Grösster Übeltäter unter Face to face-Spendensammlungen machen lassenden NPOs: Arbeiter-Samariter-Bund (Post vom 1.10.2016)

von kevinbrutschin

Die vom Arbeiter Samariter Bund Ruhr beauftragten Werbebeauftragten klingeln derzeit an den Türen, weisen sich stets aus und bitten um Unterstützung. Foto: ASB Ruhr

Werber für den ASB

Die zwei hauptverantwortlichen Non-Profit-Organisationen für den grössten Skandal in der Geschichte der Hilfsorganisation, für welchen das von Agenturen betriebene Face to face-Fundraising zweifellos steht, habe ich ja schon mehrmals erwähnt: Das Rote Kreuz mit den ersten Haustürsammlungen über die Agentur „Wesser“ in Deutschland und Greenpeace mit den ersten Strassensammlungen über die Agentur „DialogDirect“ in Österreich (keine Sorge, auch die Schweiz ist mit vom Spiel; so hat die Schweizer Hilfsorganisationskontrollstelle „Zewo“ die angesprochenen Kooperationen lange gefördert anstatt sie zu bekämpfen, da der Mann der Zewo-Geschäftsführerin bei der mit einer Sammelfirma zusammenspannenden „Caritas Schweiz“ tätig ist, und die Zewo-Chefin zu allem Übel auch noch als Präsidentin des ICFO amtet; des internationalen Dachverbandes von Kontrollstellen wie Zewo, DZI oder Österreichisches Spendengütesiegel…). Dasjenige Hilfswerk jedoch, das in den letzten plus/minus 15 Jahren, mehr aber noch in den letzten drei Jahren, für auffallend viele negative Medienberichte vor allem im Bereich der Haustürgeschäfte gesorgt hat – was womöglich mit dem „Gerücht“, dass die finanzielle Basis bedroht ist, zusammenhängt (wen wundert’s?) – ist die deutsche Rettungs- und Notdienstorganisation ASB, bzw. der traditionsreiche „Arbeiter-Samariter-Bund“ (wenn wir schon dabei sind; diese Haustürsammlungen, auch wenn sie von den Organisationen selbst gemacht würden, sind eh unkontrollierbar, d.h. sie gehören abgeschafft). Ganz generell ist bei solchen Hilfswerken im Rettungsdienstbereich (ASB, Rotes Kreuz, Malteser, Johanniter) zusätzlich die Gefahr da, dass besonders dreiste Werbende damit drohen, dass man bei Nicht-Mitmachen möglicherweise bei einem Notfall nicht abgeholt wird, d.h. hier kommt neben der Täuschung auch noch die, selbstverständlich widerrechtliche „Nötigung“ hinzu – siehe konkrete ASB-Beispiele unten. Was ebenfalls schockiert: Mit welcher Unverfrorenheit ASB-Vertretende in den Beiträgen manchmal die Verantwortlichkeit auf ihre aktuellen (oder damaligen) Partnerfirmen wie „Face2Face Fundraising“, „Weinhandl“ oder die „ASP-Promotion und Marketing GmbH“ abschieben. Beim Durchlesen solcher Beiträge wird es einem schlicht schlecht. Ein ebenso grosser Skandal ist i.d.S., dass auch die deutsche Politik und Justiz solchen Kooperationen nicht schon längst den Riegel geschoben haben. Da kommt dem Insider, zu welchen sich der Blogbetreiber ja inzwischen sicher zählen darf, untrüglich der Verdacht hoch, dass hier wieder mal hochrangige Politiker oder Politikerinnen im Spiel sein könnten, welche die NGOs durch ihren Einfluss vor politischen Massnahmen zu schützen imstande sind. Kurzer Check im Internet: Aha, ASB-Präsident ist kein geringerer als der ehemalige deutsche SPD-Vizekanzler Franz Müntefering!

