„Konzern der Menschlichkeit: Die Geschäfte des Roten Kreuzes“-Buchauszug über kommerzielle Spendensammlungen („Drückerkolonnen“)

von kevinbrutschin

Juni 2017/1

HAUPTSEITE     –     DIE WICHTIGSTEN BEITRÄGE

+++News+++ Lese-Tipp des Autors (mal was „aus dem Bauch“ Herausgeschriebenes): Campusmagazin „mediazine“, 1. Juni 2017: Dialoger – Die Rattenfänger der Gemeinnützigkeit +++News+++

 

Spätestens seit der Jahrtausendwende, bzw. zwischen 1999 und 2000, hätte ALLEN Hilfsorganisationsmitarbeitenden in Deutschland und mindestens allen Hilfsorganisationsverantwortlichen in der Schweiz und in Österreich GLASKLAR sein müssen, dass die Zusammenarbeit von Non-Profit-Organisationen mit kommerziellen „Face-to-Face“-Spendensammelfirmen langfristig in einer Katastrophe enden würde. Damals hatte das Buch Drücker in Uniform eine regelrechte Atombombe in Deutschland ausgelöst mit zahlreichen Folgebeiträgen in relevanten Medien (z.B. „Die dreisten Samariter“ im Stern). Allen deutschen Rotes Kreuz-Mitarbeitenden und -Verantwortlichen in CH & AU – wobei das Rote Kreuz die 1. Organisation gewesen ist, die auf Haustür-Fundraisingagenturen gesetzt hatte (1995 wurde das System dann auf die Strasse adaptiert) – hätte dies aber schon 15 Jahre vor der Jahrtausendwende klar sein müssen! 1984 ist nämlich bereits ein Buch von Gerhard Müller-Werthmann erschienen, dass auch schon für ziemlich Stunk gesorgt hat.

Heute liegt im NPO-Sektor sogar nicht nur eine Katatrophe, sondern ein Super GAU in der Luft. Dies, weil die NPOs die zahlreichen Kritiken während all der Jahre nicht nur ignoriert, sondern ihr ganzes Netzwerk aktiviert haben, um (selbstverständlich vergeblich) eine öffentliche Akzeptanz von Hilfswerk-Drückerkolonnen herbeizuführen, Stichwort „Lobbying“. So wusste „Der Spiegel“ zehn Jahre nach Erscheinung des 1. Buches bswp. im Zusammenhang mit der NPO-Kontrollstelle DZI und dessen Spenden-Siegel Folgendes zu berichten: „Das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) gehört zum Trägerkreis des Deutschen Zentralinstitutes für soziale Fragen (DZI), einer Art Spenden-TÜV … Vor allem die grossen Organisationen wehrten sich jahrelang gegen das Spenden-Siegel. Zwar unterschrieben die Wohltätigkeitsmultis schliesslich 1991 die DZI-Richtlinien. Doch sie versuchen seither, die Kriterien zu verwässern. So sorgten sie im Dezember (1993) dafür, dass unseriöse Haustürwerbung durch bezahlte Drückerkolonnen in den Leitlinien nicht mehr grundsätzlich geächtet werden soll.“ Die Schweizer Kontrollstelle „Zewo“ ist im Übrigen noch der grössere Witz: Der Mann der Zewo-Chefin ist in der Geschäftsleitung der Schweizer Sektion der Caritas, die Face-to-Face Sammlungen von der berüchtigten Corris AG durchführen lässt. Und hinter dem „Österreichischen Spendengütesiegel“ wiederum steht unter anderem der Fundraising Verband Austria. Dort im Vorstand: Ein gewisser Robert Buchhaus, eine der Hauptfiguren von DialogDirect, der 1. und berüchtigsten „Street Fundraising“-Agentur weltweit, der auch heute noch mit seiner ganz eigenen Agentur „Face2Face Fundraising“ die Nerven der Leute in Österreich und Deutschland strapaziert…   

 

KONZERN DER MENSCHLICHKEIT: DIE GESCHÄFTE DES ROTEN KREUZES

(von Gerhard Müller-Werthmann)

