Australien: 65 Millionen Fr.-Sammelklage (60 Mio €) von unterbezahlten Spendenwerbenden gegen Spendenfirma (Post vom 25.10.2016)

von kevinbrutschin

Siehe auch dazugehörigen neuen „Spezial“-Beitrag  „Zu den Löhnen der Werbenden“

Gegenwärtig ist in Australien eine Sammelklage von bis zu 8000 Spendensammelnden gegen die Face-to-Face-Agentur „Appco“ am laufen. Appco Australia gehört zur weltweit tätigen Appco Group (siehe Post vom 24.10.2016), die ihren Ursprung ebenfalls in Australien hat. Der australische TV-Sender ABC hat enthüllt, dass die sammelnden Mitarbeitenden zu 80 Stunden-Wochen gezwungen wurden und dabei im Schnitt lediglich auf einen Stundenlohn von 6 Australischen Dollar, bzw. 4.50 Fr. (oder 4.20 Euro) kamen. Das entspricht bloss einem Drittel des Mindestlohnes in Australien.

Bildergebnis für world vision uk chugger

Appco-Sammelnde (hier fürs Rote Kreuz in England)

Die Zeitung „The Australian“ schrieb im Übrigen bereits im April über unterbezahlte Angestellte einer Fundraisingfirma, konkret des auf Telefonfundraising spezialisierten Unternehmens „MonDial Telephone Fundraising“. Das trifft sich ja schrägerweise wieder mal exzellent. MonDial gehört nämlich dem Agenturnetzwerk „Generous Global Giving“ an, deren Bosse niemand anderes als die beiden DialogDirect-Leute Andreas Leitner und Robert Buchhaus (heute Boss der Firma „Face2Face Fundraising“) sind – siehe Hintergrundbericht/Anhang oder auch The Irish Mail on Sunday vom Oktober letzten Jahres. Gegründet wurde diese „Urstrassensammelfirma“ von Franz Wissmann (heute mit DialogDirect in Deutschland stationiert) und einem gewissen (Corris-Besitzer) Gerhard Friesacher 1994 in Österreich…

Appco chief executive Martin Gaffney has defended his company.

Appco Australia-CEO Martin Gaffney

Nachtrag vom 5.11.2016: Soeben hat erste australische Hilfsorganisation den Vertrag mit Appco gekündigt…    

 

Weitere Nachträge des Blogbetreibers, bzw. zu vergangenem Eingreifen oder besser gesagt „Nicht-Eingreifen“ der Justiz in Deutschland und den USA:

Situation in Deutschland (taz vom 27.4.2014): Tatsächlich hatte die taz 2014 enthüllt, dass ähnlich fragwürdige Lohnsysteme auch in Deutschland existieren (Storytitel: „Drücker für BUND und DRK: STUNDENLOHN? ZWEI EURO“). Das ist umso schockierender, da erstens laut einem im Artikel zitierten Berliner Arbeitsrechtsanwalt „hiesige Arbeitsgerichte Verträge oft für unwirksam erklären, die eine ausschließlich provisionsorientierte Bezahlung festlegen (Sittenwidrigkeit nach Paragraf 138 des Bürgerlichen Gesetzbuches).“  – Anmerkung Nr. 1: Warum ist dann nie was passiert? – und zweitens das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen; DZI, dessen Spendensiegel auch das DRK trägt, in seinen Leitlinien schreibt, dass „der erfolgsabhängige Anteil höchstens 50 Prozent der jeweiligen Vergütung beträgt.“ – Anmerkung Nr. 2: Warum ist dann nie was passiert? Erst durch die Einführung des Mindestlohnes 2015 hat sich die Situation in Deutschland für die Drücker (die hier auch mal in Schutz genommen werden sollen, obwohl sie ja selbst auch ausbeuten) verbessert. Das Sammelsystem gibt es in Deutschland aber bereits seit 1968! 

Situation in den USA (Post vom 7.2.2016): 2009 konnte DialogDirect dort nur dank einer Zahlung von 10’000 US Dollar einem Gerichtsverfahren entgehen, womit die Agentur EXTREM glimpflich davongekommen ist. Ursprünglich war nämlich vorgesehen, PRO Verstoss (es ging nicht um Löhne, sondern um das Verschweigen des Fakts beim Sammeln, dass eine kommerzielle Werbefirma hinter den Sammlungen steckt) 2’000 Dollar Busse in Rechnung zu stellen! 

 

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