Müntefering wird die vakante Position des Präsidenten ausfüllen. Foto: B. Marks

ASB-Präsident: Ex-Vizekanzler Franz Müntefering

Aus dem Stern Nr. 24/2001 „Die dreisten Samariter“ (Erfahrungsbericht eines als Werber eingeschleusten Journalisten):   …Nächste Klingel. „Ja bitte?“ Mein Ausbilder Markus reagiert sofort: „Rettungsdienst, schnell mal aufmachen!“ Das wirkt immer …  „in solchen Assi-Bunkern wohnen unsere besten Kunden.“ Er schwärmt von „Goldstaub“-Omas, alleinerziehenden Müttern und Arbeitslosen. Diese Leute seien erstens die meiste Zeit zu Hause und zweitens oft zu blöd, um gleich wieder auszutreten … Vor allem aber … hätten gerade Leute, die eigentlich nichts haben, für eine gute Sache immer noch was übrig …  Zwei freundliche junge Männer von den barmherzigen Samaritern, die sich in ihrer Freizeit auch noch ehrenamtlich um neue Mitglieder kümmern. So soll es aussehen. So sieht es aus. Und selbstverständlich behaupten wir das auch … Ob Malteser oder Johanniter, Arbeiter-Samariter oder das Deutsche Rote Kreuz – alle namhaften Hilfsorganisationen nehmen für neue Mitglieder die gleichen schmutzigen Haustürtricks von Profi-Werbern in Kauf. Sie staffieren Drücker-Kolonnen mit Uniformen aus, fördern mit hohen Provisionen mafiöse Strukturen und treiben junge Leute im Namen der Wohltätigkeit in ein … (Anmerkung: … z.b. durch ständiges Zusammensein in Gemeinschaftswohnungen oder Jugendherbergen gefördertes…) Milieu aus … totalitärer Kontrolle … Die großen Hilfsorganisationen kennen diese „unerfreulichen Dinge“ genau. Sie verweisen überrumpelte Neumitglieder einfach auf das Klein- und Dünngedruckte auf der Rückseite der Beitrittserklärung (ASB), tragen sich seit Jahren mit „internen Überlegungen, diese Form der Mitgliederwerbung ganz abzuschaffen“ (Johanniter) oder schieben die Verantwortung auf die „eigenverantwortlichen Kreisverbände“ (DRK). Von „schwarzen Schafen“ ist die Rede, von „Einzelfällen“, denen sofort nachgegangen werde. Außerdem hätten die Mitglieder ja auch was davon, zum Beispiel den „weltweiten Rückholdienst“ … Oma Müller sieht nicht so aus, als könne sie sich auf ihre alten Tage noch eine Weltreise leisten. „Schon gesundheitlich nicht“, sagt sie. Noch weniger finanziell, wenn sie weiter jeden Mist unterschreibt. Aber weil sie immer gleich mit zehn Mark im Monat dabei ist, bekommt sie nun zum Rückholdienst der Johanniter und des DRK auch noch den „weltweiten Rückholdienst“ vom ASB dazu…

Aus dem Morgenweb, 17.9.2010 „Werber arbeiten mit unseriösen Methoden“ (Zusammenfassung des „Plusminus“-Beitrages im ARD vom 14.9.2010): … Der Bericht schildert, wie die Mitarbeiter… unter Druck gesetzt werden, eine bestimmte Zahl an Neumitgliedern zu gewinnen … Doch das ist nur ein Teil der Geschichte. Das Magazin berichtet weiter vom unseriösen Auftreten der Werber. Diese würden ASB-Fahrzeuge fahren, die offizielle Kleidung der Hilfs- und Wohlfahrtsorganisation tragen und sich als Mitarbeiter ausgeben – tatsächlich haben sie mit dem ASB nichts am Hut, sie verbinden ausschließlich finanzielle Interessen mit dem Unternehmen. In einer Vertriebskolonne wird den Werbern zudem ein Gesprächsleitfaden an die Hand gegeben; er enthält Lügen, um Passanten zur Mitgliedschaft zu überreden … Der ASB gibt in einer Stellungnahme zu, dass der Leitfaden „inhaltlich nicht korrekt“ sei. „Dass Mitarbeiter der Werbeagentur in Sanitäter-Kleidung auftreten, geht gar nicht“, sagt ASB-Sprecherin Christiane Geiter gegenüber unserer Zeitung…