Vorwort des Autors
Es ist einfach, über das Rote Kreuz zu berichten.
Es ist einfach, von guten Taten zu erzählen.
Es ist willkommen, wenn zudem Spendenaufrufe veröffentlicht werden. Und es lässt sich in der Tat viel Schönes berichten über eine der grössten deutschen Hilfsorganisationen mit langer Geschichte.
Es ist sehr schwierig, über das Rote Kreuz zu berichten, wenn man sein Interesse auf die andere, die nüchterne Seite des humanitären Alltags lenkt. Wie lässt sich das vereinbaren? Nächstenliebe und Geschäft?
Wenn in diesem Buch von „Geschäften“ gesprochen wird, meint dies nicht als Unterstellung die Gewinn- oder Profitsucht des Vereins oder seiner Funktionäre.
Der „Konzern der Menschlichkeit“ ist heute ein sozialer Dienstleistungsbetrieb, der sich auf einem Markt bewegt, der Milliarden-Umsätze meldet. Und es gelten die Marktgesetze. Da gibt es knallharte Konkurrenz und Kalkulationen.
Es ist einfach, über das Rote Kreuz zu berichten, wenn man diese geschäftliche Seite einfach ausblendet. Dies ist oft genug geschehen. Die Literatur über das Rote Kreuz beschränkt sich auf positiv-verklärte Beschreibungen von der Front der Menschlichkeit und über die Nächstenliebe in dieser Welt.
Wenn man so will, sorgt dieses Buch für die Ausgewogenheit der Informationen. Es ist ein einseitiges Buch, mit dem bewusst ein Tabu gebrochen werden soll. Über den Apparat, über das Management wird gesprochen, ebenso wie über die Frage der Abrechnung von sozialer Arbeit heute.
Im perfekt verwalteten Apparat des Deutschen Roten Kreuzes selbst aber weiss man um die Konflikte und die Probleme, die sich aus der Entwicklung vom Hilfsverein zum Wohlfahrtskonzern ergeben haben.
Von den Inhalten sozialer Arbeit ist kaum noch die Rede, von der Verwaltung der Not und ihrer Finanzierung umso mehr. Während die grossen Wohlfahrtsverbände immer dann, wenn es um Zuschüsse von öffentlichen Kassen geht, auch schon mal einen erbitterten Konkurrenzkampf austragen, haben sie sich in einem zentralen Punkt zur grossen Koalition des Schweigens verbündet. Es geht um Geld.
Warum eigentlich wird hier so viel verschleiert? Warum eigentlich wird nicht mit offenen Karten gespielt und der Öffentlichkeit gesagt, dass alle Wohlfahrtsverbände zu Selbstbedienungsläden des Sozialstaates geworden sind, zu „Kostgängern“ im eigenen Marktinteresse?
Dieses Buch will die Auseinandersetzung provozieren und nicht wissenschaftlich-verbrämt analysieren. Und die Auseinandersetzung kann nicht nur im Deutschen Roten Kreuz selbst stattfinden. Die Politiker, die Sozialpolitiker, sind aufgefordert, sich Gedanken zu machen über andere, neue Perspektiven der sozialstaatlichen Entwicklung. Und dennoch richtet sich die Aufforderung zur Auseinandersetzung und Diskussion vor allem an die Mitarbeiter, Helfer und Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes. Denn das Deutsche Rote Kreuz ist viel zu wichtig, als dass es zu einem sozialen Dienstleistungskonzern mit Abrechnung, Kalkulation und bestens organisiertem Management verkommt.
Sozialpolitik und Sozialarbeit, das bedeutet heute sehr viel mehr als ausschliesslich über die „Finanzierbarkeit“ zu reden. Ganz besonders die Sozialpolitik und die alltägliche Arbeit der freien Wohlfahrtsverbände – und zu den grössten gehört das Deutsche Rote Kreuz – müssen möglichst unabhängig die Interessen derer vertreten, um die es geht: die Schwachen, die Armen, die Kranken, die Alten, die Behinderten, die gefährdeten Jugendlichen und all diejenigen, die irgendwo mehr oder weniger anonym im sozialen Netz hängen, ohne dass man sich wirklich ausreichend um sie kümmert. Denn finanzielle Wohltaten allein machen noch keine qualifizierte Sozialpolitik. Inwieweit das Deutsche Rote Kreuz, das eine wichtige Rolle im Konzert der Wohlfahrtskonzerne spielt, dazu heute überhaupt noch in der Lage ist, inwieweit nicht eine dringende Reform der Rot-Kreuz-Organisation notwendig ist, dafür soll dieses Buch Diskussionstoff und, wie gesagt, Provokationen liefern. Es soll aber auch sachliche Informationen vermitteln, die bisher weitgehend unbekannt geblieben sind, weil sie nach dem Willen des Deutschen Roten Kreuzes unbekannt bleiben sollten.

