Absolutes Highlight: Twitter-Kommentare zur Spendensammelfirma Corris (Post vom 12.9.2016)

von kevinbrutschin

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Mein letzter Post (zur Abwechslung was Humorvolles zum Thema) hat mich auf den Geschmack gebracht: Die Kommentare auf Twitter sorgen nämlich auch für Nonstop-Lachsalven, habe ich gerade gemerkt – allerdings bleibt einem das Lachen auch manchmal im Halse stecken. Hier eine kleine Kostprobe, bzw. meine Lieblingskommentare gleich zuerst.

 

Bildergebnis für knackeboul helvetas

Rapper Knackeboul in Afrika für Viva con Agua, das Wasserhilfsprojekte von Helvetas unterstützt 

 

User: „Nicht dass ich es tun würde, aber meistens möchte ich mindestens die Spendensammelstände von corris abfackeln. Absolut nervige Mitarbeiter.“ Und: „Spende an keine Organisationen welche mit corris sammeln.“ Userin: „Am Bahnhof Altstetten stehen mal wieder die von Corris im Weg und sammeln penetrant Spenden. Eines Tages schrei ich so einen an.“

Mein Kommentar dazu: Ihr sprecht mir aus dem Herzen. A propos: Jetzt wird Corris-„Terrier“; bzw. Firmensprecher Peter Bircher-Suits sicher den Urhebern dieser Kommentare auf Twitter wieder mit subtilen Andeutungen von Verleumdungsklagen drohen (oder auch direkt), wenn Sie ihre Kommentare nicht löschen. Weniger Anstrengungen musste er beim Konsumentenmagazin K-Tipp anwenden. Das hat nämlich alle seine kritischen Corris-Beiträge vom Netz entfernt. Naja, Herr Bircher hat ja vorher auch dort gearbeitet… 😉

„Sozial-Rapper“ Knackebowl zu Corris-Spendensammler im Auftrag der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“: „den vierpfoten-spendensammler-student mit „ich hasse tiere“ abwimmeln.“

Mein Kommentar dazu: Also diese Promis sind  – wie schon im Post zur „Ice-Bucket-Challenge erkennbar – ganz und gar keine guten Imageträger für die Hilfswerke (genauer gesagt sind sie langfristig gesehen sogar das Gegenteil). Wie denn auch? Die allermeisten davon pflegen einen oberflächlichen, verschwenderischen und teuren High-Society-Lifestyle – gerade deshalb möchten sie ja ihrem sinnentleerten Leben etwas echte Bedeutung geben! Aber das kann ja nur hinten rausgehen (wenn schon müssten sie erst ihren Lifestyle überdenken). Im Fall von Knackebowl: Offenbar hat er nicht mitbekommen, dass dasjenige Hilfswerk, für welches er in Afrika Werbung gemacht hat; Helvetas, selbst mit Corris arbeitet! Beziehungsweise: Da macht er sich also über einen Corris-Spendensammler im Auftrag von Vier Pfoten lustig, unterstützt aber ein Hilfswerk, dass selbst mit Corris Spenden sammelt. Ein wahrlich glaubwürdiger Botschafter.

Userin nach dem verheerenden Kassensturzreport von 2013 (zu haarsträubenden Arbeitsbedingungen und falschen Lohnversprechungen bei Corris): „Wirklich erbärmlicher Auftritt von Corris. Hoffe, WWF, Helvetas u d anderen reagieren sofort…“ User @ Amnesty Schweiz & WWF Schweiz: „Eure Reaktion nach dem Bericht über Corris im Kassensturz?“ WWF Schweiz: „Vorwürfe sind neu für uns, obwohl in engem Kontakt mit Dialogern. Nehmen das sehr ernst und reden mit Corris.“ Amnesty Schweiz: „Selbstverständlich reagieren wir auf Corris. Transparent und objektiv wie immer.“ (!!!)

Mein Kommentar dazu: Das sind die geilsten Antworten überhaupt. Da haben sowohl WWF als auch Amnesty ganz „winzige“ Erinnerungslücken. Zum WWF („Vorwürfe sind neu für uns…“); SonntagsZeitungs-Leitartikel, 21.3.2004, 3. Satz: „Das Fundraising-Unternehmen (Corris) setzt seine zumeist jugendlichen Sammlerinnen und Sammler massiv unter Druck, berichten Betroffene. Wer das Sammelziel nicht erreicht, werde ohne Zögern hinausgeworfen.“ Ein interviewter Ehemaliger von Corris in der NZZ vom 21.12.2005: „Finanziell sah das Angebot von Corris sehr lukrativ aus, aber das stimmte nicht mit der Realität überein.“ Und als Krönung die Berner Zeitung vom 4.8.1999: „Der WWF trennt sich aus „ethischen Gründen“ von der Firma Corris, die bisher Mitglieder für die Umweltorganisation rekrutierte. Die Trennung wurde durch die Kündigung von zwei Temporärmitarbeitern verursacht. Der WWF wurde von der Gewerkschaft Unia über die Kündigung der beiden Rekruteure aus der Westschweiz bei Corris informiert. Corris hielt die gesetzlichen Fristen nicht ein und zahlte Spesen nicht aus.“  Noch Entlarvenderes zu Amnesty in dieser Angelegenheit („…wir reagieren … transparent und objektiv wie immer.“) findet sich übrigens in meinem Basler Zeitungs-Leserbrief (2. Teil) von 2014.

User @ Pro Juventute: „Sorry, aber die Spendengeldsammlerei von Organisationen auf der Strasse mit Corris ist nervig.“ Pro Juventute: „Hallo, das sollte nicht sein. Tut uns leid. Wann und wo war das?“ User: „Ist nicht wichtig. Aber ihr habt so viele Kooperationspartner und Sponsoren. Da brauchts die Strassen-Bettlerei sicher nicht.“ Pro Juventute: „Wir sind auf jede Spende angewiesen. Denn nur so können wir unsere Programme und Projekte möglich machen.“

Mein Kommentar dazu: Pro Juventute hat sich noch 2005 im K-Tipp öffentlich glasklar gegen solche Sammelaktionen gestellt. Nicht allzu lange später war man dann trotzdem bei Corris. Grund: Rote Zahlen (siehe Einleitung von Post „6 dummdreiste Gierhälse führen weltweiten Hilfsorganisationssektor in Kollaps“). Aber das ist es ja gerade: Jedes Hilfswerk hat auch einen (leider viel zu grossen) „Selbsterhaltungstrieb“, bzw. wenn es um die eigene Existenz geht (ich spreche lediglich von einem Hilfswerk, die Mitarbeitenden würden ja deswegen nicht sterben), werden plötzlich die grundsätzlichsten ethischen Prinzipien über Bord geworfen. Ich sage nur: Gute Nacht allerseits.

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