefährdet. «Es braucht nicht viel, bis die Kunden ausweichen», mahnt er. Zusammen mit der Jungen Altstadt versuche man nun in weiteren Diskussionen mit dem Sicherheitsdepartement Lösungen zu finden die «einer Einkaufsstrasse würdig» seien.

Und die FDP? «Einen Vorstoss, der präziser formuliert ist und kulturelle und politische Aktionen ausklammert, würden wir durchaus prüfen», sagt Feer. Beantworten müsste ihn Stadträtin Barbara Günthard-Maier, eine Parteikollegin.

Anhang zum Artikel (ebenfalls im Landboten):

Gratis-Klaviere: Die Kultur-Offensive der FDP

Dass FDP-Fraktionspräsident Stefan Feer mit Strassenmusik argumentiert, dürfte kein Zufall sein: Erst vor wenigen Tagen reichte er eine Interpellation ein, die den Stadtrat auffordert, die Idee von «Free Pianos», also im öffentlichen Raum aufgestellter Gratis-Klaviere zu prüfen, wie man dies etwa aus Berlin kennt. «An diesen Pianos kann jeder und jede BürgerIn auf einfache Art und Weise einen Beitrag zum kulturellen Leben leisten», argumentiert Feer. Sein Vorstoss ist einer von nicht weniger als sechs Vorstössen im Kulturbereich, welche die FDP im Januar lanciert hat. So wird die Stadt aufgefordert, eine gesetzliche Grundlage für die Kulturfinanzierung zu schaffen, die festschreibt, zu welchen Regeln die Stadt kulturelle Projekte finanziell unterstützt. Die Vermarktung der Kunstsammlungen soll auf ihre Wirksamkeit geprüft werden. Des weiteren wird gefordert, einen zentralen Platz als «Platz der Künste» zu definieren, wo Kulturschaffende gratis ausstellen oder auftreten können. Zudem solle Winterthur für sich eine eine Kulturmarke erarbeiten und mittelfristig sogar eine Kandidatur als Kulturhauptstadt Europas prüfen.

 

LESERBRIEF

Der WAHRE Grund, warum FDP + GLP das Postulat zur Eindämmung der Spendensammelplage abgelehnt haben

Sorry, aber der Landbote hat mit der Story über das abgelehnte Postulat zur Eindämmung der Spendensammelplage wieder mal einen Käse abgelassen. Die FDP hat doch nicht wegen der Strassenmusiker das Postulat abgelehnt, sondern aus einem ganz anderen Grund: FDP-Bundesrat Didier Burkhalter ist Botschafter von Pro Juventute. Und Pro Juventute arbeitet mit der Sammelfirma Corris zusammen (die Sammler sind ja von Corris). Das gleiche gilt für die GLP: GLP-Gründer und -Parteichef Martin Bäumle ist Präsident von Green Cross. Green Cross ist Corris-Kunde.

Kevin Brutschin

Die besten Kommentare zu Spendensammlern & -sammlerinnen auf Twitter (Jan 2017/1)

STARTSEITE   –    HAUPTSEITE

NEU: CH: Interessenkonflikte aller amtierender CH-Politiker & -Politikerinnen auf Nationalebene (Bundes-, National- & Ständerat) mit Spendenfirmen à la Corris &

CH: Die „linkste“ Schweizer Stadt: Ein Paradebeispiel für die Befangenheit der Politik bzgl. kritisierten Spendensammlungen

DE: Interview mit Blogbetreiber („Ketzer-Podcast“, 20.11.2016)

DE: Interview mit Blogbetreiber (Die Stimme, 22.11.2016)

Bildergebnis für CHARITY MUGGER

Wohltätigkeits-Strassenräuber („Charity Mugger“) in London – siehe auch neuester Beitrag aus England (27.1.2017): Unbeteiligte NGOs wenden sich immer öfter öffentlich gegen „Ch(arity) (m)uggers“

Ich habe ja schon mal für die Schweiz die schrägsten Twitter-Kommentare gepostet: Aber es hat so Gute aus Deutschland und Österreich, dass ich hier nochmal das Ganze für den gesamten deutschsprachigen Raum machen muss (inkl. Links zu verwandten Unterthemen). Wird ausserdem laufend ergänzt…

 

„Ich war 1 mal in Schwerin. Wegen Nebenjob: Spenden eintreiben für SOS Kinderdörfer. Kam 1 Rentner und hat mich geboxt. Ende der Geschichte.“

„Im Hausflur ist ein Spendensammler-Drücker unterwegs. Ich überlege, ob ich mit großem Messer in der Hand laut schreiend rausrennen soll.“

„Habe sicher schon 15 mal falsche Personalien angegeben, weil ich durch Spendensammler überrumpelt wurde.“

„Ah, die Spendensammler sind unterwegs. Ich stell mich mal tot.“

WWF-Drücker: hast du einen Moment Zeit für bedrohte Tiere? Ich: gegrillt?

Johanniter-Spendensammler schneidet mir den Weg ab. Jetzt braucht er selbst Hilfe.“

„Die Malteser-Spendensammler sind ähnlich aggressiv und konsequent wie gewisse Frauen in Hamburg St. Pauli.“

„es klingelt gerade an der Tür. Ich mach die Tür auf, seh den spendensammler und sage „tschüss“ und mach die Tür wieder zu.“

„Eben einen WWF-Drücker angefahren – aggressiver als ich eigentlich wollte. oO“

„Bin mir sicher, dass diese Strassenkeiler eine höhere Macht schickte, damit ich wen im Alltag anschreien kann ohne schlechtes Gewissen.“

„Und gleich der nächste an der Tür… Deutsches rotes Kreuz… Bademanteldress hilft beim abwimmeln!“

„Drücker abgewimmelt nur durch die Frage ob er reinkommen und onanieren will

„Hallo Schönheit, darf ich dich kurz begeistern? –  Ich bin ja nicht so, aber weil es ein Typ von DialogDirect war, hab ich nein gesagt.“

„Die Axt an der Haustür erspart das lästige aufstehen vom Sofa. Die Drücker wissen so gleich, was sie erwartet, falls sie klingeln.“

 

Weitere empfohlene Beiträge:

Der wahre Grund, warum Hilfsorganisationen mit kommerziellen Spendenwerbern zusammenarbeiten

Warum Face-to-Face Fundraising auch oft nicht funktioniert, wenn die Non-Profit-Organisationen es selbst machen

Erster Spendenfirmenmilliardär ist Realität

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausgewählte TV/Video-Medienbeiträge aus der Schweiz, Österreich & Deutschland zu immer nervigeren Strassenspendensammlungen (Dez. 2016)

NEU, Dezember 2016:

International: Mann von Hilfsorganisationskontrollstellechefin bei Caritas

CH: System Corris: Die heikelsten Verflechtungen mit Politik & Medien

DE: Spendeneinbruch: Hilfsorganisationen belügen Öffentlichkeit

AU: Heidi Horten zahlt Strassensammelaktion

 

Hauptseite-Deutsch         –         Main site-English

 

Hier mal ein paar ausgesuchte TV/Video-Medienbeiträge zur skandalösen Zusammenarbeit zwischen Hilfsorganisationen mit Haustür- und vor allem Strassenspendensammelfirmen, welche HEUTE zwei bis drei Jahresspenden(!) für sich „abzweigen“.  

