Inwieweit ist Politik in „Affäre Corris“ verwickelt? (Post vom 13.7.2016)

von Kevin Brutschin

Bildergebnis für corris spendensammler

Corris-Spendensammler im Auftrag von Helvetas

 

Bis ungefähr Mitte der Nullerjahre war das „Corris-Spendensammelsystem“ in vielen Schweizer Städten verboten (Sonntagszeitung: „Illegales Geldsammeln für Greenpeace, WWF und Co.). Zürich beispielsweise, der als grösster Schweizer Stadt eine besondere Signalwirkung zukommt bei politischen Trends in Grossstädten, hob dieses Verbot Anfang 2005 auf (K-Tipp vom 23.3.2005: „Spenden im Abo“). Pikant dabei: Der damalige Zürcher Bürgermeister, Elmar Ledergerber, SP, der zuvor bereits im Nationalrat sass, ist heute Präsident der Entwicklungshilfeorganisation Helvetas. Helvetas ist immer wieder negativ in den Schlagzeilen. Im Speziellen, weil das Hilfswerk zweifellos das „Verfilzteste“ aller NGOs ist und ihm demzufolge auch massenhaft Bundesgelder zufliessen. (Nachtrag: Im Helvetas-Zentralvorstand sitzt neben Elmar Ledergerber bspw. noch Therese Frösch, Ex-Nationalrätin Grüne und im Helvetas-Beirat die ParlamentarierInnen Mario Fehr/SP; heute Zürcher Regierungsrat, Tiana Angelina Moser/Grünliberale, Martin Naef/SP, Kathy Riklin/CVP, Géraldine Savary/SP, Sibel Arslan/Grüne, Rosmarie Quadranti/BDP und Laurent Wehrli/FDP). Und Helvetas arbeitet eben auch mit der berüchtigten Sammelfirma Corris zusammen, und musste deswegen unter anderem 3x im Kassensturz antraben, mit jeweils höchst zweifelhaften Auftritten, wohlverstanden (ebenfalls aktualisierter Post vom 28.6.2016). Es gibt ausserdem eine spannende Vorgeschichte von Helvetas zur Zürcher Verbotsaufhebung (damals war sie noch bei der kleineren Agentur Imis unter Vertrag).

SP-Elmar Ledergerber: Auffällige Verbindungen

Das Hilfswerk und der ehemalige Stadtpräsident von Zürich blicken nämlich auf eine lange gemeinsame Zeit zurück. Der vor seinem Bürgermeisteramt im Nationalrat politisierende Ledergerber hatte in jüngeren Jahren im Auftrag des Entwicklungshilfswerks ein viele Jahre dauerndes „Hängebrückenprojekt“ in Nepal realisiert. 2012 dann, kurz vor seinem Amtsantritt als Helvetas-Präsident fusionierte die Helvetas gar mit der von ihm präsidierten NGO „Intercooperation“, die vorwiegend von staatlichen Aufträgen lebte. Die unabhängige Vereinigung von Entwicklungshilfespezialisten „IDEAS“ kritisierte damals: „Mit Intercooperation wird ein mit staatlichen Mitteln hochgebrachter Apparat an eine bevorzugte NGO verschenkt“. Helvetas erhielt also noch mehr Bundesgelder, 2014 bspw. 72 Millionen Franken(!), was ihm zum nicht wirklich ruhmreichen Titel des mit Abstand am meisten Steuergelder einheimsenden Hilfswerks verhalf. „Ein bisschen“ viele Verstrickungen. Respektiv: Sicher ein Schuft, wer hier denkt, dass der Zürcher Stapi beim Entscheid zur Aufhebung des Strassensammelverbots „ein bisschen“ nachgeholfen hat.

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