Zusammenfassung zweier „Sun“-Artikel zum Thema Corris & Co. vom 14.12.2015 (Post vom 15.3.2016)

von kevinbrutschin

Bildergebnis für studenten sammeln fürs drk wesser

Wesser-Werbeteam fürs DRK & Verantwortliche des betreffenden DRK-Kreisverbandes 

 

Ende letzten Jahres sind in England zwei hochbrisante Artikel herausgekommen (HIER und DORT), die der Autor fast übersehen hat (es gab 2015 in Grossbritannien so viele kritische Medienbeiträge zum Thema, dass man fast die Übersicht verliert). Die „Sun“ nahm sich einer Spendensammelfirma an, die in der Schweiz und Deutschland weitaus bekannter ist als in England – UND berüchtigter (jedenfalls bis jetzt): Die in erster Linie Haustürsammlungen praktizierende Firma „Wesser“. Wesser bezeichnet sich selbst als „Pionier-Agentur“ in Sachen Face-to-face Fundraising. Tatsächlich schwärmten Hausierende von Wesser bereits 1968 fürs Deutsche Rote Kreuz aus. (Wesser-Kunden in DE: Deutsches Rotes Kreuz, Die Johanniter, LBV, BUND, NABU; Kunden in CH: Schweizerisches Rotes Kreuz, Green Cross, Pro Natura, Stiftung Kinderdorf Pestalozzi). Hier also die Zusammenfassung:

 

KRANK: BOSS VON HILFSORGANISATIONS-SPENDENSAMMELFIRMA LEBT IN SAUS & BRAUS DANK SPENDERGELD VON AUSGEBEUTETEN SENIORINNEN & SENIOREN

Firmenboss Martin Wesser bei seinem Lieblingsritual (Party machen)

 

Ein Whistleblower der Firma Wesser sorgte letzten Dezember für einen weiteren NGO-Fundraisingskandal im  Britischen Königreich. Im vorliegenden Fall ging es um Wesser-Haustürsammler und -sammlerinnen für die Hilfsorganisation St John Ambulance, die Dienstleistungen im Erste Hilfe-Bereich anbietet.

A St John ambulance leaves the Royal Liverpool hospital

St John Ambulance-Krankenwagen

Der Ex-Angestellte enthüllte, dass die Agentur ihre Sammelnden systematisch alleinstehende Menschen älteren Alters anpeilen lässt, denn diese sind manipulierbarer. Oder um es deutlicher zu formulieren: Sie lassen sich eher rumkriegen! Zwar steht in den Unternehmensleitlinien, dass man unsichere ältere Leute in Ruhe lassen soll, doch „der Coach hat jedes Leitprinzip nach dem Durchgehen sogleich für nichtig erklärt“, sagt der Whistleblower. Mit dieser Zielgruppe liesse sich im Gegenteil immer recht einfach ein Scherzchen oder Spässchen machen, worauf man gut ein Gespräch aufbauen, sprich: Eine Mitgliedschaft aufschwatzen kann. St John Ambulance zeigte sich bestürzt über die Enthüllungen und stoppte den Vertrag mit Wesser unverzüglich. Auch Wesser gab sich kleinlaut und versprach, die Missstände zu beseitigen. 

Ebenso viel zu reden gab aber auch der ausschweifende Lebensstil von Firmen-Boss Martin Wesser. Dieser ist nämlich vor allem als Partytiger und „Ferientechniker“ bekannt. So darf er sich bswp. stolzer Besitzer eines 1 Mio Pfund-„Penthouse“ in Spanien nennen, inkl. Dienstpersonal (1 Mio Pfund entspricht rund 1’300’000 Euro oder ca. 1’400’000 Franken). Beste Voraussetzungen, um zu wissen, wie man seine Top-Sammler & Sammlerinnen bei der Stange hält. Erstens über den Lohn: Ein Dialoger hat zwar ein moderates, wöchentliches Fixgehalt von 400-600 Pfund ( 515-770 od. 560-850 SFr.), für besonders erfolgreiches Sammeln sind aber bis zu 900 Pfund ( 1160 € od. 1270 SFr.) zusätzlich möglich. Und zweitens durch Einquartierung der „Drückerkolonne“ (wie die Haustürsammelnden in Deutschland genannt werden) im „Manor Lodge“-Nobelhotel; mit Indoor-Pool, Sauna, Gym und Jacuzzi. Monatliche Kosten: 7500 Pfund ( 9700 od. 10’600 SFr.)!

Wesser erklärte, dass die Kosten nicht an die Hilfsorganisation weitergegeben worden wären (Kommentar: Naja, es kann schon sein, dass diese Kosten nicht der gegenwärtigen Kampagne zugeschlagen wurden. Letztlich ist aber alles Geld, mit dem Wesser herumhantiert, Spendergeld – stammt also bspw. einfach von Einnahmen voriger Aktionen).

Schliesslich deckte die „Sun“ auch noch den jeweiligen Anteil von Wesser an den Mitgliederbeiträgen für St John Ambulance auf: Die Sammelfirma erhält von den ersten zwei Jahresspenden der Mitglieder 45% und von der dritten noch 10%. Es lohnt sich allerdings, diese Angabe noch etwas genauer anzuschauen. Zufälligerweise hat der „Guardian“ nämlich das Thema am selben Tag auch noch gebracht. Dort sind die 10% im dritten Jahr aber von St John Ambulance bereits „vergessen“ worden anzugeben! Darf man i.d.S. ETWAS skeptisch sein? Ein alter SonntagsBlick-Beitrag hat nämlich nochmal komplett andere Prozentsätze für Wesser enthüllt: 61.6% der ersten Jahresbeiträge, 45% der zweiten, 28.4% von den dritten und 20% der vierten Jahresspenden! Ein „ziemlich“ grosser Unterschied, nicht? Aber es wird ja noch spannender: Da heute die Spendeneinnahmen VIEL tiefer sind als früher, widersprechen sich die „anscheinend“ früher wesentlich höheren  Prozentsätze von Wesser ja eigentlich noch viel mehr den heutigen „anscheinend“ so tiefen Prozentsätzen. Tatsächlich könnte die Sammelfirma mit den „kolportierten“ heutigen Prozentsätzen gar nicht (mehr) überleben!

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