 

NEU, 16.12.2016: „Effektive Bekämpfungsmethoden“ aus CH-Satireshow „Deville“ (à propos: MEINE Methoden)

Bildergebnis für lästige spendensammler

 

Einst NERVIG

Bildergebnis für caritas corris

Tele Bärn/Schweiz: „Nerviger und harter Kampf um Spenden“, 4.8.2009

 

Dann NERVIGER

 Die Monatliche/Österreich: „Spenden Abzocke auf der Fuzo in Wels“, 11.1.2012

 

Jetzt UNERTRÄGLICH

Eine Promoterin bei einem Werbegespräch in Siegen

WDR/Deutschland: „Aggressives Werben für Hilfsorganisationen in Siegen“, 23.9.2016

Spendeneinbruch bei Strassenspendensammlungen: Hilfsorganisationen belügen Öffentlichkeit!

+++ Top News +++ GB-Umfrage (1.12.2016): Bringen Sie Spendensammelnde auf den Strassen davon ab, überhaupt noch zu spenden? +++ Top News +++

  1. Dez. 2016:

<p>Mal geht es um Kinder, mal um Tiere, mal um Plastikmüll: In der Innenstadt trifft man nahezu täglich auf professionelle Werber von Agenturen, die von den Hilfsorganisationen beauftragt wurden. Die meisten von ihnen sind Studenten. <em>Bild: Sabine</em><em>Wienrich</em></p>

Christliche Hilfsorganisation „World Vision“: Was wohl der Gottes Sohn zu solchen Aktionen sagen würde?

Zu den neusten Artikeln mit mir geht’s H I E R

In den letzten drei Medienbeiträgen in Deutschland, wo ich als Experte Red und Antwort gestanden bin, hat sich vor allem eine, scheinbar „ominöse“ Feststellung meinerseits herauskristallisiert. Nämlich die Aussage, dass die Verkaufszahlen im Face-to-Face Fundraising (Haustür- und Strassenspendensammlungen) massiv zurückgegangen sind, d.h. die Aktionen kaum noch rentieren, bzw. kaum noch etwas vom Spendergeld bei den Hilfsorganisationen ankommtDie Feststellung scheint nämlich nur ominös, weil im Speziellen World Vision im betreffenden Beitrag von „Der Westen“ krasseste Falschaussagen macht: «“Grundsätzlich ist es schon deutlich schwieriger geworden, Spender zu finden, im Dialog-Marketing allerdings nicht“, erklärt Iris Manne von „World Vision“.» Ich habe ja international eigentlich schon genügend Belege für die Richtigkeit meiner Aussagen gesammelt. Mir ist aber wichtig, noch spezifische Zahlen zu Deutschland nachzuliefern (World Vision ist übrigens bei der Agentur DialogDirect von Franz Wissmann unter Vertrag). Es gibt ausserdem ein Wort für Verantwortliche, welche solch unwahrheitgemässe Aussagen machen – speziell, wenn sie im Hilfsorganisationsbereich tätig sind, wo Moral und Ethik EIGENTLICH eine viel grössere Bedeutung spielen als z.B. in der Wirtschaft oder in der Politik: Charakterlumpen.

Hier die Angaben zur Anzahl Abschlüssen von Sammelnden pro Tag, aus „Handbuch Fundraising“ von Maria Haibach, Erstveröffentlichung 1998: „…Bei der Standwerbung liegt die Zahl der Abschlüsse pro Werber pro Tag zwischen fünf bis maximal zehn… «Die Grundfrage», so Franz Wissmann, «ist, wie man die Dialoger und Dialogerinnen motiviert bekommt, intrinsisch oder extrinsisch – mit materiellen oder immateriellen Anreizen. Beides funktioniert. Ziel ist das bestmögliche Ergebnis.»…“

Und hier die Angaben aus dem „Fundraiser Magazin“-Artikel „Face-to-Face Fundraising: Mit Konzept zur Kampagne“ von Paul Stadelhofer, Ausgabe 4/2013: „…Wie eine solche Face-to-Face-Kampagne konzipiert wird, weiss Franz Wissmann… Da Studenten hierfür am meisten Flexibilität und Elan bieten, bilden sie die Mehrheit der von Franz Wissmann eingesetzten Dialoger. Bis zu 200 Kontakte hat jeder von ihnen pro Tag, sagt Franz Wissmann. «Daraus entstehen im Schnitt 50 Gespräche, 10  bis 20 ernsthafte Dialoge und zwischen 3 und 5 Spendenzusagen.»…“

Zusammengefasst: 1998 fand eine sammelnde Person im Schnitt damit ziemlich genau 7.5 Neuspendende, während es 2013 nur noch 4 waren. Meine Aussage in der WAZ, die einen noch leicht grösseren Zeitraum umfasst (d.h. die Zahlen sind sicherlich noch etwas zu dehnen): Während ein Dialoger laut Brutschin vor 20 Jahren noch rund acht Spender pro Tag anwerben konnte, seien es heute bloß noch zwei bis vier.“ kann also „nicht so unglaublich viel“ falsch sein, um es mal spasseshalber vorsichtig zu formulieren (genauer gesagt sind es bei einigen Agenturen sogar nur noch zwei bis drei).

PS: World Vision ist ja eine christliche Hilfsorganisation. Da empfiehlt sich auch ein Blick in meinen Post, was die christliche Ethik zu solchen Sammelzusammenarbeiten meint.

WAZ – Der Westenartikel mit Blogbetreiber als Kritiker zum Thema Drückerkolonnen im Auftrag von Hilfsorganisationen (Zusammenfassung, 29.11.2016)

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Freut mich, gleich zum dritten Mal nacheinander als Experte in Sachen „Hilfsorganisations-Drückerkolonnen“ (Truppen von Haustür- und Strassenspendensammelnden) in deutschen Medien meine Meinung kundtun zu dürfen. Diesmal bei der WAZ, wo es mir wichtig war, wieder auf das generelle „NO GO“; den unauflösbaren ethischen Grundkonflikt der Sammelzusammenarbeit zwischen „Non-Profits“ und „Profits“ hinzuweisen. Der ist in meinem letzten Interview mit „Die Stimme“ (Heilbronn), wo ich den Schwerpunkt eher auf den aus diesem Konflikt heraus entstehenden Transparenzverstoss (Vertuschung des kommerziellen Zwecks) gelegt hatte, ev. etwas verloren gegangen. Im Weiteren sind alle meine „Prophezeiungen“ wahr geworden: Auch in diesem Artikel weichen die Hilfsorganisationen nicht davon ab, die Öffentlichkeit weiter zu belügen mit falschen Spendenzahlen (siehe mein Interview Nr. 1 mit Ketzer Podcast) – und sorgen damit ERST RECHT für ihren eigenen Untergang.

 

DAS GESCHÄFT MIT SPENDEN: WENN AGENTUREN MIT VERDIENEN (ZS-FASSUNG) 

(von Kevin Pinnow)

Gemeinnützige Hilfsorganisationen setzen beim Spendensammeln auf Fundraising-Agenturen.

Gemeinnützige Hilfsorganisationen setzen beim Spendensammeln auf Fundraising-Agenturen

 

Gemeinnützige Organisationen und Vereine bezahlen Fundraising-Agenturen für die Spenden- und Mitgliederwerbung. Wieso? Und was kostet sie das?

„Wollen sie nicht diesem armen Mädchen aus Afrika helfen?“, wird man bekanntlich öfter beim Bummel in Einkaufsstrassen gefragt. Der emotionale Druck lässt nicht lange auf sich warten: Z.B. mit dem Zeigen schockierender Bilder von abgemagerten Mädchen. Fragwürdige Methoden – kein Wunder! Der Sammler ist von einer kommerziellen Werbeagentur und wird mit einer Mischung aus pauschalem und leistungsbasiertem Lohn dafür bezahlt.

