Spendensammler-Kritiker im Gefängnis (März 2018/3)

von Kevin Brutschin

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Der WWF kooperiert in der CH mit der Spendensammelfirma „Corris“, in DE mit der Agentur „DialogDirect“ und auch mit „talk2move“, die zuvor in AU tätig war 

 

Ich habe ja in vorletztem Post erwähnt, dass ein Strafbefehl gegen mich vorliegt. Dies, nachdem ich in zahlreichen Beiträgen auf meiner, bzw. dieser Website und auch anderweitig in der Presse Kritik zum „Face-to-Face“-Spendensammelsystem geäussert habe (z.B. in der „Stimme“/Deutschland, im KONSUMER-Magazin/Schweiz oder in der KirchenZeitung/Österreich). Die Spendensammelnden auf Strassen/vor Haustüren sind nämlich meist nicht von den Hilfsorganisationen wie z.B. dem Roten Kreuz selbst, sondern von spezialisierten Werbefirmen, die sich dumm und dämlich verdienen mit den Sammlungen, bzw. HEUTE zwei oder sogar eher drei Jahresspenden für sich „abzweigen“ (so lange geht es, bis deren Forderungen – in der Schweiz bspw. 850 Franken oder 725 Euro im Tag pro sammelnde Person, durch DIE KONSTANT SINKENDEN Spendeneinnahmen gedeckt sind). Im Strafbefehl sind zwei Bussen gegen mich aufgelistet: Eine auf Bewährung, also eine solche, die ich verhindern kann, wenn ich aufhöre mit der Kritik (was ich selbstverständlich nicht machen werde). Und eine, die ich so oder so zahlen muss – es sei denn, ich will ein paar Tage ins Gefängnis. Zahle ich freilich auch nicht (bzw. auch wenn ich Geld HÄTTE), d.h. müsste genauer gesagt eigentlich schon lange im Knast sein. Doch die Justiz, die selbst ganz und gar nicht unabhängig in der Angelegenheit ist (Schweizer Justizministerin ist Simonetta Sommaruga, die vorher zwei Non-Profit-Organisationen vorstand, welche wiederum mit der berüchtigten Schweizer Sammelfirma „Corris AG“ kooperieren), traut sich bisher scheinbar nicht, mich einzusacken: Könnte ja noch mehr „Staub aufwirbeln“. Zumal die Zürcher Staatsanwaltschaft, die den Strafbefehl auf die von ihr gutgeheissene Strafanzeige der Corris AG ausgestellt hat, ja selbst im Fadenkreuz der Kritik steht, nachdem sie die Ermittlungen gegen einen pädophilen Gerichtspräsidenten in den eigenen Reihen eingestellt hat (siehe Post vom Januar 2018). Die Vorwürfe sind übrigens lächerlich – deshalb habe ich auf einen Kommentar des Strafbefehls gegen mich verzichtet (ich gehe davon aus, dass die Leserschaft meines Blogs genug aufgeklärt ist, um das nachzuvollziehen). Hier trotzdem noch ein Beispiel: Gleich als erstes wird bzgl. scheinbar nicht akzeptabler Ausdrucksverwendungen meinerseits moniert, ich würde die Sammelnden als „Strassenräuber“ bezeichnen. Äh, also a) rede ich genauer gesagt von WOHLTÄTIGKEITS-Strassenräubern. Und b) so werden die Sammler und Sammlerinnen vor allem ja tatsächlich in den englischsprachigen Ländern genannt!!! Man gebe den Ausdruck CHUGGERS – oder vielleicht besser CHARITY MUGGERS (=Wohltätigkeits-Strassenräuber) – bei Google ein, und schaue mal, was rauskommt: Also ich kriege 181’000 (!) Such-Ergebnisse. Wie steht’s aber mit deutschsprachigen Medien: Ist das Wort „Strassenräuber“ für solche Sammelnden auch schon verwendet worden in Artikeln? Nein, NUR der Ausdruck „Wegelagerer“, was bekanntlich genau das Gleiche bedeutet, in Österreich vom international bekanntesten Blatt „Der Standard“ sogar schon 2005 gebraucht. In Deutschland benannte z.B. der „auch noch recht bekannte“ STERN die „Drücker“ (so werden sie in Deutschland auch genannt) letztes Jahr so; Beitragstitel „Die Wegelagerer aus der Fussgängerzone“. Und in der Schweiz schliesslich sorgte das links-freundliche St. Galler Magazin „Saiten“ für meine Verteidigung. 🙂