 

Kapitel „Die Klinkenputzer, oder: Werbemethoden“
Das Image der Samariter zeigt Wirkung. Tag für Tag sind Männer und Frauen in Rot-Kreuz-Uniformen unterwegs, gehen von Tür zu Tür und erzählen von guten Taten. Sie erzählen, dass das Deutsche Rote Kreuz von Spenden lebt und dass doch jeder die Hilfsorganisation einmal brauchen könnte.
Die Masche zieht, kaum jemand verweigert sich. Schliesslich hat das Rote Kreuz einen guten Ruf als seriöse, glaubwürdige Organisation. Und 50 bis 60 Mark jährlich kann fast jeder heute entbehren, zumal der Zweck ja gemeinnützig und der Beitrag steuerabzugsfähig ist. Mitglieder werden geworben, nicht ehrenamtliche aktive Helfer, sondern Förderer, die im Grunde nichts anderes sind als Dauerspender. Denn ein Mitspracherecht im demokratischen Verein haben sie nicht, die privaten Zahlmeister.
Mitgliederwerbung ist ein Massenbetrieb. Fast vier Millionen sind es, davon nur knapp 10 Prozent Aktive, der Rest – über 3,5 Millionen – beschränkt sich auf die einmalige Unterschrift unter die Einzugsermächtigung. Bargeldlos funktioniert dies. Die „gute Tat“ ist damit getan.
Doch kaum jemand, der an der Haustür zum Eintritt in den Verein überredet worden ist, ahnt, dass die netten Menschen in der Uniform, dem einstigen Ehrenkleid der Samariter, mit dem Roten Kreuz selbst nur wenig im Sinn haben. In der Regel sind es freie Handelsvertreter, gelernt und ungelernt, deren Job es ist, gleichsam im Akkord Mitglieder zu werben. Kopfgeld gibt es!
Und vom Deutschen Roten Kreuz direkt kommen sie auch nicht. Nur die Uniformen werden gestellt, und einen Pro-forma-Mitgliedsausweis haben die Werbeprofis selbstverständlich in der Tasche.
Die Klinkenputzer arbeiten für Werbefirmen, die Verträge mit den Rot-Kreuz-Verbänden haben. Die Firmen kassieren Provisionen, die Vertreter bekommen pro „Schein“, d.h. für jede Unterschrift eines neuen Mitglieds, ihren Anteil. Die Werbung im Akkord hat Erfolg. In den letzten 15 Jahren hat das Deutsche Rote Kreuz seine Mitgliedschaft verdoppelt. Die Statistiken machen sich gut in den Rechenschaftsberichten, nur über die Methoden dieser Werbung wird still geschwiegen.
Weil die Verteter „pro Kopf“ bezahlt werden, kann für sie nur eine hohe Erfolgsquote für die richtige Höhe des Honorars sorgen. Und deswegen kommt es auch immer wieder vor, dass an den Haustüren Märchen erzählt werden. Es lässt sich nicht feststellen, wie viele Menschen nach diesem Vertreterbesuch ernsthaft glauben, dass ihnen als Rot-Kreuz-Mitglieder der Krankentransport kostenlos zur Verfügung steht, wenn es denn einmal sein muss. Wie vielen Menschen wurde eingeredet, dass sie im Alter als Mitglied vom Roten Kreuz liebevoll gepflegt und betreut werden? Ganz bewusst wird die Angst, die eigene Betroffenheit der Menschen geschürt. Mit allgemeinen Appellen an die humanitären Ideale ist kaum noch etwas zu holen. Früher einmal haben die ehrenamtlichen Mitglieder selbst dafür gesorgt, dass mehr und mehr Menschen sich dem Roten Kreuz angeschlossen haben. Von Haus zu Haus, in der Nachbarschaft, bei Freunden wurde für die Idee geworben, doch mitzumachen im Verein der Menschlichkeit. Heute regiert allein der Umsatz, heute wird mit dem Deutschen Roten Kreuz ein Geschäft gemacht. Die Werber haben ihre Lektion gut gelernt. Sie erzählen von guten Taten und davon, dass das Rote Kreuz von Spenden und Mitgliedsbeiträgen lebt…