Kritikern wie dem Schweizer Kevin Brutschin, der selbst bei mehreren Hilfsorganisationen gearbeitet und genau wegen solcher Aktionen gekündigt hat, ist dies ein Dorn im Auge. „Die Agenturen machen Profit mit Non-Profit“, sagt er. Das liesse sich ethisch nicht rechtfertigen. Ausserdem habe ein Sammler vor 20 Jahren noch rund acht Spender pro Tag anwerben können, heute seien es bloss noch zwei bis vier. Der grössere Teil der Spendensumme lande damit inzwischen bei den Agenturen, und eben gar nicht bei den Hilfsorganisationen!

World Vision dementiert: „Grundsätzlich ist es schon deutlich schwieriger geworden, Spender zu finden, im Dialog-Marketing allerdings nicht“, erklärt Iris Manne von „World Vision“. Ähnliches ist vom WWF zu hören. „Wir würden das nicht machen, wenn es dem WWF nichts bringen würde“, so Jörg Ehlers von der Umweltorganisation. „Unsere Analysen zeigen, dass uns ein so genannter Pate circa sechs Jahre die Treue hält und im Schnitt etwa 1000 Euro spendet. Die vollen Kosten auf diesen Einsatz wären dann 120 Euro, also rund zwölf Prozent.“

Originalbeitrag: http://www.waz.de/region/das-geschaeft-mit-spenden-wenn-agenturen-mit-verdienen-id12381803.html

Interview mit Blogbetreiber als Experte in „Die Stimme“ (Heilbronn/Deutschland) zum Thema Corris & Co. vom 22.11.2016

+++Top-News+++ CH (17.11.2016): Corris Stuss-Hauptverantwortliche: Simonetta Sommaruga (Basler Zeitung) ; GB (24.11.2016): Unicef & Save the children der Fahrlässigkeit beschuldigt bzgl. beauftragter Spendenfirma mit Schwerkriminellen als Haustürsammler (The Sun) +++ Top-New+++

Bildergebnis für chugger

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„VERTRAUENSMISSBRAUCH DER HILFSORGANISATIONEN“

(von Adrian Hoffmann)

INTERVIEW Sie sind wieder in der Region unterwegs: Fundraising-Mitarbeiter, die im Auftrag von Agenturen für Hilfsorganisationen an der Haustür um Spenden bitten. Kevin Brutschin, 42-jähriger Lehrer und früher selbst Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, ist entschiedener Gegner dieser Vorgehensweise.

 

Warum halten Sie von dieser Art des Spendensammelns rein gar nichts?

Kevin Brutschin: Weil diese Spendensammler meistens gar nicht von den Hilfsorganisationen selbst sind, sondern von kommerziellen Spendensammelfirmen – sogenannten Fundraising-Agenturen. Diese profitorientierten Werbeunternehmen führen die Haustür- und Straßensammlungen also lediglich im Auftrag der Non-Profit-Organisationen aus – natürlich nicht gratis – nur ist das leider  noch immer einem Teil der Bevölkerung nicht bewusst. Wie denn auch? Die Sammler, die immer öfter als Drücker bezeichnet werden – so wie die Hausierer, die einem zum Beispiel Telefonverträge aufschwatzen wollen – sind ja als Hilfsorganisationsmitarbeiter getarnt. Zum Beispiel, indem sie Kleidung mit Logos der Hilfsorganisationen tragen.

Der Spender wird hier also glasklar getäuscht. Deshalb bin ich – gerade als ehemaliger Hilfsorganisationsmitarbeiter – schockiert, dass es dieses Sammelsystem überhaupt noch gibt. Es existieren zwar schriftliche Hinweise, dass die Kampagnen von kommerziellen Agenturen durchgeführt werden. Diese sind aber absichtlich klein und versteckt angebracht, so dass sie kaum jemand sieht. Zumal die Leute bei Hilfsorganisationen ja gutgläubig reagieren, da sie meinen, sie könnten diesen vertrauen. Diesen Vertrauensmissbrauch von Seiten der Hilfsorganisationen finde in jeglicher Hinsicht inakzeptabel.

Welchen Umgang empfehlen Sie Anwohnern, wenn die Sammler mal wieder an der Haustür klingeln?

Brutschin: Ich pflege jeweils zu fragen, ob der Sammler von der Hilfsorganisation selbst ist oder von einer Agentur. Meiner Erfahrung nach sind die meisten Sammler wenigstens noch so ehrlich und geben ihre Identität preis, wenn jemand konkret danach fragt. In den allermeisten Fällen folgt also ein Ja. Dann sage ich bestimmt, dass ich nicht gewillt bin, mit meiner Spende den Gewinn einer kommerziellen Sammelfirma mitzufinanzieren, und man solle das bitte akzeptieren. Entweder der Sammler akzeptiert das also. Oder aber er versucht mich mit einer trickreichen Entgegnung doch noch in die Falle zu locken. Wie: Aber haben Sie denn kein Herz für Tiere, wenn er beispielsweise im Auftrag einer Tierschutzorganisation unterwegs ist. Emotionaler Druck.

Und wie reagiert man darauf wiederum am besten? 

Brutschin: In diesem Fall gibt es meiner Meinung nach leider keine andere Möglichkeit, als den Sammler zu ignorieren. Ebenfalls empfehlenswert ist die Frage: Sind Sie selbst auch Mitglied bei dieser Hilfsorganisation? Tatsächlich sind viele Sammler selbst nicht mal Mitglied der Organisationen, in deren Auftrag sie sammeln. Hier folgt in diesem Sinn zumeist ein Nein, womit der Sammler seine Glaubwürdigkeit einbüßt und sich die Sache in der Regel ebenfalls souverän erledigen lässt.

Sie haben selbst für „Ärzte ohne Grenzen“ und „Terre de Hommes“ gearbeitet. Läuft das da auch so wie bei DRK, Maltesern, Johannitern und Co.? 

Brutschin: Das ist von Land zu Land verschieden. Die Schweizer Sektion von Ärzte ohne Grenzen ist beispielsweise tatsächlich bei so einer Face-to-Face-Agentur, während Ärzte ohne Grenzen Deutschland die Sammelaktionen selbst macht. Ich vertrete inzwischen die Meinung, dass globale Hilfsorganisationen mit verschiedenen Ländersektionen sich schon lange gesamtheitlich von solchen Sammlungen hätten distanzieren sollen, was leider in den seltensten Fällen zutrifft. Ehrlich gesagt traue ich gerade den großen und bekannten Hilfsorganisationen am wenigsten. Es ist ja auch symptomatisch, dass gerade das Rote Kreuz und Greenpeace, also zwei der angesehensten Hilfsorganisationen, genau diejenigen waren, die als erstes mit solchen kommerziellen Haustür-  respektive Straßensammelfirmen zusammengearbeitet haben. Das ist genauer gesagt sogar das Fatale an der ganzen Entwicklung. Denn das deswegen immer mehr ramponierte Image solcher Giganten färbt zunehmend auf den gesamten Hilfsorganisationssektor ab.

Wie gehen Ihre Ex-Arbeitgeber denn damit um, dass Sie als solch aktiver Gegner dieser Vorgehensweise inzwischen auch in der Öffentlichkeit agieren?

Brutschin: Sie haben anscheinend ein Abonnement auf unangenehme Fragen. Natürlich sind diese nicht begeistert. Ich habe keinen Kontakt mehr zu meinen früheren Arbeitskollegen. Aber es blieb keine andere Möglichkeit. Ich habe mich nämlich erst an die Medien gewendet, nachdem ich bei den Hilfsorganisationen direkt einen Meinungsumschwung herbeizuführen versucht hatte – vergeblich.

Und worin liegt Ihre Motivation? 

