Hilfsorganisationen leben nur noch VOM statt FÜR den guten Zweck (27.1.2016)

von Kevin Brutschin

3.2.2016: BREAKING-NEWS aus England +++ 17.12.2015: Mehr als 1000 Hilfswerkchefs & -chefinnen haben inzwischen Jahreseinkommen von über 100’000 Pfund(!!!), d.h. über +/- 130’000 Euro oder 150’000 Franken (Times) +++ 25.1.2016; ausführlicher Untersuchungsbericht des aus Parlamentsmitgliedern zs-gesetzten, gemischt-parteilichen Komitees der öffentlichen Verwaltung über  Missbräuche in Spendenbeschaffung draussen: Hilfswerkchefs als „inkompetent“ oder „bewusst wegschauend“ geschimpft (Telegraph), bis zu 2 Jahre Gefängnis für fehlbare Fundraiser gefordert (Daily mail), Gewährung letzter Chance für NGO zur Selbstregulierung (BBC) +++ 30.1.2016; erste Reaktionen der Öffentlichkeit/Medien nach neuesten, vernichtenden Enthüllungen: Gebt Geld lieber Bettlern als Hilfswerken! (Spectator)

 

Strassensammler von Spendenfirma: „Verkaufter“ Idealismus (Cartoon aus Westschweizer „La Liberté“, 22.5.2015)

Du cash contre tes idéaux

„Wie schön sie sind, meine Wale. Kommen Sie, kommen Sie und retten Sie sie!“

 

Was Insidern seit Jahren bekannt ist, wird der breiten Öffentlichkeit erst jetzt bewusst. Die Missstände im Hilfsorganisationsbereich haben ein Ausmass erreicht, dass man sich als SpenderIn SEHR ernsthaft fragen muss, ob man inzwischen mehr zu einer schlechteren als zu einer besseren Welt beiträgt. Sogar linke und hilfsorganisationsnahe Medien schreiben seit ein paar Jahren vermehrt darüber, wenn insgesamt auch noch viel zu selten und/oder zu zaghaft (aktuellere Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum: WOZ, welt-sichten und hoch-aktuell: Tages-Anzeiger zur Flüchtlingskrise, März 2016).

Und nirgendwo haben sich diese Missstände mehr akzentuiert als in der Spendenbeschaffung, bzw. im „Fundraising“ (Tages-Anzeiger, taz). Der Schweizer Ableger der sozialistischen Zeitung „vorwärts“ schrieb bereits 2011 („Kleine Geschichte der NGOs“) dazu: „…Wo anfangs AktivistInnen die notwendige Arbeit selbst und handwerklerisch verrichten, «professionalisiert» sich die Arbeit der NGO mit ihrer zunehmenden Grösse. Die Arbeitsteilung, die Anfangs noch wenig ausgeprägt ist, setzt sich durch. Es gibt Abteilungen für das Generieren neuer Mitglieder, Medienabteilungen etc. Zuletzt werden gewisse Arbeiten ausgelagert; «outsourcing» macht auch vor wohltätiger Arbeit nicht halt. Deutlich wird das in der Schweiz etwa daran, dass diejenigen, die neue Mitglieder werben, oftmals gar nicht mehr bei oder in der Organisation selbst arbeiten. Ein ganz neuer Dienstleistungsbereich hat sich entwickelt: das Fundraising. So gibt es etwa «Corris», die für beliebige Organisationen die mühsame Mitgliedersuche übernehmen – natürlich gegen Bezahlung. Und wie die innere Arbeitsteilung wächst, so wächst auch die innere Hierarchie der NGO, die Administration. Wir wissen es: die Administration erhält sich selbst und ist gleichzeitig nicht kostenlos erhältlich. Deutschland hat seine Skandale in dieser Hinsicht schon seit längerem; etwa Porsche-fahrende Chefs der Wohltätigkeit…“

Kurz: Der NGO-Sektor ist zu einer kommerzialisierten „Mitleidsindustrie“ (so heisst denn auch ein zwar ein paar Jahre altes, aber umso vielbeachteteres Buch der Journalistin Linda Polman) verkommen, die Eigeninteressen wie Lohnhöhe, Jobsicherung oder Ansehen mehr Wert beimisst als ihrem eigentlichen Auftrag. Aber um nochmal auf die zentrale Spendenbeschaffungsthematik zurückzukommen und dazu einen aktuelleren Text (13.12.2015) einer liberalen Zeitung, bzw. „Die Presse“ aus Österreich zu zitieren (denn das Phänomen wird letztendlich von links bis rechts kritisiert): „…Fundraising, also Geld für Hilfsorganisationen zu erwirtschaften, ist längst ein lukratives Geschäft… Es ist bedenklich, wenn Spenden zur Gewinnmaximierung von Sammel-Firmen verwendet werden. Es braucht oft Monate, ja Jahre, bis das Hilfswerk, für das gesammelt wurde, etwas von dem Geld sieht. So lange dauert es mitunter, bis die Kosten für die beauftragte Firma erwirtschaftet sind. Es ist sicher nicht im Sinne der Spender, den Inhaber der Fundraising-Firma reich zu machen. Da helfen auch die schönsten Qualitätsstandards des Fundraisingverbandes nichts… Die Hilfswerke kommen (ausserdem) auf diese Weise nicht nur an Spenden, sondern erlauben einer Firma, ihr positiv besetztes Logo und ihr Anliegen zu verwenden, um einen Gewinn zu erwirtschaften. Es schadet dem guten Ruf, wenn aggressive Werber, die das aus rein finanziellen Gründen tun, im Namen einer Hilfsorganisation auftreten… Das edle Gefühl der Hilfsbereitschaft, das bei uns offenbar sehr gut für Spenden nutzbar ist, sollte nicht derart ausgenützt werden. Es wäre an der Zeit, dass sich die Hilfsorganisationen Gedanken über ihr „Geschäftsmodell“ machen und hinterfragen, ob gewinnorientierte Unternehmen der richtige Partner sind…“

JA, DAS KANN MAN WOHL SAGEN. BEZIEHUNGSWEISE: DER GESAMTE HILFSWERKBEREICH MUSS GRUNDLEGEND REFORMIERT WERDEN, UND ZWAR DRINGENDST UND IM UREIGENSTEN INTERESSE.

Der die Entwicklung in England, Deutschland, Österreich und der Schweiz analysierende Hintergrundbericht findet sich HIER.

Und HIER wird gezeigt, wie die Amis mit dem Problem umgehen.