Die Firma Schmidt in Frankfurt jedenfalls lebt nicht schlecht vom Geschäft mit den Mitgliedern. Rund 360’000 Rot-Kreuz-Mitglieder werden von diesem Familienbetrieb „betreut“. Eine Filiale in Düsseldorf hilft mit, den Umsatz Jahr für Jahr zu vergrössern. Die Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes greifen gern zu, wenn die Firma Schmidt ihnen ein Angebot macht. Der Betrieb übernimmt die Werbung und, das ist eine Frage von Preis und Provision, auch die „Betreuung“ der Mitglieder in einer Kartei bzw. elektronischen Datenbank. Die Firma ist es, die ein eigenes Rot-Kreuz-Konto führt. Dieses spezielle Konto taucht im amtlichen Kontenplan des DRK nicht auf. Herr Schmidt allein hat die endgültige Kontrolle, er rechnet ab, und alles, was übrig bleibt nach Abzug der vertraglich vereinbarten Provisionen, bekommt das Deutsche Rote Kreuz.
Zwischen 60 Prozent und 70 Prozent des ersten Jahresbeitrages des neuen Mitgliedes behält die Firma ein. Auch im zweiten Jahr ist Herr Schmidt immer noch mit rund 50 Prozent dabei. Und für die fortlaufende „Betreuung“ der Mitgliederkartei ist dann jeweils auch noch einmal eine prozentuale Beteiligung ausgehandelt.
Den DRK-Funktionären scheint dieses Geschäft recht zu sein. Zwar gibt es ab und zu Schwierigkeiten, wenn aus der Bevölkerung Beschwerden kommen über allzu massives und törichtes Auftreten der Werber. Aber die Masse macht’s und lässt Superprovisionen reell erscheinen.
Nicht unbedeutend ist in diesem Zusammenhang, dass es zwischen den Verantwortlichen in den DRK-Kreisverbänden einen spannenden Wettbewerb gibt. Die Preisfrage lautet: Wer hat in seiner Stadt, in seinem Kreis den höchsten Prozentsatz an Mitgliedern im Verhältnis zur Einwohnerzahl? In Offenbach beispielsweise sind rund 10 Prozent der Einwohner Mitglieder im Roten Kreuz. In Frankfurt sind es weniger, aber 10 Prozent mindestens will man auch dort schaffen – die Firma Schmidt wird es schon einrichten. Und der Chef des Betriebes, Günther Schmidt, trichtert seinen Leuten ein, nicht nur alte Menschen zu werben, obwohl es b ei denen besonders schnell und einfach geht. Aber die Alten lohnen sich nicht – wegen der „Haltbarkeit“, wie es im Geschäftsjargon heisst. Es ist schon schwierig, den Mitgliederbestand von ein paar Millionen zu halten, die Alten sterben weg, und die Jungen ziehen nicht so mit, wie man es sich wünscht. Da müssen schon Profis an die Arbeit, Profis, denen ein guter Verdienst an der guten Sache garantiert ist. Ein Job wie jeder andere?
Ein Job jedenfalls, der sich lohnt. Dem Gruppenführer der Werbekolonne winkt, falls er gute Arbeit abgeliefert hat, am Jahresende schon mal ein Sonderbonus von 10’000 Mark und mehr.
Günther Schmidt versteht es zudem prächtig, seine Geschäftstüchtigkeit mit ehrenamtlichem Engagement zu vereinbaren. Er arbeitet im Vorstand des Frankfurter Roten Kreuzes mit…
Und es ist wohl kein Zufall, dass gerade das Deutsche Rote Kreuz in Frankfurt jahrelang ein undurchsichtiges Spiel mit den Mitgliedsbeiträgen getrieben hat. Bis vor kurzem gab es beim Deutschen Roten Kreuz keine ordentliche Buchführung, d.h. es gab keine kaufmännische Bilanz mit der völligen Offenlegung und Abrechnung des Vermögens.
Es gab allerdings einen besonderen Trick: Der Vorstand hatte schon vor vielen Jahren beschlossen, die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen zum „Sondervermögen“ zu erklären. Auskünfte darüber wurden nicht erteilt, Vertraulichkeit oder besser: Geheimniskrämerei war vereinbart. Selbst die „mitbestimmungsberechtigten“ aktiven Mitglieder – die Mitgliederversammlung ist das höchste Organ eines Vereins – haben nie etwas von dem heimlichen Sonder-Etat erfahren. Das Rote Kreuz in Frankfurt wollte verschweigen, dass pro Jahr etwa eine Million Mark, mal weniger und später immer mehr, von Mitgliedern eingezahlt wurden. Millionen sind nie in den offiziellen Rechenschaftsberichten aufgetaucht. In der Öffentlichkeit aber wurde schon lange darüber spekuliert, dass das Deutsche Rote Kreuz in Frankfurt Reichtümer anhäuft. Erst 1982 wurde der Kreisverband, der mit Millionen handelte und Millionenumsätze erzielte und nur eine schlampige Buchführung kannte, von höheren Dienststellen des Deutschen Roten Kreuzes gezwungen, eine ordentliche Bilanz vorzulegen. Und damit kam einiges heraus.