Brutschin: Die beziehe ich aus der Empörung über das zutiefst unfaire Verhalten der Hilfsorganisationen gegenüber ihrer Spenderschaft. Gerade im Hilfsorganisationssektor sollten doch Werte wie Selbstlosigkeit oder Ehrlichkeit noch was zählen? Nur deswegen hatte ich dazumal überhaupt eine Arbeit im Non-Profit-Bereich angestrebt. Das Hauptmotiv dieser Spendenfirmen ist Profit, obwohl sie für eine Non-Profit-Organisation unterwegs sind. Das ist doch offenkundig absurd? Und der Spender kann diesen ethischen Grundkonflikt im Übrigen auch nachempfinden, denn in der Regel machen die Leute bereits nicht mit, nur allein durch das Wissen, dass sie von einem Angestellten einer profitorientierten Institution bearbeitet werden.

Genauer gesagt sind die Werber ja in diesem Sinn geradezu gezwungen, vorzutäuschen, sie seien Hilfsorganisationsleute. Mit anderen Worten: Diese Sammelzusammenarbeit geht gar nicht auf, und zwar von A bis Z nicht. Langfristig sind diese Kooperationen sogar regelrecht existenzgefährdend, denn die Non-Profit-Organisationen verspielen damit systematisch ihre Glaubwürdigkeit. Ich meine: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Früher haben viele Hilfsorganisationen diese Form der Spendenwerbung ja selbst abgelehnt, mittlerweile arbeiten sie fast alle mit sogenannten Fundraising-Dienstleistern zusammen. Wie kam es zu dieser 180-Grad-Wendung?

Brutschin: Zu diesem Thema bin ich bei meinen Recherchen gerade erst auf ein einige Jahre altes Interview mit dem Chef der Agentur Talk2move gestoßen, die vor wenigen Monaten in der Nürnberger Zeitung heftig kritisiert wurde. Dieser erzählt dort von seinen besten Tagen als Sammler – praktisch alle heutigen Spendenfirmenbosse sind ehemalige Topsammler, oder besser gesagt Profi-Manipulatoren. Das war im Jahr 1994, als der Agentur-Chef in den neuen Bundesländern sammelte. Dort gab es damals noch Ortschaften, in denen noch nie ein Sammler dieser Art gewesen ist. Da hatte man natürlich freie Bahn, zumal ja noch niemand wusste, dass hinter den Sammlungen kommerzielle Fundraising-Unternehmen stecken.

In einer Gemeinde von 2.000 Einwohnern schrieb er 1.800 auf. Man muss sich das mal vorstellen: Das heißt, neun von zehn Leuten machten damals mit. Da wird man noch trotz Trödelns auf 20 Abschlüsse pro Tag gekommen sein, beziehungsweise eher 25. Die Antwort liegt also auf der Hand. Die Hilfsorganisationen haben sich vom anfänglichen Erfolg der Sammelzusammenarbeit blenden lassen. Und sogar beide Augen zugedrückt, wenn sich Sammler Monatslöhne von 12.000 Mark einsteckten. Denn das war mit dem Leistungslohn und den erreichbaren Verkaufszahlen in früheren Jahren absolut im Bereich des Möglichen.

Haben Sie Erkenntnisse darüber, wie hoch die Provisionen für Spendensammler und beauftragter Firmen in der Regel heute sind?

Brutschin: Während in den besten Tagen dieser Sammelart wie gesagt Durchschnittswerte von 20 Abschlüssen durchaus möglich waren, gab der Inhaber der Sammelfirma DialogDirect im Fundraiser Fachmagazin für professionelle Spendensammler 2013 zu Protokoll, dass sich nur noch drei bis fünf Spendenzusagen pro Tag ergäben. Tatsächlich sind es heute nur noch zwei bis vier, genauer gesagt bei gewissen Betrieben sogar nur noch zwei bis drei – denn inzwischen sind ja auch schon wieder drei Jahre mit sinkenden Verkaufszahlen vergangen. Konkret sind sie im Vergleich zu früher sogar geradezu eingebrochen, was sich natürlich auch negativ auf die erfolgsabhängigen Sammlerlöhne auswirkt. Diese Entwicklung lässt sich weltweit beobachten lässt, sogar am anderen Ende der Welt.

So berichtete der australische Nationalsender ABC Ende Oktober von einer 60 Millionen Euro-Sammelklage von unterbezahlten Werbern gegen die dort berüchtigte Face-to-Face-Fundraisingfirma. 2014 berichtete aber auch die taz, um zu Deutschland zurückzukommen, von skandalösen Zwei-Euro-Stundenlöhnen für Sammler. Da prangern Hilfsorganisationen wie Amnesty International also beispielsweise bei den WM-Stadionarbeiten in Quatar die anscheinend an Sklavenarbeit erinnernden Arbeitsbedingungen von Bauarbeitern an, aber sehen nicht, dass die Sammler in ihren eigenen Sektoren und im eigenen Land genauso mit Hungerlöhnen abgefertigt werden.

Erst mit bundesweiter Einführung der Mindestlöhne 2015 hat sich die Situation für weniger erfolgreiche Sammler merklich verbessert, im Hilfswerkbereich hat vorher niemand einen Finger dagegen gerührt. Provisionen, dass heißt eben erfolgsabhängige Entlohnungen, wie sie immer noch in einem bestimmten Rahmen praktiziert werden, sollten generell verboten sein. Sie führen erfahrungsgemäß zu einem Wertezerfall im Fundraising: Man erbringt dann gute Leistungen wegen des erhöhten Lohnes und nicht mehr wegen der guten Sache, woraus rücksichtsloses Vorgehen beim Sammeln resultiert – heute noch verstärkt durch erhöhten Verkaufsdruck aufgrund der sinkenden Absatzzahlen. Deshalb ist auch die Mitglieder-Bleibezeit drastisch gesunken: Es gibt immer mehr Leute, die sich im Nachhinein zu einer Mitgliedschaft überredet worden fühlen, und demzufolge schon bald wieder kündigen.

Sie bezeichnen die Sammler auch gerne als Wohltätigkeits-Straßenräuber? Gehen Sie damit nicht etwas zu weit? Die Hilfsorganisationen verteidigen ihr Vorgehen auf Anfragen von Medien.

Brutschin: Ich empfinde das schon fast als Beleidigung. Ich wäre stolz, wenn diese Wortkreation von mir käme! Ich habe sie aber lediglich aus dem Englischen übersetzt. In vielen englischsprachigen Ländern werden die Sammler nämlich Chuggers genannt, zusammengesetzt aus Charity (=Wohltätigkeit) und Mugger (=Straßenräuber). In Umlauf gebracht hat die Bezeichnung außerdem der wohl renommierteste Nachrichtensender der Welt; die englische BBC, und zwar bereits 2002. Und ja, dass die Hilfsorganisationen ihr Vorgehen gegenüber den Medien verteidigen, kenne ich von der Schweiz her nur zu gut.

Besonders das Lieblingsargument der Hilfsorganisationen, dass die Sammlungen offensichtlich billiger kämen, als wenn man sie selber machen würde. Nur stimmt das leider gar nicht. Und glücklicherweise machen inzwischen die wenigen Organisationen wie Save the children Deutschland, welche erfolgreich auf Eigendurchführung der Aktionen umgestellt haben, auch keinen Hehl aus diesem Fakt. Es gibt einen ganz menschlichen Grund, warum die Hilfsorganisationen diesen Sammeldienst in Anspruch nehmen: Sie müssen den mühsamen, undankbaren Sammlerjob nämlich so nicht selber machen, ganz einfach.

Können Sie persönlich denn die jungen Leute, oft Studenten, verstehen, die von Tür zu Tür gehen und um Spenden bitten?