Muss ich noch mehr dazu schreiben? Ich hoffe nicht. Mir ist’s jedenfalls zu blöd. Die Zürcher Staatsanwaltschaft drückt sich also (noch?), mich zu verhaften. Wobei es mir im Übrigen sowieso egal wäre: Ich wäre geradezu froh gewesen, wenn ich Ende Februar in den Knast hätte gehen können. Ich lebe ja schliesslich seit insgesamt dreieinhalb Jahren auf der Strasse (ohne zu betteln/ohne Ruck- und Schlafsack), wo es um diese Zeit saukalt war und ich nach heftigem, andauernden Fieber nur durch Einnahme von Antibiotika überlebt habe. Respektiv, falls es jemand vergessen hat: Ich lebe eigentlich gezwungenermassen auf der Strasse (siehe auch spezifischen Beitrag von „Ketzer Podcast“ dazu). Erstens, weil ich keine Sozialhilfe beziehen, aber trotzdem mit meinem Projekt weitermachen will (und mein eigenes Geld längst aufgebraucht ist). Und zweitens, weil ich es für besser hielt angesichts der Sammelmafia (Werbefirmen) und der in Sachen Gefährlichkeit ebenfalls nicht zu unterschätzenden Hilfsorganisationen selbst (wenn sie ihre Einnahmen gefährdet sehen) mich möglichst unsichtbar zu machen (ohne Adresse).

Doch im Fall: Ich war eh schon im Gefängnis wegen der Angelegenheit – indirekt. Denn da ich ja kein Geld mehr habe und trotzdem immer mal wieder den Zug nehmen muss, bin ich natürlich schon x-mal ohne Fahrschein geschnappt worden. Ich sass also bereits rund 14 Tage ab, wegen „Schwarzfahrens“ – wie das Zugfahren ohne Ticket in der Schweiz genannt wird. Aber ich sehe ehrlich gesagt mittlerweile auch nicht mehr ein, warum ich noch dermassen staatstreu sein soll. Die Schweizerischen Bundes Bahnen (SBB) fördern ja den Spendenbetrug, indem sie die Werbefirmen in den Bahnhöfen sammeln lassen – natürlich bekommen sie dafür auch ganz netten Batzen (in mittelgrossen Bahnhöfen bspw. 450 Franken/385 Euro „Standmiete“ pro Tagesaktion, im Bahnhof Zürich sogar 950 Franken/815 Euro). Und dass es sich bei den Sammlungen um Betrug handelt, sollte ja mehr als klar sein: Schliesslich wird ja so getan, als würden die NON-Profitorganisationen selbst hinter den Aktionen stecken, und nicht wie in Wahrheit PROFIT-orientierte Sammelfirmen (womit im Übrigen der Non-Profit-Gedanke regelrecht „pervertiert“ wird). Kurz: Die Spenderschaft wird hier glasklar „getäuscht“ (siehe dazu auch Beitrag vom 8.11.2017). Die Justiz müsste demzufolge, wenn sie zur Rechtsdurchsetzung zuständig ist – sollte eigentlich meines Wissens der Fall sein 😉 – nicht mich verfolgen, sondern gegen die kommerziellen Spendensammlungen vorgehen. Doch stattdessen agiert sie als Handlanger der Politik, welche in dieser Angelegenheit nicht Teil der Lösung ist, sondern des Problems! Denn der gemeinnützige Sektor ist derjenige mit der grössten (politischen) Lobby. Es ist doch eigentlich ganz einfach: Politiker und Politikerinnen, egal ob ehemalig oder amtierend, haben alle ein übersteigertes Bedürfnis nach gesellschaftlicher Anerkennung. Und wo gibt es mehr von dieser, als durch das Engagement für die gute Sache bei einer Hilfsorganisation; als Vorstands- oder Stiftungsratsmitglied (vorzugsweise PräsidentIn), als Botschafter, als Patron oder was auch immer. In England ist der ehemalige Premierminister David Cameron nun Präsident der Alzheimer Society (arbeitet „natürlich“ mit Face-to-Face Fundraisingagentur zusammen), in Deutschland amtet Ex-Vizekanzler Franz Müntefering ebenfalls als Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes (der vor allem durch die Kooperation mit haustürsammelnden „Drückerkolonnen“ in Verruf geraten ist) und in der Schweiz ist Bundesrat Ignazio Cassis (Simonetta Sommaruga habe ich ja schon genannt) bspw. bis zu seinem Antritt im Stiftungsrat des auf Corris setzenden Hilfswerks „Fairmed“ gewesen. Und so weiter und so fort.

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