Es wurde öffentlich, dass 1982 von etwa 1,4 Millionen Mark Mitgliedsbeiträgen über 500’000 Mark für die „Zentrale Mitgliederbetreuung“ ausgegeben wurden. „Zentrale Mitgliederbetreuung“, kurz „ZMB“ genannt, dahinter verbirgt sich niemand anders als die Firma Schmidt. Erinnern wir uns kurz daran, was den „Opfern“ der Werber an der Haustür erzählt wird: Das Rote Kreuz lebt von Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Die humanitären Aufgaben und Verpflichtungen kosten viel Geld, die sozialen Dienste müssen finanziert werden…
Und noch etwas kam heraus: Jahrelang wurde aus dem „schwarzen Geld“, das nie in den ordentlichen Bilanzen auftauchte, ein stattliches Vermögen angesammelt. Neben Festgeldern hat man vor allem in Wertpapiere investiert. 2,9 Millionen Mark waren das zuletzt.
Die ordentlichen Bilanzen dagegen wiesen stets beeindruckende rote Zahlen auf, Defizite, die sich immer gut machen bei einem gemeinnützigen Verein, der nicht auf Zuschüsse aus öffentlichen Kassen verzichten will. Es ist nicht allzu lange her, als das Deutsche Rote Kreuz in Frankfurt von der Stadt einen ausserplanmässigen Zuschlag erhielt, 30’000 Mark. Begründung: Das Deutsche Rote Kreuz in der Mainmetropole leide unter einem „akuten Liquiditätsmangel“. Das Rote Kreuz in Frankfurt hat etwa 40’000 Mitglieder. Die Firma Schmidt hat alle fest im Griff. Und weil es auch alten Zeiten noch ein paar rückständige Karteien in den traditionellen Ortsvereinen gibt, hat die Firma mit Billigung des Kreisverbandes versucht, diese alten neu zu werben – mit einem höheren Mitgliedsbeitrag natürlich und für Kartei und Provision der Werber, versteht sich. Eine in Ehren ergraute Rot-Kreuz-Dame in Frankfurt, vielfach ausgezeichnet mit Ehrennadeln und Orden für ihr ehrenamtliches Engagement in der Mitgliederwerbung – mehr als 2’500 Menschen hat sie an das Rote Kreuz gebunden -, sie hat ihre Aktivitäten eingestellt mit der Begründung, dass die Praxis der Firma Schmidt schamlos sei.
Nicht nur, weil das bunte und profitable Treiben von Werbefirmen in der Öffentlichkeit für Aufregung und kritische Fragen sorgte, versuchten das Generalsekretariat und das Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes, die Aktivitäten dieser Firmen zurückzudrängen. Zu häufig wurde schon angefragt, warum die Vertreter in Uniformen des Roten Kreuzes erscheinen, warum die Provisionen so stattlich sein müssen.
Die Hierarchien im Deutschen Roten Kreuz wissen ganz genau, dass das von ihren Kreisverbänden so gern praktizierte Geschäft in vielerlei Hinsicht nicht sauber ist. Es ist nicht allzu lange her, dass ein Privatunternehmer, der für das Rote Kreuz und für andere mit windigen Methoden Mitglieder wirbt, wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilt wurde. Und dass die Werbefirmen selbst nicht völlig von ihrer eigenen Seriosität und Glaubwürdigkeit überzeugt sind, beweist die Tatsache, dass sie ihren Werbern in einigen Städten sogenannte schwarze Listen mitgeben, auf denen die Namen und die Anschriften von Personen vermerkt sind, die von den Werbern auf keinen Fall angesprochen werden dürfen. Es sind Personen, von denen mit Recht befürchtet werden muss, dass sie kritisch nach dem geschäftlichen Hintergrund des freundlichen Werbegesprächs fragen. In Frankfurt zum Beispiel steht auf dieser Liste auch der Name des Feuerwehrchefs und Branddirektors Ernst Achilles, der seit vielen Jahren das Deutsche Rote Kreuz skeptisch beobachtet.

 

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