Brutschin: Ich kann verstehen, wenn man auf die verlockenden Angebote der Fundraising-Firmen hereinfällt. Die Spendenfirmenbosse wissen als ehemalige Topsammler ja nur zu gut, wie man Leute um den Finger wickelt. Sinnvolle Arbeit, guter Verdienst; wer sagt dazu schon Nein? Gleichzeitig meine ich aber auch: Wer diesen Job dann wirklich macht, und nach sagen wir mal spätestens drei Wochen noch nicht gemerkt hat, dass die Leute hier mindestens in einem ethischen Sinne betrogen werden, für den ist mein Mitgefühl sehr begrenzt.

Interview mit Blogbetreiber als Experte auf „Ketzer Podcast“ (Deutschland) zum Thema Corris & Co. vom 20.11.2016

Neuester Beitrag aus der CH: Hauptverantwortliche Person für den „Corris-Stuss“: Simonetta Sommaruga (Basler Zeitung, 17.11.2016)

 

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Canvasser

Chugger (Charity mugger) = Wohltätigkeits-Strassenräuber (andere deutschsprachige  Ausdrücke: Spendenclown, Drücker, Keiler, Wegelagerer)

 

Matthias: Es nähert sich wieder die Hochsaison für Spendensammler.

Was vielen Leuten nicht klar ist, ist, dass das diese Spendensammler oft gar keine ehrenamtlichen Mitglieder oder Mitarbeiter der jeweiligen Organisation sind, sondern bezahlte Spendenwerber, die für die Vermittlung der Spenden eine Provision bekommen. Diese sehen also so aus, als seien sie z.B. vom Roten Kreuz oder Amnesty International, haben oft auch entsprechende Klamotten an – sind aber in Wirklichkeit Mitarbeiter der Spendenfirma, sogenannte „Dialoger“.

Das Problem dabei ist: Wenn man bei solchen kommerziellen „Face-to-Face“-Spendenwerbern spendet, muss man davon ausgehen, dass nur ein Bruchteil der Spende bei der Hilfsorganisation ankommt – der Rest geht für die Bezahlung der Spendenwerber drauf, und natürlich auch als Gewinn an die Spendenfirmenbosse!

Mir ist das auch erst richtig klargeworden, als ich im Internet auf ein Blog aus der Schweiz gestoßen bin, dass sich kritisch mit dieser Art des Spendensammelns beschäftigt. Die Internetadresse ist kevinbrutschin.wordpress.com, man kann aber auch einfach nach „Spendenkeiler Drückerkolonnen“ googeln. Den Betreiber, Kevin Brutschin, habe ich vor dieser Sendung per Mail interviewt, und dieses Interview werden wir nun re-enacten.

(Vorabbemerkung von Kevin zur Tatsache, dass immer mehr Spendengeld an Sammelfirmen abfliesst: „Das ist in folgendem Interview aus Österreich mit mir noch etwas besser erklärt.“)

 

Bildergebnis für ketzer podcast

 

Matthias: Hallo Kevin!

Kevin: Gruezi Matthias!

Matthias: Kevin, auf Deinem Blog habe ich gesehen, dass solche „Dialoger“ in vielen englischsprachigen Ländern auch „Chuggers“ genannt werden – eine Kombination aus „Charity“ für „Wohltätigkeitsorganisation“ und „Muggers“ für „Straßenräuber“. Wie hat man sich so eine „Face-to-Face“-Spendenwerbung vorzustellen?

Kevin: Nun, wie der Name schon sagt, wird hier „von Angesicht zu Angesicht“ geworben, und zwar entweder vor Haustüren oder auf der Strasse – sicher schon gesehen.

Und da sind wir auch schon bei einem der problematischen Punkte angelangt. Hier wird ein „von Mensch zu Mensch“-Vertrauensverhältnis zwischen einer Hilfsorganisation und ihrer Spenderschaft lediglich „vorgegaukelt“. Denn der Witz ist doch: Der Hilfsorganisationsvertreter ist ja gar nicht von einer „gemein-nützigen Non-Profit-Organsation“, sondern von einer „eigen-nützigen Profit-Organisation“! Der gute Zweck ist Heuchelei. Denn das Hauptziel der Spendenfirma ist ja im Gegenteil, einen hohen Gewinn zu erzielen, und dasjenige des Sammlers, eine hohe Provision. Das wiederum fördert natürlich aufdringliches Verhalten. So kann es vorkommen, dass man sich auf ein „Nein“ provozierende Fragen anhören muss, wie: „Ja, aber findest du denn nicht, dass man hungernden Kindern in Afrika helfen sollte?“

Es geht im Übrigen um Fördermitgliedschaften, d.h. automatisch vom Konto abgezogene, regelmässig wiederkehrende Spenden. Was jedoch kaum einer weiss: Heute fliessen die ersten zwei bis drei Jahresbeiträge an die Sammelfirmen, erst danach geht das Geld an die Hilfsorganisationen.

Matthias: Du kennst Dich damit gut aus, weil Du früher selbst mit solchen Firmen zusammengearbeitet hast, habe ich gelesen?

Kevin: Das stimmt nicht ganz: Ich habe zwar im Spendensammelwesen, dem sogenannten Fundraising, gearbeitet – bei „Ärzte ohne Grenzen“ und „Terre des hommes“ – aber zu jener Zeit haben die zwei Organisationen in der Schweiz nicht mit Agenturen zusammengearbeitet.

Mich interessiert ja aber nicht nur, was in meinem kleinen „Ländli“ abgeht: Terre des hommes Deutschland hat nämlich schon vor Jahren bereits solche Dienstleistungen in Anspruch genommen. Und vor Kurzem hat sich nun auch die Schweizer Sektion von Ärzte ohne Grenzen zum Ketzertum verführen lassen, wobei ich das Wort „Ketzer“ selbstverständlich in einem ethischen Sinne gebrauche. Hier handelt es sich nämlich, im Gegensatz zum Glaubensbereich, um eine echte Pervertierung, nämlich des Sinnes von gemeinnütziger Arbeit.

Mein wachsender Ärger über diese Sammelzusammenarbeiten hat mich schliesslich vor drei Jahren dazu bewogen, an die Medien zu gehen. Vorher hatte ich noch versucht, bei verschiedensten Hilfsorganisationen direkt durch Klarmachen der Unsinnigkeit solcher Aktionen einen Stop zu erwirken – aber das erwies sich leider als vergeblich.

Mittlerweile habe ich mir einen Namen als einer der Hauptkritiker dieses Sammelsystems gemacht, und sowohl in der Schweiz, in Österreich als auch in Deutschland Medienbeiträge initiiert oder direkt daran mitgewirkt.

Matthias: Du schreibst ja, dass viele Hilfsorganisationen diese Form der Spendenwerbung früher selbst abgelehnt haben, mittlerweile aber selbst mit solchen Firmen zusammenarbeiten. Weißt Du, wie es zu diesem Sinneswandel kam?

Kevin: Ja, im Hilfsorganisationsbereich hat eine weitgehende „Kommerzialisierung“ Einzug gehalten. Dabei ist übersehen worden, dass Erkenntnisse aus der Wirtschaft nur in begrenztem Masse auf den gemeinnützigen Sektor übertragbar sind, da den beiden Sektoren ja ein unterschiedliches Wertesystem zugrundeliegt. Man kann nicht „Profit mit Non-Profit“ machen, jedenfalls nicht in zentralen Aufgabenbereichen des Non-Profit-Sektors.