Aus dem Teckboten, 17.5.2014 „Schwieriges Werben an der Haustür“: … Die junge Frau in der Kleidung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) marschiert geradewegs in die Hauseinfahrt hinein „…der zweitgrößte Anbieter im Bereich Notfallrettung (ist) jetzt in seiner Existenz bedroht“, behauptet sie und berichtet, dass eine ASB-Geschäftsstelle im Großraum Stuttgart bereits schließen musste …  ASB-Landesgeschäftsführer Lars-Ejnar Sterley: „Es ist nicht der Fall, dass sich der ASB in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befindet“ (Anmerkung des Blogebetreiber: Ah ja? Siehe NDR-Beitrag von Ende 2010) … Dass Druck ausgeübt wird, führen Pressestelle und Geschäftsführung darauf zurück, dass die Frauen und Männer, die von Klingel zu Klingel ziehen, keine Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bunds sind. „Wir haben externe Werbefirmen damit beauftragt“, sagt (ASB-Landesverbands-Pressesprecherin) Anika Graf. Deren Mitarbeiter würden mit ASB-Kleidung ausgestattet und vom Landesverband geschult. Ihre Arbeitgeber bezahlten sie jedoch nach Erfolgsquote. Daher stünden sie oftmals unter großem Druck.

Aus der Allgemeinen Zeitung, 27.10.2015 „Vermeintlicher Betrüger an der Haustür in Wintersheim ist tatsächlich ein ASB-Vertreter“: Irgendwie hatte Heike Bischmann ein ungutes Gefühl, als vergangene Woche ein Mann vor ihrer Tür stand, um – wie er ihr sagte – im Auftrag des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) neue Mitglieder zu werben. „Er hat regelrecht Angst geschürt“, berichtet die Wintersheimerin. Denn um sie davon zu überzeugen, direkt eine Mitgliedschaft bei der Hilfsorganisation abzuschließen, behauptete er, dass die festgelegte Hilfsfrist von Rettungsdiensten von neun Minuten in Wintersheim niemals eingehalten werden könne und deshalb Hubschraubereinsätze unerlässlich seien. Außerdem berichtete der Mann, dass in der Gemeinde drei Ersthelfer ausgebildet werden sollen, wozu dringend finanzielle Mittel benötigt würden. Beide Argumente sollten sich im Nachhinein als falsch erweisen. Der ASB-Werber allerdings war echt…

Aus der Frankfurter Neue Presse, 21.11.2015 „Drückerkolonne verpasst Kritiker eine Tracht Prügel: Sieben Monate Haft“: …Nach einer stressigen Woche wollte man in kleiner Runde Bierchen zischen. Doch bekanntlich macht Alkoholgenuss gesprächig, und so dauerte es nicht lange, bis das spätere Opfer, das zu der kleinen Gruppe von vermeintlichen Werbefachleuten erst wenige Tage zuvor zugestoßen war, als primitive Drückerkolonne bezeichnete … Auch weil ihm die Methoden der anderen drei nicht gefielen, kündigte es an, noch an diesem Wochenende abreisen zu wollen. Als sich das Opfer gegen 3 Uhr in sein Zimmer zurückzog, folgten ihm die anderen drei und verpassten ihm eine Tracht Prügel …  „Es war ein Versehen. Dafür habe ich mich entschuldigt und ihm eine neue Packung Zigaretten gegeben“, schilderte der Haupttäter. Staatsanwältin wie auch Richterin Gerlinde Kimpel nahmen dem Trio dessen Version nicht ab. Weil sie gemeinschaftlich gehandelt hatten, forderte sie sieben Monate Haft. Dem schloss sich Kimpel an, setzte die Strafe zur Bewährung aus. Der Haupttäter muss 1500, die beiden anderen jeweils 900 Euro an die Tafel Butzbach zahlen.

Zu den zwei neuesten Beiträgen zum ASB von diesem Jahr: a) Bild-Zeitung vom 20.3.2016 – siehe Zusammenfassung des Blogbetreibers vom 3.4.2016 sowie b) neu (23.9.2016) die Lübecker Nachrichten. Witzigerweise kommt die Kritik dort vom Sierksdorfer  Bürgermeister, der zugleich Vorsitzender des DRK-Ortsverbandes ist! Kommentar: Naja, in dem Fall nicht wirklich glaubwürdige Kritik, aber interessant, da sich die Rettungsdienst anbietenden Organisationen durch den aus dem öffentlichen Unmut über deren Spendensammelmethoden resultierenden, bedrohlichen Spendenrückgang nun offensichtlich gegenseitig zu zerfleischen beginnen…

Die drei Einsatzfahrzeuge des ASB-Kreisverbandes in Ludwigsburg (v.l.): Notarzteinsatzfahrzeug, Krankenwagen und Rettungswagen.

ASB-Einsatzfahrzeuge

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