Kommerzieller Spendensammelnonsens vor Haustüren/auf Strassen (Rotes Kreuz, WWF, usw.): News aus englischsprachigen Ländern – Juni 2017/2

von kevinbrutschin

WELTWEITER KOLLAPS „IN RATEN“ DES NGO-SEKTORS: ENGLISCHSPRACHIGE LÄNDER PRESCHEN VOR 

By approaching people and pressuring them to share their details, charities may be breaking the law

Englische „chuggers“ im Doppelpack

 

Der in erster Linie durch Spendensammelfirmen ausgelöste Kollaps im weltweiten Non-Profit-Sektor hat eine neue Stufe erreicht. Die Ereignisse, vor allem auf den britischen Inseln und in Australien, wo die Strassen- und Haustür-„Fundraiser“ am verhasstesten sind, überschlagen sich erneut. Lord Grade, Chef der neuen Hilfsorganisationskontrollstelle „The Fundraising Regulator“ (die alten haben sich als unfähig erwiesen), wie der Name schon sagt spezialisiert auf Missbräuche im Spendenwesen, hat Spendensammelnde in der englischen Times vom 9. Juni 2017 als „Schurken & Cowboys“ bezeichnet. In Irland wiederum geht die Heuchelei der Non-Profit-Organisationen vorläufig weiter: Dominic Mac Sorley, Boss des irischen Hilfswerks „Concern“ hat Ende Mai im „Newstalk“ die „chuggers“ (von „charity“=Wohltätigkeit und „mugger“=Strassenräuber) verteidigt. Doch die irischen Medien lassen sich nicht mehr ins Bockshorn jagen (im Gegensatz zu vielen mit dem Non-Profit-Sektor verbandelten Medien im deutschsprachigen Raum, welche bewusst nicht mehr über Hausierende und Wegelagerer schreiben oder die beschönigten Hilfswerk-Versionen übernehmen – spannenderweise sind die deutschsprachigen Länder ja auch hauptverantwortlich für die irre Zusammenarbeit mit Face-to-Face Fundraisingagenturen – siehe Anfang von Post vom 1.10.2016). Denn „Concern“ ist auch eine der wohltätigen Organisationen, welche am meisten irische Staatsgelder bekommt, letztens 147 Millionen Euro im Jahr. Auf was der Newstalk hinweisen will: Der „Concern“-Chef getraut sich nur die „chuggers“ zu verteidigen, weil seine NGO vom Staat hofiert wird, d.h. bestens mit ihm vernetzt ist und nicht so schnell politische Sanktionen fürchten muss (siehe dazu auch taz-Beitrag über irisches Spendensammelwesen vom 19.12.2016). Wobei das in den deutschsprachigen Ländern freilich nicht anders ist.

Die krassesten Medienbeiträge – gleich drei an der Zahl (2 x vom 9. Juni, 1 x vom 11. Juni) – kommen aber von der AUSTRALISCHEN „Couriermail“. So nennt die Zeitung auch in Australien mal die Dinge beim Namen: „These so-called chuggers may be damaging the Reputation of Australia’s charities.“ Die Wohltätigkeits-Räuberei schädigt also laut Couriermail die Reputation des GANZEN australischen Non-Profit-Sektors, wie wahr! Wobei das natürlich ebenfalls weltweit gilt. Weitere krasse Aufdeckung: Es gibt vereinzelte australische Hilfsorganisationen, die inzwischen mehr Gelder in Spendensammelaktionen (im Folgejahr) investieren, als sie aktuell Spendergeld erhalten!!! Für den australischen Bundesstaat „Queensland“ gilt generell festzuhalten, dass 40 Prozent der grössten Hilfswerke fast die Hälfte der eingenommenen Spendergelder gleich wieder in neue Sammelaktionen reinvestieren! Fundraisingkosten von 70 oder 80 Prozent sind heute keine Seltenheit mehr (d.h. von einem gegebenen Spendereuro bzw. -franken fliessen nur noch 20 bis 30 Cent bzw. Rappen in Hilfsprojekte, der „Rest“ muss für unsinnige Fundraisingaktionen hinhalten). Dies natürlich, weil die Leute nicht mehr zu spenden gewillt sind (eben bspw. aufgrund von Ärger über penetrante Strassenspendensammlungen), d.h. das Missverhältnis zwischen Kosten und Ertrag wird immer grösser. Ein Teufelskreis. Und schliesslich wirft die Couriermail die Frage auf, ob der Hilfswerksektor i.d.S. nicht auch einfach zu gross geworden sei, und belegt das auch: Viel zu viele Organisationen bieten nämlich die gleichen oder ähnliche Dienstleistungen an (Behindertenhilfe, Alterspflege, humanitäre Zwecke, Krebsforschung, psychische Krankheiten). Fusionen drängen sich geradezu auf, meint die Couriermail, was ja eben vor allem der verschärfte Wettbewerb zwischen Wohltätigkeits-Strassenräubern überdeutlich aufzeige (der die Spenderschwundproblematik genau genommen nur noch verschärft, da die zwangsläufig immer aggressiver auftretenden Sammelnden die Leute nur noch mehr verprellen).