Matthias: Komisch ist ja auch, dass früher – also als sich viele Hilfsorganisationen noch gegen diese Art der Spendenakquise gewandt haben, das Ganze noch relativ sinnvoll war, weil früher nur ein relativ kleiner Teil der Spenden für die Provision draufging. Und jetzt, wo der Provisionsanteil viel höher liegt, immer mehr Hilfsorganisationen mit solchen Firmen zusammenarbeiten. Eine kanadische Behörde spricht davon, dass weniger als 20% an die Hilfsorganisation fließen können, und die stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, das das DZI-Spendensiegel auch an Organisationen vergibt, die auf diese Weise Spenden sammeln, hat dieses Jahr davon abgeraten, sich auf der Straße überreden zu lassen.

Wieso hat sich denn der Provisionsanteil so erhöht?

Kevin: Vor 15 bis 20 Jahren ging es noch mehrheitlich ein bis zwei Jahre, bis die Kosten einer solchen Aktion durch Spendeneinnahmen gedeckt waren. …

Matthias [unterbricht]: Das heißt: Wenn da jemand einen Dauerauftrag unterschrieben hat, flossen also die ersten ein bis zwei Jahresbeiträge gar nicht an die Hilfsorganisation, sondern damit wurde die Provision für die Werbefirma bezahlt.

Kevin: Richtig. Da die Mitglieder aber damals im Schnitt noch deutlich länger bei der entsprechenden Hilfsorganisation blieben als heute, konnte das nichtsdestotrotz noch moderaten 20% der Gesamtspenden entsprechen.

Matthias: Also 20% wären es z.B., wenn der erste Jahresbeitrag als Provision an die Vermittlerfirma fließt, aber die Spender im Schnitt 5 Jahre lang spenden. Also nach 5 Jahren kündigen.

Kevin: Genau. Inzwischen machen aber erstens viel weniger Leute mit, dass heisst, nun muss ein Mitglied quasi die ersten zwei bis drei Jahresspenden an die Werbefirma zahlen, um die Kosten für die Werber abzudecken. Und zweitens hat die Mitglieder-Bleibezeit ebenfalls stark abgenommen.

Kurz: Die Spendeneinnahmen sind im Vergleich zu früher regelrecht eingebrochen, was sich natürlich verheerend auf das Verhältnis zu den Kosten auswirkt. Wie Du schon sagtest, können heute gut und gern 80% der Gesamtspenden an solche Agenturen gehen. Oder umgekehrt bloß noch 20% an die Hilfsorganisationen – oder sogar noch etwas weniger.

Matthias: Ist das dann nicht ein Teufelskreis? Die Spendenwerber haben ja einen Anreiz, aggressiv zu werben und möglichst hohe Spendenbeträge durchzudrücken. Du schreibst ja, dass solche Spendenwerber auf Englisch als “Chuggers” bezeichnet werden – eben eine Kombination aus “Charity” und “Muggers” – also Wohltätigkeitsorganisation und Straßenräuber. Und ich habe auch einige Berichte aus Deutschland und dem deutschsprachigen Raum gelesen, in denen über das aggressive Auftreten solcher “Dialoger” berichte wurde.

Dieses Auftreten führt natürlich dazu, dass – wie Du sagtest – immer weniger Leute bereit sind, zu spenden, was zu immer höheren Provisionsanteilen führt. Was wiederum dazu führt, dass immer höhere Spendenbeträge gefordert werden – von denen, die dann tatsächlich noch spenden. Dazu muss man dann natürlich noch aggressiver vorgehen usw.

Kevin: Ja, die „Wohltätigkeits-Strassenräuber“ sind zu immer aggressiveren Anwerbe-Methoden gezwungen, welche heute von „Passanten am Arm packen“ über „sich von hinten anschleichen und „freundschaftlich umarmen“ bis – vom WDR jüngst in einem Beitrag beschrieben – „mit anderen Sammlern zusammen eine Kette bilden, so dass die Leute nicht mehr ausweichen können“ reichen. Eben ausgelöst durch erhöhten Verkaufsdruck aufgrund abnehmender Absatzzahlen.

Matthias: Damit sind wir auch schon beim nächsten Problem, auf das Du hinweist: Dass nämlich die Provisionsquoten mittlerweile enorm hoch sind, während in den Medien immer noch die alten Quoten kolportiert werden.

Kevin: Was auch kein Wunder ist: Denn da inzwischen so schockierend viel Spendergeld an Face-to-Face Fundraisingagenturen abfliesst, haben die Organisationen Angst, die Spenderschaft damit zu erschrecken.

Es kann aber auch vorkommen, dass Journalisten einfach Quoten aus früheren Artikeln übernehmen, obwohl diese ja gar nicht mehr stimmen. Mir fällt dazu beispielsweise ein immer noch recht aktueller, übrigens sonst hervorragender Artikel der österreichischen Zeitung „Die Presse“ von Ende letztem Jahr ein, welcher den Eindruck vermittelt, dass gewisse Agenturen die Kosten immer noch auf rund eine Jahresspende herunterdrücken können. Die Lösung: Die Zahlen sind einem 10 Jahre alten Beitrag, ebenfalls von „Die Presse“, entnommen.

Noch wichtiger ist aber der Name der Agentur, welche das – wie gesagt VOR 10 JAHREN – noch geschafft hat, heute wäre dies sowieso nicht mehr möglich: Talk2Move. Diese Firma musste nur vier Jahre nach dem ersten Beitrag von „Die Presse“ von 2006 in Österreich den Laden dicht machen, beziehungsweise ist nach Deutschland geflüchtet – die Nürnberger Zeitung hat übrigens erst kürzlich einen krassen Beitrag über diese Agentur gebracht. Firmenboss Robert Hatwagner hatte nämlich, um die Kosten zu drücken, unmenschliche Regelungen in seiner Firma durchgesetzt. Beispielsweise musste das ganze Sammelteam bleiben, wenn jemand innerhalb der normalen Arbeitszeit nicht genug Leute schrieb, so dass die Sammler manchmal bis in die Nacht hinein weitersammeln mussten, bis das Soll erfüllt war. Hatwagners Übername in der Szene war sinngemäss „Der Bomber“ – ich habe übrigens einen Beitrag dazu publiziert; ist auf meinem Blog unter „Basler Zeitungs-Leserbrief“ zu finden.

Matthias: Jetzt würde ich als BWLer ja sagen: Es ist in Ordnung, für eine Dienstleistung – meinetwegen auch das Spendenwerben – zu bezahlen. Solange sich das in einem vernünftigen Rahmen hält. Du selbst hast mir geschrieben, dass dieses Konzept zuerst ja durchaus brauchbar war. Aber mittlerweile ist doch die Problematik offensichtlich, dass hier ausgerechnet im Non-Profit-Bereich erhebliche Teile der Spenden an gewinnorientierte Unternehmen fließen und damit gar nicht mehr dem eigentlichen Zweck zugutekommen. Kannst Du da noch was zu sagen?

Kevin: Ja, aber zunächst: Das ist eine sehr aufmerksame Feststellung von dir. Falls ich gesagt oder geschrieben habe, dass dieses Konzept zuerst durchaus brauchbar war, meinte ich damit, dass es rein WIRTSCHAFTLICH anfangs Sinn gemacht hat. Ethisch aber war es schon zu Beginn Unsinn. Und die ethischen Grundwerte bilden letztendlich das Fundament des gemeinnützigen Bereiches. Dass heisst: Es wäre schon am Anfang erkennbar gewesen, dass dieses System langfristig nicht funktionieren kann. Nur haben sich die Hilfsorganisationen vom anfänglichen Erfolg blenden lassen.

