DE: Erste Medienhinweise auf massive Falschangaben von Hilfsorganisationen bzgl. Kosten von ausgelagerten Spendenaktionen (März 2017/5)

von kevinbrutschin

Wohltätigkeits-Strassenräuber-News aus der Schweiz, Österreich & England

Bildergebnis für drückerkolonne talk2move

Drücker der Agentur „talk2move“ für SOS-Kinderdorf 

 

Jetzt ist wieder Deutschland dran: Nach dem brisanten DEWEZET-Beitrag von Ende Februar kommt auch die Mainpost (7.3.2017) den Manipulationen von „Spendensammelfirmen“ und auch deren Auftraggebern, den Hilfsorganisationen, immer mehr auf die Schliche. Zur Erinnerung: Soviel ich weiss hat eine NGO, namentlich der WWF in Hameln vor zwei Wochen aufgrund einer Reklamationsflut der erbosten Stadtbevölkerung ERSTMALS eine Spendenaktion ihrer Fundraisingagentur abbrechen lassen. Vorher ist mir sowas – zumindest aus Medienberichten – jedenfalls noch nie aufgefallen. Die Stadt Schweinfurt lässt jedoch nun in der Mainpost ziemlich lapidar wissen, dass man „schon mehrfach Infostände vorzeitig schliessen habe lassen“, „wenn die Marketing-Mitarbeiter zu aggressiv aufgetreten seien“ (wenn das allerdings immer mal wieder der Fall ist, darf man sich doch aber auch fragen, warum dann nicht schon lange was Konkretes unternommen wurde gegen die Sammelpest). Im Übrigen wäre eigentlich ebenso gedacht, dass sich die Sammelnden nicht von den Ständen entfernen würden, lässt die Stadt weiter ausrichten. Wenigstens wird dazu auch gleich geschrieben, dass „die Praxis meist anders aussieht“.

Das wirklich Explosive am Beitrag ist aber folgende Erwähnung: „Spitzenunternehmen erhalten bis zur Hälfte der Spenden“. Aha, das ist aber schon viel näher bei der Realität, als die, selbstverständlich kreuzfalschen, Angaben vom WWF (12 Prozent der Spendeneinnahmen würden an die Agenturen gehen) im WAZ-Artikel von Ende letzten Jahres, wo ich selbst auf die nicht wahrheitsgetreuen Aussagen von Hilfsorganisationen bzgl. der stark rückläufigen Spendenquoten hingewiesen habe (tatsächlich können es heute sogar bis zu 80 Prozent sein). Am Schluss wird dann wieder mal auf das „Spenden-TÜV“ DZI, bzw. das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen aufmerksam gemacht, dass ja das anscheinend Vertrauenswürdigkeit attestierende „Spendensiegel“ ausstellt. In den DZI-Leitlinien steht: „Wenn PR-Agenturen eingesetzt werden, die Personen direkt ansprechen, „informiert der Dienstleister beim ersten Kontakt über das Auftragsverhältnis“. Für die Mainpost heisst das: „Also nicht erst auf Nachfrage (der auf der Strasse Angesprochenen).“ Schön wär’s. Genau das wird ja aber nicht gemacht! Aber auch wenn es GENAUESTENS in den Leitlinien stehen würde; dem DZI kann man eh nicht trauen, sonst hätte es ja ebenfalls schon längst etwas unternommen gegen die Wohltätigkeits-Strassenräuber. Bezeichnenderweise betitelte der ehemalige DZI-Leiter Lutz Worch die „Drücker“ (so werden die Sammelnden in Deutschland genannt, da sie die Leute permanent manipulativ unter Druck setzen) 1997 in der Welt sogar mit „Pest“, was ich schon mehrmals erwähnt habe. Ein derartiger Kraftausdruck kann aber doch nur bedeuten, dass das DZI solche Aktionen schlicht nicht tolerieren dürfte, oder etwa nicht? Tut es aber, hat es immer getan, und wird es auch immer tun … bis es „halt“ knallt – dann aber auch richtig!

Nachtrag Mai 2017: Bin da grad über was gestolpert, dass gut zu diesem Artikel passt: Das DZI hat sogar schon mal in einem Beitrag 100% klargemacht, dass auch es ein mündliches Klarmachen des Auftragsverhältnisses durch die Sammler einfordert. Und zwar steht das im Beitrag des NDR über Hilfsorganisations-Drückerkolonnen („Miese Tricks: Mitgliederfang bei DRK & Co.“, 21.8.2012): „Dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI)  reicht der schriftliche Hinweis auf dem Mitgliederantrag allein nicht. Das Institut vergibt das DZI Spenden-Siegel. Wer das hat darf nicht täuschen. Die Profi-Werber müssen an der Haustür genau angeben, wer sie beauftragt hat. Sie müssen also sagen, dass sie beauftragte Werber sind und dürfen nicht den Eindruck erwecken ehrenamtlich zu arbeiten.“ 

 

 

 

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