Ich will ja nicht bluffen, aber sorry: Über alles, was jetzt gross in den englischsprachigen Medien steht, habe ich schon berichtet in der Vergangenheit. Zu grosser Non-Profit-Sektor? Höre Beitrag mit mir als Experte bei Radio RaBe von 2013. Kommerzielle Spendensammelnde beschädigen Reputation des GESAMTEN NPO-Sektors? Erst gemachte Recherche. Bis zu 80 Prozent der Spendergelder gehen an Agenturen? Berechnung von letztem Jahr. Problematik von mit Staat verbandelten Hilfswerken? Siehe bspw. meinen Beitrag zur Schweizer Entwicklungshilfeorganisation „Helvetas“.

PS: OU, DAS WICHTIGSTE HABE ICH JA FAST VERGESSEN. WEIL MAN DIE HOHEN FUNDRAISINGKOSTEN UND GENERELL DAS FACE-TO-FACE FUNDRAISING DEN LEUTEN NICHT MEHR RÜBERBRINGEN KANN, OHNE DABEI AN VERSTÄNDNIS ZU VERLIEREN, WIRD SELBSTVERSTÄNDLICH GELOGEN, DASS SICH DIE BALKEN BIEGEN – GERADE IN DEN DEUTSCHSPRACHIGEN LÄNDERN. EXTREMSTE BEISPIELE: DEUTSCHE „WAZ“ VON LETZTEM DEZEMBER – WIEDER MIT BLOGBETREIBER ALS EXPERTE, WO WORLD VISION(: MIT STRASSENDRÜCKERN SEIEN DIE VERKAUFSZAHLEN GAR NICHT RÜCKLÄUFIG) UND WWF(: 12 PROZENT DER SPENDENEINNAHMEN BEI STRASSENSAMMELAKTIONEN GINGEN AN DIE FUNDRAISINGFIRMEN, IM „STERN“ WIEDERHOLT) KRASSESTE FALSCHAUSSAGEN MACHEN (KRASSE FALSCHAUSSAGEN IN DER SCHWEIZ: HELVETAS IM KASSENSTURZ, IN ÖSTERREICH: HAUPTVERANTWORTLICHE EX-GREENPEACEFUNDRAISERIN IN FUNDRAISING-FACHMAGAZIN).

ALLE WISSEN UM DEN ABGASSKANDAL BEI VW IN DEUTSCHLAND. NUR WENIGE WISSEN UM DEN (FACE-TO-FACE-)SPENDENSKANDAL IM HILFSORGANISBEREICH, WO EHRLICHKEIT „EIGENTLICH“ EINEN VIEL GRÖSSEREN STELLENWERT HÄTTE. WELCHES IST EIGENTLICH DER GRÖSSERE SKANDAL (RHETORISCHE FRAGE)?

 

 

 

 

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