In Bezug auf die Sammlerlöhne: Natürlich ist ein, ausdrücklich „moderater“, beziehungsweise angepasster Fixlohn OK. Aber keine Provisionen, beziehungsweise kein leistungsabhängiger Lohn. Sobald Provisionen ins Spiel kommen, wird der Sinn der gemeinnützigen Arbeit ausgehöhlt. Denn der Zweck der Provision ist ja eine erhöhte Motivation beim Sammeln, beziehungsweise mehr Neuspender zu finden. Entweder der Sammler lässt sich „korrumpieren“ – um es mal etwas drastisch zu formulieren – dann bringt er die gute Leistung tatsächlich wegen der Provision. Oder aber er erbringt sie, weil es ihm um die gute Sache geht, eben dem gemeinen oder noch klarer dem allgemeinen Nutzen wegen. Dann braucht er aber gar keine zusätzlichen Provisionen. Sie werden ihm sogar ein schlechtes Gewissen bescheren. Er könnte sie höchstens gleich wieder spenden. Aber dann wären sie ja von Anfang an überflüssig gewesen!

Im Übrigen hat vor Kurzem eine Studie der New York University ergeben, dass beim Spendensammeln sogar kleine Provisionen die Glaubwürdigkeit schädigen – nachzulesen im Wissenschaftsmagazin „Spektrum“!

Wenn der Anteil von Face-to-face Firmen an den Spendeneinnahmen, so wie heute, sehr hoch ausfällt, wird natürlich noch viel klarer, dass es den profitorientierten Agenturen gar nicht um das Wohl der Menschen geht, sondern schlicht und einfach um möglichst viel Geld – für die eigene Tasche, wohlgemerkt.

Ist es nicht so, dass gerade die Hilfsorganisationen am meisten Kapitalismuskritik betreiben? Hier geht es ja aber gerade um solch kapitalistischen Auswüchse, und zwar nicht in einem kapitalistischen Bereich wie zum Beispiel dem Bankensektor, sondern, und das ist die eigentliche, ethische Grundproblematik, im eigenen, gemeinnützigen „NON-Profit-Bereich“ – und zwar nur, weil die Hilfsorganisationen zu bequem sind, die mühsamen Sammelaktionen selbst zu machen. Und zu arrogant, denn sonst würde man ja nicht aus Bequemlichkeit eine so zentrale Aufgabe wie das Spendensammeln auslagern. Eine Arroganz, die sehr an die Kirche im Mittelalter und deren selbst verkündeter Unfehlbarkeit erinnert, denn trotz massenhaft Kritik halten die Non-Profit-Organisationen uneinsichtig am System fest.

Matthias: Was uns zu Deiner Motivation bringt.

Kevin: Ja, ich habe ja gerade gesagt, dass mich das an die Kirche im Mittelalter erinnert. Ich fühle mich da tatsächlich ein wenig wie Martin Luther, dessen Bibelübersetzung ja just zum aktuellen 500 Jahre Reformations-Jubiläum mit viel Brimborium überarbeitet worden ist, und der gesagt haben soll: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Beziehungsweise: Ich bin zwar nicht Martin Luther, aber behaupte, genauso tödlich empört über die Missstände im heutigen Hilfsorganisationsbereich zu sein, wie er es damals über die Missstände in der mittelalterlichen Kirche gewesen sein muss. Für mich sind diese Face-to-Face Sammlungen von kommerziellen Spendenfirmen nichts anderes als eine Art „moderner Ablasshandel“. Ich bin jüngst auf der Straße mit dem plumpen Satz: „Na, heute schon die Welt gerettet?“ angehauen worden. Ich kann mich also offensichtlich – nicht so wie beim Ablass im Mittelalter – lediglich von meinen Sünden freikaufen, sondern geradezu kurz mal in den Himmel „spenden“ – oder mindestens die Welt damit retten. Diese Scheinheiligkeit finde ich einfach unerträglich.

Und ich meine: So wie die Reformation der mittelalterlichen Kirche ist auch eine tiefgreifende Reform des Hilfsorganisationsbereichs unausweichlich geworden …

Matthias: Wow, vielen Dank, Kevin! Das war dann auch gleichzeitig ein Beitrag zur Lutherdekade!

Nachtrag (Juli 2017): Siehe auch „Ketzerpodcast“-Beitrag zu meinem OUTING ALS FÜR DAS PROJEKT AUF DER STRASSE LEBEND

TOP!-Basler Zeitungartikel zum Thema Corris & Co. (Ausschnitt) vom 17.11.2016

Hauptseite (Deutsch) / English-main site

EXPONIERTESTER CORRIS-KUNDE „STIFTUNG FÜR KONSUMENTENSCHUTZ“: DOPPELMORAL

Bildergebnis für SIMONETTA SOMMARUGA SKS

Bald allein gegenüber Kritiken bzgl. Corris? Hauptverantwortliche für fatale Zusammenarbeit mit Face-to-Face Spendensammelfirmen: Simonetta Sommaruga

 

…Ebenfalls seit 2009 und noch unter Präsidentin Simonetta Sommaruga arbeitet die Stiftung zum Spendensammeln mit Corris zusammen. Das ist eine Agentur, die im Auftrag des Kunden auf der Strasse Standaktionen durchführt. Die Corris-Mitarbeiter geben sich dabei als Mitarbeiter der SKS aus. Sie sprechen Passanten an und versuchen, sie in ein Gespräch zu verwickeln, um am Ende eine Spende oder eben eine als Mitgliedschaft getarnte regelmässige Überweisung zu erhalten, möglichst im Lastschriftverfahren, um regelmässig vom Konto des Spenders Geld abheben zu können. Das Problem dabei: Das Geld der ersten zwei bis drei Spenden landet gar nicht bei der Organisation, also hier dem Konsumentenschutz, sondern bei Corris. Darüber werden aber die Passanten nicht informiert. Sie lässt man im Glauben, es mit einem Mitarbeiter des Konsumentenschutzes zu tun zu haben.

Kein Geld von der Wirtschaft

Auf Anfrage bestätigt die SKS, dass man jährlich eine Kampagne zur Gewinnung von Förderern durchführe: «Zwei bis drei Personen sind für rund sechs Wochen für die SKS auf der Strasse.» Die dafür getätigte Investition sei nach rund 18 Monaten amortisiert. «Die Spendensammler sind verpflichtet, über ihr Vertragsverhältnis zu uns transparent Auskunft zu geben», sagt Sprecher Alex von Hettlingen. Wie viel pro spendende Person denn abgeliefert werden muss – und damit gar nie beim Konsumentenschutz landet –, liess die SKS jedoch unbeantwortet.

Die Stiftung lebt wesentlich von Zahlungen von linken politischen Organisationen wie dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund, dem Mieterverband oder dem Verkehrsclub. Das Jubiläum liess man sich von den Grossverteilern finanzieren. Trotzdem betonte gestern Sprecher von Hettlingen: «Die SKS nimmt keine Gelder aus der Wirtschaft und aus der Politik entgegen.»…

Siehe auch aktualisierten Post zu Verstrickungen zwischen Politik und dem System Corris

Stop dem Spendensammel-Wahnsinn!

Lesenswerte aktuelle Beiträge (Oktober & November 2016): Australien: 65 Millionen Fr.-Sammelklage (60 Mio €) von unterbezahlten Spendenwerbenden gegen Spendenfirma & Schweiz: Was Non-Profit-Organisationen, die heute Face to Face-Sammelaktionen machen lassen, einst dazu gesagt haben & Deutschland: Grösster Übeltäter unter involvierten NPOs: Arbeiter-Samariter-Bund & Österreich: Die heikelsten Verflechtungen mit Politik (Teil 2)

 

Zu den wichtigsten Beiträgen geht’s H I E R 

(English posts, you can find H E R E)

 

David Cameron being stopped by a charity worker

Brexit-Abstimmung verloren, von Spendensammler belästigt: Es kann nicht mehr schlimmer werden (Englischer Ex-Premier David Cameron)

 

Sie sind zu einer weltweiten Seuche geworden: Spendensammeltruppen kommerzieller Sammelfirmen, die für Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, den WWF oder Amnesty International auf Strassen und vor Haustüren Mitgliedschaften anwerben (in den englischsprachigen Ländern nennt man sie „chuggers“; von charity = Wohltätigkeit und mugger = Strassenräuber, in Deutschland „Drücker“; da sie permanent emotionalen  Druck ausüben, in Österreich „Keiler“; laut Duden ein männliches Wildschwein und in der Schweiz benannte sie ein Magazin aus St. Gallen Anfang Jahr als „Wegelagerer“ – womit wir wieder bei den Strassenräubern gelandet sind).

Spendensammler für Entwicklungshilfeorganisation Oxfam (Cartoon aus England)

 

Obwohl der öffentliche Unmut inzwischen beängstigende Masse angenommen hat, halten die Hilfsorganisationen uneinsichtig und arrogant an der Zusammenarbeit fest. Dabei rentiert das Sammelsystem kaum noch, denn da immer weniger Leute mitmachen, verteuert sich die Methode ständig (bei weniger gut laufenden Aktionen geht inzwischen die erste, die zweite und auch noch ein Teil der dritten Jahresspende an die Sammelfirmen anstatt an die Hilfsorganisationen).

Spendenoverkill (Cartoon aus Deutschland)

 

Die Fundraisingagenturen versuchen zwar, die sinkenden Zusagen durch Aufschwatzen immer grösserer Spendenbeiträge wettzumachen, was aber nur dazu führt, dass die Leute dann weniger lang bei den Organisationen bleiben (so kann es vorkommen, dass 50% der neu gefundenen Spenderschaft ihre Mitgliedschaft bereits im ersten Jahr wieder kündigt): Sinnloser geht’s nicht mehr.

Charity crews are beggars for hire

New York-„chugger“: Offensichtlich noch „irrer“ als diejenigen bei uns 

 

Nicht zuletzt, da hier ja völlig ungerechtfertigt „Profit mit Non-Profit“ betrieben wird, d.h. die Sammelfirmen streichen nebst Fixlöhnen auch Gewinn ein, und verdienen sich damit eine goldene Nase.

Cathy Sullivan Bauso pictured leaving her North London home

Spendenfirmenbesitzerin mit 230’000 Fr.-Aston Martin („James Bond-Auto“) 

 

Es reicht!

Weitere empfohlene Beiträge: 16.9.2016:  Nun auch wissenschaftlich belegt: Zusammenarbeit mit  Spendensammelfirmen  schadet Glaubwürdigkeit von Hilfsorganisationen & aktualisierter Post zum aktuellen Kinohit American Honey“: Rückblick auf die Anfänge der weltweiten NGO-Drückerkolonnen-Plage

Die Spendensammelmafia: Drückerkolonnen & Spendenkeiler – die wichtigsten Beiträge

HILFSORGANISATIONEN HABEN DURCH ZUSAMMENARBEIT MIT SPENDENSAMMELFIRMEN VERTRAUEN DER SPENDERSCHAFT ZERSTÖRT

 

Spendensammler, bzw. Wohltätigkeits-Strassenräuber: „Also, die schlechten Neuigkeiten sind, dass wir so oder so ausgeraubt werden.“

 

GENERELL

Wissenschaftsmagazin „Spektrum“, 16.9.2016: Studie belegt: Zusammenarbeit mit  Spendensammelfirmen  schadet Glaubwürdigkeit von Hilfsorganisationen

Post: HEUTE gehen bis zu 80% der GESAMTEN Spenden an Spendenfirmen, welche Sammelaktion durchgeführt haben

Post: 6 dummdreiste Gierhälse führen weltweiten Hilfsorganisationssektor in Kollaps

 

SCHWEIZ

Konsumer.ch, Mai 2017: Eine Sauerei (Beitrag des Blogbetreibers)

Der Landbote, 4.2.2017: Skandal um politische Massnahmen gegen Spendensammelplage (veröffentlichter Leserbrief des Blogbetreibers)

Post „Affäre Corris“: Alle Interessenkonflikte von Bundesrat und Parlament (Januar 2017) 

Post: Das System Corris oder „Der Fall Sommaruga“: Die heikelsten Verflechtungen mit CH-Politik & Medien auf einen „Blick“ (aktualisiert 13.12.2016)

Post vom 14.10.2016: Was Non-Profit-Organisationen, die heute Face to Face-Sammelaktionen machen lassen, einst dazu gesagt haben

Post: „Die Wohltätigkeits-Strassenräuber haben ausgesammelt“ (Hintergrundbericht des Blogbetreibers)

Gemeinschaften.ch, Nov. 2014: Beitrag des Blogbetreibers, zu finden unter Basler Zeitungs-Leserbrief des Blogbetreibers

Radio RaBe, 17.10.2013: Profitdenken hinter Fassade der Hilfswerkwerbung (Beitrag mit Blogbetreiber als Experte)

Weltwoche, 6.12.2012: Fetter Profit mit „Non-Profit“ (Beitrag mit Blogbetreiber als Experte)

 

DEUTSCHLAND

Post: Hälfte der deutschen Non-Profits hält kommerzielle Haustürsammlungen für schadhaft (April 2017)

WAZ, 10.12.2016: Das Geschäft mit Spenden, 10.12.2016: Wenn Agenturen mitverdienen (Beitrag mit Blogbetreiber als Experte) plus Analyse Nr. 1 und Analyse Nr. 2

Die Stimme, 3.12.2016: „Vertrauensmissbrauch der Hilfsorganisationen“ (Interview mit Blogbetreiber)

Ketzer Podcast, 20.11.2016: Kommerzielle Spendenwerber  (Interview mit Blogbetreiber)

Grösster Übeltäter unter Face to face-Spendensammlungen machen lassenden NPOs: Arbeiter-Samariter-Bund (Post vom 1.10.2016)

Post: Deutsche Luftrettung DRF kooperiert mit in grössten Spendenbetrug Deutschlands involvierter Sammelfirma (1.9.2016)

Gemeinschaften.ch, Nov. 2014: Beitrag des Blogbetreibers, zu finden unter Basler Zeitungs-Leserbrief des Blogbetreibers mit Bezug zur Situation in Deutschland

Post: Drückerkolonnenchef verursacht grössten Spendenbetrug in der Geschichte Deutschlands (Recherche)

Post: „Drücker in Uniform“-Buchauszüge (Schilderungen eines Sammlers der ersten Stunde von den 70-er bis zu den 90-er Jahren)

 

ÖSTERREICH

KirchenZeitung, 29.3.2017: „Ich konnte diese Heuchelei nicht mehr sehen“ (Interview mit Blogbetreiber)

Post: Urstrassensammelfirma hat einst Hauptkritikpunkt bei Spendenaktionen selbst für richtig befunden

Die Tagespresse (Satire-Onlinezeitung), 20.4.2016: „Studie: Atomkraftwerke mittlerweile beliebter als Global-2000-Spendenkeiler“ (Analyse)

Gemeinschaften.ch, Nov. 2014: Beitrag des Blogbetreibers, zu finden unter Basler Zeitungs-Leserbrief des Blogbetreibers mit Bezug zur Situation in Österreich

 

SPEZIALBEITRAG

Post: 6 Schritte, um den Non-Profit-Sektor zu retten / 6 steps to save the non-profit-sector